Griechenland: Trichet lehnt jeden Zahlungsausfall ab

07.07.2011 | 17:49 |   (DiePresse.com)

Die EU-Staaten bereiten sich auf begrenzte Zahlungsunfähigkeit der Griechen vor. Das EZB übt ebenfalls harte Kritk an den US-Ratingagenturen.

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Die Europäische Zentralbank bleibt trotz wachsenden politischen Drucks bei ihrer harten Haltung zu einer sanften Umschuldung für Griechenland. Die EZB lehne eine Beteiligung privater Gläubiger ab, die dazu führe, dass Griechenland für zahlungsunfähig erklärt werde, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. "Ein Kreditereignis oder begrenzter Zahlungsausfall - wir sagen Nein. Punkt", betonte Trichet, ausdrücklich an die Adresse der politischen Entscheidungsträger. Auch bestehe die Zentralbank weiterhin auf eine freiwillige Beteiligung.

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EZB kommt auch Portugal entgegen

Die EZB ist zugleich aber bereit, den Schuldenstaaten entgegenzukommen und ihre Regeln zu Sicherheiten für Kredite an Banken weit auszulegen, solange es nicht um eine offizielle Pleite geht. Wie schon bei Griechenland und Irland will die Notenbank nun auch bei Portugal von ihren strengen Grundsätzen abgehen und Staatspapiere unabhängig von der Ratingnote als Sicherheit anerkennen.

Trichet nutzte die Gelegenheit für eine vergleichsweise harte Kritik an den Ratingagenturen. "Es ist klar, dass eine kleine oligopolistische Struktur nicht wünschenswert ist auf der Ebene des globalen Finanzsystems", monierte der oberste Währungshüter der Euro-Zone. Die Arbeitsweise der Bonitätswächter wirke pro-zyklisch und dies sei nicht optimal.

Zeitlich begrenzte Zahlungsunfähigkeit

Unter den nördlichen Euro-Ländern setzt sich die Ansicht durch, das Urteil der Rating-Agenturen über eine sanfte Umschuldung Griechenlands ignorieren zu können. Neben Deutschland ist auch die Regierung der Niederlande der Meinung, dass eine Bewertung Griechenlands als zeitlich begrenzt zahlungsunfähig hinzunehmen wäre. Finanzminister Jan Kees de Jager sagte der Zeitung "Het Financieele Dagblad", eine freiwillige Beteiligung der Banken sei ohnehin nicht realistisch. "Wenn ein verpflichtender Beitrag der Banken zu einem kurzen, isolierten Rating-Ereignis führt, ist das nicht so schlimm, weil Griechenland derzeit sowieso nicht an den Kapitalmarkt gehen kann", ergänzte er. Trichet sagte dagegen, Hilfsaktionen für überschuldete Länder würden nach internationalen Regeln immer darauf abzielen, ein Land so schnell wie möglich zurück an den Kapitalmarkt zu bringen.

 

(APA/Ag.)

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5 Kommentare
Gast: grau
07.07.2011 20:29
0

LE TRICHEUR



reitet uns wieder in den abgrund- AB MIT IHM !

Gast: Sepherl
07.07.2011 18:50
0

Mein Gott, lasst sie endlich pleite gehen...

Wie lang müssen Trichet & Co. denn noch herum diskutieren, bis das offensichtliche eingestanden wird?

Gast: guemas67007
07.07.2011 18:28
1

EZB-Chef Trichet irrt...

Der Fall Griechenland zeigt doch allzu deutlich den Weg:
Raus aus der Eurozone, die eigene Währung dann abwerten und die Investoren sind da... Dies würde ich auch Portugal und Spanien empfehlen! Das Beispiel Türkei zeigt, dass man so Krisenzeiten mit einer in sich wieder im Aufbau befindlichen Wirtschaft besser durchtaucht! ABER MAN WILL ALLES DURCHBOXEN! Wie mit Scheuklappen behaftet, werden weitere Schritte unternommen, einen Dominoeffekt zu erzeugen..... Ich gratuliere dem EZB-Chef Trichet zu dieser Glanzleistung!

Gast: Bärenfalle...
07.07.2011 18:06
1

Staatspapiere unabhängig von der Ratingnote als Sicherheit anerkennen

Einfach gesagt, Trichet monetarisiert ab jetzt jeden Müll, unabhängig vom Rating.


Griechenland: Trichet lehnt jeden Zahlungsausfall ab

wie soll das denn gehen ?
Nicht die Ratingagenturen (so sehr ich diese auch bezweifle) haben schuld an der Missäre, sondern Leute wie dieser Trichet belasten alle anderen Länder, nur um jemanden einen Gefallen zu tun !

Der gesamte ÄhUh-schmäh ist gescheitert, seit man selbst auferlegte Gesetze gebrochen hat und weiterhin zum alleinigem Wohl einiger Banken weiterhin brechen will !

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