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Europa hat keine Lösung für die Länder der Peripherie

07.07.2011 | 18:13 |   (Die Presse)

Auch die Nachzügler in Osteuropa finden heuer endlich aus der Rezession. An die Wachstumsraten von vor der Krise können die meisten Staaten aber nicht anschließen. Sorgen bereitet die Instabilität der Eurozone.

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Wien/Auer. Drei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise werden heuer auch die letzten Staaten in der früheren Boomregion Mittel- und Osteuropa aus der Rezession finden. Länder wie die Türkei, die zu Jahresbeginn mit einem Wachstumssprung von elf Prozent überraschte, bleiben aber die Ausnahme. In den meisten Staaten kommt die Wirtschaft nur schleppend auf Touren. In den kommenden zwei Jahren werden sich die Wachstumsraten in der Region bei unter fünf Prozent einpendeln, schätzen die Ökonomen vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).

 

„Zehn verlorene Jahre“

„Einige Länder haben zehn Jahre im Aufholprozess verloren“, sagt Peter Havlik vom WIIW. Die Region werde zwar weiter schneller wachsen als der Rest Europas, aber deutlich langsamer als vor der Krise. Den jüngsten Aufschwung verdanken die Länder vor allem der starken Nachfrage aus dem Westen. So exportieren die Staaten heuer bereits mehr als vor der Krise.

Die Bevölkerung bekommt davon allerdings wenig zu spüren. Die Arbeitslosenraten bleiben unverändert hoch. Am höchsten ist sie heuer in Litauen (16 Prozent) Lettland (15,5 Prozent), Estland und der Slowakei (13 Prozent). Daran dürfte sich laut Ökonomen auch so bald nichts ändern: Die Beschäftigung werde nur langsam in Gang kommen. Und auch nur dann, wenn der Aufschwung anhält.

Die Unsicherheitsfaktoren für die wirtschaftliche Erholung in der Region sieht das WIIW in der steigenden Inflation und in der momentanen Schuldenkrise etlicher Mitglieder der Eurozone. Sollte das Problem von Griechenland und Portugal auf andere Eurostaaten übergreifen, werde ganz Osteuropa „politisch und wirtschaftlich“ darunter leiden, schreiben die Autoren.

 

„Kontrolle der Kreditexpansion“

Was Europa fehle, sei eine Antwort auf die Probleme der Länder der Peripherie, sagt Michael Landesmann vom WIIW. Das gelte für die Eurozone genauso wie für die Staaten Mittel- und Osteuropas.

Denn bis zur Krise hätten sich viele Länder Osteuropas ähnlich entwickelt wie Griechenland oder Portugal. Anders als in anderen Schwellenländern hätten vor allem die Privaten enorme Schulden angehäuft. Diese „starke und fehlgeleitete Kreditfinanzierung“ habe allerdings „keine Basis für stetes Wachstum“ gelegt, sagt Landesmann. Er fordert eine „Kontrolle der Kreditexpansion über Grenzen hinweg“. Derzeit sind die Banken in Osteuropa aber sehr restriktiv bei der Vergabe neuer Kredite.

Die Gefahr, dass die Länder Osteuropas in ähnliche Probleme rutschen wie Griechenland, sehen die Ökonomen nicht. Im Gegensatz zu den „Problemstaaten“ der Eurozone hätten sich die meisten Staaten Osteuropas (mit Ausnahme Ungarns) nur gering verschuldet. Die öffentlichen Schulden liegen meist unter 45 Prozent des BIP. Damit ist der relative Schuldenstand etwa halb so hoch wie im Schnitt jener der westlichen EU-Länder.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2011)

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