24.05.2013 18:05 Merkliste 0

Griechen haben schon einmal höhere Zinsen überstanden

08.07.2011 | 18:36 |  FABIAN GREIMEL (Die Presse)

Schon Anfang der Neunzigerjahre musste sich die Athener Regierung mit Spreads von fast 18 Prozent refinanzieren. Abwertungen der eigenen Währung halfen damals, um die Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien. Knapp 14 Prozentpunkte mehr müsste der griechische Staat heute für neue zehnjährige Anleihen zahlen als Deutschland – wenn nicht EU und IWF mit ihren Hilfsgeldern einspringen würden. Bei einer Staatsverschuldung von mehr als 150 Prozent des BIPs ist das keine Sache, die man auf die leichte Schulter nehmen könnte. Gedankt sei den internationalen Gönnern, die die Griechen dem Druck der verunsicherten Finanzmärkte entziehen.

Die Griechen würden aber keineswegs Neuland betreten: Schon Anfang der Neunzigerjahre musste sich die Athener Regierung mit Zinsaufschlägen von fast 18 Prozent gegenüber deutschen Staatsanleihen refinanzieren. Und der Schuldenstand blieb trotzdem einigermaßen konstant. Gerhard Rünstler, Experte für europäische Wirtschaftspolitik beim Wifo, erklärt die hohen Aufschläge einerseits mit dem allgemein höheren Zinsniveau und andererseits mit dem Währungsrisiko. Zu dieser Zeit hatte Griechenland mit seiner eigenen Währung noch die Möglichkeit, durch eine Abwertung den relativen Preis seiner Exportwaren zu senken, und die Wirtschaft damit wettbewerbsfähiger zu machen.

Abwertungsrisiko eingepreist

Dieses Instrument wurde auch eingesetzt, Investoren preisten daher die möglichen Verluste, die durch Abwertungen entstehen konnten, durch die Zinsaufschläge ein. Griechenland konnte sich mit Abwertungen seiner Währung eines Teiles der realen Zinslast entledigen, erklärt Georg Winckler, Ökonom und Rektor der Universität Wien. Die Zinsdifferenz zwischen deutschen und griechischen Anleihen spiegelte also nicht bloß das Ausfallrisiko wider, wie das heute der Fall ist, sondern zu einem größeren Teil auch die Wechselkursrisken.

Jedoch spürte die Athener Regierung die hohen Zinsen nicht in vollem Ausmaß: Die hohen Werte fanden nur bei neu ausgegebenen Anleihen Anwendung.

Die Belastung war verglichen mit der heutigen dennoch groß: Zwischen 1993 und 1996 musste die Athener Regierung ca. zehn Prozent des BIPs für Zinsen aufwenden. Für heuer und nächstes Jahr schätzt die OECD nur 5,6 Prozent. Nicht zuletzt aufgrund der billigen Kredite von EU und IWF gibt Griechenland heute relativ zum BIP weniger für den Zinsendienst aus als damals. Doch kam den Griechen Anfang der Neunzigerjahre die Geldentwertung zugute: Zwischen 1991 und 1995 stiegen die Preise durchschnittlich um 12,5 Prozent pro Jahr. Damit wurde ein Teil der Schuld weginflationiert, so Wifo-Experte Rünstler.

 

Importierte Stabilität als Problem

Als Griechenland der Eurozone beigetreten war, war das Land in seiner Flexibilität eingeschränkt. Es konnte weder mit dem Wechselkurs bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit nachgeholfen werden, noch konnte die Geldmenge erhöht werden, um den Wert der Schulden zu senken – mit dem Euro hatte man die Hartwährungspolitik Deutschlands übernommen.

Gleichzeitig lösten die nun auf nahe null gesunkenen Zinsaufschläge einen Investitionsboom aus. Die griechische Wirtschaft konnte die hohe Nachfrage nicht sättigen, weshalb ein großer Teil des Geldes in Importe floss. Der Grundstein für wachsende Leistungsbilanzdefizite und der damit verbundenen steigenden Auslandsverschuldung war damit gelegt, analysiert der Wifo-Ökonom. Selbst in der Niedrigzinsperiode gab es hohe Budgetdefizite bei den griechischen Staatsfinanzen. Als dann die Zinsen in der Krise wieder zu steigen begannen, erreichten die Budgetdefizite Höhen von bis zu 15 Prozent des BIPs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr zum Thema:

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

16 Kommentare
Gast: massive Kritik aus dem Publikum
10.07.2011 16:53
0 0

wie war das verhältnis?

12% zu 14% oder 15% ist fast wurscht (zwar genauso wucher, aber in zahlen nicht so auffällig).
1,5% zu 8% oder <12% ist nach unserem recht wucher.
guten morgen, genossen und burschies aller couleur!

Gast: Vakuumhirne an der Macht
09.07.2011 13:59
0 0

"Stuttgart 21" als einzige Rettung für uns Steuerzahler

OHNE den Euro könnten die Griechen abwerten,
MIT dem Euro (der Euro-Fehlkonstruktion) reißen sie auch uns in den Abgrund ("schwarzes Loch" Euro-Rettungsschirme wegen Dominoeffekt).

OHNE EU ginge es uns so prächtig wie den Schweizern.

Vranitzky, Ederer, Maria Berger kassieren dafür eine fürstliche Apanage.

Schon der k.u.k. Botschafter Prokesch von Osten beschrieb im 19. Jh. das korrupte Finanzdebakel Griechenlands. Wie prophetisch!

Die Herrschaften, die aus der Geschichte nichts lernen und auch sonst fast nix wissen, werden in die Politik entsorgt - wir von ihnen geplündert.

Daher "Stuttgart 21" (viele Videos auf YouTube) als Ausweg.

0 0

Die Griechen sind Angsthasen!

Sie trauen sich nicht aus dem Euroraum abzutrennen. Das ist aber deren Tod. Sie müssen mehr Selbstvertrauen zeigen...

Antworten Gast: gngn
09.07.2011 13:11
0 0

Re: Die Griechen sind Angsthasen!

das wirkt nicht...

1 0

Griechen haben schon einmal höhere Zinsen überstanden

womit all die Lügen aus Brüssel als Lüge bewiesen angesehen werden können und sollen !

Dieses Land legte sich nach dem Beitritt in die Hängematte und macht wie auch die Banken welche dort involviert sind, auf Kosten anderer munter weiter!

Antworten Gast: gaehngaehn
09.07.2011 13:11
0 1

Re: Griechen haben schon einmal höhere Zinsen überstanden

*gaehn*

Bei der Einführung des EUR

wurde auf solche Szenarien bereits hingewiesen. Denn, im Gegensatz zu den politischen Wunschvorstellungen der Vereinheitlicher, sind weder alle Menschen, noch alle Staaten (Verwaltung, Wirtschaftssysteme, ...) gleich.

Obwohl diese Fakten nun ziemlich klar zu Tage treten, werden sie aber weiterhin ignoriert und jene, welche das aussprechen als Terroristen und Hetzer verunglimpft (die N-Keule fehlt noch), und mit Vollgas und falsch verstandener Solidarität(?) Milliarden fremden Geldes verbrannt.

Eine tatsächliche Hilfe zu einem "Neuanfang", zumal wenn man auf die Bürger Rücksicht nimmt, sollte anders aussehen. Die Optik dieses politischen EU-Stehgreiftheaters ähnelt daher immer mehr einem verzweifelten Versuch des Erhalts der eigenen Positionen in der EU, was er letztendlich auch, zumindest teilweise, sein wird.

Denn alle anderen Varianten, von Einhaltung bestehender Verträge, über Drachme bis Haircut, würden höchstwahrscheinlich eine gar nicht so geringe Anzahl an politischen EU-Versorgungsplätzen bei EZB und in Brüssel obsolet machen.

Gast: Pjotr G
09.07.2011 10:48
0 0

Dann muss Griechenland wettbewerbsfähiger werden

denn das ewige Abwerten hätte nicht ewig geholfen.

Gast: Eurrora
09.07.2011 10:29
0 0

Griechenland taumelt von einer Pleite in die Andere

und ALLE Anderen sind SCHULD nur die Griechen nicht .Ein Seltsames DEMOKRATIE Verständnis.

3 0

Tja und was geschah damals?

Nichts. Griechenland wertete einfach seine notorisch weiche Drachme ab, es gab keine Massenproteste, keine illegalen Transferzahlungen der anderen EU-Länder und Griechenland war kurz danach wieder so halbwegs wirtschaftlich konkurrenzfähig.
Die Menschen in den Weichwährungsländern hatten sich übrigens auch schon auf die Weichheit ihrer Währungen eingestellt und meist einen großen Teil ihrer Löhne in harte Wahrungen als Bargeld-Reserve umgetauscht. Jedenfalls waren alle halbwegs glücklich und zufrieden.

Doch wie sieht es heute aus? Anstatt Griechenland einfach aus der Euro-Zone zu schmeißen, deren Zutritt es sich ohnehin nur betrügerisch erschlichen hat, dürfen wir alle Milliarde auf Milliarde in ein Fass ohne Boden schmeißen. Dafür gibt es Massenstreiks und Proteste der griechischen Bevölkerung, Lügen der Euro-Politiker die offen Rechtsbruch (No Bailout-Klausel) begehen, nur um ihr Euro-Luftschloss nicht aufgeben zu müssen und Märkte die sich von dieser Geldverbrennung trotzdem nicht beeindrucken lassen. Die einzigen die sich ins Fäustchen lachen sind die Banken, die für ihre eigentlich wertlosen Griechenland-Staatsanleihen fette Zinsen ohne Ausfallsrisiko kassieren.

Werft Griechenland aus der Eurozone und führt die Drachme wieder ein. Ein Land dessen ganze Wirtschaft und Gesellschaft auf ein Weichwährungssystem ausgelegt ist, braucht eben eine weiche Währung!

Gast: route66
08.07.2011 22:21
0 0

THE GAME IS OVER

Die gesamte Welt erhöht derzeit die Schulden in einem Jahr um ca. 10 Billionen bei einem gesamt BIP von 60 Billionen.
Die Politik kann den Raubzug einstellen, und über das Geldsystem insgesamt nachdenken.
Alle derzeitigen Aktivitäten sind sinnlos.
Schulden mit noch mehr Schulden zu reparieren führt zu ?????
Für den kleinen Mann ist Geld von der Bank abholen angesagt, bevor es zu spät ist.

Re: THE GAME IS OVER

Ja, aber er sollte es nicht zu Hause liegen lassen, sondern dafür etwas kaufen, was man nach eine "großen Währungsreform" wieder zu (dann geltendem) Geld machen kann.

Gast: grau
08.07.2011 21:40
1 0

DAS MÜSSTE ALLES NICHT SEIN,



ginge uns gar nichts an, wenn unsere dodln uns nicht mit denen zusammenspannen würden !

was macht die SLOWAKEI ?

keinen fehler ! DAS macht die slowakei !

aber WIR werden ja vom feind regiert !

Antworten Gast: gestimmt
09.07.2011 13:09
0 0

Re: DAS MÜSSTE ALLES NICHT SEIN,

ihr habt auch für die eu gestimmt


Antworten Gast: geni
09.07.2011 13:09
0 0

Re: Ratingagenturen

genial!

Hobbyökonom