Euro: "Anti-Ansteckungsprogramm" kommt

12.07.2011 | 06:39 |   (DiePresse.com)

Marathon-Sitzung in Brüssel: Die Finanzminister einigen sich auf eine Umgestaltung des Euro-Rettungsfonds und eine Beteiligung des privaten Sektors am zweiten Griechenland-Hilfspaket. Der Euro fiel auf unter 1,40 Dollar.

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Die Euro-Finanzminister haben sich am Montag knapp vor Mitternacht nach stundenlangen Beratungen auf ein "Anti-Ansteckungsprogramm" geeinigt, um eine Ausbreitung der griechischen Schuldenkrise auf Länder wie Italien und Spanien zu verhindern. Der Vorsitzende der Eurozone, Jean-Claude Juncker, betonte, es gehe "einfach darum, alles zu machen, um die Finanzstabilität der Eurozone zu gewährleisten". Deshalb soll der Rettungsfonds für klamme Eurostaaten neue Aufgaben bekommen, erklärten die Minister nach über achtstündigen Marathon-Beratungen in Brüssel.

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Die Ressortchefs sicherten außerdem zu, im Schnellverfahren ein neues Hilfspaket für den Schuldensünder Griechenland aufzulegen. "Es wird dabei auch eine Einbeziehung des privaten Sektors geben", erklärte Juncker mit Blick auf Banken und Versicherungen. Diese sollen Milliardenlasten des Pakets mittragen.
Details sind laut Diplomaten immer noch umstritten.

 

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) will den bisher eingeschlagenen Pfad im Kampf gegen die Eurokrise "verbreitern und ergänzen". Fekter sagte, es seien bei der Eurogruppe am Vortag verschiedene Beteiligungsmodelle des privaten Sektors diskutiert worden. "Das sind unterschiedliche Modelle, die wir uns hinsichtlich ihrer Wirkung anschauen müssen - vor allem welchen Nutzen sie konkret für die maroden Staaten bringen, aber auch für jene Länder, die diesen Staaten helfen".

Juncker kündigte eine Entscheidung zum neuen Hilfspaket "in Kürze" an. Der neue französische Finanzminister Francois Baroin sagte, es könnte sich dabei um Tage oder einige Wochen handeln. Die Minister versicherten jedenfalls ihre "absolute Bereitschaft, um die finanzielle Stabilität der Eurozone zu sichern".

Die Summe für das neue Rettungspaket steht noch nicht fest. Es wird spekuliert, dass es bis zu 120 Milliarden Euro umfassen wird. Laut Erklärung sollen die Bedingungen für das krisengeschüttelte Griechenland erleichtert werden, damit die Kosten zum Bedienen der Staatsschuld sinken.

IWF-Chefin Christine Lagarde erklärte dagegen, ihre Institution sei noch nicht bereit, über Bedingungen eines zweiten Hilfspakets zu diskutieren.

Niedrigere Zinsen für Risikoländer

In dem "Anti-Ansteckungsprogramm" sei vor allem eine Ausweitung des Anwendungsbereichs des herrschenden Euro-Rettungsfonds (EFSF) besprochen worden. Dabei gehe es einerseits um eine Verlängerung der Laufzeiten und andererseits um Zinssenkungen. "Das wird Griechenland entscheidend helfen", so Juncker. Wie diese neue Flexibilität des EFSF konkret aussehen werde, könne er heute aber noch nicht sagen. Die Details müssten noch ausverhandelt werden.

In jedem Fall sollen die Möglichkeiten niedrigerer Zinsen und längerer Laufzeiten jenen Ländern zur Verfügung stehen, die gemeinhin als Bail-Out-Staaten bezeichnet werden, so der Eurogruppen-Chef.

EFSF: Auch Staatsanleihen von Privaten?

EU-Währungskommissar Olli Rehn schloss nicht aus, dass der EFSF-Fonds künftig auch Staatsanleihen von Privatgläubigern kaufen oder Schuldenländern den Rückkauf eigener Anleihen ermöglichen könnte. Bisher ist das nicht möglich. "Wir schließen keine Option aus", sagte der Finne. Die Europäer hatten erst vor einigen Wochen beschlossen, die Garantien für diesen Fonds auf 780 Milliarden Euro auszuweiten. Offen blieb in der Erklärung, ob dieser Betrag weiter steigen könnte.

Am Rande der Gespräch hieß es, im Streit über die Beteiligung der Privatgläubiger gebe es kaum Bewegung. Die beiden Hauptgegenspieler - Deutschland und die EZB - gingen nicht von ihren Positionen ab. Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou hatte in einem Brief an Juncker signalisiert, dass die Initiative der Beteiligung privater Gläubiger nichts tauge.

Auf die Situation Italiens angesprochen, das nach Berichten ebenfalls im Schuldenvisier steht, winkte Juncker ab. Darüber sei nicht spezifisch gesprochen worden. Rehn gab jedoch zu: "Wir sind sehr besorgt über die jüngsten Marktentwicklungen." IWF-Chefin Lagarde schlug in die gleiche Kerbe: "Italien hat ganz klar im Moment mit Problemen zu tun, die im wesentlichen von den Märkten befeuert wurden", so die neue IWF-Chefin. Einige der Wirtschaftsdaten des Landes seien nämlich "exzellent".

Heute wird weiterverhandelt

Heute, Dienstag, (ab 9 Uhr) werden sich die EU-Finanzminister vor allem mit einer einheitlichen Linie zu den Ergebnissen der zweiten Runde der Banken-Stresstests befassen.

(Ag.)

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80 Kommentare
 
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Gast: infantil
13.07.2011 06:35
0

Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) will den bisher eingeschlagenen Pfad im Kampf gegen die Eurokrise "verbreitern und ergänzen".

"verbreitern und ergänzen" also im klartext:
sie haben eine noch breitere und ergänzende hohe monetäre hilfspaket beteiligung auf kosten einer zukunft unserer söhne und töchter und der österreichischen rentengelder vor.

Gast: trader1
12.07.2011 22:20
0

hm ...

stell ich mir lustig vor .. jeder wird vor begin der sitzung vom junker geimpft :-)


Gast: amarie
12.07.2011 20:11
0

naja. viel quaqua aber nichts was was taugt.

ich möchte jedenfalls die heimischen medien ersuchen, ihre für spekulanten relevante berichterstattung dahingehend zu optimieren, daß es zum vorteil europas und des euro ist, und nicht zum nachteil, wie gehabt.

man könnte doch z.b. den bankrott eines nicht-EU landes heraufbeschwören, wenn das nun schon unbedingt sein muß um dieses pestige pack zufriedenzustellen.
papier und bildschirme sind ohnehin unendlich geduldig.

"Anti-Ansteckungsprogramm", 780 Milliarden Euro

wieviel Geld ist denn das??

Befürchte der Durchnittsangestellte verdient in absehbarer Zeit 142.000 Euro/Monat und kann sich dafür 2l Milch und einen Wecken Brot kaufen

Re:

Wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Wann melden sich endlich die Bürger.
Sind die Ägypter mutiger als die Bürger EUROPAS ????

Radikalkur gegen VERSCHWENDUNGS-SYNDROM

Was wir brauchen ist eine Radikalkur gegen die unter Politikern weit verbreitete Krankheit namens VERSCHWENDUNGS-SYNDROM. Dies ist nämlich die triviale Ursache der Krise, während Spekulanten und Ratingagenturen nur fiebrige Begleiterscheinungen sind.

Gast: Vogel Strauss
12.07.2011 13:58
0

Kreative Namensgebung

Immerhin etwas! Wenn sich die Minister in ihren Marathonsitzungen sooo für uns aufopfern, kommen ja wirklich tolle Namenskreationen raus - Anti-Ansteckungsprogramm AAP, englisch Anti- Infection-Scheme??

"Anti-Ansteckungsprogramm"

Geniale Idee!
Aber leider nicht genial genug. Es wird eine "Anti-Naturgesetzprogramm" notwendig werden!
Etwas, was über die Zeit mit einem Prozentsatz seiner selbst wächst, wächst exponentiell. Auch wenn sich die Zinsgläubigen anderes wünschen: unbegrenztes exponentielles Wachstum ist in einem begrenzten System, wie unser Planet nun mal eines ist, nicht möglich. Naja, wird wohl noch ein Bißchen brauchen, bis diese Erkenntnis ankommt...

http://www.banken-volksbegehren.at

Gast: schluzzmitluztig
12.07.2011 12:45
2

Nach den Vorzügen von "Geld", machen wir nun

halt vorwiegend mit den Nachteilen dieses Instruments Bekanntschaft.

Wenn Geld sich so sehr von der Realwirtschaft, von Arbeit bzw. Leistung entfernt; wenn mehr oder weniger unproduktive "Leistungen" in Medien, Sport etc. extrem hoch bewerten werden, was sie im Vergleich gar nicht leisten, wenn Kredit- / Investgeschäfte mit horrenden Renditen jonglieren, dann zieht dies die ganze Wirtschaft nach unten.

Die Politik läuft nur mehr hinterher, weil einerseits der Sachverstand dazu fehlt und anderseits der Mut dagegen zu halten. So bleibt dann nur mehr der Rat der eigeninteressierten Experten in der Finanzwirtschaft und die Katastrophe nimmt ihren Lauf.

Man sollte sich schon mal für die Ausgabe von Lebensmittelmarken vorbereiten, gleichfalls für die Verstaatlichung der Banken und Energiewirtschaft, denn von nun an gehts bergab.

Eine so wenig zur Reform bereite Regierung, bei gleichzeitig so erheblichen Reformbedarf in der Verwaltung, sowie bei den Staatsausgaben ins Gesundheitswesen und Pensionssystem, so wird diese Krise auch hier einschlagen.

Statt sich bei Banken mit hohen Zinsen Geld zu leihen, sollten der Staat einerseits sich mehr Geld holen durch niedrigere Zinsen beim Bürger bzw. auch durch Steuern, nämlich dort, wo etwas zu holen ist und da gibt es genug Leute, die mehr auf der Kante haben, als sie und ihre Kinder ausgeben können bzw. selbst verdienen konnten.

Der Staat ist nicht dazu da, Banken und ihren Eigentümern zu noch mehr Gewinnen zu verhelfen!

Re: Nach den Vorzügen von

"nämlich dort, wo etwas zu holen ist und da gibt es genug Leute, die mehr auf der Kante haben" ???

Sie wollen eine Doppelbesteuerung für die Deppen, welche ihr Geld nicht rasch genug ausgegeben haben, also ein so genannte Deppensteuer? Eine Lösung gegen Überschuldung in Form von Zwangseingliederung von Sparern, etc. in den Geldverschwendungsprozess?

Super, sind Sie bereits Regierungsmitglied?

Re: Re: Nach den Vorzügen von

Ihr Vorposter mag sich etwas provokant ausgedrückt haben - aber wenn unsere Währung den Bach hinuntergehen sollte, wird´s ungefähr so kommen, wie er´s schreibt.
Wir werden´s dann eher Inflation nennen. Das Ergebnis ist aber das gleiche.
Die Frage ist also eher: Wird´s vorher passieren um ggfs. noch was zu retten, oder nachher (von selbst). Wobei ich nicht der Meinung bin, unsere Währung mit Österreichischen Vermögenssteuern (nicht mal gesamteuropäischer) retten zu können. Da braucht´s schon ganz andere Kaliber.

Re: Re: Re: Nach den Vorzügen von

Wie bereits angedeutet, Vermögenssteuer ist für mich (obwohl davon eher nicht betroffen) ein ziemlich "gefhärliches Eisen".

Es beginnt mit "was ist Vermögen"? Nur Bargeld (am Konto), Wohnbesitz, Firmenbesitz (nicht Aktien), ....?

Und es geht weiter mit "Bargeld ist schnell wo anders" (Telebanking), Besteuerung von Besitz ist kein Abschöpfen eines vorhandenen Betrages sondern führt eher zum Verlust dieses "Vermögens" durch Kreitaufnahme bzw. Verkauf oder Schliessen (Firma), ...

Aber schon klar, ist die Kuh (Staat) gestorben, sterben die Kälber (Bürger) meistens auch.

Re: Re: Re: Re: Nach den Vorzügen von

Sehe ich alles genauso. Vermögenssteuer, deren Definition und Erhebung halte ich für genauso "gafährlich" wie Sie. Und den letzten Satz merke ich mir;-)

Zum Verschieben von Geld via "Telebanking" udgl. wäre ich allerdings misstrauisch genug um dem Staat (wenn´s wirklich hart auf hart geht) zuzutrauen, derlei Kontobewegungen aus der näheren Vergangenheit "auszuwerten".

Wenn man gedanklich jedoch wie oben von einem Währungszusammenbruch ausgeht, wäre dieser so umfassend, dass auch jeglicher Fluchtversuch grotesk wäre. Das meinte ich damit, dass Vermögen in einem solchen Fall ohnehin nicht mehr "auf der Kante" liegt. Also entweder direkt wegbesteuert oder durch Inflation entwertet ist.

Re: Re: Re: Re: Re: Nach den Vorzügen von

D.h., etwas provokant formuliert, wer tatsächlich (Bar-) Vermögen in einer gefährdeten Währung hat soll rechtzeitig die Kurve kratzen und seinem Vermögen hinterher reisen (Mittelpunkt der Lebensinteressen mehr als 6 Monate im Zielland haben).

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Nach den Vorzügen von

Ich gehe eher davon aus, dass wenn z.B. ein Euro wirklich implodieren sollte, das wiederum so tiefgreifend wäre, dass das globale Finanzsystem den Bach hinunter geht. Schliesslich ist´s ja auch um den USD nicht so gut bestellt.
Es wäre also egal, wer wohin verreist. Das Ergebnis wäre überall anders auch nicht besser.

Ich gebe aber zu, derart grosse Zusammenhänge nicht zu durchschauen - ist also nur ein Gedanke.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Nach den Vorzügen von

Nachdem die Welt schon einige, auch große Staatsinsolvenzen überlebt hat, wird auch hier das Leben weiter gehen.

Wenn man bleibt sind aber die Gewinner und Verlierer einer Staatsinsolvenz = Abwertung vorprogrammiert:
a) Schuldner = Gewinner
b) Gläubiger = Verlierer

Gast: töklan
12.07.2011 11:29
3

Wenn man so dämlich ist, dass man Banken

die für dieses ganze Desaster mitverantwortlich sind, auch noch zu jenen macht, die durch hohe Zinsen mitverdienen, dass Staaten gerettet werden, statt den Staaten dies direkt von der EZB zu niedrigem Zins zu geben, dann darf man sich nicht wundern.

Die Geldmenge ist ja ohnehin zu eine Luftnummer geworden.

Re: Wenn man so dämlich ist, dass man Banken

Ganz wichtiger Punkt. Aber warum ist das so? Warum lässt man Banken an der Zinsdifferenz zwischen 1,5% und Anleihenkupon (bis 16%) verdienen?
Glauben Sie wirklich, dass das aus Dummheit passiert?

Lachen Sie über meine Naivität, aber ich habe diese Frage tatsächlich an unsere Vertretung gestellt. Und Antwort bekommen (sinngemäss):
Die EZB ist in Besitz der Euro-Staaten, somit in Staatsbesitz. Der Staat und somit die Politik soll keinen Einfluss auf Kreditvergabe ausüben.

Da niemand so dumm ist, den Fehler dieser Argumentation - v.a. im Lichte der aktuellen Entwicklung (Rettungsschirm etc. etc.) - zu sehen, gibt es nur eine Schlussfolgerung:
Ja, die halten uns wirklich für so dämlich.

So ein "Anti-Ansteckungsprogramm" ist dringend notwendig...

...dass sich die Euro-Finanzminister und EU-Politiker nicht gegenseitig anstecken - mit ihrer Inkompetenz, ihrem Aktionismus und dieser Wichtigtuerei.

...dass die Banken mit iheren faulen Krediten nicht die Realwirtschaft und Staatsbürger "anstecken".

Lasst die Zinsen laufen, lasst die Insolvenz Staatsbankrott sein und die Gläubiger die Dummen sein. Die haben das Geld verborgt und die hohen Zinsen kassiert, nicht wir.

Einmal eine "blöde" Frage zur Diskussion:

Bei den diversen politischen Panikreaktionen vermehren sich die Milliarden für die diversen Rettungspakte mittlerweile bereits schneller als die berühmten Kanichen.

Aber wieviel Milliarden an Geld gibt es eigentlich tatsächlich in EUR dafür? Denn einige Miliiarden werden ja auch noch im täglichen Umlauf sein. D.h., wird hier eventuell sowieso schon nur mehr in der Abteilung "Wolkenkuckkucksheim" geschwaffelt?

Und was passiert eigentlich wenn das schlagend wird und die Geldmenge auf dem Papier(!) der Rettungsschirme gar nicht vorhanden ist? Dann Druckerpresse an und Entschuldung über Megainflation?

Da eine Vernunftentscheidung offensichtlich weiter in den Sternen steht, sollte man wahrscheinlich auch über ein mögliches bzw. gar nicht so unwahrscheinliches "anderes Ende dieser Rettungsszenarien" erntshafter nachdenken.

Die Frage ist garnicht blöd.

Die kurze Antwort lautet: das Geld gibt es garnicht.
Warum das so ist wird bspw. hier erklärt:
http://www.banken-volksbegehren.at

Antworten Gast: Halbwissen
12.07.2011 11:39
0

Re: Einmal eine

es gibt keine blöden Fragen

nur blöde Menschen, weil sie nicht Fragen

Re: Einmal eine

es gibt soviel Milliarden wie man Nullen hinter der 1-9 in den PC hineinschreiben kann!
Also, da hat sicher noch jede Menge platz!

Re: Re: Einmal eine

und wenns auf einen PC nicht platz hat übertragen wir es auf einen zweiten.
Ist ja alles nur fiktiv..

Re: Re: Re: Einmal eine

irgendwann streichen wir dann einige Nuller weg und am Sparbuch versetzen wir das Komma nach links.

Gast: Halbwissen
12.07.2011 11:07
0

zum Glück haben nur die USA ein Schuldenproblem


 
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