„Haarschnitt“ für Griechen-Gläubiger

13.07.2011 | 08:23 |  Oliver Grimm und Josef Urschitz (Die Presse)

Nur noch die EZB wehrt sich aus Angst gegen die Auswirkungen gegen einen "Haircut", also einen Teilschuldenerlass für Griechenland. Die EU überlegt konkret eine Lösung nach Lateinamerika-Vorbild.

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Brüssel/Wien. Bisher galt es unter europäischen Politikern als undenkbar – doch nach der jüngsten Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien reicht es den europäischen Regierungen offenbar: Weil sich gezeigt hat, dass das Hinausschieben einer echten Lösung durch immer neue Hilfspakete zu massiven Spekulationen gegen bisher noch nicht betroffene hoch verschuldete Euroländer einlädt, wird jetzt ernsthaft über einen „Haircut“, also eine teilweise Streichung der griechischen Staatsschulden diskutiert.

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Eine Reihe von EU-Spitzenpolitikern, aber auch Topmanagern (wie etwa der Chef der deutschen Commerzbank, Martin Blessing) hat diese Möglichkeit in den vergangenen Tagen angedeutet. Widerstand leistet nur noch die Europäische Zentralbank (EZB), die weiter fürchtet, dass ein Schuldenerlass zu unkalkulierbaren Auswirkungen auf die Finanzmärkte führen könnte.

Diskutiert wird nun darüber, das Schuldenproblem nach Muster des „Brady-Plans“ zu lösen, mit dem die USA in den späten Achtzigerjahren die Schuldenkrise in Lateinamerika in den Griff bekommen haben. Das würde auf einen teilweisen Schuldenerlass hinauslaufen.

Dass darüber ernsthaft geredet wird, bestätigte Österreichs Finanzministerin Maria Fekter am Dienstag nach dem EU-Finanzministerrat in Brüssel: „Obwohl die Minister vor meiner Zeit die Lösungen eines Brady-Plans abgelehnt haben, ist das ein Element, das auch auf dem Tisch ist und das man sich anschauen muss“, sagte die Ministerin.

(c) DiePresse

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Rettungsschirm adaptieren

Mit „Brady-Plan“ meinte Fekter jenes nach dem damaligen US-Finanzminister benannte Modell, im Rahmen dessen die US-Regierung in den 1980er-Jahren den Banken südamerikanische Schrottanleihen gegen massive Abschläge abgekauft, danach einen Teil der Schuld abgeschrieben und somit die lateinamerikanische Staatsschuldenkrise beendet hatte.

Im europäischen Fall würde das bedeuten, dass der EU-Rettungsschirm, die sogenannte Europäische Finanzstabilitätsfazilität, den privaten Gläubigern Griechenlands anbietet, ihre griechischen Bonds zum aktuellen, stark gesunkenen Marktpreis abzukaufen, eventuell mit einem leichten Aufschlag. Der Rettungsschirm würde die griechischen Anleihen mit seinen eigenen, supersicheren Anleihen bezahlen. Für sie haften die Staaten und damit die Steuerzahler der Euroländer. Sobald die EFSF die Athener Ramschanleihen auf dem Markt aufgesammelt hat, könnte sie mit Athen eine Tilgung eines Teils der Staatsschuld von derzeit knapp 160Prozent der Wirtschaftsleistung verhandeln.

Um die EFSF für einen solchen Euro-Brady-Plan zu befähigen, müssten die Finanzminister allerdings ihre Statuten ändern. Denn derzeit darf die EFSF keine Anleihen auf dem Sekundärmarkt kaufen. „Derzeit sind nicht alle Instrumente, die diskutiert werden, unter dem Rechtsrahmen machbar“, sagte Fekter. „Wir wollen, dass geprüft wird, inwieweit die vorgeschlagenen Modelle erfordern, dass man die EFSF ergänzt und ausweitet.“ Mehr Geld soll es aber vorerst nicht geben: „Über eine Aufstockung des Rahmens haben wir nicht diskutiert.“

 

Auch Deutschland lenkt ein

Auch Deutschland ist nun für diese Lösung einer teilweisen Schuldenstreichung offen. „Die Schuldentragfähigkeit Griechenlands muss verbessert werden“, sagte der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Auf die Frage, ob das die Erlaubnis für die EFSF einschließt, Anleihen auf dem Sekundärmarkt zu kaufen, sagte er: „Wie wirkt welches Instrument? Da können Sie von mir nicht eine klare Aussage verlangen, bevor es nicht geprüft wird.“

Diese Prüfung wird in Windeseile geschehen. Vittorio Grilli, der Generaldirektor des italienischen Finanzministeriums und derzeit Vorsitzender der zuständigen Arbeitsgruppe der Eurozonen-Finanzminister, soll bis Mitte August Optionen prüfen und Vorschläge machen. „Das neue Programm für Griechenland muss irgendwann in der zweiten Augusthälfte entschieden werden“, sagte Schäuble. Es werde kein neues Programm ohne hinreichende Beteiligung des privaten Sektors geben.

Den Vorschlag von Martin Blessing, dem Vorstandschef der Commerzbank, wonach die Banken im Zuge einer Umschuldung Griechenlands auf bis zu 50 Milliarden Euro an Forderungen verzichten würden, nannte Schäuble wörtlich „einen der vielen Vorschläge, die wir begrüßen und auf der Tagesordnung haben“. Die Zeit drängt: Schon am Freitag soll es einen Eurozonen-Gipfel in Brüssel geben, sickerte am Dienstag durch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2011)

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295 Kommentare
 
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CDS ??

Das sind jetzt offenbar zur Erleichterung einiger gut verbundender Finanzinstitutionen ein paar ganz große CDS-Brocken abgelaufen.

Die exorbinaten CDS Prämien wurden kassiert und dann Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, dass vor Ablauf der Frist ja kein Default eintritt.

Jetzt sind offenbar die Fristen vorbei und schon wird laut über einen Haircut nachgedacht.

Warum ...

... überrascht mich das nicht?

die gesamte ÄhhhUhhh zerbröselt

und wir bald mit ihr, wenn man sich das alles weiterhin gefallen lässt !

Löst in jedem Land Eure KOnten und Sparbücher auf, kündigt Versicherungen und kauft um Euer geld ein als gäbe es kein Morgen, denn es wird bald wirklich keinen mehr geben, wenn man weiterhin an den expertisen Meinungen sich festskrallen versucht !
Lasst Banken völlig zu Recht für all ihre Zockereien bluten, aber dann ohne EUer Geld, das sie aber dafür teilweise benötigen !

Ihr Bürger habt es selbst in der Hand, sich aus deren Klauen wieder zu befreien, also handelt statt Euch behandeln zu lassen !

Nur noch die EZB wehrt sich aus Angst gegen die Auswirkungen gegen einen "Haircut"

und warum wohl ?
Weil sie selbst die meisten Ramschpapiere besitzt, und darauf sitzen bleiben wird !

Deshalb schürt man auch ständig Ängste ins Volk, das es dann noch mehr bluten würde; was ja eigentlich niemals stimmen kann !

Jede private Firma welche so wirtschaftet, lässt man guten und reinen Gewissens fallen, nur weil Banken dort lange sehr viel verdient hatten und nun die eigenen Staaten erneut erpressen versuchen, soll man vor deren erneut in die Knie gehen ????

Pröll jun. wurde bekanntlich dafür belohnt, die erfolgreich verkaufte Hype zurückgekauft zu haben ..... mehr braucht es nicht um zu verstehen, um was es wirklich geht !


Während des Westen brennt, gießt China eifrig Öl nach

Im 1. Halbjahr haben diese Irren nun schon mit 350 Mrd Dollar am Devisenmarkt (zum eigenen Vorteil) interveniert. Und das Tempo steigt ständig weiter. Vor 5 Jahren hat den Chinesen noch die halbe Summe für ihren Protektionismus gereicht. Das Spiel kann munter weitergehen bis die USA, Europa und Japan allesamt bankrott sind.

Oder man lernt die harte Lektion, dass es keinen freien Handel ohne freie Währungen geben kann. Es ist freilich peinlich, wenn die WTO von Anfang an einem rießigen Irrtum aufgesessen ist. Ebenso negiert es die all zu primitive Idee wonach sich Protektionismus nicht rentieren würde. Denn das tut er, für den der ihn betreibt.

Der Handelskrieg ist längst entbrannt, und der Westen macht auf Pazifismus. Kein Wunder wenn wir haushoch verlieren..

Antworten Gast: s gheh
13.07.2011 13:57
0

Re: Während des Westen brennt, gießt China eifrig Öl nach

BRAVO !!
.....nur die DUMMEN und die naiven Gutmenschen haben das noch nicht kapiert ---- und dazu gehören unsere auf allen Linien versagenden Politiker allemal 1

Bald wollen alle was geschenkt

Wenn wir jetzt den Griechen die Schulden erlassen, dann werden Portugal, Spanien und Italien nicht lange auf sich warten lassen und wollen ebenfalls was geschenkt.

Übrigens: diese Länder horten teilweise noch seeeehr viel Gold, warum nimmt ihnen das niemand weg?

Antworten Gast: DI
13.07.2011 13:52
2

Re: Bald wollen alle was geschenkt

Da geb ich Ihnen recht, wenn noch Werte vorhanden, einfordern. Genauso eine feine Insel, mit Flugplatz, Wegerecht. Wenn ein Land nicht wirtschaften kann, löst sich auf diesem Weg einfach auf. Der Steuerzahler kann dann jährlich billig Urlaub machen.

Gast: grau
13.07.2011 13:04
4

ICH FREU MICH AUF DEN SCHILLING !



was solls, miiliarden hat man uns genommen für den sch... euro und die restliche ÄÄUU, für griechenland, ABER JETZT IST SCHLUSS !

KEINE SCHIRME MEHR MIT UNSERM GELD !

Gast: ROTER OKTOBER
13.07.2011 12:55
2

Das hätte es bei einer verstaatlichten Wirtschaft nie gegeben!

Nur die Verstaatlichung aller Betriebe kann Schuldenkrisen und Spekulationen verhindern.

Alle anderen Maßnahmen sind zum Scheitern verurteilt, weil das Kapital immer abgeschöpft werden wird und sich das Eigentum in den Händen weniger sammelt.

Die Menschen werden noch bitter weinen bis endlich der Kommunismus diese molochenden Arbeiterscharen befreit!

Antworten Gast: rote socke
13.07.2011 17:51
2

Re: Das hätte es bei einer verstaatlichten Wirtschaft nie gegeben!

als einzige entschuldigung für diesen schmarren kannst du die große hitze anführen.

und sich das Eigentum in den Händen weniger sammelt

Diejenigen meiner Bekannten, die in den Kommunismus geboren wurden und ihn 25 Jahre hautnah erlebt haben schauen, wenn ihnen ein junger Kommunist die Vorzüge dieses Systems näherbringen will, immer ganz betreten drein.
Und dann sagen sie: "Weisst Du, wovon Du sprichst - oder hast Du das gelesen?"

Das ...

.... kann nur ironisch gemeint sein.
Allerdings: In Deutschland gibt es eine menge Menschen, die im Kommunismus gelebt haben und heute die LINKEN wählen.

Re: Das ...

Also ich habe das nicht erfunden - ist wirklich so. Und glauben Sie mir, die betreffenden Jungkommunisten sind des Humors in diesem Punkt unverdächtig.
Die sehen das schon sehr romantisch. Fast in der Art von "Boaahh - Du bist bei xxx-Konzert gewesen! Sicher super toll!"
Ich kann mir schon vorstellen, dass so mancher noch immer links wählt. Was Arbeitslosigkeit etc. betrifft, hat´s ja auch in der "westlichen Kultur" tw. böses Erwachen gegeben.

Ich persönlich stelle beim Gespräch mit meinen Bekannten, die dieses "Vorleben" hatten, immerwieder fest: Ich kann es mir beim besten Willen nicht (wirklich) vorstellen.

Antworten Gast: Nadelstreifen
13.07.2011 13:28
1

Re: Das hätte es bei einer verstaatlichten Wirtschaft nie gegeben!

Das zeigte aich ja besonders gut bei der DDR und dem Ostblock, wie effektiv die mit Geld umgehen konnten. Die Privatwirtschaft ist in Österreich erfolgreich und macht Gewinne. Der Staat macht dagegen keine Gewinne sondern verteilt Lekkerlies.

Weil es eine Privatwirtschaft gibt ...

... können wir uns den Sozialismus leisten. Daher gehen alle Gesellschaften unter, in denen der Sozialismus siegt (wie man jetzt an der EuDSSR deutlich sieht).

Re: Das hätte es bei einer verstaatlichten Wirtschaft nie gegeben!

Bitte nach Moskau fahren und dort recherchieren, was der Kommunismus tatsächlich für die Bürger der UdSSR gebracht hat. Danach posten. Danke.

Antworten Gast: AlGaKo
13.07.2011 13:15
4

Re: Das hätte es bei einer verstaatlichten Wirtschaft nie gegeben!

sorry, aber sehr naiv.

schaue dir die strukturen an, wer an den hohen zinsen verdienen wollte.

am meisten sind staatliche banken, landesbanken, kommunen ... betroffen. die privaten banken im vergleich dazu im relativ bescheidenen ausmass.

die sozis und die linken gutmenschen schreien am meisten, dass man die pleiteländer retten muss - wodurch nacheinander alle pleite werden.

d.h. die situation ist bereits so weit, dass es nur noch schlechte lösungsmöglichkeiten gibt, aus denen man möglichst die am wenigsten schlechte umsetzt.

irgendwelche verstaatlichungen führen zu prosperität wie in nordkorea, kuba, ex-ddr & co. und diese sind wirtschaftlich alle gescheitert, nachdem man das verstaatlichte kapital "verfrühstückt" hat
(auch das neo-sozialistische land schweden ist hier kein vorbild).

dogmatische ideologie war noch nie ein guter ratgeber, wenn man reelle probleme lösen soll, denn dies führt immer zur abschaffung von freier demokratie.

Gast: Zuggast
13.07.2011 12:53
2

Mal ehrlich

Im Grunde haben wir doch selber schuld. Wir haben immer die gewählt, die die geringsten Steuern und die teuersten Geschenke versprochen haben. Wer soziale Grausamkeiten ankündigte wurde angestraft. Sehr bedenklich.

Zugegeben: Politiker und Parteien haben wir gewählt.

Nicht gewählt haben wir allerdings unser Geld- und Bankensystem. Und dieses ist nicht gottgegeben.

http://www.banken-volksbegehren.at

Die ....

... Banken haben aber keinen Staat gezwungen, sich zu verschulden.
Meiner Meinung nach müsste es ein Gesetz geben, das Firmen zerschlägt, die "too big to fail" sind. Eine Erweiterung des Antitrustgesetzes.

Gast: Hmmmm
13.07.2011 12:18
5

Einzige Lösung !

Wiedereinführung von D-Mark und Schilling, um sich von den wertlosen Papieren von Griechenland, Irland, Spanien, Portugal, Italien und Frankreich zu trennen.
Wie schon oft in der Vergangenheit haben die Südländer ihre Versprechungen nicht gehalten, zahlen durfte immer wieder Mitteleuropa und der Norden. Es ist sinnlos irgenwelche Modelle zu diskutieren, denn bis auf Absichtserklärungen wird sowieso nichts gemacht. Und keiner will, dass die schönen Grundstücke, Städte, Wälder und Seen in Österreich samt seinen Einwohnern plötzlich irgendwelchen Mafioso aus dem Süden oder Bankenbereich gehören. Dahin steuern wir aber jetzt zu.....

Einzige Lösung ??

Ihr Vorschlag ist leider nur ein Teil der Lösung.

Zuerst müssen sich die europäischen Demokratien wieder aus dem Würgegriff der korrupten Seilschaften befreien, die uns das alles eingebrockt haben.
Es darf keine Klientelpolitik auf Kosten jener gemacht werden, die im freien Wettbewerb stehen.

Das heißt also Abschaffung aller Monopole und Vergüstigungen: Keine Monopole für die freien Berufe (Ärzte, Anwälte, Apotheker usw) keine Monopole für den ORF, die EVUs usw. Keine Pragmatisierung der Beamten, keine überhöhten Pensionen, keine Privilegien für Politiker und Parteien usw usw.

Und natürlich kein Bankenkartell.

Antworten Gast: Gulden
13.07.2011 12:38
1

warum 2 währungen?

der schilling war doch sowieso nur ne D-Mark mit anderem Namen.

Davon mal abgesehen, es wäre für uns alle billiger, die, die den Schlamassel verursacht haben, würden aus dem €-Raum austreten.

Antworten Antworten Gast: DI
13.07.2011 13:01
0

Re: warum 2 währungen?

sehe ich auch so, hätte man vor einem Jahr tun sollen, obwohl der kleine Grieche auch wenig dafür kann.

Diejenigen, welche die Rechnung bezahlen müssen, werden nicht gefragt

und dann wird zynisch behauptet, alle Rechte gehen vom Volke aus und dieses wäre der Souverän.
Eine Verhöhnung der Menschen und der Demokratie!

 
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