Der Chef des Staatsschuldenausschusses, Bernhard Felderer, sieht Italien angesichts der zunehmenden Sorgen um die finanzielle Stabilität des Landes im "Fokus der Finanzmärkte". Italien muss den Finanzmärkten zeigen, dass es das Defizit beherrschte und die Schulden zurückführen könne. Ansonsten "haben wir dann ein großes Problem, kein kleines mehr", sagte der IHS-Chef. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen Italiens mit über sechs Prozent, bezeichnete Felderer als "Schuss vor den Bug".
Das Land habe "ein Signal bekommen, es wird jetzt ernst, sie müssen etwas tun". Er würde diese Signale anstelle der italienischen Regierung nicht gering schätzen, sagte Felderer. Der Zinsanstieg vom Dienstag ist ehre darauf zurückzuführen, dass Manager von Pensionsfonds auf sichere Anlagen setzen. Und diese würden nun Investitionen in manche Länder in Europa eben meiden.
Italien "im ersten Stadium"
Einen unkontrollierten, nicht geplanten Zahlungsausfall (Default) für Italien bezeichnete Felderer als "nicht machbar", das sei "ausgeschlossen". Es müsse eine andere Lösung geben, der Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS) nannte als Möglichkeit Schuldenstreckung oder Zins-Reduzierung. Gleichzeitig betonte er, dass Italien von einem Zahlungsausfall "noch sehr weit entfernt" sei. "Aber sicher ist: Die Italiener sind im ersten Stadium der Gefährdung."
Felderer verwies darauf, dass Italien eine wesentlich stärkere Volkswirtschaft als Griechenland habe, außerdem seien die Verflechtungen mit den anderen Euro-Ländern deutlich enger. "Es geht hier um viel, viel größere Summen", so der IHS-Chef. "Ich halte Griechenland nicht für ein wahnsinnig großes Problem, aber Italien schon."
(APA)
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