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Italiens Abgeordnetenhaus stimmt Sparpaket zu

15.07.2011 | 15:57 |   (DiePresse.com)

Italiens Staatsschulden sollen bis 2014 um 70 Milliarden Euro gesenkt werden. Das Abgeordnetenhaus hat dem Sparpaket zugestimmt.

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Das italienische Abgeordnetenhaus hat am Freitag dem Sparpaket der Regierung von Premier Silvio Berlusconi zugestimmt. Bei 316 Ja-Stimmen zu 284 Nein-Voten und zwei Enthaltungen nahm die Kammer die Sparmaßnahmen an, mit denen Italiens Staatsschuld bis Ende 2014 um 79 Milliarden Euro reduziert werden soll. Das Sparpaket war vom Senat bereits am Donnerstag abgesegnet worden.

Die Regierung von Premier Silvio Berlusconi hatte das Sparpaket, mit dem das Defizit bis 2014 auf 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesenkt werden soll, mit einer Vertrauensabstimmung verknüpft. Angesichts der Sorge vor einem Übergreifen der Finanzkrise aus Griechenland hatte die Opposition auf Änderungsanträge verzichtet, um das Sparpaket möglichst rasch zu verabschieden. Allerdings stimmte sie bei dem Votum gegen das Paket und forderte den Rücktritt der Regierung. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti hatte das Paket zuletzt noch einmal deutlich verschärft.

Mit dem Sparpaket wird nach Einschätzung Tremontis Italien sein Haushaltsdefizit schneller als erwartet reduzieren. Es werde wahrscheinlich im heurigen und im nächsten Jahr geringer ausfallen als von der Regierung erwartet, sagte Tremonti. In Italien sei ein Haushaltsgesetz noch nie wie diesmal in drei Tagen verabschiedet worden. Staatspräsident Giorgio Napolitano bezeichnete die Billigung des Sparpakets im Senat als "Wunder". Bisher sei eine Abstimmung über ein Haushaltsgesetz im Parlament noch nie so schnell und ohne Störung der Opposition abgelaufen.

"Kriegsaktion" gegen das Land

Die Opposition kritisierte die Einsparungen und bemängelte, dass vor allem die einkommensschwächeren Italiener die negativen Auswirkungen des Sparpakets zu spüren bekommen werden. Die altkommunistische Partei PDCI sprach von einer "Kriegsaktion" gegen das Land. Die Opposition kritisierte, dass Tremonti die angekündigten Kürzungen bei den Parlamentariergehälter aus dem Sparprogramm gestrichen habe. "Italien braucht einen politischen Neubeginn, es muss zu Neuwahlen kommen", verlangte Oppositionschef Pierluigi Bersani.

An der Vertrauensabstimmung in der Abgeordnetenkammer beteiligte sich auch Italiens Premier Silvio Berlusconi. Er bestritt Rücktrittsabsichten. "Ich werde nicht gehen, solange ich nicht mein Ziel erreicht habe, den Steuerdruck zu reduzieren", meinte Berlusconi. Angesichts der schwierigen Konjunktur sei jedoch jetzt eine Steuerreduzierung nicht möglich. Er versicherte im Gespräch mit seinen Parlamentariern, dass die Regierung nach der Verabschiedung der rigorosen Einsparungen solider sei. "Wir arbeiten weiter, weil wir über eine starke Mehrheit verfügen", kommentierte der Premier.

Die italienische Notenbank begrüßte die Verabschiedung des Sparpakets. "Die Regierung hat die richtigen Schritte für einen strukturellen Abbau der Staatsschuld unternommen", hieß es in einer Presseaussendung der Notenbank. Jetzt müsse die Regierung sich aber auch um Maßnahmen zur Ankurbelung der italienischen Wirtschaft bemühen.

Die Regierung Berlusconi bekommt erste Proteste gegen den Sparplan zu spüren. Der Gewerkschaftsverband der Polizisten demonstrierte am Freitag vor der Abgeordnetenkammer in Rom gegen die im Sicherheitsbereich geplanten Einsparungen in Höhe von über einer Milliarde Euro. Mit den Einsparungen könne die Polizei die Sicherheit im Land nicht garantieren, warnten die Demonstranten.

(APA)

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14 Kommentare

Ich kenne zwar keine Details,

aber wenn man ein wenig "hinter den Zeilen" liest, kling es weniger wie ein Sparpaket, sondern eher wie eine Absichtserklärung, in 2-3 Jahren einmal mit dem (ernsthaften) Sparen anfangen zu wollen. Ob tatsächlich, bleibt dann der Nachfolgeregierung überlassen, bis dorthin rollt der Rubel aber fast unbegrenzt weiter.

Und ob Ratingagenturen und Kreditgeber auf diesen Schachzug länger als auf andere, bisherige Vernebelungsaktionen hereinfallen, wird man ebenfalls in absehbarer sehen. Aber bis dahin dürfen sich alle ein paar Tage freuen.

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Italien verabschiedet Sparpaket in Rekordzeit?

Ja, Italien ist zu allem fähig, wenn es um eigene Interessen geht und politisch/wirtschaftliche Partner dafür einstehen.

Die Ernüchterung der EURO-Zone wird über Brüssel, der europäischen Finanzwelt in sämtliche Glieder fahren.

So brutal es klingt - mehrere gemeinschaftliche Finanzminister werden Gehhilfen in Anspruch nehmen müssen.

Was ist jetzt das Sparpaket ??

Nirgends steht, durch welche konkreten Maßnahmen Italien plant diese Beträge "einzusparen". Was ich finde ist (Zitat): " ....... und dass die konkreten Sparmaßnahmen bis dahin von der Regierung erst formuliert werden müssten."

Das heißt Italien hat entschieden 70 Mrd zu sparen aber wo und wie weiß man noch nicht, und dass wird man erst 2013 und 2014 entscheiden, Einsparungen und Gebührenerhöhungen halt. Da lachen doch die Hühner vom Balkon, die Bevölkerung so unverschämt für blöd zu verkaufen ist eine Frechheit sondergleichen.

Gast: jenny44
16.07.2011 09:03
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Angriff auf Italien - Wer stoppt die Finanz-Spekulanten?

Angriff auf Italien - Wer stoppt die Finanz-Spekulanten?

http://goo.gl/72Xn6

Gast: Eurrora
15.07.2011 17:45
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Sparpaket der Italiener,da lachen wieder einmal die Hühner.

Die italiener (ausser Südtirol) sind doch keine deut besser,als die Griechen und die Franzosen. Alle welche zuvor Gaddafi in den HIntern stiegen ,vergreifen sich jetzt an Libyen.

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Re: Sparpaket der Italiener,da lachen wieder einmal die Hühner, über ...

... die gutgläubigen EU-Gemeinschaftsminister!

Antworten Gast: Klaus
16.07.2011 09:01
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Re: Sparpaket der Italiener,da lachen wieder einmal die Hühner.

wieso die "Südtiroler" ausnehmen? Südlich des Brenners beginnt Italien, da gibt es nichts herumzudeuteln.

Das was die Norditalienern aber allen anderen voraus hat ist die Kunst von allen möglichen und unmöglichen Stellen Fördergelder abzugreifen.

Re: Re: Sparpaket der Italiener,da lachen wieder einmal die Hühner.

Südtirol gehört kulturell u wirtschaftlich zu Österreich. Willkürliche gezogene Staatsgrenzen ändern daran nix.

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Re: Sparpaket der Italiener,da lachen wieder einmal die Hühner.

Aber die Italiener sind die besseren Trickser! Auch da werden die Milliarden spurlos versickern, allerdings ohne Selbstkritik wie bei den Griechen. Man wird bedauern und die nächsten Milliarden verlangen.

Was soll ich aus diesem Artikel erfahren?

Zu Beginn wird dargestellt, dass mit den nun beschlossenen Sparmaßnahmen Italiens Staatsschuld bis Ende 2014 um 70 Milliarden Euro reduziert werden soll. Dh in 3 Jahren werden im Staatshaushalt 70 Mrd € Überschuß erwirtschaftet und zur Tilgung der Schulden eingesetzt.
Danach wird jedoch etwas völlig Anderes ausgeführt. Die Regierung von Premier Silvio Berlusconi hatte das Sparpaket, mit dem das Defizit bis 2014 auf 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) gesenkt werden soll, mit einer Vertrauensabstimmung verknüpft.
Werden nun die Schulden reduziert oder wird nur das Defizit reduziert?

Antworten Gast: abc123
15.07.2011 17:56
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Re: Was soll ich aus diesem Artikel erfahren?

wahrscheinlich geht man von einer ca 2% tigen Inflation aus dann kommt man bei 1500 0,2% Verschuldung und 2% Inflation ca auf die 70Mrd "entschuldung"..

Gast: Falsch
15.07.2011 16:20
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Falsch

die Neuverschuldung soll um 70 Mrd. gesenkt werden. das heisst aber nach wie vor, dass in 2014 der Schuldenstand höher sein wird als heute. Das ist kein Sparen, sondern netto eine weitere Verschuldung. Viele Europäische Länder haben verlernt, Schulden abzubauen. Sie geben sich damit zufrienden, wenn sie weniger als 3 % Neuverschuldung machen. Das bedeutet aber nach wie vor Schulden machen. Einzig die Schweden und die Schweizer haben in den letzten 20 Jahren ihre Staatsschulden massiv abgebaut. Das bedeutet aber Jahr für Jahr Ueberschüsse und keine Defizite (Neuverschuldung) zu produzieren. Die Finanzmärkte werden nicht zufrieden sein. Und das ist gut so. Endlich übernehmen sie die Funktion, die sie über 20 Jahre vernachlässigt haben. Die Finanzmärkte waren 20 Jahre nachlässig. Und bitte hören wir auf mit der Spekulanten Schelte. Jeder, der eine Lebensversicherungspolizze oder ein Sparbuch hat, ist ein Spekulant. Wieso? Weil LV Prämien in Staatsanleihen veranlagt werden und Spargelder teilweise auf der Aktivseite der Bankbilanz auch in Staatsanleihen investiert werden. Bitte, liebe Bürger, glaubt nicht den Sirenenrufen der Politiker, denn sie führen ins Verderben. Jede Privatperson muss schauen, weniger auszugeben als einzunehmen. Einzig die Politiker glauben, sie könnten es anders machen. Und die Finanzkrise hat die Staatsschulden nur marginal erhöht im Vergleich zur Verschwendung der letzten 35 Jahre.

Re: Falsch

Leider richtig, denn unsere Politik hat das Wort "Sparen" schon lange wie folgt neu "definiert": Polit-Sparen = weniger neue Schulden aufnehmen, als vorher.

Es wäre interessant zu erfahren, welchen Begriff sie dür eine tatsächliche Reduktion von Staatsschulden verwenden würden? Wahrscheinlich haben aber sie dafür gar keinen?

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Re: Falsch, ... und die Schweizer haben in den letzten 20 Jahren ihre Staatsschulden massiv abgebaut?

Das kann doch nicht sein. Den Schweizern wurde doch der Untergang vorausgesagt, wenn sie sich der EU nicht anbiedern.

Ich trau mich gar nicht, den Kurs des CHF abzurufen - müss doch kurz vor dem Ruin stehen?

Hobbyökonom