Schuldenkrise: Bankenabgabe für Griechenland?

19.07.2011 | 09:41 |   (Die Presse)

Österreich will von einer weiteren Bankensteuer für die Rettung Griechenlands nichts wissen. Die Finanzinstitute legen sich quer. Ob bis zum EU-Gipfel eine Lösung gefunden wird, ist offen.

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Wien/Höll. In der EU liegen wegen der Schuldenkrise die Nerven blank. Am Montag schlugen Brüsseler Kreise vor, eine EU-weite Bankensteuer zur Rettung Griechenlands einzuführen. Dabei sollten auch jene Kreditinstitute mitzahlen, die keine griechische Staatsanleihen gekauft haben. Österreich allerdings ist dagegen. „Wenn man bei der privaten Beteiligung auch in steuerliche Richtung denkt, dann muss man über eine Finanztransaktionssteuer nachdenken“, meint Harald Waiglein, Sprecher des Finanzministeriums. „Wir sind in diesem Zusammenhang für eine Finanztransaktionssteuer.“ Österreich führte Anfang 2011 bereits eine Bankenabgabe ein, die jährlich 500 Mio. Euro ins Budget spülen muss. Die Finanzinstitute legen sich gegen eine neuerliche Belastung quer. Bei einer Finanztransaktionssteuer würden nicht Banken, sondern die Umsätze an den Börsen belastet.

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IWF über Europas Zickzackkurs erzürnt

Die deutsche Regierung hat indes die Erwartungen für den am Donnerstag einberufenen Krisengipfel aller Staats- und Regierungschefs der Eurozone gedämpft. Es werde vermutlich nicht den „großen europäischen Befreiungsschlag“ geben, meinte ein Regierungssprecher am Montag. Der Internationale Währungsfonds (IWF), der gemeinsam mit der EU die Hilfen für Griechenland organisiert, hat von den Europäern wegen des Zauderns mittlerweile „die Nase voll“, heißt es in Diplomatenkreisen.

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An den Finanzmärkten wächst indes die Sorge, dass es den Spitzenpolitikern nicht gelingen wird, die Probleme in den Griff zu bekommen. Am Montag kletterten die Renditen für zehnjährige italienische Staatsanleihen um 24 Basispunkte auf 6,0 Prozent. Spanien muss mit 6,35 Prozent so viel zahlen wie noch nie seit Einführung des Euro.

„Die Presse“ bringt die Vor- und Nachteile der derzeit diskutierten Lösungen.
•Anleihenrückkauf: Mit einem Trick könnte Griechenland den Schuldenberg reduzieren. Dabei würde entweder Griechenland einen Teil seiner eigenen Anleihen zurückkaufen und dazu Geld aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF erhalten, oder der Rettungsfonds selbst würde die Wertpapiere direkt erwerben. Fünfjährige griechische Anleihen werden an den Börsen nur mehr zur Hälfte des Nennwertes gehandelt. Mit 50 Mrd. Euro ließen sich daher Kredite von 100 Mrd. Euro zurückkaufen.

Allerdings ist zu befürchten, dass die Anleihenkurse steigen, sobald man sich auf diese Lösung einigt. Diskutiert wird daher auch, die Wertpapiere zu einem Fixpreis zurückzukaufen. Das würde aber zu Problemen mit Ratingagenturen führen. Denn diese pochen darauf, dass private Investoren zu nichts gezwungen werden können.
•Anleihentausch: Die Regierung in Athen tauscht die bestehenden Anleihen gegen neue, die über einen geringeren Nennwert und eine lange Laufzeit verfügen. Dadurch würde sich der Schuldenstand Griechenlands mit einem Schlag verringern. Doch private Investoren würden bei einer solchen Aktion nur dann freiwillig mitmachen, wenn die neuen Anleihen mit einer Garantie durch die Eurostaaten beziehungsweise durch den europäischen Rettungsfonds EFSF versehen werden.

Der Chef der deutschen Commerzbank, Martin Blessing, ist für ein Modell, wonach die Banken ihre bestehenden Anleihen mit einem Abschlag von 30 Prozent in 30 Jahre laufende Wertpapiere mit einem Zins von 3,5 Prozent tauschen. Die deutsche Allianz-Versicherung ist für andere Konditionen. Sie schlägt vor, griechische Anleihen mit einem Abschlag von 25 Prozent freiwillig in neue zehnjährige Papiere zu wandeln.

Bei all diesen Lösungen würde die Europäische Zentralbank (EZB) viel Geld verlieren. Denn diese hält dem Vernehmen nach griechische Anleihen in der Höhe von 50 Mrd. Euro. Die genaue Zahl gibt die EZB nicht bekannt. Ihr Grundkapital beträgt aber nur 10,8 Mrd. Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.07.2011)

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49 Kommentare
 
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Gast: Pol e Mik
19.07.2011 13:04
0

Mutterland der Demokratie....Mutter aller Schulden

Man sieht ganz klar, Demokratien sind nicht lebensfähig, weil bei "demokratischen" Wahlen immer die Versprechenskaiser (=Schuldenmacher) gewinnen, von Kreisky bis Obama.
Demokratien enden zwangsläufig in der Insolvenz, ausser die Bürger sind mündig wie in der Schweiz.
Abr überall anders gehts in den Graben!

Gast: godsmack
19.07.2011 10:58
0

Dieser Ansatz würde viele Probleme beheben

und den Grund allen Übels ziemlich im Kern treffen.

http://medienschafe.wordpress.com/2011/07/18/die-domina-aus-frankfurt/

Gast: Vogel Strauss
19.07.2011 09:57
2

EU = Projekt

Heute früh im Morgenjournal, O-Ton Spindi: Die EU ist ein Projekt! Das heisst, es findet ein riesiger Feldversuch mit 500 Mio. Versuchskaninchen statt. Auf die Ergebnisse (und die Kreativität der Statistiker) bin ich schon sehr gespannt. Morgen werden wir ja wohl ein Zwischenergebnis erfahren.

Re: EU = Projekt

Wenn der Feldversuch wenigstens von Fachleuten und nicht von sich selbst widersprechenden und die eigenen Regeln verletztenden Dilettanten durchgeführt werden würde, bestünde wenigstens eine geringe Hoffnung. Aber hier werken jene Gesinnungsgenossen weiter, welche diese Situation überhaupt erst herbeigeführt haben.

Gast: DI
19.07.2011 09:49
1

Der Eiertanz geht weiter...

und der Tatsache, Realität ins Auge blicken und dann die entsprechenden Schritte zu setzen sind die Politiker zu feig. Griechenland kann nicht saniert werden. Warum kann Griechenland nicht Inseln abtreten und somit die Schulden verringern? Sonst haben sie ja nichts.

Nach meiner morgendlichen Sitzung

denke das das was am Donnerstag rauskommt, keinen Unterschied macht zu dem was heute rausgekommen ist.

Re: Nach meiner morgendlichen Sitzung

Vielleicht beruhigen sich die Märkte für ein paar Stunden? Man kann sich mittlerweile schon ausrechnen, wieviel an Milliarden je Stunde "Marktberuhigung" verpulvert wird.

Nach dem EU-Gipfel am Donnerstag

werden die Märkte jubeln und die Steuerzahler weinen

...lasst sie doch über den Jordan gehen...

...es trifft ohnehin nur die Spekulanten und deren Günstlinge...

KLARA Himmel wird seit einiger zeit vermisst

bitte helfen sie mit den fall aufzuKLÄREN
weitere informationen finden sie hier
http://neunzehnhundert84.wordpress.com/2011/07/19/vermisst-klara-himmel/
DANKE für IHRE MIT-ARBEIT


Gast: Ärger
19.07.2011 00:45
2

Egal

zahlen tut entweder der Steuerzahler oder der Bankkunde, die Banken cashen weiter fett ab.

Re: Egal

Sie haben wie man so schön sagt, den Nagel auf den Kopf getroffen.

Kurz und gut!

Gast: gerechtiker
19.07.2011 00:08
1


Gast: Sinus
18.07.2011 21:03
3

Österreich will von einer weiteren Bankensteuer für die Rettung Griechenlands nichts wissen?!

Die geschätzte Fr. Dr. Fekter hat den ESM Vertrag unterschrieben und Österreich "unwiderruflich" und "bedingungslos" zur Zahlung von 2,78% von 700 Mrd € ohne Gegenleistung verpflichtet ! (19,5 Mrd. €)
Zusätzlich zu den Beiträgen, die wir ohnehin schon gezahlt haben und abschreiben können.

Nach 5-7 Jahren sind wir genauso ruiniert wie Griechenland !

Der ESM-Vertrag:
http://consilium.europa.eu/media/1216793/esm%20treaty%20en.pdf

Die Konsequenzen:
http://www.youtube.com/watch?v=8zckFFDy31Q

Antworten Gast: Test
18.07.2011 21:59
0

Re: Österreich will von einer weiteren Bankensteuer für die Rettung Griechenlands nichts wissen?!

Wenn sie diesen Text lesen können, dann können sie auch den anderen Text lesen, der aber nirgendwo zu sehen ist, weshalb sich die Frage stellt, ob jener Text wirklich schlechter als dieser Text ist, da ja dieser Text nciht wirklich gut ist, oder liegt das am Browser, der den jenigen Text nicht sieht, obwohl er ersichtlich ist, dann erübrigt sich dieser Text!

Antworten Gast: Genbu
18.07.2011 21:49
1

Re: Österreich will von einer weiteren Bankensteuer für die Rettung Griechenlands nichts wissen?!

Ich dachte der Rettungsschirm rettet den Euro und alle EURO-Staaten. Weil wenn der nicht den Euro errettet, dann ist er ja für nix gut, und dürfte dann auch nicht Rettungsschirm heißen.

Da er aber Rettungsschirm heist, rettet er, und daher wird alles gut. Die Leute sollen gefälligst den Euro-wirtschaftsexperten mehr glauben, Weil die wissen schon was, sonst tätertens ned soviel reden, oder was?

Und außerdem, soll man sich viel mehr privat beteiligen an den Rettungsschirm, das sagt auch die Merklen, und die weiss sicher auch was.


Antworten Antworten Gast: Sorry
18.07.2011 22:00
0

Re: Re: Österreich will von einer weiteren Bankensteuer für die Rettung Griechenlands nichts wissen?!

Das war jetzt unhöflich von mir, ich ziehe den 2. Text zurück, nicht aber den 1. So spät am Abend soll man nicht posten! :)

Antworten Antworten Antworten Gast: Merke: Merkel!
18.07.2011 22:19
0

Re: Re: Re: Österreich will von einer weiteren Bankensteuer für die Rettung Griechenlands nichts wissen?!

Merkel heisst die Dame, im Falle eines Zweifels, dem sogenannten Zweifelfalle wende man sich an sie.


Gast: Jo Seas
18.07.2011 20:06
1

Spitzenrede von dem EU-Abgeordneten Nigel Farage

Einfach Weltklasse, unbedingt ansehen!

http://www.youtube.com/watch?v=n3xKhtph6d4&feature=player_embedded

Dieses dumme, lügnerische Ablenkungsmanöver ..

... ich bin überzeugt, dass es wirkt, weil es wirklich Menschen gibt, die glauben, dass mit einer Bankenabgabe oder Transaktionssteuer alles wieder gut wird.

Antworten Gast: Aba
18.07.2011 22:16
0

Re: Dieses dumme, lügnerische Ablenkungsmanöver ..

Man soll die Äpfel nicht mit den Birnen verwechseln!

Die Abgabe der Banken, an wen auch immer, soll noch ohne der Transaktionssteuer erfolgen.

Doch so einfach wird man die schlechten Banken nicht los, und retten kann man sie auch nicht.

Der Euro ist jedenfalls bald hinüber, die Politiker traun sich das noch nicht aussprechen, obwohl es alle bereits inzwischen wissen.

Der chinesische YUAN könnte uns bald als stabile Leitwährung zur Verfügung stehen.


Gast: Onkel Hans
18.07.2011 18:29
0

... Steuer auf die Banken der Euro-Länder ....

Die Staatsbürger und die Banken jener EU- und sonstigen Länder, DEREN POLITIKER NICHT SO BLÖD WAREN SICH AM EURO-ZIRKUS ZU BETEILIGEN, brauchen für die Griechenland-"Rettung" (= Finanzierung des griech. Polit-Sumpfes) auch nicht zu zahlen. Klare Sache. Offensichtlich ist die Griechenlandrettung dort nicht "alternativlos"! Jedes Volk hat die Regierung, die es sich verdient. Wir haben Spindi und Feigi! LOL

Das würde ihnen so passen

den Regierungen wie in Österreich, wenn es eine gemeinsame EU- Finanz- und Wirtschaftspolitik gebe. Da könnten sie alle Grauslichkeiten, die die Bevölkerung tragen soll, der EU in die Schuhe schieben und ihre Hände in Unschuld waschen.

Gast: Ulrich_L
18.07.2011 17:23
1

Pleite ist doch nichts neues,

das gibt es in der Privatwirtschaft doch tagtäglich, und daher gibt es auch ein System wie so ein - zugegebenermaßen immer unerfreulicher - Vorgang abzuwickeln ist:

1) Der Konkurs muss erklärt werden. Das heißt, runter mit der Hose und das Kind beim Namen nennen. Das Herumeiern mit bringt doch nichts.

2) Es wird ein Verwalter eingesetzt der dafür sorgt, dass keiner der Gläubiger bevorzugt behandelt wird.

3) Die Gläubiger bekommen von Ihren Aussenständen eine Quote.

4) Niemand (ausser den EU-Politikern )würde auf die Idee kommen die Gläubiger zu schonen, und dafür diejenigen die mit dem Bankrotteur gar keine Geschäftsbeziehung hatten zur Kasse zu bitten.

5) Alle möglichen Einnahmen für die Masse werden lukriert.
Das wären in diesem Fall z.B. die Versicherungssummen der berühmten Credit-default-swaps für die irgendwer gutes Geld genommen hat. Jetzt wo der Versicherungsfall eingetreten ist, wollen die Versicherer plötzlich nichts mehr davon wissen.

6) Eine Insolvenz ist nicht unbedingt das Ende, sondern kann für das Unternehmen - oder in diesem Fall das Land - die Chance für einen Neustart sein.


Antworten Gast: Halbwissen
18.07.2011 17:56
0

Re: Pleite ist doch nichts neues,

Wir haben es aber nicht mit der Privatwirtschaft sondern mit der ABZOCKWIRTSCHAFT zu tun.

Bei einem Konkurs scheiden die ALG ( anderer Leute Geld ) Burschen aus.

Bankenabgabe,Finanztransaktionssteuer Haircut oder was auch immer!

wer zahlt den im Endeffekt den ganzen Scheiss, der Steuerzahler wer den sonst.
Zu hinterfragen was aber jetzt auch nichts mehr bringt ist wie man solche Länder zum Euro aufnehmen konnte. Man hätte sich vieles erspart.

 
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