Griechenland-Hilfe: Banken bringen nur ein kleines Opfer

25.07.2011 | 18:35 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die Beteiligung der Banken am nächsten Griechenland-Rettungspaket wird geringer ausfallen als in der Vorwoche bekannt gegeben. Die UniCredit wird ihre Anleihen umtauschen, die Erste Bank prüft noch.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Wien/Athen. Die Kritik am Griechenland-Rettungspaket reißt nicht ab. Der Präsident der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, greift die Regierungschefs der Eurozone scharf an. Denn mit der in der Vorwoche präsentierten Lösung werden „umfangreiche zusätzliche Risken auf die Hilfe leistenden Länder und deren Steuerzahler verlagert“. Laut Weidmann werde mit den Beschlüssen die Tür für eine Transferunion und eine Aufweichung der Haushaltsdisziplin in Europa geöffnet.

Mehr zum Thema:

Als Sieger der Griechenland-Rettung gehen die Banken hervor. Noch in der Vorwoche hatte der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, erklärt: „Das trifft uns hart.“ Doch die Realität sieht ein wenig anders aus. Laut Angaben des internationalen Bankenverbands IIF, dessen Vorsitzender Ackermann ist, werden die privaten Gläubiger bis 2014 rund 50Mrd. Euro zum Rettungspaket beisteuern. Allerdings kann niemand plausibel erklären, wie diese Zahl zustande kommt.

Das „Wall Street Journal“ hat nun nachgerechnet und kommt zum Ergebnis, dass die 90 führenden Banken lediglich Abwertungsverluste zwischen sieben und 14Mrd. Euro einkalkulieren müssen. Davon entfallen zwei Drittel auf griechische Banken.

 

Eurostaaten haften für Anleihen

Wer Athener Staatsanleihen hält und diese über die Börse verkauft, müsste zum Ausgabekurs einen Abschlag von 40 bis 50 Prozent hinnehmen. Doch die Gläubiger bekommen nun die Chance, die Papiere mit einem Forderungsverzicht von bis zu 21 Prozent umzutauschen. Der große Vorteil dabei ist, dass die neuen Anleihen gegen einen Ausfall versichert sind. Denn für sie garantiert der europäische Rettungsfonds EFSF. Sollte sich in einigen Jahren herausstellen, dass Griechenland seine Schulden trotz aller Sparpakete nicht begleichen kann, bekommen die Banken über den EFSF-Fonds ihr Geld zu 100Prozent zurück.

„Zwischen Banken, die null wollten, und Politikern, die deutlich mehr wollten, hat man eben eine Verhandlungsmitte von 21Prozent gefunden“, meint Oliver Flade, Fondsmanager bei Allianz Global Investors. Viele Finanzkonzerne waren intern von einem größeren Minus ausgegangen. Die Deutsche Bank wäre dem Vernehmen nach bei griechischen Staatsanleihen sogar zu einem Abschlag von 50 Prozent bereit gewesen, die Allianz-Versicherung und die Commerzbank hätten sich mit einem Minus von 30 Prozent zufriedengegeben. Einige Institute haben einen Teil ihrer Griechenland-Papiere bereits zum Marktkurs abgewertet und können sich nun über Aufwertungsgewinne freuen. Finanzkreisen zufolge scheiterte ein höherer Forderungsverzicht am Widerstand der Athener Banken, denn diese halten die meisten Griechenland-Papiere.

Derzeit können Investoren zwischen vier komplizierten Umschuldungsvarianten wählen. Diese wurden vom Bankenverband IIF ausgearbeitet und von den EU-Staats- und Regierungschefs akzeptiert. Der vom IIF genannte Forderungsverzicht von 21Prozent ist die Maximalvariante, es gibt auch Modelle, wo die Abschläge niedriger sind.

In Österreich hält die „KA Finanz“, die Bad Bank der Kommunalkredit, mit einer Mrd. Euro das höchste Griechenland-Obligo. Laut „Presse“-Informationen wird das Institut aller Voraussicht nach nicht bei der Rettungsaktion mitmachen. Die Erste Bank prüft noch. „Uns liegen nicht alle Informationen vor“, sagte ein Banksprecher. Bank Austria und UniCredit, die zusammen griechische Anleihen von über 600 Mio. Euro besitzen, nehmen an dem Hilfsprogramm teil.

Wer nicht umschuldet, soll seine griechischen Anleihen nach Ende der Laufzeit zu 100 Prozent getilgt bekommen.

Vor allem Inhaber von Papieren mit einer langen Laufzeit steigen auf die neuen Anleihen um, weil für diese der europäische Rettungsfonds EFSF haftet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

90 Kommentare
 
12 3
Gast: unbeteiligter
27.07.2011 09:35
0

Die Ratten verlassen das ...........

sinkende Schiff und sind vollgestopft mit Gewinnen und Steuergeldern.

Tod der EU !

Antworten Gast: DI
27.07.2011 12:39
0

Re: Die Ratten verlassen das ...........

Ob das der Fr. Merkel und dem Hr. Faymann gefällt? Womöglich bekommen die sich noch in die Haare?

Antworten Antworten Gast: habnix
29.07.2014 08:57
0

Re: Re: Die Ratten verlassen das ...........

Ferkel und Hr. fweigmann glaubst du die merkel kennt den schuhputzer faymann???

Gast: achsonuro
27.07.2011 08:20
0

Gold - Unabhängiges Geld

Gold - Unabhängiges Geld

http://goo.gl/g55gV

Italien ist gleich Griechenland

Nur um ein vielfaches größer. Jeder der vor dem Euro Italien Geld lieh, wußte daß er über deren reglmäßige Abwertung niemals alles zurück bekam. Die Zinsen waren entsprechend hoch. Der Verlust in die Zinsen einkalkuliert.

Seit dem Euro konnte Italien Kredite viel günstiger bekommen. Dies weckte die schon vorhandene Profitgier der Italiener zusätzlich.

Die Italiener nicht dumm, verlagerten die Produktion nach Asien (da die Gehälter progressiv stiegen) und erhöhten die Preise.

Viele wurden reich, und gingen auf Einkaufstour. Ein Luftschloß, das jetzt zusammenbricht.

Italiener geben Probleme niemals zu, und machen einfach weiter als ob nichts geschehen wäre. Daher gibt es auch keine Sanierung.

Italien wird kollabieren, untergehen, und irgendwie wieder auferstehen.

Jedenfalls wird Resteuropa dafür zahlen müssen. Sieht nicht gut aus...

Italien ist gleich Griechenland

Nur um ein vielfaches größer. Jeder der vor dem Euro Italien Geld lieh, wußte daß er über deren reglmäßige Abwertung niemals alles zurück bekam. Die Zinsen waren entsprechend hoch. Der Verlust in die Zinsen einkalkuliert.

Seit dem Euro konnte Italien Kredite viel günstiger bekommen. Dies weckte die schon vorhandene Profitgier der Italiener zusätzlich.

Die Italiener nicht dumm, verlagerten die Produktion nach Asien (da die Gehälter progressiv stiegen) und erhöhten die Preise.

Viele wurden reich, und gingen auf Einkaufstour. Ein Luftschloß, das jetzt zusammenbricht.

Italiener geben Probleme niemals zu, und machen einfach weiter als ob nichts geschehen wäre. Daher gibt es auch keine Sanierung.

Italien wird kollabieren, untergehen, und irgendwie wieder auferstehen.

Jedenfalls wird Resteuropa dafür zahlen müssen. Sieht nicht gut aus...

Gast: Halbwissen
26.07.2011 22:34
0

ich würde BerLUSTconi auch kein Geld leihen

Geld ausborgen damit es dritte zurückzahlen ist sittenwidrig und dieser VERSKLAVUNG gehört ein Ende gesetzt.

Re: ich würde BerLUSTconi auch kein Geld leihen

Ist nicht sittenwidrig, nennt man Bürgschaft. Und Bürgschaft erfolgt freiwillig.

Im speziellen Fall ist es daher eher sittenwidrig, dass nicht die freiwillig unterschreibenden Bürgen = EUR-Politiker dafür haften, sondern, ungefragt, deren Steuerzahler.

Re: Re: ich würde BerLUSTconi auch kein Geld leihen

Wobei "ungefragt" ja nicht wirklich stimmt. Sie und ich mögen das so sehen, aber wenn man auch div. anderen Strängen im Presse-Forum folgt, kommt man zum Schluss, dass es den meisten reicht, alle paar Jahre ein Kreuzerl neben einem Parteikürzel machen zu dürfen. Letzteres erfolgt durchaus freiwillig.

Re: Re: Re: ich würde BerLUSTconi auch kein Geld leihen

Zur genauen Beurteilung wäre wahrscheinlich genaue Kenntnis der Verfassung notwendig, welche aber sicher schon durch diverse Absicherungsgesetze (2/3-Mehrheit soll es nachfolgenden Regierungen erschweren, bestimmte normale Gesetze rückgängig zu machen) ziemlich aufgebläht und verwässert sein wird.

Ich "begnüge" mich daher mit der Einstellung, dass selbst ein Kreuzerl bei einer Partei dieser nicht die Vollmacht gibt, bestehende Verträge in dieser Dimension ungefragt zu "verändern". Obwohl wahrscheinlich nicht einmal das feststeht.

Also wahrscheinlich so ähnlich wie bei der Auslieferungssache, es geht vielleicht nur um den Unterschied zwischen Recht und Moral?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: DI
27.07.2011 12:33
0

Re: Re: Re: Re: ich würde BerLUSTconi auch kein Geld leihen

BerLUSTconi, der Name gefällt mir, jeder andere wäre wegen Unzucht mit Minderjähriger schon lange im Gefängnis, soviel zum Rechtsstaat in der EU.

Gast: Vogel Strauss
26.07.2011 20:13
1

Herr Ackermann ...

Bevor er geht, muss er noch schnell ein bisserl Unruhe reinbringen in den Markt. Es wäre besser, er würde die Klappe halten. Natürlich glaubt niemand, dass Italien die geplanten Summen jemals einsparen kann, am wenigsten die Italiener.

Re: Herr Ackermann ...

hat nur seinen Job getan, wofür er bezahlt wird.

Gem. letzten Reportagen aus Deutschland kann man nämlich die kolportierte Beteiligung der Banken mit max. Null ansetzen. Sie resultiert nur auf mathematischen Annahmen und Berechnungen, wie viel die Banken hätten verdienen können, wenn sie das griechische Geld zeitgerecht (und nicht nach Verlängerung der Laufzeiten) zurück erhalten hätten. Da damit aber gleichzeitig, durch die Bürgschaften der EUR-Länder = die Ausfallhaftung für bereits teilweise abgeschriebene Wertverluste bei Akzeptanz der Laufzeitverlängerung, alle wieder mit 100% in die Bücher kommen, eher noch ein Gewinn.

Also, Hr. Ackermann hat für die Banken einen guten Job gemacht. Von den handelnden Politikern kann man das nicht behaupten. Ich würde sagen, die haben keine Ahnung, sondern nur von den von den Banken(!!!) vorgelegten Papierchen abgelesen.

Traurig aber offensichtlich den tatsachen entsprechend. Denn siehe, nach der "Bankenbeteiligung" am Rettungspaket sttiegen auch sofort deren Aktienkurse.

Eurogipfel

Wer im Meer der Meldungen die Übersicht verloren hat, findet hier noch einmal eine Zusammenfassung der Gipfel-Ergebnisse:

http://zuwi.at/themen/eurokrise/das-griechen-hilfspaket-ii-im-detail/

LG

Gast: Staatskanzler
26.07.2011 16:02
1

Verfassung

Hoffentlich bereit das deutsche Bundesverfassungsgericht diesem Trauerspiel ein Ende.

Antworten Gast: unbeteiligter
27.07.2011 10:09
0

Re: Verfassung

............und glauben noch an das Christkind ?

Gast: DI
26.07.2011 14:29
2

Was gehört von............

Nachdem die Politiker um viel Geld nichts anderes als Zeit gekauft haben, wann beginnen sie die Probleme zu lösen? Was gehört von Steuereintreibung in GR, was gehört von einer Finanztransfersteuer, was gehört von einer unabhängigen, europäischen Ratingagentur, Anpassung der Steuer-, Sozialgesetze, usw.??? Ach ja, Krise bei Kaffee und Kuchen hat es vor kurzem geheißen, und Urlaub gehen. Siehe youtube, Prof. Wilhelm Hankel. Wann kommt das 3. Hilfspaket, wie teuer wird es dann? Auch ich brauche ein Hilfspaket, wer hilft mich weiter?

Antworten Gast: Halbwissen
26.07.2011 22:27
0

Re: Was gehört von............

Ihre Lösungsvorschläge sind für den ....

Re: Was gehört von............

Politiker und Probleme lösen !!!
Das haben die noch nie getan nicht weil sie nicht wollen sondern weil sie unfähig sind.
Das einzige was sie 100% beherrschen ist die Lügen schön verpacken damit sie die dummen Wähler ködern.

Deutsche Bank reduziert Risiko

Der Deutschen Bank sind die Staatsanleihen der Schuldenstaaten in Südeuropa nicht mehr geheuer. Die Bank hat ihr Staatsrisiko in den fünf Ländern am Rand der Eurozone im ersten Halbjahr um 70 Prozent auf 3,67 Mrd. Euro reduziert, wie Finanzvorstand Stefan Krause am Dienstag bei der Präsentation der Quartalszahlen sagte. Vor allem Kredite an den italienischen Staat, der in der Euro-Krise zuletzt ins Gerede gekommen ist, hat die Deutsche Bank mit Ausfallversicherungen (CDS) abgesichert. Dort stand sie Ende Juni nur noch mit 997 Mio. im Risiko - sechs Monate früher waren es noch mehr als acht Mrd. Euro gewesen. (Boerse-express)

Gast: trader1
26.07.2011 12:39
0

nebenbei ..

wenn man was um 50 kaufen kann, was 80 wert ist .. tja was tut man denn dann ?
die richtige anwort ist schon was wert .. aber vorsicht .. so einfach ist sie auch wieder nicht :-)

Wer hätte etwas anderes erwartet?


Die Beteiligung der Banken am nächsten Griechenland-Rettungspaket wird geringer ausfallen als in der Vorwoche bekannt gegeben.

nona, wer was anderes glaubte, glaubt auch ans Christkind und Engerl !

Re: Die Beteiligung der Banken am nächsten Griechenland-Rettungspaket wird geringer ausfallen als in der Vorwoche bekannt gegeben.

Richtig.
Ich finde langsam das psychologische Muster interessant: Nachdem wahrscheinlich jeder mehr als einmal beim Nachrechnen draufgekommen ist, dass Banken eben *nicht* die Caritas sind (und das gilt auch für *alle* Versicherungen), ärgern wir uns ein wenig um dann bei nächster Gelegenheit wieder überrascht zu sein. Wieder ärgern, wieder überrascht etc.

Diese Gesellschaften haben nur einen Zweck: Mehr einnehmen als ausgeben.
Das ist an sich nichts schlechtes, man muss es sich nur bewusst machen.

Mein Fazit: Wir werden uns weiter über Schulden von div. Häusern abhängig machen und in regelmässigen Abständen aufheulen. Aber auf Pump ist´s einfach insgesamt lustiger - und es schimpft sich auch so schön.

Re: Re: Die Beteiligung der Banken am nächsten Griechenland-Rettungspaket wird geringer ausfallen als in der Vorwoche bekannt gegeben.

Ich möchte hier niemand in Schutz nehmen, aber viele Poster vergessen, dass ein nicht zu verachtender Teil der Papiere im Besitz von Pensionsfonds waren ...

Re: Re: Re: Die Beteiligung der Banken am nächsten Griechenland-Rettungspaket wird geringer ausfallen als in der Vorwoche bekannt gegeben.

" ... Papiere im Besitz von Pensionsfonds waren ... ", welche üblicherweise auch von nichtsahnenden Politikern "gemanagt" werden, also nicht rechtzeitig die Kurve kratzten.

 
12 3

Umfrage

AnmeldenAnmelden