EU-Kommissar will Handwerker nach Athen schicken

28.07.2011 | 17:45 |   (DiePresse.com)

"Pensionierte Berufsschullehrer und Handwerksmeister" aus EU-Ländern könnten den Griechen beim Aufbau helfen, so Energiekommissar Oettinger.

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Nach dem Investitionsgipfel von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hält in Deutschland die Debatte um Hilfen für das angeschlagene Griechenland an. EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU) schlug im "Hamburger Abendblatt" vom Donnerstag vor, deutsche Fachleute zur Unterstützung nach Athen zu schicken.
Neben dem Rettungsschirm und den Auflagen zur Haushaltskonsolidierung brauche es einen Aufbauplan für Griechenland, vergleichbar mit dem für die neuen deutschen Bundesländer Anfang der 90er Jahre, fügte der EU-Kommissar hinzu. So könne man die griechische Regierung mit erfahrenen Personal in der Verwaltung unterstützen.

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Oettinger kann sich auch vorstellen "dass aus EU-Ländern pensionierte Berufsschullehrer und Handwerksmeister im Ruhestand freiwillig und auf bestimmte Zeit entsandt werden. Gerade Fachleute aus Europa können die Arbeit der Griechen in den nächsten zehn Jahren sinnvoll anleiten. Die Kosten könnten sich Griechenland und das Land, aus dem die Experten kommen, teilen."

Schäuble: Sonnenenergie investieren

Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach sich in der "Passauer Neuen Presse" dafür aus, Know-how und Investitionen nach Griechenland zu bringen. Potenzial zum Ankurbeln der griechischen Wirtschaft böten vor allem die erneuerbaren Energien: "Sonnenenergie ist beispielsweise in Griechenland effektiver nutzbar als hier." Zugleich räumte Schäuble ein, dass die Griechen "sicher ein Jahrzehnt benötigen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden".

In Berlin hatte das Wirtschaftsministerium am Mittwoch mit Wirtschaftsverbänden ausgelotet, wie Regierung und Wirtschaft Griechenland helfen könnten. Unter anderem sollen Projekte in den Bereichen Energie und Tourismus gefördert sowie Reformen unterstützt werden. Konkrete Beschlüsse wurden nicht gefällt. Im August und Oktober sollen sich deutsche Unternehmerdelegationen in Griechenland ein Bild der Lage machen.

Kritisch äußerte sich Professor Michael Bräuninger, Chefökonom des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Mangelndes Wissen sei nicht das Problem, sagte er dem "Hamburger Abendblatt": Das Land müsse seine Strukturen selbst entwickeln. "Das ist aber vor allem eine Aufgabe für die politische Willensbildung vor Ort."

Athen berät über Anleihen-Rückkauf

In Griechenland beriet am Donnerstag Finanzminister Evangelos Venizelos mit Vertretern von Banken, EU-Kommission und Europäischer Zentralbank über den geplanten Rückkauf von Staatsanleihen. Die Gespräche hätten "sehr ermutigend" begonnen, sagte Venizelos im Parlament. Griechenland will Staatsanleihen für weniger als den Nennwert zurückkaufen und damit seine Staatschuld um mehr als 26 Milliarden Euro reduzieren. Die Transaktion ist schwierig, weil die Ratingagenturen dann umgehend den teilweisen Zahlungsausfall Griechenlands aussprechen dürften.

Die EU hatte Ende Juni erneut ein Hilfspaket für das angeschlagene Land verabschiedet. Insgesamt umfassen alle Hilfsanteile bis 2014 etwa 159 Milliarden Euro. Dadurch soll es der Regierung in Athen erleichtert werden, den rund 350 Milliarden Euro großen Schuldenberg des Landes abzubauen.

(APA/Red.)

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13 Kommentare
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EU Vorschläge

oder wenn der Schwachsinn zum Programm geworden ist.
Wer meint die Griechen schulen zu können ( Müssen ) hat gegen zwei Hauptprobleme zu kämpfen :
1.Der Stolz
2.Die Mentalität
Ein Projekt welches aber schon 2000 durchgeführt wurde um die Griechenland Niederlassung eines Weltkonzernes an einen westlichen Arbeitsstil anzupassen .
Nach drei vergeblichen Jahren wurde die Athener Zweigstelle geschlossen.
Fazit:
Außer hohen Spesen nichts gewesen !

Gast: gerechtiker
28.07.2011 22:31
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nachtrag

nachtrag zum EU-Kommissar
http://www.youtube.com/watch?v=VwtH5sSYMQY

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Re: nachtrag

Ja in der Politik und speziell in der EU sind seit Jahrzehnten die PFLAUMEN im Vormarsch !!!
Oder sind in etwa nur die Wähler dümmer geworden ????

Gast: gerechtiker
28.07.2011 22:29
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unfassbar

"Oettinger kann sich auch vorstellen "dass aus EU-Ländern pensionierte Berufsschullehrer und Handwerksmeister im Ruhestand freiwillig und auf bestimmte Zeit entsandt werden."

unfassbar, welche vorschläge da kommen.

aber wenn man den Oettinger so einschätzt, meint der das auch ernst.

naja, vielleicht geht er mit gutem beispiel voran und gibt englischunterricht in griechenland:
http://www.youtube.com/watch?v=-RrEQ8Ovw-Q

und von sowas wird man fremdbestimmt...

Antworten Gast: daswars
29.07.2011 08:15
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Re: unfassbar

Ich versteh Sie schon, dieser Vorschlag muss einem gelernten Oesterreicher ja unfassbar vorkommen.
Sie haben eben keine Ahnung. In Griechenland sind kaum Leute am Werken, die etwas gelernt haben. Jeder ist, was er sagt. Z.B nimmt Einer eine Gartenschere in die Hand und fuehlt sich als Gaertner, oder einen Schraubenschluessel und glaubt er sei ein Klempner oder Mechaniker oder sonstwas.

Die Universitaeten sind zum Vergessen, da konnte man auch mit den schlechtesten Noten studieren. Oft werden auch finanzielle Mittel eingesetzt um begehrte Papiere zu ergattern.

Es gibt natuerlich auch exzellente Berufler, es ist aber eher Glueckssache auf solche zu stossen.

Sie werden hoffentlich mit mir einer Meinung sein, dass das ganze System von der Wiege bis zur Bahre erneuert gehoert. Leider ist das Wichtigste der Wille es auch zu aendern. Und ob der besteht?? Die Griechen haben von sich meist die hoechste Meinung - sie glauben es einfach nicht, dass etwas geaendert werden muesste.

Was nützt das alles

wenn sich die Mentalität der Griechen nicht ändert,anzahn ist halt nicht das Ihre.
Da verzweifelt ein deutscher Handwerker.

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Dass Öttinger

ein sehr schlichtes Gemüt hat, war bis jetzt bekannt. Der Vorschlag mit den pensionierten Handwerkern und den Solaranlagen wirft aber die ernsthafte Frage auf, ob der Mann über ein funktionierendes Gehirn verfügt.

Hoffentlich sprechen diese Fachleute auch Inglüsch

Was für Knallköpfe regieren in Europa?

Antworten Gast: engelhard
28.07.2011 20:02
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Re: Hoffentlich sprechen diese Fachleute auch Inglüsch

... und die Griechen auch! Die Knallköpfe regieren nicht, sie reden nur gescheit, um ihre Pfründe zu rechrfertigen.

Griechenland und der Wettbewerb

Ich glaube kaum, dass man die Probleme Griechenlands mit einem Dutzend deutscher Handwerker lösen kann. Die Hellas müssen aber wettbewerbsfähig werden, denn sonst heißt es nach dem Motto "mitgehangen, mitgefangen" blechen - für uns alle.

Dazu gibt es 2 Wege. Billiger werden oder etwas besser machen. Ob das erstere überhaupt substantiell möglich ist und das zweite innerhalb weniger Jahre (strukturelle Reformen brauchen Zeit, die Leute mit dem nötigen Know-How für nachgefragte Produkte fallen auch nicht vom Himmel) zu machen ist, ist fraglich. Ausblick: bewölkt. Regen wahrscheinlich.

Wer im Meer der Meldungen die Übersicht über das geschnürte Hilfspaket II verloren hat, findet hier noch einmal eine Zusammenfassung:

http://zuwi.at/themen/eurokrise/das-griechen-hilfspaket-ii-im-detail/

Liebe Grüße,
Andreas

Gast: engelhard
28.07.2011 18:08
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Schwierige Aufgabe

Ja, das wird eine solche sein, einem Faulpelz Fleiß beizubringen.

Antworten Gast: daswars
29.07.2011 08:19
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Re: Schwierige Aufgabe

Also da muss ich die Griechen in Schutz nehmen: es handelt sich nicht so sehr um Faulheit, als unbeleckt von jeglichem Wissen und daher Unfaehigkeit "Qualitaet" zu produzieren.

Es ist halt schwer zu kochen, wenn man keine Ahnung hat, wie es schmecken soll.

Antworten Antworten Gast: Vogel Strauss
29.07.2011 10:39
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Re: Re: Schwierige Aufgabe

Also Kochen können die Griechen, die ich kenne, alle recht gut. Die sollten sich vielleicht mal auf ihre Kernkompetenzen besinnen und sich nicht fremdbestimmen lassen.

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