Muss Zypern als nächstes Euro-Land gerettet werden?

Der größten Bank des Landes zufolge steht Zypern vor der Flucht unter den Euro-Rettungsschirm. EU und Regierung geben sich weiter zuversichtlich.

BULGARIA LIBYA MEDICS TRIAL
Schließen
BULGARIA LIBYA MEDICS TRIAL
(c) EPA (Vassil Donev)

Zypern steht nach Einschätzung der größten Bank des Landes kurz vor einer Flucht unter den Euro-Rettungsschirm. Der Euro-Staat riskiere durch Untätigkeit seine Fähigkeit zur Refinanzierung, erklärte die Bank of Cyprus am Montag. "Die Konsequenzen werden schnell und umfassend folgen."

EU und Regierung entgegnen

Nach Angaben der EU-Kommission ist jedoch für Zypern derzeit kein Rettungspaket geplant. Dies stehe nicht an, erklärte eine Sprecherin der Kommission am Montag in Brüssel. Die EU-Behörde sei zuversichtlich, dass das Land seine Sparpläne erfüllen werde: Zypern habe sich dazu verpflichtet, in diesem Jahr die Neuverschuldung unter vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu senken und sie im kommenden Jahr auf 2,5 Prozent zurückzuführen.

Auch die Regierung Zyperns sieht keinen unmittelbaren Finanzbedarf. Bis Mitte Dezember gebe es keinen nennenswerten Bedarf an frischem Geld, teilte das Finanzministerium in Nikosia am Montag mit. Es bezifferte den Kapitalbedarf bis dahin auf rund 650 Millionen Euro. Danach werde die Regierung weiter versuchen, zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten an den lokalen und internationalen Märkten zu finden.

Rezession droht

Nach Angaben der Regierung hat sich das Haushaltsdefizit im ersten Halbjahr auf 3,47 Prozent von 1,87 Prozent ausgeweitet. Die Einnahmen gingen in dem Zeitraum um 1,4 Prozent zurück, die Ausgaben lagen um 9,15 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Die Wirtschaft des zweitkleinsten Euro-Staates droht zugleich in diesem Jahr nach jüngsten Schätzungen des Finanzministeriums nicht zu wachsen.

Erst vergangene Woche hatten zwei Ratingagenturen - Moody's und Standard & Poor's - die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herabgestuft.

>>> Karte: Die Kreditwürdigkeit der EU-Länder

Zypern ist wirtschaftlich eng mit dem hoch verschuldeten Griechenland verbunden und erlitt zuletzt durch die Explosion eines Munitionslagers einen schweren Rückschlag. Der Schaden beträgt mehrere Milliarden Euro, zudem ist das einzige Kraftwerk ausgefallen.

(APA)

Mehr zum Thema:

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.