Ratingagentur: EZB soll am Anleihenmarkt aktiv werden

04.08.2011 | 11:57 |   (DiePresse.com)

Die Ratingagentur Standard & Poor's sieht in der Europäischen Zentralbank "den einzigen Feuerwehrmann, der uns schnell aus dem brennenden Haus tragen kann".

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Standard & Poor's (S&P) verlangt angesichts der Turbulenzen an den Anleihemärkten einen Eingriff der EZB in den Bondmarkt. "Wir brauchen jemanden, der interveniert", sagte der Chefökonom für Europa der Ratingagentur, Jean-Michel Six, dem französischen Radiosender "Inter radio". "Der einzige Feuerwehrmann, der uns schnell aus dem brennenden Haus tragen kann, ist die EZB, die seit Beginn der Krise bei der Beruhigung der Märkte eine bewundernswerte Rolle gespielt hat."

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Die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet am frühen Nachmittag über ihren weiteren Kurs. Zuletzt waren wiederholt Forderungen laut geworden, die Währungshüter sollten wieder am Anleihemarkt aktiv werden. Dort geraten derzeit Spanien und Italien immer stärker unter Druck. Das Argument der Befürworter: Nur die Zentralbank mit ihrer theoretisch unbegrenzten finanziellen Feuerkraft sei in der Lage, entsprechend stark als Käufer aufzutreten und so die Märkte wieder zu beruhigen. Kritiker wie Deutschland sperren sich jedoch gegen weitere Staatsanleihenkäufe. Die EZB hat seit Mai 2010 für gut 74 Milliarden Euro Staatsanleihen von Schuldenländern gekauft. Das entsprechende Programm ruht allerdings seit 18 Wochen.

EFSF darf noch nicht aktiv werden

Die EZB steht dennoch unter Druck: Zwar vereinbarten die Staats- und Regierungschefs der 17 Euroländer vorvergangene Woche, dass in Zukunft der Euro-Rettungsschirm EFSF im Notfall Staatsanleihen kaufen darf. Diese Aufgabenerweiterung muss jedoch in mehreren Ländern noch von den Parlamenten genehmigt werden. Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, kann nur die EZB am Markt aktiv werden.

EZB-Sitzung wichtiger als Urlaub

Der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann unterbricht wegen der EZB-Ratssitzung und der angespannten Lage an den Märkten seinen Urlaub. Weidmann nehme an der Ratssitzung in Frankfurt teil und werde dann an seinen Urlaubsort zurückkehren, bestätigte ein Sprecher der Bundesbank. Eigentlich war geplant gewesen, dass Weidmanns Stellvertreterin, Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger, zu der Sitzung kommt.

Österreich hingegen wird bei der heutigen Ratssitzung vom Vizegouverneur der Nationalbank (OeNB), Wolfgang Duchatczek, vertreten, wie ein Sprecher auf APA-Anfrage sagte. Notenbankchef Ewald Nowotny wird seinen Urlaub nicht unterbrechen.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet selbst wird sich erst nach der Sitzung in den Urlaub verabschieden.

 

(APA/Ag.)

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5 Kommentare
Gast: Feuerpolizei
05.08.2011 00:18
0

Also nun ist es offiziell wir sitzen alle gerade in einem brennenden Haus

Wir sollten beim löschen nicht auf die Brandstifter vergessen.

Gast: mysterium
04.08.2011 16:23
0

Der Novotny ist halt nicht am Klo, sondern in Urlaub.

Der Weidmann unterbricht seinen Urlaub und der Trichet tritt seinen Urlaub erst an.

Und wir, wir haben nicht mal mehr einen Urlaub.

Liebe Damen und Herren,

ist Ihnen eigentlich bewusst, dass es bereits Menschen gibt, die um ihren Betrieb über die Runden zu bringen, keinen Urlaub haben und trotzdem abgecasht werden von unserem Vater Staat.

http://www.conwutatio.at/

Gast: Halbwissen
04.08.2011 15:26
0

kein Feuerwehrmann

kein AAA

Gast: 1. Parteiloser
04.08.2011 12:36
0

Nowotny muss schon länger auf Urlaub sein!

Schon lange keine Pressemeldung mehr, welche seiner Selbstbeweihräucherung dienen konnte und das Volk mit Unsinn gefüttert hat.

Aber, er hat Österreich und die Österreicher verraten, weil er vor dem Urlaub noch Griechische Staatsanleihen in Milliardenhöhe gekauft hat!

Gast: 1. Parteiloser
04.08.2011 12:33
0

Na sicher wird die EZB wieder versagen!

Die EZB hat schon immer versagt und wird das auch weiter tun. Da hocken doch auch nur Parteibonzentotalversager, welche sich der Partei und dem pol. Establishment verpflichtet fühlen, sicher aber nicht den Bürgern von Europa. Das Versagen der EZB in der letzten Dekade war ja genauso gewaltig wie das Versagen der EU Bonzen und der Regierungen der EU Mitgliedsländer.

In Zahlen schaut das dann so aus:

Bilanzsummenentwicklung EZB
13.05.2011: 2.000.471 Mio. Euro
23.12.2010: 1.926.154
23.12.2005: 1.019.749
27.12.2002: 832.558

Es ist doch keine Frage, dass die aufgeblähte Bilanzsumme eine de facto Geldschöpfung war und da auch eine Menge an Staatsanleihen dahinter stehen, auch wenn diese als "Sicherheit" hinterlegt wurden. Die 1.150 Mrd. Euro an Geldschöpfung ist schon eine Menge!

Dazu kommt noch die Geldmengenentwicklung M3 im Euroraum, wo nur Sichteinlagen bis 2 Jahre berücksichtigt werden (also kaum Staatsanleihen)
2001: 5.403 Mrd. Euro
2005: 7.085
2010: 9.524
Da haben wir gleich noch einmal eine Geldschöpfung von knapp 4.000 Mrd. Euro, weil ja die Produktion im Euroraum real kaum gestiegen ist.
M3 Steigerung:.............+72%
Produktion Euroraum:....+4% (real!)

Genauso irre ist aber auch die indirekte Geldschöpfung, welche durch die Staatsschulden erfolgte. Weil ja die Geldmenge M3 nur die Sichteinlagen bis 2 Jahre berücksichtigt, die meisten Staatsanleihen aber länger laufen, so kommen nochmals mehr als 5.000 Mrd. Euro dazu.

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