Ratingagentur: EZB soll am Anleihenmarkt aktiv werden

Die Ratingagentur Standard & Poor's sieht in der Europäischen Zentralbank "den einzigen Feuerwehrmann, der uns schnell aus dem brennenden Haus tragen kann".

EZB soll am Bondmarkt aktiv werden
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EZB soll am Bondmarkt aktiv werden
(c) EPA (Arne Dedert)

Standard & Poor's (S&P) verlangt angesichts der Turbulenzen an den Anleihemärkten einen Eingriff der EZB in den Bondmarkt. "Wir brauchen jemanden, der interveniert", sagte der Chefökonom für Europa der Ratingagentur, Jean-Michel Six, dem französischen Radiosender "Inter radio". "Der einzige Feuerwehrmann, der uns schnell aus dem brennenden Haus tragen kann, ist die EZB, die seit Beginn der Krise bei der Beruhigung der Märkte eine bewundernswerte Rolle gespielt hat."

Die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet am frühen Nachmittag über ihren weiteren Kurs. Zuletzt waren wiederholt Forderungen laut geworden, die Währungshüter sollten wieder am Anleihemarkt aktiv werden. Dort geraten derzeit Spanien und Italien immer stärker unter Druck. Das Argument der Befürworter: Nur die Zentralbank mit ihrer theoretisch unbegrenzten finanziellen Feuerkraft sei in der Lage, entsprechend stark als Käufer aufzutreten und so die Märkte wieder zu beruhigen. Kritiker wie Deutschland sperren sich jedoch gegen weitere Staatsanleihenkäufe. Die EZB hat seit Mai 2010 für gut 74 Milliarden Euro Staatsanleihen von Schuldenländern gekauft. Das entsprechende Programm ruht allerdings seit 18 Wochen.

EFSF darf noch nicht aktiv werden

Die EZB steht dennoch unter Druck: Zwar vereinbarten die Staats- und Regierungschefs der 17 Euroländer vorvergangene Woche, dass in Zukunft der Euro-Rettungsschirm EFSF im Notfall Staatsanleihen kaufen darf. Diese Aufgabenerweiterung muss jedoch in mehreren Ländern noch von den Parlamenten genehmigt werden. Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, kann nur die EZB am Markt aktiv werden.

EZB-Sitzung wichtiger als Urlaub

Der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann unterbricht wegen der EZB-Ratssitzung und der angespannten Lage an den Märkten seinen Urlaub. Weidmann nehme an der Ratssitzung in Frankfurt teil und werde dann an seinen Urlaubsort zurückkehren, bestätigte ein Sprecher der Bundesbank. Eigentlich war geplant gewesen, dass Weidmanns Stellvertreterin, Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger, zu der Sitzung kommt.

Österreich hingegen wird bei der heutigen Ratssitzung vom Vizegouverneur der Nationalbank (OeNB), Wolfgang Duchatczek, vertreten, wie ein Sprecher auf APA-Anfrage sagte. Notenbankchef Ewald Nowotny wird seinen Urlaub nicht unterbrechen.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet selbst wird sich erst nach der Sitzung in den Urlaub verabschieden.

 

(APA/Ag.)

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