Trichet: EZB wird Inflation "sehr genau" beobachten

04.08.2011 | 16:07 |   (DiePresse.com)

Die Europäischen Zentralbank belässt den Leitzins bei 1,5 Prozent. EZB-Präsident Trichet signalisiert einen neuen Anleihen-Aufkauf.

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Die Europäische Zentralbank bleibt bei ihrer Politik der regelmäßigen Zinspausen. Der EZB-Rat beließ bei seiner Sitzung am Donnerstag in Frankfurt den Leitzins wie erwartet bei 1,5 Prozent. Zugleich signalisierte EZB-Chef Jean-Claude Trichet, dass die Notenbank ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen unmittelbar wieder aktivieren könnte. Er sagte vor Journalisten, er wäre nicht überrascht, wenn noch während der Pressekonferenz eine Marktaktivität zu beobachten wäre. Händler sagten kurz darauf, die EZB kaufe portugiesische und irische Staatsanleihen am Sekundärmarkt an.

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Anleihen-Aufkaufprogramm immer aktiv

Zuvor hatte Trichet betont, er habe niemals gesagt, dass das Programm ruhe. "Es ist ein fortlaufendes Programm, und wir sind absolut transparent. Wir haben bei unseren Treffen das Anleihe-Aufkaufprogramm der EZB (SMP) immer diskutiert. Sie werden sehen, was wir tun", sagte Trichet. Die EZB hatte seit März keine Staatsanleihen mehr gekauft, und jüngste Äußerungen von Vertretern der Notenbank hatten nahegelegt, dass das Programm faktisch außer Betrieb sei. Nachdem zuletzt Spanien und Italien an den Finanzmärkten unter Druck gerieten, wurden allerdings Forderungen laut, dass die EZB wieder aktiv wird.

Wortwahl wird sehr beachtet

Zur Inflationsentwicklung sagte Trichet: "Wir beobachten alle Entwicklungen hinsichtlich der Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität weiter sehr genau." Volkswirte hatten vor der Pressekonferenz gesagt, eine erneute Verwendung der Worte "sehr genau" würde eine weitere Zinsanhebung noch in diesem Jahr signalisieren. An den Märkten wird bisher jedoch eine weitere geldpolitische Straffung wegen der Schuldenkrise in Europa nicht vor 2012 erwartet.

Der EZB-Präsident sagte, die jüngsten Daten zeigten eine gewisse Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den vergangenen Monaten. "Nun wird mit einer maßvollen Expansion gerechnet", so Trichet. Er betonte zugleich, die Unsicherheit sei derzeit hoch. Seit April hat der EZB-Rat die Zinsen in zwei kleinen Schritten angehoben und damit den allmählichen Ausstieg aus der Krisenpolitik des extrem billigen Geldes begonnen.

Schuldenkrise: EZB pumpt Geld in Märkte

 Auch gibt die EZB den Geldhäusern bessere Planungssicherheit und beugt einer großen Vertrauenskrise am Geldmarkt vor. Sie packt dafür ein eigentlich längst weggelegtes Instrument wieder aus: Am 10. August wird die Zentralbank den Geschäftsbanken zusätzlich für sechs Monate Geld leihen - zu einem an die Leitzinsentwicklung gekoppelten Zinssatz.  Zudem verlängerte die Zentralbank die Möglichkeit für die Finanzinstitute, unbegrenzte Kredite für drei Monate aufzunehmen.

EZB zwischen den Fronten

Volkswirte sehen die EZB in einer Zwickmühle. Höhere Zinsen helfen zwar im Kampf gegen die Inflation: Kredite werden tendenziell teurer, das mindert die Neigung von Unternehmen und Verbrauchern, auf Pump zu investieren und zu konsumieren. Nach den letzten EZB-Prognosen wird die Inflation getrieben von einem Schub bei den Energie- und Rohstoffpreisen im laufenden Jahr: Die Teuerung stieg auf 2,6 Prozent (Spanne: 2,5 bis 2,7).

Höhere Zinsen verteuern aber auch Kredite. Daher könnten sie Gift sein für die lahmende Wirtschaft von Krisenländern wie Griechenland oder Portugal. Derzeit deutet vieles darauf hin, dass die Konjunktur im Euro-Raum an Schwung verlieren könnte. Auch die Euro-Schuldenkrise ist noch nicht beendet, im Gegenteil. Nach dem Euro-Gipfel zur Griechenland-Rettung sind jetzt Spanien und vor allem Italien in den Fokus geraten. Beobachter schließen daher nicht aus, dass sich die Währungshüter bis zum Jahresende Zeit mit einem weiteren Zinsschritt lassen könnten.

(APA/Ag.)

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12 Kommentare

Was beobachten

die Totengräber EUROPAS ??
Den wirtschaftlichen Untergang von Ländern die als Nettozahler die Last tragen ????


Gast: garstig?
04.08.2011 19:03
0

HELMI...



SCHAU GENAU !

und hau unser geld in den mistkübel !

Gast: unbeteiligter
04.08.2011 18:43
2

Wir werden bald erleben, wie sie ............

Trichet im Gitterbett in den Gerichssaal schieben und den Prozess machen ......

Gast: Altemanze
04.08.2011 17:55
0

Trichet: EZB wird Inflation "sehr genau" beobachten

Na, da wird sich * die Inflation* aber sehr fürchten...;-)

*hüstel*

Im Ernst; Realgüter, die real gebraucht werden (Essen, Energie, Medizin) werden weiter rauf gehen..

Und UNNÖTIGES (wie Luxusartikel, teurer Wohnraum) werden runter rasen..

in Preis und Wertigkeit für die Masse der Menschen.

Klug, wer etwas vorgesorgt hat.

Antworten Gast: Halbwissen
04.08.2011 18:47
2

Re: Trichet: EZB wird Inflation "sehr genau" beobachten

Möglicherweise kommt es genau umgekehrt !

UNNÖTIGES wird teurer und "Realgüter" werden billiger.
Die Reichen werden reicher und die Masse versandelt.

Wie haben Sie vorgesorgt ?

Gesundheit !

Antworten Antworten Gast: Altemanze
05.08.2011 05:37
0

Re: Re: Trichet: EZB wird Inflation "sehr genau" beobachten

die Unmengen an `Geld`, die seit einiger Zeit von ganz oben in die Gesellschaftspyramide hinein gepumpt werden, sickern mit der Zeit bis ganz unten durch, und VERTEUERN u.A. logischerweise vorrangig das, was von den Verbrauchern *wirklich* gebraucht wird.

Maßnahmen dagegen kaufen -meist mit Steuergeldern- nur etwas ZEIT...und diese läuft spürbar ab.

Nein, Ihre `Luxusgüter` wirds gutteils bald um einen Spott geben...incl. der mit Frankenkrediten finanzierten großen Hütten am Stadtrand, wenn z. B. auch das Pendeln zu teuer wird, und das Öl für die Heizung der vielen m2...usw...

Und wie ich vorgesorgt habe? Na, gestern haben wir z.B. Brennholz geschlichtet. Ist also im Voraus bezahlt, was der uns voraussichtlich Winter kosten wird usw...;-)

Antworten Antworten Antworten Gast: Halbwissen
05.08.2011 08:59
0

Re: Re: Re: Trichet: EZB wird Inflation "sehr genau" beobachten

Das viele Geld wird aber bei der EZB gelagert und in Gold gesteckt. Darum sieht es zur Zeit so aus, das ALLES billiger werden wird.

Gast: warjaklar
04.08.2011 17:12
1

Claus Vogt: Die Märkte werden fallen und es wird zu empfindlichen Verlusten kommen...

Claus Vogt: Die Märkte werden fallen und es wird zu empfindlichen Verlusten kommen...

http://goo.gl/CmYsZ

Die EZB soll mit dem Beobachten im eigenen Haus beginnen

unter Trichet ist die EZB durch den Ankauf wertloser Ramschanleihen zur Bad Bank mutiert und kostet den EU Bürgern jene Milliarden, die zuvor vernichtet wurden.
Ist doch gut, daß wir bei der EU sind und den Euro haben - wie UHBP, Kanzler, die ahnungslose Finanzministerin und der Millionenbonibezieher Stepic verkünden. Oder vielleicht doch nicht so gut, wie man am Werteverfall des Euro gegenüber dem Franken täglich nachvollziehen kann?

Gast: Halbwissen
04.08.2011 15:35
0

nur die Dümmsten machen zwei mal den selben Fehler

innerhalb von so kurzer Zeit

zwei mal Zinserhöhungen und danach der CRASH

und dies war nicht unvorhersehbar

DAS GELD DER SPARER WURDE VERZOCKT UND MUSS ENTWERTET WERDEN UND INFLATION IST DER BESSERE WEG ALS KRIEG

Gast: 1. Parteiloser
04.08.2011 14:19
1

6% Kernteuerung, aber nur 1,5% Leitzins!

Kann man eine solche EZB ernst nehmen?

Kann man den Euro so noch ernst nehmen?

Ist aber nicht wirklich was Neues. Die EZB hat die exzessiven Geldschöpfung, zum Verbraten der öff. Dienste, dem Förderwahnsinn und dem Finanzunwesen, schon immer betrieben. Und weil das schon immer so war, so sind auch diese 3 Bereiche extrem aufgebläht und ohne Nutzen für die Gesellschaft.

Bilanzsummenentwicklung EZB
13.05.2011: 2.000.471 Mio. Euro
23.12.2010: 1.926.154
23.12.2005: 1.019.749
27.12.2002: 832.558

Es ist doch keine Frage, dass die aufgeblähte Bilanzsumme eine de facto Geldschöpfung war. Die 1.150 Mrd. Euro an Geldschöpfung ist schon eine Menge.

Die EZB ist ein wesentlicher Faktor beim größten, jemals begangenen, Wirtschaftsverbr.echen in Europa. Da passt es auch gut dazu, dass die EZB Staatsanleihen gekauft hat obwohl es ein illegaler Vorgang war.

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