Großbritanniens Wirtschaft könnte in Rezession zurückfallen

06.08.2011 | 18:07 |   (Die Presse)

Im zweiten Quartal wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur noch um 0,2 Prozent. Auch die Banken kämpfen mit Problemen und müssen Personal abbauen.

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Eine hohe Inflation, ängstliche Konsumenten und das Nachlassen der Exportnachfrage: Mit Großbritanniens Wirtschaft steht es derzeit nicht zum Besten. Als das britische Statistikamt kürzlich vermeldete, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal nur um 0,2 Prozent zum Vorquartal gewachsen ist, warnte Martin Weale von der Bank oft England vor einem Rückfall in die Rezession. Es wäre naiv zu glauben, dass die Wirtschaft nicht nahe an einem „Double Dip“ stehe, warnte der Notenbanker. Ende 2010 war die Wirtschaft um 0,5 Prozent geschrumpft.

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Sparpaket bremst den Konsum.
Um der schwachen Konjunktur nicht noch einen weiteren Dämpfer zu versetzen, beließ die Notenbank den Leitzinssatz bei 0,5 Prozent. Die Inflation, die derzeit bei 4,5 Prozent liegt, scheint das kleinere Problem zu sein. Die Briten halten sich mit dem Konsum ohnehin zurück, seit die Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn von 17,5 auf 20 Prozent angehoben wurde. Hinzu kommt ein Sparpaket, mit dem 81 Mrd. Pfund (92 Mrd. Euro) eingespart werden sollen. Dafür wurden Stellen im Staatsdienst gestrichen und Sozial- und Familienbeihilfe gekürzt.

Den britischen Banken macht indes nicht nur ihre Vernetzung mit Europa zu schaffen, sondern auch das schlechte Geschäft in den USA. So kündigte der Vorstand der HSBC kürzlich an, insgesamt 25.000 Mitarbeiter weltweit abbauen zu wollen, das entspricht einem Zehntel der Belegschaft. Vor allem in den USA will man Filialen schließen, aus dem Kreditkartengeschäft will man sich dort ganz zurückziehen. Auch die Bank Barclays, deren Vorsteuergewinn im ersten Halbjahr wegen des schwachen Investmentbankings stark gesunken ist, kündigte den Abbau von 3000 Stellen an.

Der britische Aktienindex FTSE-100 konnte sich in den vergangenen Tagen dem Börseneinbruch nicht entziehen. Seit einem Jahr gibt es nun ein Minus von mehr als zwei Prozent. Damit hielt sich der FTSE noch besser als der gesamteuropäische Eurostoxx, der um 15 Prozent nachgab. b.l.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2011)

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2 Kommentare

Die Londoner Bankster

Etwa 250.000 "gut bezahlte" Personen sind im Londoner "Financial District", dem europäischen Stützpfeiler der Wall Street, direkt beschäftigt. Den Kreatoren aller möglichen "Finanzprodukte" ohne reale Wertschöpfung aber hohen Gewinnen. Mittelbar hängen in dem Land, das außer rückläufig Erdöl und Gas nichts Exportfähiges mehr produziert, mehr als eine Million Leute an eben dem Geldschacher in anderen Staaten, speziell eben EU-ropa!

Zu wenig bekannt ist, dass Großbritannien (wir Holland) Island damit erpresst, einer Zulassung des Ministaates in die EU erst dann zuzustimmen, wenn der islandische Staat für die Verluste der britischen "Anleger" aus der Bankenkrise von 2008/09 aufkommt und diese schadlos hält.
Man stelle sich vergleichdweise vor, etwa Deutschland verlangte von den USA und dem "We can"-Obama, die US-Regierung müsste die deutschen Anleger etwa bei den Lehmman Bros schadlos halten...Zwei Tage später rückten die Ami-Panzer aus ihreen deutschen Kasernen aus...Wofür sie schließlich - wie auich noch die nritischen und französischen - noch immer in Deutschland stationiert sind...

Gast: 1. Parteiloser
06.08.2011 19:25
0

UK ist in der Rezession, andere EU Länder werden folgen müssen!

Wenn man die hedonische Berechnung der Teuerungsrate nicht anerkennt und eine realere Teuerungsrate zur Rezessionsbeurteilung heranziehen würde, dann ist UK sicher in einer schweren Rezession.

Bei den meisten EU Ländern haben (hatten) wir doch eine schuldengetriebene Hochkonjunktur. Es scheint schon seit einigen Monaten abzuflauen, auch wenn die Geschäfte noch ganz ordentlich laufen. Es ist doch ganz Normal, dass es nach einer Hochkonjunktur wieder schlechter werden wird. Das Problem sind eher die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft, welche immer mit einer Supermagahöchstkonjunktur planen müssen, um selber die irren Budgets für die Ausgaben auch füllen zu können.

Unternehmen, welche heute nicht für eine gute Substanz sorgen werden dann gefährdet sein. Staaten, welche heute keine ausgeglichen Budgets schaffen werden dann in die Zahlungsunfähigkeit gehen (müssen).

Es wird eine Rezession kommen und die könnte auch heftig werden. Wann die Rezession kommt und wie stark diese werden wird, das hängt vor allem (leider) von den Entscheidungsträgern ab.

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