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Frankreichs Wirtschaft stagniert überraschend

12.08.2011 | 10:35 |   (DiePresse.com)

Im zweiten Quartal ist die französische Wirtschaft nicht gewachsen. Neben Deutschland galt Frankreich bisher als Wachstumsmotor der Euro-Zone.

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Die überraschende Stagnation der französischen Wirtschaft stellt die Erholung der gesamten Euro-Zone zunehmend infrage. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft im Währungsraum wuchs im zweiten Quartal nicht mehr, wie das Statistikamt am Freitag mitteilte. Noch zu Jahresanfang hatte es mit 0,9 Prozent das stärkste Wachstum seit rund fünf Jahren gegeben. Dies erhöht zudem den Druck auf die Regierung in Paris, mit Sparpaketen den hohen Schuldenberg abzubauen. An den Finanzmärkten wird immer stärker angezweifelt, ob Frankreich sein "AAA"-Top-Rating als Schuldner behalten wird.

Neben Deutschland galt das Schwergewicht Frankreich bisher als entscheidender Wachstumsmotor im Euro-Raum. Denn viele hoch verschuldete Staaten wie Italien, Spanien, Portugal und Griechenland kommen nur mühsam aus der Krise heraus oder stecken weiter mitten in der Rezession.

Zurückhaltende Konsumenten

In Frankreich sorgten nun vor allem zurückhaltende Verbraucher für einen Dämpfer. Der Privatkonsum sank deutlich um 0,7 Prozent. Für die gesamte Wirtschaft hatten Fachleute für die Zeit von April bis Juni ein Anziehen von 0,3 Prozent erwartet.

Etwas positiver sind hingegen die Beschäftigungszahlen: Die Beschäftigenzahl klertterte gegenüber dem Vorjahresquartal um 210.600 nach oben, das ist ein Plus von 1,3 Prozent.

Frankreichs langfristige Wachstumsperspektiven seien zwar intakt, betonte Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. Allerdings dürfte die Verschärfung der Schuldenkrise in Europa für zusätzlichen Druck sorgen. "Wir gehen davon aus, dass die Wachstumsraten für den Rest des Jahres niedrig bleiben." Die Berenberg Bank erwarte 2011 ein Plus von 1,9 Prozent. Die BIP-Daten hätten aber für ein "deutliches Abwärtsrisiko der Prognose" gesorgt.

Die Regierung dürfte ihr Ziel, das Haushaltsdefizit 2011 auf unter sechs Prozent zu drücken, verfehlen. Dies könne die Nervosität an den Märkten erhöhen.

Die Pariser Börse reagierte auf die neuen Wachstumszahlen zunächst mit einem Einknicken der Kurse, erholte sich aber bis zum Mittag und legte um rund ein Prozent zu.

Regierung hält an Wachstumszielen festgelegte

Frankreichs Finanzminister Francois Baroin betonte, trotz der schwachen Wirtschafts-Daten halte die Regierung an ihren Zielen für das Wachstum und den Defizitabbau fest. Die Konsolidierungspläne basieren auf einer Wachstumsprognose von 2,0 Prozent für 2011. Frankreichs Banken gehörten zu den solidesten weltweit, sagte Baroin im RTL Radio.

Bei der Opposition stieß diese Einschätzung auf heftige Kritik. Der für die Wirtschaft zuständige Nationalsekretär der Sozialisten, Michel Sapin betonte: "Frankreich ist noch nicht aus der Krise."

Baroin kündigte baldige deutsch-französische Vorschläge für ein besseres Funktionieren der Eurozone an. Die Anleger könnten darauf zählen, dass beide Länder bis Ende des Sommers eine entsprechende Initiative erarbeiten werden.

(APA)

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12 Kommentare
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Aslo haben die pösen Spekulanten doch nicht ganz so unrecht?

Die Börse hatte die wirtschaftliche Zukunft zuvor viel zu rosig gesehen. Das wird jetzt wieder bereinigt.

Ein Aufschwung, der auf Pump und staatlicher Schuldenmacherei basiert, ist eben kein realer Aufschwung!

Aber wenn der Markt den Politikern einen "Denkzettel" verpasst, dann sind diese beleidigt und reagieren wie immer mit Restriktionen. Die Ursachen gehen sie aber wieder nicht an.

Gast: Ackerbilk
12.08.2011 12:07
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Man braucht sich nur die Bevölkerungsstruktur anzusehen

und man weiß, daß da noch viel wirtschaftliches Abwärtspotential drin ist. Sehe keinen Grund, FR besser zu bewerten, als E. Katalonien ist wesentlich leistungsstärker als der gesamte französische Süden.

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Es ist nur für die Presse überraschend!

Nicht nur Experten auch die Normalbürger haben gewusst, dass mit der Wirtschaft von Frankreich nicht gut bestellt ist...
Einige wollten eben nicht glauben. Das schöne Bild mit Sarkozy und Carla wollte niemand gekratzt sehen. Nun ja...
Der Euro muss David Copperfild sein um aus diesem Sack rauszukommen!

Gast: 1. Parteiloser
12.08.2011 10:20
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Keine Überraschung!

Wir hatten doch schon 2010 eine Hochkonjunktur, auch wenn diese unter dem realen Level von 2007 gelegen ist. Diese Konjunktur hat sich auch am Jahresanfang 2011 noch sehr schön entwickelt.

Es aber nun mal des Wesen der Wirtschaftsaktivitäten, dass es stärkere Phasen und schwächere Phasen gibt. Auf die stärkeren Phasen (2010) müssen zwangsläufig auch schwächere Phasen folgen.

Der Traum von Europas Politikern das Schuldenproblem über eine Hypermegahochkonjunktur zu retten, dieser Traum wird ein Traum bleiben. Das gilt auch dann, wenn die Politiker an den Wachstumszielen (am Papier!) festhalten. Ich würde meinen, dass das Festhalten an Papieren eher nicht funktionieren wird, Papier gibt einen schlechten Halt.

Frankreichs Probleme gehen aber viel tiefer. Immerhin hat das Land eine Staatsausgabenquote von 56% des BIPs. Das bedeutet ja auch, dass das BIP durch die Staatsausgaben dominiert wird. Kommen nun die Sparmaßnahmen, also eine Reduktion der Staatsausgaben, dann wird das automatisch einen erheblichen Einfluss auf das BIP haben (sehen wird auch in Griechenland).

Es geht doch weniger um die Banken und ein besseres Funktionieren der Eurozone. Es geht doch um die Absurdität des BIPs, der irren Schulden (Eurozone 10.000.000 Mio. Euro) aber auch um die Umverteilungsirrsinn von Privat zu Staat.

Erst wenn die Entscheidungsträger anerkennen, dass das Staatsunwesen und das Bankenunwesen die Realwirt. ausgeraubt hat, und deshalb nichts vorwärts geht, dann kann es besser werden!

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Re: Keine Überraschung!

*Erst wenn die Entscheidungsträger anerkennen, dass das Staatsunwesen und das Bankenunwesen die Realwirt. ausgeraubt hat, und deshalb nichts vorwärts geht, dann kann es besser werden! *

Danke!

Die Konjunktur ist auch nur deshalb gemäß nominellen Zahlen "gut" gelaufen, weil die Geldentwertung vielfach geschönt ist.
Die negativen Faktoren der Niedrigzinspolitik durch die Zentralbank für die wirtschaftlichen Strukturen kommen erst später zum Tragen.

Die Privaten haben versucht ihre Schulden halbwegs in den Griff zu bekommen. Der Staat hat die Schulden weiter ausgeweitet.
Der private Sektor, der das Geld verdient und Wertschöpfung generiert, wird immer mehr erdrückt.

Gast: MSIG
12.08.2011 09:54
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Aufbau einer Gesellschaft mathematisch erklärt

In jeder Gesellschaft gibt es positive und negative Elemente.

Sowohl positive Elemente, als auch negative Elemente sind nicht auf lebende Objekte oder gar Menschen beschränkt. Ein hässlicher Zubau irgendwo oder EHEC-Erreger, oder Bettwanzen - auch diese sind mit Zuwanderern wieder nach Frankreich gekommen - sind negative Elemente.

Grundsätzlich wird durch Innovationen tendentiell Wachstum geschaffen, wobei Innovationen immer auch Spannungen in der Gesellschaft hervorrufen, insbesondere bei ungebildeten oder religiösen Gruppen. Der Grund warum Menschen sich Menschen durch Innovation - dazu zählen ja auch Massenvernichtungswaffen - tendenziell positiv entwickeln ist der Wille von Lebewesen zu überleben.

Doch es können sich auch negative Eigenschaften vermehren. Beispiel: Eine Bombe explodiert und zerstört ein schönes Bauwerk, dass die Gesellschaft positiv stimmte.

Am Wichtigsten für eine Gesellschaft sind jedoch die Menschen selbst. Unter diesen gibt es welche, die mit stark am Markt teuer nachgefragten Eigenschaften (klug, schön, wiederstandsfähig, schnell...) geboren werden und diese Eigenschaften durch andere positive Faktoren wie geeignete Bildungseinrichtungen, Sportstätten, Haute Couture u. s. w. verstärkt werden, aber auch solche die diese schwächen, wozu auch eben negative Elemente der menschlichen Gesellschaft zählen, die Drogen verkaufen, oder sonstige Untaten begehen.

Vermehren sich die negativen Elemente, so wird das Wachstum gebremst oder gar unmöglich!

Antworten Gast: EFF EFF
12.08.2011 15:52
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Re: Aufbau einer Gesellschaft mathematisch erklärt

Die von Ihnen beschriebene natürliche Auslese ist längst einer künstlichen, pekuniären Auslese gewichen.

Was Sie als positiv und negativ beschreiben, ist ein durch Geburtsrecht erworbene sozialer Status.
Fleiß, harte Arbeit und Intelligenz reichen nicht aus die Grenzen zwischen gesellschaftlichen Schichten zu überwinden.

Der Zugang zu sozial isolierten Schichten wird vielmehr durch Netzwerke beschränkt.

Ebenfalls die noch vorhandene, mangelhafte Kommunikation zwischen den gesellschaftlichen Schichten ist fast ausschließlich auf pekuniäre Themen beschränkt.

Die Strukuren sind aus Sicht der Eliten vertikal, aus Sicht der Outlaws parallel. Hier möge jeder selbst entscheiden, wie er seine soziale Position und die weitgehend isolierte Gruppe, in der er sich befindet, definiert.

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Re: Aufbau einer Gesellschaft mathematisch erklärt

Alles Leben in dieser Welt verläuft in Zyklen.

Es gibt Aufwärts- und Abwärtszyklen. Siehe Arbeiten von Kondratieff.

Jeder Leistungssportler kennt das. Man kann nicht immer in Hochform sein.
Man benötigt auch Phasen der Regeneration. Genauso ist das im Leben und damit auch in der Wirtschaft.
Wer in der Finanzwirtschaft ein System aufbaut, in dem es nicht mehr erlaubt ist sich zu erholen - in der keine Rezession mehr sein darf, weil die Schulden uns sonst umbringen -, der wird unvermeidlich den totalen Zusammenbruch herbeibeschwören.

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Überraschend, für wem?

Das geht alles der Reihe nach, die bisher bekannten PIIGS, + Italien, Frankreich, ja sogar Deutschland ist nicht sakrosankt.
Österreich ist zu unwichtig dass man es extra erwähnen müsste.
Die Merkl und der Sarkozy treffen am kommenden Dienstag den Berlusconi auf einer "Bunga-Bunga Party und werden dabei die EU retten!;-)

Gast: Halbwissen
12.08.2011 09:38
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so überraschend ist dies auch wieder nicht

Woher soll Wachstum kommen ?

Alleine schon die Ankündigung von Sparprogrammen zwingt die Konsumenten zum sparen.

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Re: so überraschend ist dies auch wieder nicht

Echtes Wachstum, das auch Wohlstand generieren könnte, kommt nicht vom Konsumenten. Schon gar nicht, wenn der Konsument das nur auf Pump finanzieren könnte.

Wir sind in einem Wirtschaftyzyklus (Kondratieff Winter ?) in dem es darum geht die Leverage (das Fremdkapital, die Schulden) auf ein normales Maß zurückzuführen. Erst wenn später aus Ersparnissen heraus wieder investiert wird und daraus der Konsum wieder angeregt wird, kann es wieder ein "gesundes" Wachstum geben.

Antworten Antworten Gast: Goust
14.08.2011 01:17
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Re: Re: so überraschend ist dies auch wieder nicht

"Erst wenn später aus Ersparnissen heraus wieder investiert wird und daraus der Konsum wieder angeregt wird, kann es wieder ein "gesundes" Wachstum geben."

Bis dann wieder alles zusammenbricht?

Hobbyökonom