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Dubiose Geschäfte: EU-Bann trifft Telekom in Weißrussland

16.08.2011 | 18:24 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

Weißrussland dürfte die Telekom Austria intensiv beschäftigen, denn die von der Europäischen Union über die Beltelecom des Lukaschenko-Vertrauten Wladimir Peftiew verhängten Sanktionen setzen die TA unter Druck.

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Wien. „Vergangenheitsbewältigung“ – das ist in der Telekom Austria (TA) derzeit oberstes Gebot. Zuoberst auf der Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung am gestrigen Dienstag stand deshalb das „System Telekom“, wie es ein Insider gegenüber der „Presse“ bezeichnete – und nicht die Halbjahreszahlen. Die sind – vor allem wegen des hohen Abschreibungsbedarfs in Weißrussland – zwar auch nicht berauschend, aber sie verblassen angesichts der millionenschweren Prämien und Honorare, die einige TA-Manager und deren Freunde aus mutmaßlichen Malversationen zogen.

Weißrussland und das seit 2007 bestehende Engagement beim Handynetzbetreiber Velcom dürften die TA dennoch abgesehen vom Ergebniseinbruch noch intensiv beschäftigen: Denn die letzte Diktatur Europas steht seit Juni unter verschärften Sanktionen der EU. Anfang August haben auch die USA ihre Sanktionen verschärft. Brüssel und Washington reagierten damit auf die fortgesetzte Unterdrückung von Oppositionspolitikern und Menschenrechtsaktivisten durch die weißrussische Führung unter Staatschef Alexander Lukaschenko.

Auf die „schwarze Liste“ hat die EU einen Mann und einige seiner Firmen gesetzt, der für die TA kein Unbekannter ist: Wladimir Peftiew. Der als „Privatbankier“ von Lukaschenko geltende Tycoon, der über seinen Rüstungskonzern Beltechexport der größte Waffenhändler Weißrusslands ist, soll auch Anteile an der MDC gehalten haben, wie die Velcom ursprünglich hieß. Die Mehrheit an der MDC besaßen der Investor Martin Schlaff und sein syrischer Geschäftspartner Id Samawi über ihre SB Holding.

 

Vermögen wurde eingefroren

Peftiew hat seine Anteile an der MDC gleichzeitig mit Schlaff und Samawi verkauft. Zu Peftiews Firmen gehören jedoch neben der Beltechexport der Glücksspielkonzern Sport-Pari und der Telekomkonzern Beltelecom. Das Vermögen und den Handel mit diesen drei Firmen hat die EU eingefroren. Zum Problem für die TA könnte die Beltelecom werden.

Generell brauchen Mobilfunker die Infrastruktur eines Festnetzes, um ihre Dienste anbieten zu können. Für die Durchleitung von Gesprächen von einem Netz zum anderen zahlen die Unternehmen gegenseitig Entgelte. Das ist auch in Weißrussland so – als Partner der Velcom kommt nur die Beltelecom infrage. Mit der dürfte die TA seit den Sanktionen eigentlich keine Geschäfte mehr machen.

Dazu TA-Sprecherin Elisabeth Mattes zur „Presse“: „Wir sind bisher von EU-Sanktionen nicht tangiert worden.“

Der PR-Mann Peter Hochegger, der unter anderem von der TA Honorare kassiert hat, für die die von TA-Boss Hannes Ametsreiter eingesetzte Taskforce keine adäquaten Leistungen finden konnte, taucht auch beim Weißrussland-Deal auf. Er soll in Bulgarien eine Firma gegründet haben, über die Lobbying in Weißrussland betrieben werden sollte. Ob und wie das überhaupt geschehen ist, dürften möglicherweise die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft klären. Gegen Hochegger wird im Zusammenhang mit den Honorarflüssen und der Kurs-Affäre ermittelt. Darüber hinaus ist er auch einer der Beschuldigten in der Buwog-Causa. Es gilt die Unschuldsvermutung.

 

Boni werden zurückgefordert

In der Affäre um den dubiosen Kurssprung im Februar 2004, der rund 100 Telekom-Managern zu saftigen Prämien von in Summe 9,2 Mio. Euro aus einem Aktienoptionsprogramm verhalf, greift die TA jetzt durch. Der Aufsichtsrat mit seinem neuen Präsidenten, Markus Beyrer, hat beschlossen, die Boni von den inzwischen ausgeschiedenen Vorständen Heinz Sundt, Rudolf Fischer, Stefano Colombo und Boris Nemsic zurückzufordern. Ametsreiter, der damals Marketingvorstand der Mobilkom war, hat bereits angekündigt, seinen Bonus in Höhe von 92.000 Euro freiwillig zu refundieren. Außerdem bringt die TA gegen Fischer, Gernot Schieszler und Josef Trimmel, die laut dem Geständnis von Schieszler maßgeblich in die Kursmanipulation verwickelt waren, eine Schadenersatzklage auf die volle Schadenssumme ein. Eine Klage auch gegen Sundt und Colombo wird geprüft.

Beyrer stärkt Ametsreiter bei seinen Bemühungen, Tabula rasa zu machen, den Rücken. „Aufsichtsrat und Vorstand setzen in enger Abstimmung alle Schritte, die notwendig sind, um den dem Unternehmen und den Aktionären entstandenen Schaden bestmöglich auszugleichen.“

Auf einen Blick

Die Telekom Austria dürfte durch die EU-Sanktionen gegen Weißrussland mit ihrer Tochter Velcom ein Problem bekommen. Von den ehemaligen Vorständen, die durch mutmaßliche Kursmanipulation einen Prämie erhielten, wird diese zurückgefordert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2011)

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25 Kommentare
 
12
Gast: Gast34
18.08.2011 18:49
0 0

Headline: Qualitätsjournalismus

"Zu Peftiews Firmen gehören jedoch neben der Beltechexport der Glücksspielkonzern Sport-Pari und der Telekomkonzern Beltelecom. Das Vermögen und den Handel mit diesen drei Firmen hat die EU eingefroren. Zum Problem für die TA könnte die Beltelecom werden."

So ein Unsinn. Das Staatsmonopol Beltelcom gehört dem Staat und ist natürlich nicht sanktioniert. Die auf der EU-Liste stehende PUE BT Telecommunication ist irgendwas, jedenfalls aber kein Telco-Anbieter.

DiePresse macht sichs auch leicht mit Skandalg'schichtln.


2 0

Aufsichtsrat fordert Boni zurück ...

Um sie unter den neuen Funktionären als "Erfolgsprämie" zu verteilen!

Antworten Gast: Bettelstudent
17.08.2011 16:37
0 0

Re: Aufsichtsrat fordert Boni zurück ... Ist ja nur Show

Das kann er gar nicht machen. Von einem geständigen Schuldigen vielleicht, aber niemals von der ganzen Seilschaft.

Wer das erste weiße Schaf sieht,

hat gewonnen.


Re: na ja

hab eindeutig den verkehrten job
de jungs zoihn 92.000 euro ausm hosnsack, wia i mei wurschtsemmerl beim fleischer

Gast: detleffan
16.08.2011 22:52
3 0

bemerkenswert dass Hochegger mit seinen lächerlichen paar Milliönchen dauernd sekkiert wird

Schlaff, der Grandseigneur im Hintergrund, der für "Kontaktherstellung" 450 Millionen (!!) EURO kassierte, und über dessen Tisch das Belarus-Geschäft lief, wird niemals erwähnt...

Gibt es da keine Gewährleistung?

Der Mann hat immerhin das Weissrussland-geschäft hergestellt, ist 3 Mrd. (!) EURO schwer, könnte man da nicht Entschädigung verlagnen?

Ich meine, wenn ich ein Geschäft vermittle, das derartig ni die HOsen geht, muss ich geradestehen und in einem gew. Mass bürgen.
Schlaff hat hier ein Milliraden-geschäft eingefädelt (was genaues wurde ja pikanterweise nie berichtet, das lief alles komplett von der Öffentlichkeit abgeschirmt und geheimnisvoll ab) - braucht der gar keine Gewährleistung liefern?

Telekom zahlt 290 Millionen Euro Boni an Schlaff und Samawi

http://www.wirtschaftsblatt.at/home/boerse/bwien/telekom-zahlt-290-millionen-euro-boni-an-schlaff-und-samawi-411468/index.do" target="_blank">http://www.wirtschaftsblatt.at/home/boerse/bwien/telekom-zahlt-290-millionen-euro-boni-an-schlaff-und-samawi-411468/index.do

Antworten Gast: tango korrupti
16.08.2011 23:41
2 0

Re: bemerkenswert dass Hochegger mit seinen lächerlichen paar Milliönchen dauernd sekkiert wird

Die gewährleistung nennt sich Graf und kassierte 1, 1 mio Euro, Taschengeld

Langsam tendier auch ich zu einem Zahntechniker als Problemlöser, wenn der Rest nur aus korrupten Rüsselträgern besteht.

Gast: Dr. Eisendraht
16.08.2011 22:14
1 0

wie gewonnen so zerronnen

Es wäre schön, wenn sie die ergaunerten Millionen schon verspekuliert hätten und man nun auf ihr anderes Vermögen zurückgreifen könnte

Gast: Seltsam-Seltsam
16.08.2011 21:56
1 2

Beamte haben nie diese kriminelle Energie entwickelt!

In Österreich wird immer über Beamte gemeckert und die "Privaten" werden in den Himmel gelobt.

Und jetzt?
Wer war da am Trog - Beamte oder Angestellte?

Angestellte Politgünstlinge haben abgesahnt – und fast wäre das kriminelle Meisterstück gelungen...

Re: Beamte haben nie diese kriminelle Energie entwickelt!

Ich gebe insofern recht, als dass immer über die "Unternehmer" gemeckert wird, wenn solche Top-Angestellten wieder was durchziehen. Inwiefern das aber die Beamten entlastet, die dort und da für Auftragsvergabe Millionen kassieren, was in unserem System ja geradezu verlockend ist, verstehe ich nicht.

Gast: Analyst
16.08.2011 21:52
3 0

In so einem Fall tritt man zurück

Der gesamte Vorstand, alle Direktoren und Manager. Das alleine wäre ein positives Signal für die Börsen.

Charakter

Hätte wenigstens einer dieser Herren soviel Anstand sich mit der Telefonschnur zu erdrosseln!

Antworten Gast: Rekneh
16.08.2011 22:10
0 0

Schauderhaft

Kaum auszudenken, was noch in der Monarchie mit denen passiert wäre!

Nun... das sind Plünderer... eleganter gekleidet - aber sonst...

Und man sollte sie auch so behandeln. EINSPERREN!

Re: Nun... das sind Plünderer... eleganter gekleidet - aber sonst...

aber die feinen Herren kann man doch nicht einsperren, ein bisschen Geld wieder rücküberwiesen und alle ist gut.

Gast: detleffan
16.08.2011 18:30
1 0

naja, das meiste vom Gewinn fliesst eh ins ferne Ausland ab

da haben die Österreicher genausowenig davon, wie von den bunten Papierln, die - von AMerica aus, dem Volke angedreht wurden.

Der Grossteil der Gewinne der grossenAktienkonzerne fliesst nach Übersee, in irgendwelche Firmenkonstrukte mit Fantasienamen - kein Mensch weiss, wem das Zeug gehört, oder wer da dahintersteckt.

Ist das demokratisch?

alle rackern sich ab für ne Kontonummer, der Bereicherte bleibt anonym...

Gast: In China gäbe es sowas NICHT!
16.08.2011 18:16
1 0

oba net do jetzt a bissi zruckzohln und die sache hat sich.........

....nach dem Motto, wenn ma dawischt werden zohln mas einfoch zruck.........HAFTSRAFEN HAFTSTRAFEN HAFTSTRAFEN, möchte ich über diese Pülcher verhängt sehen, oder eben asiatisch nach vor treten!

Re: oba net do jetzt a bissi zruckzohln und die sache hat sich.........

unsere Justiz?

Gast: klimpot
16.08.2011 18:00
0 0

wär ja auch was für die börsenaufsicht

Was ist eigentlich mit der BrauUnion bzw Beuerle & Co. ?Das zieht sich auch schon Jahre und sowas nennt sich Rechtsstaat.

Boni sind ja nicht genug

lieber noch ein wenig mehr klauen. So reich muss man erst mal sein das einem ein paar Millionen nicht mehr genug sind im Jahr.

Gast: strelizie
16.08.2011 16:53
2 0

OH WIE NETT

Oh, wie nett, Ametsreiter zahlt 92000 euro zurück. Er war 2004 zwar Marketingchef, hatte einen Vertrag mit Aussicht auf das Bonusprogramm, aber er ist so ein "Wirtschafts-kapazunder", dass er sich nichts dabei gedacht hat, als der Kurs gerade passend zum Stichtag in die Höhe schoss? Oder dachte er sich, besser nicht fragen und nichts wissen und das Geld schnell einstecken? Fallotten allesamt!


Gast: Norbert Mundigler
16.08.2011 16:35
0 0

Wien am Wasser 13.8.11

Die Seestadt Aspern ist mit 2,4 Millionen Quadratkilometern wirklich groß. Vielleicht sollte man von einem Seestaat sprechen, weil ca. 4 mal so groß wie Frankreich!

ha ha

zuerst einstreifen und dann ein bissi was zurückgeben - wahrlich österreichisch und das wahlvieh lässt sich wieder blenden

 
12

Hobbyökonom