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Wulff: Politik ungedeckter Wechsel ist am Ende

24.08.2011 | 18:18 |  FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Der deutsche Bundespräsident, Christian Wulff, kritisierte in der Eröffnungsrede einer hochkarätig besetzten Wirtschaftskonferenz am Bodensee die EZB für den Ankauf von Staatsanleihen scharf.

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Lindau. Das Städtchen Lindau ist bis kommenden Samstag so etwas wie der Wallfahrtsort der internationalen Wirtschaftselite. Nicht weniger als 17 Nobelpreisträger diskutieren mit 360 handverlesenen Ökonomiestudenten über die Zukunft der Weltwirtschaft. Ein lohnendes Thema, wusste doch schon der legendäre deutsche Wirtschaftsminister Ludwig Erhard: „Wirtschaft ist nicht alles. Aber ohne Wirtschaft ist alles nichts.“

Die Liste der anwesenden Laureaten ist vor allem eines: beeindruckend. Darauf zu finden sind die Namen der Nobelpreisträger aus dem Jahre 2010 (Peter Diamond, Dale Mortensen und Christopher Pissarides), weiters sind Roger Myerson, Robert Mundell, John Nash, Edwin Phelps, Myron Scholes, William Sharpe und Joseph Stiglitz an den Bodensee gereist, um nur einige der derzeit führenden Wirtschaftswissenschaftler zu nennen.

 

Wulff: EZB hat Mandat überdehnt

Den bemerkenswertesten Beitrag des Eröffnungstages lieferte jedoch keiner der hochdekorierten Ökonomen, sondern ein Politiker. Der deutsche Bundespräsident, Christian Wulff, versuchte in seiner Rede, für eine kompromisslose Rückbesinnung auf eine sparsame Haushaltspolitik zu werben. Nicht ohne Pathos: „Wir haben die Wahl zwischen Sparsamkeit und Freiheit– oder Überfluss und Knechtschaft“, wie Wulff eine Rede von Thomas Jefferson, dem dritten Präsidenten der USA, aus dem Jahr 1816 zitierte.

Vor dieser Wahl stünde nun Europa. „Später wird uns deutlich werden, wie sehr das, was wir jetzt tun oder unterlassen, die kommenden Jahrzehnte bestimmen wird“, meint Wulff weiter. Besser unterlassen sollten „wir“ Europäer den Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB). Das sei rechtlich wie auch politisch bedenklich, weil die obersten Währungshüter aus Sicht des deutschen Bundespräsidenten ihr Mandat überdehnten. Das könne auf Dauer nicht gut gehen und dürfe bestenfalls „übergangsweise toleriert werden“.

Es sei zudem ein grobes Missverständnis, Solidarität allein an der Bereitschaft zu messen, andere Staaten finanziell zu unterstützen, für sie zu bürgen oder gar mit ihnen gemeinsam Schulden aufzunehmen. „Die Politik mit ungedeckten Wechseln ist an ihr Ende gekommen“, so Wulff. Derart unmissverständliche Worte hört man von amtierenden Staatsoberhäuptern nicht allzu oft.

Nicht gerade schüchtern antwortete der Wirtschafts-Nobelpreisträger des Jahres 2001, Joseph Stiglitz, auf die Rede des deutschen Bundespräsidenten. Um die Staatsschuldenkrise nachhaltig zu bewältigen, brauche es laut Stiglitz vor allem eines: noch deutlich mehr Geld und Garantien. Wolle Europa den Euro vor dem Untergang bewahren, müsse der europäische Rettungsfonds kräftig aufgestockt werden. „Notfalls auch durch Kredite von der Europäischen Zentralbank.“ Das sei zwar gegen die Statuten, diese müsse man eben ändern.

Überzeugt ist Stiglitz, dass es sehr viel Geld kosten werde, den Euro zu retten. Ein Scheitern der Gemeinschaftswährung würde aber noch höhere Summen verschlingen: „So oder so: Die Deutschen werden eine Menge Geld verlieren“, wie Stiglitz meinte.

 

Lettland rettete sich selbst

Das wiederum führte Wulff zur Frage, wer denn in letzter Konsequenz die Retter retten werde. Statt permanent mehr Geld und Solidarität einzufordern, sollten sich die hoch verschuldeten Staaten ein Beispiel an Lettland nehmen, das Hilfe von außen ablehnte und seine Probleme über kräftige Einsparungen selbst löste. Eine Therapie, die Stiglitz an frühere Jahrhunderte erinnerte: „War jemand krank, wurde er zur Ader gelassen. Und zwar so lange, bis der Patient tot war.“ Der „Patient Lettland“ ist derzeit alles andere als tot, er befindet sich auf dem Wege der Besserung. Die Arbeitslosigkeit ist zwar hoch, die Verschuldung (48Prozent des BIPs) aber beneidenswert niedrig und die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs.

Aus Sicht des deutschen Bundespräsidenten führt an Einschnitten jedenfalls kein Weg vorbei. Das bedeute „Zumutungen für alle“. Sollte dieser „Sommer der Ernüchterung“ den Beginn einer Rückbesinnung markieren, hätten wir gelernt, so Wulff.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2011)

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13 Kommentare
Gast: manchmal gehts ruck-zuck
26.08.2011 07:42
1 0

sagt mal einer die Wahrheit

so schnell kann man gar nicht schauen ist der Artikel darüber schon weg von der Titelseite - vielleicht sollte man andererseits froh sein dass darüber überhaupt noch berichtet wird..

Realist7
25.08.2011 16:06
0 0

Tja, der Stiglitz!

Wär hätte ernsthaft erwartet, Wirtschaftsnobelpreisträger (uiuiui!) Stiglitz würde auf geistreiche und logische Kritik seines unlogischen und empirisch falschen Wirtschafts-Mantras einigermaßen vernünftig reagieren?

Diese post-keynsianische Ökonomen-"Elite" wäre noch von der absoluten Richtigkeit ihrer Theorie überzeugt, wenn wir mitten im 3. Weltkrieg stecken würden und dadurch - hurra! - wieder einmal Vollbeschäftigung dank staatlichen Eingreifens hätten! Paradisische Zustände wenns nach diesen Herrschaften ginge...

Und das ist nicht einmal aus den Fingern gesaugt, hat doch Paul Krugman, einer der wackersten Streiter des Surrealen, in einem bemerkenswerten Interview von der fantastischen Kraft von WW2 auf die US-Wirtschaft geschwärmt. Dass die Lebensmittel rationiert werden mussten und der amerik. Wohlstand in Europa verballert wurde ist ihm wohl egal. Getoppt hat er dieses Statement damit, dass er ernsthaft der Meinung wäre, würde sich die gesamte Welt auf eine nicht existente Alien Invasion vorbereiten, wäre das ein gutes Konjunkturprogramm für unsere Volkswirtschaften.

Sehr gut kommentiert vom "Austrian" Peter Schiff (der übrigens sowohl die DotCom-, als auch die Immobilien-Blase vorausgesagt hat):

http://www.youtube.com/watch?v=fyW-o-Pr92M

Wie kann man Leuten wie Stiglitz oder Krugman ernsthaft Kompetenz zusprechen?

0 0

„Wir haben die Wahl zwischen Sparsamkeit und Freiheit– oder Überfluss und Knechtschaft“


und wie lautet das Mantra des so genannten Ökonomen Schulmeister:

Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.
Mehr Schulden sind gut.

Warum ?


Gast: Frank Oberhauser
25.08.2011 08:00
3 1

„Die Politik mit ungedeckten Wechseln ist an ihr Ende gekommen“

Wulff meint, die Sozialdemokratie ist am Ende. Womit er nicht Unrecht hat.

Allerdings ist Klientelwirtschaft ein allgemeines Laster, dem auch Bürgerliche alles andere als abgeneigt sind. Sie haben selbst ihre Gruppen, die in ihrer Raffgier keine Grenzen der Vernunft kennen: Lehrerschaft, Ärzteschaft, Bauern (Neusprech: Landschaftspfleger),...

Exklusiv für die Roten: ÖBB, Gemeindebedienstete,...

Das ultimative Problem: Gewerkschaftsbosse!!!

Gast: MiroL
25.08.2011 06:25
7 0

Recht hat er, der Wulf

Dass er auch die amerikanische Außenministerin für EU Angelegenheiten, im Nebenberuf deutsche Bundeskanzlerin, endlich zurecht weist. Unser lieber Heinzi muss ja schon sehr lange auf der Toilette sitzen, damit er sagen kann, ich habe davon nichts gewusst, ich war da gar nicht dabei.

Antworten Gast: Lecko Mio
25.08.2011 09:57
2 0

Re: Recht hat er, der Wulf

ob der fischerheinzi etwas weiss oder nicht ist ungefähr so wichtig wie --> ob der berühmte sack reis(in china) umfällt oder nicht....ps: was es mit einem ungedeckten wechsel auf sich hat könnte ihm trotzdem der vranitzky telefonisch erklären,zum günstigen sozi penthouse- bahama mama- tarif....inkl. lockerer beratung zu --> eventueller wiedereinführung des schilling.... ...mama bahama mama.....

Antworten SOKrs
25.08.2011 08:12
1 0

Re: Recht hat er, der Wulf

Moril, trefflich argumentiert.

breznkarli
25.08.2011 00:56
12 0

Wir werden alle viel Geld verlieren

Das System, das unter Kreisky begonnen hat ist bereits kollabiert. Wachsende Schulden und Zinsen, gedeckt durch immer größeres Wachstum funktioniert nicht mehr. Die Schulden lassen nämlich kein Wachstum mehr zu.

In Europa sind die Schulden zwischen 20% und 50% uneinbringlich, und müssen abgeschrieben werden. Aber, wie wir bereits gesehen haben, wird keiner verzichten bevor der crash kommt.

Wir sprechen aber nicht von den großen Zockern, die ihr Vermögen verlieren werden. Jede Pensionskasse oder Versicherung ist in Staatsanleihen veranlagt. Wenn die nicht zahlen, gibt es auch keine Pension.

Das System wird wieder auf 0 gesetzt. Gab es in der Geschichte schon öfter. Jetzt ist es wieder so weit.

Gast: Resitarits L
24.08.2011 21:51
0 4

Soviel zum Kapazunder Wulf

http://www.youtube.com/watch?v=hRD3m5EZxWs

Zappelzapp
24.08.2011 21:41
11 0

So was zu sagen, würde sich unser Held in der Hofburg

in diesem Leben nicht trauen. Im nächsten wahrscheinlich auch nicht.

Es rennen ja genug wirtschaftskundliche Analphabeten herum, die bis heute nicht einmal die einfachsten Grundbegriffe begriffen haben. Und die Bierzelt-Helden von Feymann bis StRache reden diesen Dolmen auch noch ein, Recht zu haben.

BP Wulff

Der Mann beweist bei jeder Wortmaldung,
1.Er ist-EIN AKADEMISCHER ANALPHABET!
2.Er ist unverändert-EIN CDU-POPULIST DER ÜBELSTEN FORM!
3.Er hat keine Ahnung von Finanz,-und Volkswirtschaft,
4. Er ist in seinem Job alsDeutscher BP noch nicht angekommem, und seine jüngster Wortmeldung beweist ganz eindringlich-ER WIRD DA AUCH NICHT MEHR ANKOMMEN, WEIL:

Antworten SOKrs
25.08.2011 08:14
0 1

Re: BP Wulff

aber seine Ehefrau ist einigermaßen attraktiv. Finden Sie nicht? Nur diese Körperbemalung gefällt mir nicht so sehr.
Aber bemühen tut er sich.

Re: Re: BP Wulff

Es ist wirklich wohltuend, einem Menschen mit Humor, und gutem Witz zu begegnen!
Machen Sie,s gut SOKrs