Eco Austria: Konkurrenz für Wifo und IHS

Die Industriellenvereinigung, eine Interessenvertretung mit rund 3500 Mitgliedern, gründet ein neues Wirtschaftsforschungsinstitut: „Eco Austria“ soll ab 2012 vor allem wirtschaftspolitischen Input liefern.

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(c) APA (Georg Hochmuth)

Wien. Die heimischen Konjunkturforschungsinstitute Wifo und IHS bekommen „Konkurrenz“: Die Industriellenvereinigung ist gerade dabei, ein neues Wirtschaftsforschungsinstitut zu gründen. Es wird Anfang nächsten Jahres seine Arbeit unter dem Namen „Eco Austria“ aufnehmen. Und einen Leiter des Institutes gibt es auch schon – nämlich Ulrich Schuh, bisher Ökonom beim IHS.

Die Industriellenvereinigung, eine Interessenvertretung mit rund 3500 Mitgliedern, lässt sich die Sache einiges kosten: Mit 300.000 Euro jährlich soll das neue Institut dem Vernehmen nach unterstützt werden. Es soll sich allerdings weniger auf Konjunkturprognosen spezialisieren, wie es das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung und das Institut für Höhere Studien und übrigens auch die IV selbst schon tun.

Vielmehr ist daran gedacht, mit „Eco Austria“ einen Thinktank auf die Beine zu stellen: Die derzeit vorgesehenen sechs bis sieben Mitarbeiter sollen vor allem wirtschaftspolitische Modelle entwickeln und der Politik damit wichtigen Input liefern. In diesem Bereich sieht die Industriellenvereinigung in Österreich derzeit eine große Lücke.

 

Sprengstoff für Wifo und IHS

Ein friedliches Nebeneinander von künftig drei österreichischen Wirtschaftsforschungsinstituten also: so weit die offizielle Version. Dennoch bergen die Pläne der Industriellenvereinigung einigen Sprengstoff in sich: Schon im Jahr 2009 hat die Industriellenvereinigung Unmut vor allem über das Wifo bekundet. Das Wirtschaftsforschungsinstitut werde zunehmend ein Verfechter linker Ideologien – und das ging vielen IV-Mitgliedern entschieden gegen den Strich: Nachdem Raiffeisen seine finanziellen Zuwendungen an das Wifo damals gänzlich einstellte, folgte im Sommer 2009 die Industriellenvereinigung. Jahrelang hatte sie 235.000 Euro an das Wifo gezahlt, flugs wurde der Beitrag auf 100.000 Euro zusammengestrichen.

Auch das IHS wird mit den Plänen der Industriellenvereinigung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt konfrontiert: Ende des Jahres geht der jahrelange IHS-Chef Bernhard Felderer in Pension. Sein designierter Nachfolger, der Tiroler Christian Keuschnigg, hat zu Beginn seiner neuen Tätigkeit also gleich eine Herausforderung mehr zu bewältigen.

Dem Vernehmen nach wird die Industriellenvereinigung die finanzielle Unterstützung von Wifo und IHS auch nach der Gründung von „Eco Austria“ weiter gewähren. Jedenfalls sollen derzeit keine Kürzungen geplant sein.

Brisant ist die Gründung des Thinktank aber auch aus einem anderen Grund: Wie „Die Presse“ berichtete, wird unter den IV-Mitgliedern zunehmend Unmut über die Wirtschaftspolitik der Regierung laut.

 

Massive Kritik an Regierung

Wiederholt wurde IV-Präsident Veit Sorger von etlichen Mitgliedern händeringend aufgefordert, eine neue wirtschaftsliberale Partei zu gründen. Was Sorger freilich in eine veritable Zwickmühle brachte: Als Chef einer politisch unabhängigen Interessenvertretung sah er sich zu so einem Schritt außerstande.

Der nun initiierte und finanziell unterstützte Thinktank könnte so gesehen als Kompromissangebot an die aufgebrachten Mitglieder interpretiert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2011)

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