Euro-Ende käme teurer als Euro-Rettung

Etwa 1000 Euro würde die Pleite von Griechenland, Irland und Portugal jeden deutschen Bürger kosten. Euro-Austritt wäre weit teurer, rechnen zwei Banken vor. Aber auch Anhänger eines "Nord-Euro" machen mobil.

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(c) EPA (KARL-JOSEF HILDENBRAND)

Wien/Red./Hie. Soll man Griechenland retten? Soll man möglicherweise auch Portugal, Irland oder gar Spanien vor dem finanziellen Ruin bewahren oder doch eher pleitegehen lassen? Zwei Studien beantworten diese Frage aus finanzieller Sicht recht eindeutig: Für die Mitgliedstaaten zahlt sich eine Rettung der angeschlagenen Staaten aus.

Auch die Diskussion über einen Ausstieg finanzstarker Staaten aus dem Euro und die Gründung einer neuen Währung ist demnach nicht so attraktiv, wie es sich für manche Ökonomen anhört: Einen Staat wie Deutschland würde ein solcher Schritt volkswirtschaftlich bedeutend mehr kosten als eine Pleite mehrere Mitgliedstaaten, schreiben Analysten der Schweizer Bank UBS.

 

Austritt kostete jeden 8000 Euro

Die Schweizer UBS-Experten, angeführt von Stephane Deo, haben anhand von mehreren Szenarien die Kosten des Euroausstiegs errechnet. Würde beispielsweise Deutschland die D-Mark wieder einführen, würde das zu einem enormen Wertanstieg dieser Währung führen (ähnlich wie beim Schweizer Franken). UBS rechnet mit „40 bis 50 Prozent gegenüber dem Euro“.

Das wäre den Autoren zufolge ein tödlicher Schlag für viele exportorientierte Unternehmen. Steigt die Gefahr von Firmenpleiten, dann steigen auch Zinsen. UBS schreibt in der Untersuchung von 200 Basispunkten (zwei Prozent). Zu den Firmenpleiten und der steigenden Arbeitslosigkeit käme, dass sich die Banken rekapitalisieren müssten. Und dafür müsste wiederum die nationale Regierung einspringen.

Unterm Strich würde das Kosten von 6000 bis 8000 Euro pro Person im ersten Jahr verursachen, zwischen 3500 und 4500 Euro pro Person in jedem folgenden Jahr. Umgerechnet auf das Bruttoinlandsprodukt wäre das ein Einbruch von 20 bis 25 Prozent. Eine Pleite von Griechenland, Irland und Portugal würde dagegen nur mit einmalig 1000 Euro pro Person zu Buche schlagen.

Noch dramatischer wären laut der Schweizer Bank die Folgen, wenn ein finanziell schwaches Land aus der Gemeinschaftswährung austritt. Das würde seine Pleite bedeuten. Dann würden laut UBS-Szenario die Banken kollabieren, der Handel sich halbieren. Die Kosten für das Land beliefen sich auf 9500 bis 11.500 Euro pro Person: Die Wirtschaftsleistung würde um 40 bis 50 Prozent einbrechen.

Dass sich die Beibehaltung des Euro für die Mitgliedsländer auszahlt, glaubt auch die staatliche deutsche Bankengruppe KfW. Die Währung habe Deutschland in den vergangenen beiden Jahren einen Wohlstandsgewinn von 50 bis 60 Milliarden Euro gebracht, schreiben KfW-Volkswirte in einer „Abschätzung des quantitativen Vorteils des Euro für Deutschland gegenüber einer fiktiven D-Mark“. Die Exportwirtschaft profitiere etwa dadurch, dass der Euro weniger stark aufwerte als diese fiktive Mark. Zudem wären die Zinsen in den vergangenen beiden Jahren höher gewesen, wären sie allein von der Bundesbank mit Blick auf die deutsche Situation festgelegt worden.

Das Resümee von KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch in der „Frankfurter Rundschau“: Es sei eindeutig „kostengünstiger, die konditionierten Rettungsmaßnahmen fortzusetzen sowie die Institution der Währungsunion zu reformieren, als die Eurozone auseinanderbrechen zu lassen“.

Trotz dieser Warnungen suchen manche Experten das Heil für die starken Länder außerhalb des Euro. Etwa Hans-Olaf Henkel, Ex-Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, der eine Teilung der Währungsunion in Nord und Süd fordert. Unter dem Arbeitstitel „Nordeuro“ soll Deutschland gemeinsam mit Österreich, den Niederlanden und Finnland – und vielleicht auch den Nicht-Euroländern Schweden, Dänemark und Tschechien – eine neue Währung gründen. „Wenn es möglich war, aus 17 Einzelwährungen eine zu machen, sollte es auch möglich sein, aus einer Währung zwei zu machen“, schreibt Henkel in der „Welt“. Die Vorteile seien offensichtlich: Die Deutschen müssten die Währungsunion nicht gegen die Transferunion tauschen und könnten sich wieder den eigenen Problemen zuwenden.

 

Nur Minderheit für „Nord-Euro“

Und die Kosten? Es sei zwar richtig, dass ein Nordeuro, der ja gegenüber dem südlichen Konterpart sofort aufwerten würde, die Exporte belasten muss. Henkel wendet aber ein, dass 45 Prozent der Wertschöpfung, die in deutschen Exportprodukten enthalten ist, vorher importiert wurde. Diese Einfuhren würden durch eine Aufwertung günstiger, was den Nachteil wieder teilweise ausgleichen würde.

Möglicherweise liebäugelt bereits der eine oder andere Staat mit der Idee, andere aus dem „harten Euro“ auszuschließen. So sagte etwa Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble am Donnerstag, dass es Griechenland überlassen sei, „ob es die Konditionen erfüllt, die für eine Mitgliedschaft in der Gemeinschaftswährung notwendig sind“. Offiziell plädieren aber nur wenige für den „Nordeuro“ – auch in Österreich. Hier spricht sich vor allem einer für eine Währung unter Ausschluss der „Olivenländer“ und Frankreichs aus: BZÖ-Chef Josef Bucher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2011)

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