Als er das Kriegsschiff sah, kam ihm die zündende Idee: Warum nicht die britische Marine um Hilfe bitten, wenn so illustre Kaufinteressenten wie die Prinzen der Schah-Familie eine entlegene Insel auf den Seychellen besichtigen möchten? Der Deal mit der Admiralität funktionierte, die Genehmigungen wurden erteilt – und Farhad Vladi konnte wenig später das Geschäft erfolgreich abschließen.
„Improvisation und Top-Service – das müssen Sie in diesem Business immer parat haben, wenn Sie erfolgreich sein wollen“, verrät Vladi der „Presse am Sonntag“ sein Verkaufsgeheimnis. Der gebürtige Hamburger mit persischem Vater handelt mit Inseln – ausschließlich – und hat sich damit weltweit einen Namen als „der“ Immobilienspezialist für Eilande gemacht. „Wenn du eine Insel willst, musst du zu Vladi gehen“, sagen Kenner der Szene rund um den Globus.
2100 Inseln hat Vladi, der in Hamburg und Wien studiert hat, bisher verkauft – etliche mehr sollen es noch werden. Dafür nimmt Vladi ein rastloses Leben in Kauf: „Vielflieger“ ist ein Understatement für den Mann, der allein oder mit Kunden jährlich mehrmals um den Globus jettet, um neue Objekte zu finden bzw. diese per „Lokalaugenschein“ anzubieten.
„Ich habe in den ersten zehn Jahren meiner Tätigkeit ein EDV-Register mit 12.000 Akten angelegt, das ist mein ganzer Schatz“, verweist Vladi auf die Knochenarbeit, die hinter seinem Traumjob steckt. Dieses Archiv im Hamburger Büro wird dauernd aktualisiert und ergänzt.
Vladi ist per Zufall auf seinen Karriereweg gestolpert – obwohl er natürlich wie jeder andere Bub auch nach der Lektüre von Robert Louis Stevensons Bestseller von einer Schatzinsel geträumt hat. „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass mein Freund Jakob von Uexküll, der Stifter des Alternativen Nobelpreises, eine Insel gekauft hat.“ Das habe ihm keine Ruhe gelassen. Je mehr er sich mit dem Thema befasste, desto mehr reizte ihn die Idee. Als eine Seychellen-Insel für 100.000 Dollar („das war vor 40 Jahren ein Vermögen“) angeboten wurde, versuchte er sein Glück und vermittelte sie. Wenig später wechselte die Seychellen-Insel Cousine Island den Besitzer – und Vladi kassierte seine erste Provision.
Royale Mieter. Inzwischen machte ihn eine andere Seychellen-Insel berühmt: In einer der elf Luxus-Villen auf North Island verbrachte Prinz William mit seiner Kate die Flitterwochen – vermittelt von Vladi, der Inseln nicht nur verkauft, sondern auch vermietet.
Bis der Hanseate 1975 „Vladi Private Islands“ gründete, vergingen aber noch ein paar Jahre, in denen er dem Vater gehorchend einen „ordentlichen“ Beruf bei der Deutschen Bank ausübte. „Schon in dieser Zeit verkaufte ich drei weitere Inseln, und da wusste ich, was ich wirklich wollte.“
Inzwischen verkauft Vladi mit 40 Mitarbeitern in Hamburg und Kanada pro Jahr im Schnitt 30 Inseln und kommt auf einen Jahresumsatz von rund 50 Mio. Euro. Dass sich das Geschäft jetzt sprunghaft vergrößern könnte, weil Griechenland und Italien tief in der Schuldenbredouille sitzen und alle Welt meint, Athen und Rom könnten mit dem Verkauf ihrer Inseln das Budget sanieren, glaubt Vladi genauso wenig wie er einen krisenbedingten Einbruch fürchtet. Die meisten griechischen Inseln seien in Staatsbesitz, und komplizierte Rechtsbestimmungen, wie auch der Naturschutz, machten eine Veräußerung unmöglich. In Italien wiederum sei die Baugenehmigung ein Problem – und wer will seine Insel nur im Zelt genießen?
Schon in der Finanzkrise erwies sich das Business als beständig. Warum? „Weil entgegen dem Klischee die meisten Inseln nicht von Prominenten, also den Reichen und Schönen, gekauft werden“, sagt Vladi. Natürlich zählt er Filmstars und gekrönte Häupter zu seiner Klientel. Aber je bekannter jemand sei, desto weniger komme eine Insel für ihn in Frage, „weil die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann“. Deshalb mieten die Gates, die Clintons, die Travoltas und die Brosnans lieber: 14 Tage lässt sich's schon ungestört und unbemerkt urlauben, aber ein echter Zweitwohnsitz bleibt auf die Dauer nicht geheim.
Das Gegenteil eines All-Inclusive-Fans. Vladi bezeichnet das Gros seiner Kunden daher als „arme Reiche“. Menschen, die zwar das nötige Kleingeld haben, um – je nach Lage und Größe – zwischen 50.000 und 100 Mio. Euro auf den Tisch zu blättern. Die aber mit ihrer Insel nicht protzen wollen, sondern tatsächlich Ruhe, Natur, Freiheit und Abgeschiedenheit suchen. Das Gegenteil eines All-inclusive-Fans also. Auch wenn Vladi im Laufe der Jahre die unterschiedlichsten Käufertypen kennenlernte. Und eines haben sie gemeinsam: „Sie sind große Individualisten, sind gebildet, können mit ihrer Zeit etwas anfangen und auch einmal improvisieren.“ Auch wenn es heutzutage moderne Stromgewinnungs- und Wasseraufbereitungsanlagen gibt: Wenn diese ausfallen, wohnt der Installateur nicht ums Eck. Oder man kann ihn mangels Handynetz nicht anrufen.
Viele Inselbesitzer entwickeln deshalb eine enge emotionale Beziehung zu ihrem Refugium und verkaufen es im Krisenfall nicht sofort. Inseln werden eher über mehrere Generationen vererbt als schnell abgestoßen. „Ich verkaufe ja keine Inseln, sondern Träume“, kennt Vladi den Grund.
Die Träume haben – ganz entgegen dem Klischee – oft nichts mit Palmen und türkisblauem Meer zu tun. „Viele Projekte vermittle ich in Kanada, den USA und Schottland“, verweist Vladi darauf, dass politische Stabilität eine große Rolle spiele. Inseln, die sehr fern vom Festland und/oder in politischen Unruheherden liegen, wo es keinen Kataster und keine gesicherten Eigentumsverhältnisse gibt – die nennt Vladi „Abenteuer-Inseln“. Solche Projekte vermittelt er ungern; generell rät er davon ab, auch wenn sie billig sind.
Die Preise steigen übrigens seit Jahren – und sind nie drastisch gefallen. Die Ursache dafür sieht Vladi einerseits im technischen Fortschritt, der einem modernen Robinson das Leben erleichtert, andererseits im begrenzten Angebot und nicht zuletzt in dem generell krisenbedingten Trend zu Immobilien-Anlagen. Manchmal brauche es dennoch Jahre, bis er ein Objekt an den Mann bringt. „Zwei Jahre habe ich eine Insel im Rhein angeboten – nichts kam. Und dann hatte ich auf einmal drei Kunden.“ Aus dem Katalog sollte man eine Insel aber auf keinen Fall kaufen – „das tun Sie ja nicht einmal bei einem Auto“. Hinfahren, anschauen und einen Schnupperurlaub machen – das sind Vladis Grundregeln für Interessenten.
Manchmal muss man nicht weit fahren: „Es gibt auch in den Alpen Inseln, nicht nur im Wörther See oder im Chiemsee.“ Wer es nicht glaubt, kann es demnächst nachlesen – in einem Bildband über „Alpeninseln“. Herausgeber Vladi hat sich seinen eigenen Traum dennoch fernab von Europa erfüllt: Forsyth Island im Marlborough Sound, an der Nordspitze der Südinsel Neuseelands. Dort, in dieser stillen Fjordlandschaft, vergisst er, „dass ich dafür 15 Jahre hart gearbeitet habe“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2011)
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