Italien zählt in Finanzkrise auf Unterstützung Chinas

Ein chinesischer Staatsfonds soll italienische Staatsanleihen erwerben. Analysten bezweifeln jedoch, dass die Hilfe stark genug sein wird.

Der dem Staatsfonds CIC vorstehende Lou Jiweisoll zu Gesprächen in Rom gewesen sein
Schließen
Der dem Staatsfonds CIC vorstehende Lou Jiweisoll zu Gesprächen in Rom gewesen sein
(c) REUTERS (Staff)

Italien bemüht sich angesichts seiner hohen Staatsschulden um Hilfe aus China. Das italienische Finanzministerium bestätigte am Dienstag Gespräche zwischen Finanzminister Giulio Tremonti und dem Chef des größten chinesischen Investmentfonds. Einen Ausweg aus der Schuldenkrise sehen Investoren darin nicht, Italien muss für neu platzierte Staatsanleihen Zinsen in Rekordhöhe zahlen.

Tremonti sei in der vergangenen Woche in Rom mit einer chinesischen Delegation zusammengetroffen, zu der auch der Chef des unabhängigen Investmentfonds CIC, Lou Jiwei, gehört habe, teilte der Ministeriumssprecher mit, ohne nähere Angaben zu machen. Laut einem Bericht der "Financial Times" ging es um den Kauf italienischer Staatsanleihen und eine Beteiligung Chinas an strategisch wichtigen italienischen Unternehmen. Italienischen Zeitungen zufolge war Tremonti bisher davor zurückgeschreckt, China um Hilfe zu bitten, weil er einen zu starken Einfluss Pekings fürchtete.

China habe einen Großteil seiner Währungsreserven in Dollar angelegt, suche nun nach weiteren Anlagemöglichkeiten und sei interessiert an Italien, sagte der Mailänder Wirtschaftsprofessor Giuliano Noci der Nachrichtenagentur AFP. "China interessiert sich für die Familienjuwelen: Es will in den Umweltsektor investieren, in neue Technologien und vor allem in Mode und Haushalts-Design." China legt einen wachsenden Teil seines Staatsvermögens in Euro an und greift bereits den stark verschuldeten Euro-Ländern Griechenland, Spanien und Portugal unter die Arme. An italienischen Staatspapieren sei China aber nicht interessiert, lauteten am Dienstag die Marktgerüchte.

Zinsen in Rekordhöhe

Auch daher musste die Regierung in Rom bei der Platzierung neuer Schuldtitel für fast 6,5 Milliarden Euro Zinsen in Rekordhöhe in Kauf nehmen. Der Zinssatz für Papiere mit einer Laufzeit von fünf Jahren sprang von 4,93 auf 5,60 Prozent und damit so hoch wie noch nie seit Bestehen der Eurozone.

Italien steht unter starkem Druck der Märkte und hat daher Sparmaßnahmen beschlossen. Der zweite Sparplan der italienischen Regierung in diesem Jahr sieht bis zum Jahr 2013 Einsparungen im Haushalt in Höhe von 54,2 Mrd. Euro vor. Der Parlamentsbeschluss steht noch aus.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy forderte die Italien zur konsequenten Umsetzung auf. Die Annahme des Sparpakets sei "wichtig und zwar nicht nur für Italien, sondern für die gesamte Eurozone", sagte Van Rompuy in Brüssel nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

(Ag.)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Kommentar zu Artikel:

Italien zählt in Finanzkrise auf Unterstützung Chinas

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen