Niederlande bereiten sich auf Insolvenz von Griechenland vor

14.09.2011 | 18:17 |  Von unserem Korrespondenten HELMUT HETZEL (Die Presse)

Den Haag dürfte bereits Geheimverhandlungen auch mit Österreich über die Abwicklung einer Staatspleite führen. Die Schuldenlast der Hellenen sei einfach zu hoch, es müsse einen Schuldenschnitt geben.

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Den haag. Die niederländische Regierung ist dabei, sich auf eine mögliche Insolvenz von Griechenland vorzubereiten. Im Haager Finanzministerium werden bereits Szenarien durchgerechnet, welche Folgen die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands für niederländische Banken, Pensionsfonds, Versicherer und die holländische Wirtschaft insgesamt haben könnte. Führende niederländische Banker, wie der Vorstandschef der Rabobank, Bert Bruggink, erklären in Interviews, es sei nicht mehr die Frage „ob, sondern wann Griechenland Insolvenz anmelden müsse“. Die Niederlande zählen zu den Ländern, die am negativsten zu immer neuen Hilfspaketen für angeschlagene Euro-Länder stehen.

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Die Schuldenlast der Hellenen sei einfach zu hoch, so Bruggink. Es müsse einen Schuldenschnitt (Haircut) für Griechenland geben. Man müsse den Griechen bis zu 50 Prozent ihrer Schulden erlassen. Nur dann könne das Land wieder auf die Beine kommen. Die Gläubiger müssten für ihre Investitionen in Griechenland, etwa in griechische Staatsanleihen, in diesem Fall Verluste hinnehmen.

Sogar der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager schließt die Insolvenz Griechenlands nicht mehr länger aus. „Wir bereiten uns auf alle wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Szenarien vor, sagte de Jager in einem Interview mit dem niederländischen TV-Sender RTL-Z. Auf die Frage, ob eine Pleite Griechenlands „geordnet verlaufen kann“, antwortete de Jager: „Es ist technisch sehr schwierig, dass ein Land der Euro-Zone innerhalb der Währungsunion so gelenkt werden kann, dass ein Prozess geordnet abläuft.“ Die Frage, ob er mit einer Pleite von Griechenland tatsächlich rechne, wollte de Jager allerdings nicht beantworten. „Darauf kann ich in der Öffentlichkeit keine Antwort geben.“

Aus Kreisen des Haager Finanzministeriums verlautet ferner, dass die niederländische Regierung hinter den Kulissen bereits mit einigen Ländern der Euro-Zone Gemeinverhandlungen über die Abwicklung einer Insolvenz Griechenlands führt. Genannt werden in diesem Zusammenhang: Deutschland, Finnland, Österreich. In Paris dagegen sei man „noch nicht soweit, eine Pleite Griechenlands akzeptieren zu wollen“, heißt es in Den Haag. Daher gebe es innerhalb der Euro-Zone „noch keine tragfähige Mehrheit für einen Konkurs“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2011)

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9 Kommentare
Gast: dunkle wolken
17.09.2011 21:22
0

geheimverhandlungen mit österreich? also es ist schon ausgemacht- wer sagts dann dem leidgeprüften volk , dass milliarden in den sand gesetzt wurden- entgegen besseres wissen.

faymann oder fekter oder der BP? oder gibts gleich neuwahlen - dieses hick-hack halten die österreicher eh nicht mehr aus.

Windplayer

Vielleicht sollte Österreich eine Alternativ-Union mit der Schweiz bilden der sich dann weitere Länder anschließen.

Was machen die Österreicher?

Wenn die EU auseinander geht, bleiben die Österreicher wie ein neugeborenes ohne Mutter auf der Erde liegen!

Antworten Gast: Schuhputzer
17.09.2011 21:58
1

Re: Was machen die Österreicher?

Die EU-Systemlinge werden nackt auf der Erde liegen. Sind Sie denn ein solcher?
Mir kann keiner Angst machen wenn die Krake verreckt.

es wird spannend

Es wird dann spannend, was mit dem Rest der Pleitestaaten passiert:

1) Kettenreation: Italien, Spanien, Irland, Portugal, alle Staaten, alle Banken gehen pleite, weltweit. = Mega-Deflation sofort
2) Rettungsschirm wird vergrößert, EZB druckt ein paar tausend Milliarden Euros, und man schafft es, genug "Vertrauen" herzustellen, dass die anderen Pleitestaaten nicht sofort mitsinken. = Hyper-Inflation in einiger Zeit

Würde persönlich eher auf Szenario 2 tippen.

Was vor 2 Jahren schon klar war

dringt jetzt endlich auch in die Betonköpfe der Politiker.

Immer das selbe Geleier

und nichts passiert.
Sollen sie aus dem Euro austreten und zurück zur Drachme, die können sie abwerten und wieder als Touristenziel oder Obst und Gemüsehändler attraktiv werden. Die Importpreise werden für sie steigen, aber vielleicht ist das dann ja ein Ansporn was zu ändern. Zurück in den Euro können sie ja später immer noch, wenn es ihn dann noch gibt :-). Schade das unsere Politiker mit dem ganzen Geschwafel nur Völkerhass erzeugen anstelle was zu ändern - das scheint so langsam eins ihrer Ziele zu sein,denn die Griechen wollen oder wollten den Euro genau so wenig wie wir und gefragt wurden wir alle nicht.

..aber die nächste Tranche zahlen wir noch?


Gast: guesto
14.09.2011 19:39
12

wenn sie schon beinander sitzen

sollten sie gleich über den Nordeuro reden und Nägel mit Köpfen machen.
Und das Frankreich nicht dabei ist, ist kein Beinbruch. Denn die würden in 5-10 Jahren erst recht wieder den Nordeuro sprengen.

Lieber Sarko, mach dich doch zum Oberhaupt einer 2. lateinischen Währungsunion. Die erste ist zwar damals schon an GR und I gescheitert, aber diesmal wirds sicher klappen! Bonne Chance!

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