Niederlande bereiten sich auf Insolvenz von Griechenland vor

Den Haag dürfte bereits Geheimverhandlungen auch mit Österreich über die Abwicklung einer Staatspleite führen. Die Schuldenlast der Hellenen sei einfach zu hoch, es müsse einen Schuldenschnitt geben.

Der niederländische Premier Mark Rutte (r.) im Gespräch mit seinem Finanzminister Jan Kees de Jager.
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Der niederländische Premier Mark Rutte (r.) im Gespräch mit seinem Finanzminister Jan Kees de Jager.
(c) EPA (VALERIE KUYPERS)

Den haag. Die niederländische Regierung ist dabei, sich auf eine mögliche Insolvenz von Griechenland vorzubereiten. Im Haager Finanzministerium werden bereits Szenarien durchgerechnet, welche Folgen die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands für niederländische Banken, Pensionsfonds, Versicherer und die holländische Wirtschaft insgesamt haben könnte. Führende niederländische Banker, wie der Vorstandschef der Rabobank, Bert Bruggink, erklären in Interviews, es sei nicht mehr die Frage „ob, sondern wann Griechenland Insolvenz anmelden müsse“. Die Niederlande zählen zu den Ländern, die am negativsten zu immer neuen Hilfspaketen für angeschlagene Euro-Länder stehen.

Die Schuldenlast der Hellenen sei einfach zu hoch, so Bruggink. Es müsse einen Schuldenschnitt (Haircut) für Griechenland geben. Man müsse den Griechen bis zu 50 Prozent ihrer Schulden erlassen. Nur dann könne das Land wieder auf die Beine kommen. Die Gläubiger müssten für ihre Investitionen in Griechenland, etwa in griechische Staatsanleihen, in diesem Fall Verluste hinnehmen.

Sogar der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager schließt die Insolvenz Griechenlands nicht mehr länger aus. „Wir bereiten uns auf alle wahrscheinlichen und unwahrscheinlichen Szenarien vor, sagte de Jager in einem Interview mit dem niederländischen TV-Sender RTL-Z. Auf die Frage, ob eine Pleite Griechenlands „geordnet verlaufen kann“, antwortete de Jager: „Es ist technisch sehr schwierig, dass ein Land der Euro-Zone innerhalb der Währungsunion so gelenkt werden kann, dass ein Prozess geordnet abläuft.“ Die Frage, ob er mit einer Pleite von Griechenland tatsächlich rechne, wollte de Jager allerdings nicht beantworten. „Darauf kann ich in der Öffentlichkeit keine Antwort geben.“

Aus Kreisen des Haager Finanzministeriums verlautet ferner, dass die niederländische Regierung hinter den Kulissen bereits mit einigen Ländern der Euro-Zone Gemeinverhandlungen über die Abwicklung einer Insolvenz Griechenlands führt. Genannt werden in diesem Zusammenhang: Deutschland, Finnland, Österreich. In Paris dagegen sei man „noch nicht soweit, eine Pleite Griechenlands akzeptieren zu wollen“, heißt es in Den Haag. Daher gebe es innerhalb der Euro-Zone „noch keine tragfähige Mehrheit für einen Konkurs“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2011)

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