China will Europa helfen – mit Auflagen

14.09.2011 | 18:17 |  von THOMAS SEIFERT (DALIAN) (Die Presse)

Der chinesische Premier Wen Jiabao kündigte beim Weltwirtschaftsforum in Dalian Unterstützung für Europas tief verschuldete Länder an. Er stellte jedoch Bedingungen dafür.

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In China nennen ihn alle Großväterchen Wen. Premier Wen Jiabao ist das gütige Antlitz der chinesischen Führung. Er ist mit Trost zur Stelle, wenn die Erde bebt, Züge entgleisen oder Schneekatastrophen das Neujahrsfest verleiden. Bei der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums in der Hafenstadt Dalian hatte Wen Trost für die von der Schuldenkrise gebeutelten Europäer parat: Sein Land sei überzeugt, dass sich die europäische Wirtschaft wieder erholen werde. China sei bereit, „eine helfende Hand auszustrecken“ und mehr in europäische Länder zu investieren.

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Aber die „helfende Hand“ reckt gleichzeitig den Zeigefinger empor: Die entwickelten Länder müssen verantwortungsvolle Finanz- und Geldpolitik betreiben: „Am wichtigsten ist es, das Übergreifen der europäischen Staatsschuldenkrise auf andere Staaten zu verhindern.“

 

Prall gefüllte „Kriegskasse“

Großväterchen Wen ist eben nicht Mutter Teresa und internationale Politik – Wirtschaftspolitik zumal – die Kunst des Gebens und Nehmens. Und bevor China seine mit Währungsreserven im Wert von 3,2 Billionen Dollar (rund ein Viertel davon in Euro) prall gefüllten Tresore für die Europäer öffnet, deponiert der chinesische Premier seine Wunschliste und fordert „mutige Schritte“, insbesondere die baldige Anerkennung der zweitgrößten Volkswirtschaft als „volle Marktwirtschaft“ – was die EU bisher verweigert hat.

Das Thema wird wohl am 25. Oktober beim EU-China-Gipfel in Tianjin nahe Peking auf den Verhandlungstisch kommen. Der Status „volle Marktwirtschaft“ schützt Peking vor Anti-Dumping-Klagen und ist für Pekings Führung auch eine Frage des Prestiges. 2016 bekäme das Land gemäß internationalen Verträgen diesen Status ohnehin.

Pekings Hilfe für die Eurozone wäre nicht selbstlos: Die EU ist der wichtigste Handelspartner Chinas. Die 27 EU-Länder importierten im Jahr 2010 chinesische Waren im Wert von 282 Mrd. Dazu kommt, dass die chinesische Führung ein multipolares Währungssystem anstrebt, dem außer dem Dollar-Yen-Euro-Trio irgendwann auch einmal der Yuan angehören soll.

Zuletzt gab es Spekulationen, wonach China dem mit 1,9 Billionen Euro schwer verschuldeten Italien unter die Arme greifen soll: Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti soll sich mit Lou Jiwei, Chef der China Investment Corporation, getroffen haben.

Die Märkte atmeten kurz auf, doch dann wurde klargestellt, dass Investitionen in Italiens Wirtschaft und nicht der Kauf von Staatsanleihen diskutiert worden seien. China ist schon seit einiger Zeit auf Einkaufstour in Europa: An Griechenland interessieren chinesische Investoren Reedereien und Hafenanlagen. Österreich ist für China vor allem als Sprungbrett nach Mittel- und Osteuropa und als Hightech-Standort interessant. Unlängst kaufte XAC (Xi'an Aircraft Industry Company) den Flugzeugzulieferer FACC, der Teile für Boeing und Airbus herstellt. In Ungarn wiederum baut der chinesische Telekom- und Technologiekonzern Huawei sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, Appetit entwickelte Peking auch auf die ungarischen Luftlinie Malev. Die osteuropäischen Staaten sind im Dilemma: Die westlichen Nachbarn halten sich mit Investitionen zurück, gleichzeitig sind die Erfahrungen mit chinesischen Partnern nicht immer die besten.

 

EU hat keine klare Haltung

Strassburg/Go. Die EU hat keine gemeinsame Position zum chinesischen Hilfsangebot. Auf die Frage der „Presse“, was die europäischen Finanzminister beim informellen Treffen am Wochenende zur Offerte aus China sagen werden, antwortete Polens Finanzminister und derzeitiger EU-Ratsvorsitzende Jan Vincent-Rostowski im Europaparlament in Straßburg: „Wenn wir eine angemessene, koordinierte Antwort auf die Krise der Eurozone finden, werden wir keine angemessene, koordinierte Antwort an China brauchen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2011)

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57 Kommentare
 
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1,9 billionen von china für italien?

- das wären knapp 2000 milliarden euro...?

Gast: Grundsatz
15.09.2011 06:32
0

Schweigegeld

Und wenn wir dann von den Chinesen genügend abhängig sind, werden wir zu deren Menschenrechtsverletzungen nur mehr schweigen dürfen ...

Europa verscherbelt im Moment alle seine Grundsätze.

Re: Schweigegeld - Menschenrechtsverletzungen?

Sie meinen, wir sollten "denen da d'rüben" ein Chinuantanamo nicht zubilligen?

Die westlichen Demokratien dürfen Menschenrechte nicht mehr als Maßstab in Anspruch nehmen, noch kann unsere Polit-Justiz sich nicht mehr als Rechtspflege verstehen!

Antworten Gast: vier ene
15.09.2011 08:14
0

Re: Schweigegeld

"... wir zu deren Menschenrechtsverletzungen nur mehr schweigen dürfen"

Wir haben doch schon jetzt keinen Anlass Mehr, in "dieser Angelegenheit" mit unserem Finger auf andere zu zeigen!

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
15.09.2011 05:16
0

Heute schon chinesisch gelernt?

Wenn man es sich logisch überlegt, so bietet China Europa an, uns Geld zu leihen, damit wir es gleich wieder bei den Chinesen ausgeben können.

Genau das aber führte, dass wissen wir aus der Geschichte immer und immer wieder zu neuen Abhängigkeiten.

Wer also der Meinung ist, man sollte die chinesischen Kredite, also Abhängigkeiten annehmen um dann wiederum bei der "vollen Marktwirtschaft" chinesische Produkte zu kaufen und damit es in ein zwei Jahren wieder notwendig machen, chinesische Kredite aufzunehmen, bis Europa eines Tages zu China gehört, der sollte auch gleichzeitig schon einmal anfangen darüber nachzudenken wo man letztendlich Chinesischkurse für unsere Bevölkerung herbekommen könnte.

Denn dann ist Österreich eines Tages China.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundespressesprecher der
Österreichischen Bürgerpartei
http://www.oebp.at
http://jachwe.wordpress.com

No worries................

die chinesen bekommen was sie wollen - wenn europa pleite ist ................:O((

... helfen – mit Auflagen?

Weit haben es die Regierenden in Europa gebracht - der gesamte Kontinent wird als unterstützungswürdig hingestellt und von Systemen belächelt, denen wir "vor EU" noch Ratschläge erteilen konnten!

Gast: Blasto
15.09.2011 02:56
0

Schulden + Kredit = Schulden bekämpfung?

Was ich mich nur frage ist was wollen die Chinesen mit dem kauf von Staatsanleihen erreichen?

Ich bezweifle stark das sie es nur dem guten willen machen.

Was China genau vor hat kann man nur spekulieren aber das China auf einmal ganz Europa aufkauft bezweifle ich stark.
Denn selbst wenn sie es würden hätten sie nur bedingt Kontrolle über Europa.(weshalb die Kolonialisierungs versuche im 1500 Jahrhundert fehlgeschlagen sind da sich die Kolonien nach einer Zeit sich selbständig gemacht haben)

Aber eines ist sicher was wir nicht brauchen und das sind mehr Schulden.

Die Politiker müssen endlich durchgreifen und die anhäufung von Schulden stoppen denn sonst ist die nächste Wirtschaftskrise gewiss.

niemand weiß, was eine Wirtschaftsgemeinschaft!

. . . und da liegt der Hund begraben.
Der freie Markt kann nur funktionieren, wenn Chancengleichheit herrscht: ein einheitliches Steuer-, Budget- und Sozialsystem, einheitliche Standards und Normen.
Brüssels Eurokraten basteln an einem Multikultur-Superstaat, den niemand will, anstatt Europas Wirtschaft zu integrieren.

Re: niemand weiß, was eine Wirtschaftsgemeinschaft!

die Nationalstaaten wehren sich doch.

Gast: Freiheit
14.09.2011 22:53
2

es wurde ja fleissig in europa schon in den volksschulen

der bevoelkerung eingetrichtet - wirtschaft ist schlecht. wir brauchen keine starke dynamische wirtschaft weil wir ja schulden machen koennen, wettbewerb ist schlecht, sparen ist schlecht, der staat beschuetzt uns alle. geld machen ist schlecht. verantwortung uebernehmen ist schlecht. ich frage mich ob hier seitens unserer politiker eine geziehlt versklavung des volkes angeordnet wurde um dann schoen brav den chinesen folge zu stehen. es geht mir hier nicht darum dass chinesische firmen in europa investieren, dies ist jedermann's freiheit sondern darum dass die chinesischen firmen grossteils politischen gehorsam leisten der ueber die normale beziehung zum ursprungsland hinausgeht. unsere politiker haben unsere verhandlungsmoeglichkeiten in der welt verspielt und verbraucht. sie reden uns ein, die anderen werden alle sehr freundlich und den europeaern helfen. wer das glaubt ist naiv. ich bin mir sicher, haette oesterreich oder deutschland eine situation wie griechenland haetten spanien, italien, griechenland uns schon laengst abgestossen. ohne mit zu zwinkern. an sich kann ich dem Austrian Economist nur zustimmen. China mit seiner manipulierten waehrung zusaetzlich wird einige probleme bekommen.

Re: ... schon in den volksschulen der bevoelkerung eingetrichtet?

Also, wo Sie in die Schule gingen, sollten Sie besser für sich behalten!

Sie geben da eine Weisheit preis, wie sie widersprüchlicher nicht sein kann.

China vorzuwerfen, dass dessen Währung manipuliert wäre - und selbst den EURO in der Hand halten müssen?

Mag China Probleme bekommen, wie Sie argwöhnen - Europa hat sie, überall und rundherum!

Antworten Antworten Gast: freiheit
16.09.2011 06:39
0

Re: Re: ... schon in den volksschulen der bevoelkerung eingetrichtet?

sie wuerden sich wundern wo ich in die schule gegangen bin. aber china manipuliert seine waehrung - aber wie ich sehe reagieren sie emotional denn vom euro rede ich ja nicht. china zerstoert mit ihrer manipulierten waehrung seine zukunft in dem es wirtschaftszweige am leben erhaelt die in china nicht produktiv waeren, die kosten dafuer werden wir in den naechsten jahren sehen mittelfristig. ausserdem haben wir eine weltweite handelsverzehrung dadurch. ich setze mein geld darauf an. europa manipuliert ueber seine niedrigzinspolitik eine ganze wirtschaftsregion und verursacht einige blasen und diese nicht nur in europa.

Gast: gert96
14.09.2011 22:29
2

die jetzige politikerriege

verscherbelt unsere zukunft

im endeffekt sind die heutigen spitzenpolitiker europas gefährlicher als alle terroristen zusammen

jeder politiker sagt, diese terroristen wollen unsere lebensweise und unseren lebensstandard zerstören, und was machen die politiker mit ihren entscheidungen?? sie zerstören europa, sie zerstören unsere gesellschaft, unsere lebensweise und unser vermögen

so effektiv könnte gar kein terroranschlag sein, wie unsere spitzenpolitiker derzeit agieren und in den letzten 30 jahren und agierten - konsequenzen für die politiker - gar keine im gegenteil höchstpensionen, wie sie kein asvg-ler je erhält - im prinzip gehörten die alle in ein hochgsicherheitsgefängnis

das projekt europa war vom prinzip vielleicht gut erdacht, aber schlecht umgesetzt, die eu ist nicht in der lage gegen andere große volkswirtschaften zu bestehen, im gegenteil es findet gerade der ausverkauf statt

Hochmut kommt vor dem Fall

Hr. Jiabao muss sich ja ganz toll fühlen, wenn er reihenweise Pleitestaaten Hilfe anbieten kann. Er hat dabei wahrscheinlich vergessen, dass China selbst eine Riesenblase ist. Wenn die Weltwirtschaft sich abschwächt und die Exporte einbrechen, dann wird auch die Immobilienblase in China platzen. Mal schauen, wie großzügig die Chinesen dann noch mit Ihren Auslandsinvestitionen sein können. 2009 wurden ja in China ca. USD 1000 Mrd. an Krediten in die Wirtschaft gepumpt, um den Zusammenbruch noch ein paar Jährchen hinauszuschieben und die Immobilienblase noch ein bisschen größer zu machen.

Re: Hochmut kommt vor dem Fall: ... vergessen, dass China selbst eine Riesenblase ist.

Wenn Sie in China eine Blase sehen - was sehen Sie dann in/an Europa?

Re: Hochmut kommt vor dem Fall

Einerseits ja, China ist etwas aufgebläht, andererseits hat es Devisenreserven. Mit denen lässt sich schon so einiges anstellen, auch wenn die eigene Wirtschaft eine Seifenblase ist. Mit 3,2 Billionen Dollar kann man die USA und Europa gemeinsam in Schwitzen bringen. Und China hat die politischen Möglichkeiten zu machen was sie wollen, weil sie kein Volk fragen müssen. Das wird wohl alles noch interessant werden.
Die Frage ist auch wo die vielen Yuan liegen, die gegen die Devisen eingetauscht wurden. Wer hat sie? Streubesitz?

Gast: reki
14.09.2011 22:06
2

Unsere Zukunft:

Wie sagte ein kluger Mann schon vor Jahren?
"Wenn wir so weitermachen, können wir froh sein, wenn in 20 Jahren unsere Kinder die T-Shirts für die Chinesen nähen dürfen!"
So lange wird's wohl nimmer dauern...

Re: Unsere Zukunft:

das hieße ja, dass unsere Jugend wieder Arbeit hätte. heute leben die meisten ja ohnehin nur vom staat. so gesehen wäre es ja ein echter vorteil, wenn endlich der systemzusammenbruch des sozialstaates kommt...

Re: Re: Unsere Zukunft: ... dass unsere Jugend wieder Arbeit hätte?

Also, in meiner Jugend ging ich der Ausbildung nach und wurde voll in die "Erwerbsgesellschaft" aufgenommen, als ich damit fertig war - wird bei Ihnen nicht anders gelaufen sein, oder waren Sie mit 15 schon der "schaffende Zampano"?

(S)Einen derben Charakter gibt preis, wer über die Jugend herzieht!

Re: Re: Re: Unsere Zukunft: ... dass unsere Jugend wieder Arbeit hätte?

ich gebe ja nicht der jugend schuld, wenn viele von ihen schlecht ausgebildet sind, und keinen job finden, und dann vom staat leben. das ist halt so in einem sozialstaat, in dem wir leider leben. wenn dieses system endlich zusammenbricht, wird hoffentlich wieder ein marktwirtschaftliches kommen, ohne dan ganzen sozialwahnsinn - und wetten, dass dann alle arbeiten werden.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: ein marktwirtschaftliches
15.09.2011 16:46
0

Re: Re: Re: Re: Unsere Zukunft: ... dass unsere Jugend wieder Arbeit hätte?

"... ein marktwirtschaftliches", wie in den Zwischenkriegsjahren, wo die Wehrfähigen für das System herangebildet worden sind?

Re: Re: Unsere Zukunft:

nur die arbeiten dann für Chinas Pensionen nicht für die europäischen.

Re: Re: Re: Unsere Zukunft: ... nur die arbeiten dann für Chinas Pensionen

Da verstehst 'was falsch: "der Androsch" wird auch keine Pension im Land der Gelben kriegen, obwohl er dort als Parade-Arbeitsplatz-Schaffender werkt.

Wenn unsere "Näherinnen" so produktiv werden, dass nach China exportiert werden kann, wird der Pensionsanspruch bei uns aufgebaut - nur ein wettbewerbsfähiger Stundenlohn im €cent Bereich? - es wird ihnen nichts geschenkt werden, europas ANinnen, heißt auch Pensionen im €cent Bereich!

Re: Re: Unsere Zukunft:

Ja genau, immer fest schimpfen. Alle faul und blöd und die EU ist böse. So einfach ist die Welt.

Re: Re: Re: Alle faul und blöd und die EU ist böse.

Sie sehen das einseitig - es ist nicht Europa, was uns da die Regierenden so vorspielen, es ist die EU unter den unfähigen Politikern, die das Schiff nicht mehr über Wasser halten können!

 
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