Europa wappnet sich für neue Bankenkrise

15.09.2011 | 18:27 |   (Die Presse)

Das Misstrauen unter Banken wächst. Die Europäischen Zentralbank muss mit Ausleihungen in die Bresche springen und kündigte an, den Banken Dollar-Liquidität zur Verfügung zu stellen.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Frankfurt/Red/Ag. Die Krise der europäischen Banken spitzt sich offenbar dramatisch zu: Die Ausleihungen der Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) steigen dramatisch an, was auf Probleme auf dem Interbankenmarkt hindeutet. Die EZB hat angekündigt, den Banken Dollar-Liquidität zur Verfügung zu stellen, was darauf hindeutet, dass einige Institute Probleme haben, sich auf „normalem“ Weg mit Dollars zu versorgen. Und in Deutschland bereitet sich die Regierung auf eine groß angelegte Bankenrettungsaktion vor, falls die Griechenland-Rettung nicht wie erwartet funktioniert.

Mehr zum Thema:

Die positive Nachricht unter all den Hiobsbotschaften: Die Ratingagentur Fitch hat mitgeteilt, dass sie derzeit keine deutsche Bank „unter Beobachtung“ für eine Bonitätsabstufung habe. Die Institute seien gut kapitalisiert und würden heuer ordentliche Gewinne abliefern. Im kommenden Jahr könne sich das aber ändern.

Sorgen bereitet Beobachtern vor allem, dass das Misstrauen unter den Instituten offenbar wieder dramatisch steigt. Die Kurzfristausleihungen der Institute bei der EZB haben sich zuletzt auf 3,14 Mrd. Euro verzehnfacht. Gleichzeitig sind die Einlagen bei der EZB von 75,5 auf 87 Mrd. Euro gestiegen.

Die Banken nehmen die EZB normalerweise nicht gern in Anspruch, weil sie dort für Ausleihungen vergleichsweise hohe Zinsen (2,25 Prozent) bezahlen müssen und für ihre Einlagen nur sehr niedrige Zinsen (derzeit 0,75 Prozent) bekommen. Bei Geschäften untereinander, im sogenannten Interbankenhandel, sind die Konditionen wesentlich günstiger.

Wenn dieser Interbankenhandel, so wie jetzt, stark zurückgeht, dann deutet das auf großes Misstrauen der Banken untereinander hin. Zuletzt ist der Interbankenhandel nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008 praktisch zum Erliegen gekommen.

 

Hohe Abflüsse aus dem Euroraum

Der starke Rückgriff auf die EZB könnte freilich auch damit zu tun haben, dass die europäischen Banken starke Abflüsse verzeichnen: Nach Angaben der US-Finanzagentur Bloomberg ziehen verunsicherte Sparer und Geldmarktfonds in großem Stil Einlagen ab, um diese in „sicheren Häfen“ zu veranlagen. Dieser Trend könnte die Probleme der Branche deutlich verschärfen, hieß es.

Die deutsche Regierung bereitet sich nach Angaben der „Financial Times Deutschland“ bereits konkret auf eine groß angelegte Bankenrettungsaktion vor. Wenn die nächste Tranche der Griechenland-Hilfe nicht rechtzeitig freigegeben wird, dann „brauchen die Banken sofort Geld“, werden deutsche Regierungsspitzen zitiert. Eine Pleite Griechenlands würde nämlich auch andere Staaten wie Italien „anstecken“ – und zu großen Bankenproblemen führen. Die dann notwendigen Milliardenhilfen müssten mit dem erweiterten Euro-Rettungsschirm abgefangen werden.

Der „steht“ freilich noch nicht, die nationalen Parlamente müssen erst zustimmen. Über Verspätungen bei diesem Prozess zeigte sich der österreichische Notenbankgouverneur Ewald Nowotny am Donnerstag „tief beunruhigt“. Zu den Vorgängen in Österreich – Oppositionsmanöver im parlamentarischen Finanzausschuss hatten kurzfristig sogar die Wall Street abstürzen lassen – meinte Nowotny, einigen Politikern sei „zu wenig bewusst, dass ihre Äußerungen auf den Finanzmärkten auf die Waagschale gelegt“ werden. Wenn der erweiterte Rettungsschirm an nationalen Parlamenten scheitere, dann breche der Griechenland-Rettung ein wichtiger Pfeiler weg, so der Notenbankgouverneur.

Auf einen Blick

Eine veritable Bankenkrise kommt auf Europa zu, falls die nächste Tranche der Griechenland-Rettung nicht freigegeben wird. Die deutsche Regierung bereitet sich nach Zeitungsberichten schon auf eine groß angelegte Bankenrettungsaktion vor. Das Misstrauen der Institute untereinander steigt wieder stark an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

109 Kommentare
 
12 3
Gast: Febobo
16.09.2011 19:47
0

Österreichische Banken stehen angeblich kurz vor dem Kollaps

Auf Wirtschaftsblogs macht das Gerücht die Runde, dass die österreichische Bankenlandschaft auf viel wackligeren Beinen steht, als bisher angenommen. Liebe Medien, als Leser erwarte ich mir, dass der Sache nachgegangen wird:

http://www.zerohedge.com/news/guest-post-shtf-austria-soon

Konkursverschleppung

Der Rettungsschirm ist nichts anderes als Konkursverschleppung. Und das gehört unter Strafe gestellt!

Verweigern!

Wir wollen nicht mehr.
Dieser Rettungsschirm ist nun schon wieder ein Bankenrettungspaket.
Diese Banken und Finanzhaie haben kurz nach der Finanzkrise und der Rettung durch die Steuerzahler, wieder Milliardengewinne geschrieben.
Darauf wurde wieder wie blöd gezockt und investiert. Leider nicht in Realwerte sondern in dubiose Finanzwerte.
Jetzt sind wieder massive Verluste zu erwarten und die Bürger sollen diese Finanzheinis wieder Geld in den gierigen Rachen werfen ? Nein und nochmals nein.
Wir, die Bürger sollten in einer konzertierten Aktion drei Monate sämtliche Steuerzahlungen verweigern.
Sollen die zahlen, die Megagewinne und Provisionen auf unsere Kosten eingefahren haben.
Steuerverweigern
Steuerverweigern
Steuerverweigern und Lobbyisten einsperren.

Gast: Gasterer
16.09.2011 10:35
2

Weit habe wir es gebracht ....

... dank einer über 40 Jahre dauernden sozialistischen Politik ziehen die Investoren Ihr Geld aus Europa ab und investieren in "sicheren Häfen" (war dass nicht mal Europa???).
Naja - kein Wunder bei dem seit über 40 Jahren steigenden Schuldenberg der Staaten und kein Ende in Sicht. Da würde ich auch woanders anlegen (wenn ich was zum Anlegen hätte).
Aber die Linken wird es ja sicherlich freuen, wenn die verhassten Kapitalisten endlich abziehen und dann können Sie von diesen Befreit Ihre Ideen verwirklichen. Die Frage ist nur womit? Mal sehen wie sie das anstellen und vor allem wer dann schuld ist? Aber keine Sorge - so kreativ wie wie mit Steuern sind mindestens so kreativ sind sie mit Ausreden. Zur Not kann SP/Grüne ja bei Mao nachschlagen ...
Dass die Bankenwelt dann kracht ist nur eine logische Konsequenz! Aber schuld sind dann ja wieder nur die böen Banken (die sicherlich auch Ihren Teil zur Schieflage beitragen) .. dass die Polik da alle Investoren vertreibt wird ja von Faymann & Co. verschwiegen!

Antworten Gast: lol22
16.09.2011 12:01
0

Re: Weit habe wir es gebracht ....

so ist es

Gestern habe ich einen hochinteressanten Bericht gesehen

über das Hochfrequenztrading!!!!

Der Einfluss von Hochfrequenztrading auf den Markt!

Seit den Enthüllungen rund um den gestohlenen automatischen hochgeheimen hochfrequenz Handelscode von Goldman Sachs stellt sich die Frage, wie viel Einfluss haben eigentlich solche Programme auf den Markt. So soll der stellvertretende Staatsanwalt ausgeführt haben, die Bank hätte behauptet der Code könnte zur Marktmanipulation eingesetzt werden. Und es stellt sich da natürlich die Frage, welchen Anteil hat der Hochfrequenzhandel an den Gewinnen von Goldman Sachs, die im letzten Quartal 3,4 Milliarden Dollar verdient haben.

http://spekulantenblog.de/der-einfluss-von-hochfrequenztrading-auf-den-markt/

Antworten Gast: lol44
16.09.2011 13:00
0

Re: Gestern habe ich einen hochinteressanten Bericht gesehen

Die Computer sind tatsächlich eine Gefahr.
Der Mensch ist getrieben von Angst und Gier. Der Computer ist kalt wie ein Fisch, ohne Gefühle.

Schon beim Crash 1987 sagte damals Kostolany. "Stellt doch endlich die Computer ab".
Letztes Jahr an der Wallstreet wurden die unmöglichen Kurs-Bewegungen, ausgelöst durch Computer, wieder rückgängig gemacht.

Der heutige Hochfrequenzhandel ist eigentlich für Arbitrage zuständig.
Kleinste Preisdifferenzen von Wertpapieren zwischen den weltweiten Börsenplätzen auszugleichen. Das leuchtet ein, dass das ein Computer schneller kann.

Weil aber schon teilweise mehr als die Hälfte des Aktienhandels nur mehr über Hochfrequenz läuft, verselbstständigt sich das Ganze.
Das kann es wohl nicht sein, wenn der gewinnt, der die beste Software entwickelt.
Am Ende spielen dann nur mehr 2 Computer gegeneinander und der Sieger hat das ganze Geld der Welt.

Re: Gestern habe ich einen hochinteressanten Bericht gesehen

Unser Aktienmarkt wird durch Maschinen kontrolliert, die nichts weiter als diebische 2-Bit-SOES sind. Sie verstecken sich hinter dem Mantra der Liquiditätsbereitsteller, aber sie sind in Wirklichkeit nur Heuschrecken, die den Aktienmarkt abgrasen bis sie es sich anders überlegen. Wenn ihre Grenzgewinnchancen bis auf Null ausgequetscht sind, bewegen sie sich einfach in einen neuen Markt weiter. Aber welchen Schaden werden sie angerichtet haben? Wir werden mit der Karkasse eines Marktes zurückgelassen, der dazu benutzt wird um von Computern an der Nase herumgeführt zu werden. Echte Menschen und echtes Kapital sind eine knappe Ressource in den Märkten von heute."

Immer mittendrin statt nur dabei: Goldman Sachs.

Hochfrequenztrading: Super schnelle Trader-Computer an der Börse.
Durch superschnelle Handelsstrategien ergründen Hochfrequenztrader die Absichten anderer Börsenteilnehmer – und profitieren auf deren Kosten. In den USA sind die umstrittenen Geschäfte bereits ein Politikum.
Tatsächlich geht es beim Hochfrequenztrading um einen Kampf von superschnellen Handelscomputern gegen andere Computer, die aber langsamer sind. Dabei dreht es sich allerdings bei beiden um Zeitfenster von Sekundenbruchteilen. Die superschnellen Computer der Hochfrequenz-Trader versuchen die meist um Sekundenbruchteile langsameren, durch Algorithmen getriebene Computer anderer Händler, «Algos» genannt, auszutricksen.

Re: Re: Gestern habe ich einen hochinteressanten Bericht gesehen

Heißt das, dass in der Finanzwelt Computer schon die Macht übernommen haben?

Wer kann das noch kontrollieren?

Antworten Gast: trader1
16.09.2011 09:55
2

Re: Gestern habe ich einen hochinteressanten Bericht gesehen

die die reden wissen nicht und die wissen reden nicht :-)

Re: Gestern habe ich einen hochinteressanten Bericht gesehen

Ich denke, viele Trader hören auf, weil sie gegen die extrem schnellen Maschinen keine Chance mehr haben.
Der Finanzmarkt wird immer instabiler werden. Da werden andere Strategien gefragt sein. Kurzfristiges Traden wird immer riskanter.


Wie man künftig bankenkrisen verhindert ????

Ganz einfach:
1) Derivatgeschäfte und Leerverkäufe komplett eliminieren bzw. sofort verbieten- gehandelt darf nur mit Aktien werden, die auf realen Unternehmenserfolgen basieren; wer von den Brokern wetten möchte, soll das mit eigenem Kapital im Kasino machen
2) Kredite nur bei Eigenmittelanteil von mindestens 20 Prozent der Summe vergeben
3) Exzessives Boni-System für Banker eliminieren und nur mehr langfristig wirkende Erfolgsprämien (maximal 3 zusätzliche Monatsgehälter) bereithalten


Re: Wie man künftig bankenkrisen verhindert ????

Ginge noch einfacher, Banken in "Geschäftsbanken" und "Finanzbanken" trennen (2 unterschiedliche "Gewerbeberechtigungen").

Geschäftsbanken machen das Tagesgeschäft mit Sparern und der Realwirtschaft. Finanzbanken machen die "Spekulationen".

Finanzbanken sind von künftigen Bankenrettungspaketen ausgeschlossen und jeder weiß, wenn er Geld einer Finanzbank anvertraut kann es auch weg sein.

Antworten Gast: gast45
16.09.2011 09:51
1

Re: Wie man künftig bankenkrisen verhindert ????

gute idee, aber bitte den eigenmittelanteil bei staatsanleihen nicht vergessen :-)

also was haben wir noch an verstaatlichten firmen .. und das fünffache an staatsverschuldung ? .. verflixt .. das geht sich nicht aus :-):-)

2012 Die Elite ist fast am Ziel

Der "Weltuntergang" kommt in großen Schritten auf uns zu,aber nicht von Gott gesteuert sondern von der selbsternannten Elite plus deren Handlanger (Politiker) so gewollt!!!!!!!!!!!!!!

Antworten Gast: Optonist
16.09.2011 14:46
0

Re: Weltuntergang? - Dabeisein ist alles!


Gast: HübscheSchülerin
16.09.2011 08:34
0

Kann mir jemand kurz erklären, was es bedeutet, wenn eine Bank 2% Mindestreserve hat?


Re: Kann mir jemand kurz erklären, was es bedeutet, wenn eine Bank 2% Mindestreserve hat?

http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestreserve

Die Steuerung der Geldmenge erfolgt heute nicht mehr über die Mindestreserve bei den Zentralbanken.
Die Geldschöpfung erfolgt fast ausschließlich in den Geschäftsbanken.

Antworten Gast: Halbwissen
16.09.2011 09:32
0

Re: Kann mir jemand kurz erklären, was es bedeutet, wenn eine Bank 2% Mindestreserve hat?

unter Mindestreserve bei wikipedia nachlesen

Antworten Gast: noch ein gast
16.09.2011 09:06
0

Re: Kann mir jemand kurz erklären, was es bedeutet, wenn eine Bank 2% Mindestreserve hat?

Eine Bank
muss mindestens 2% von dem Geld
das sie an Krediten vergibt ,
auch tatsächlich haben .


So lange man Betrug und Abzocke der Griechen belohnt, wird das nichts

Ja die Griechen haben uns bewusst abgezocket - face it.

Den Staat auszunützten (Steuerhinterziehung, Privilegien-Akkumulation) gilt dort als etwas auf das man stolz ist und in Süd-Italien ist das nichts anderes.

Und so lange man Griechenland damit durchkommen lässt, wird es eine Sanierung in Italien nicht geben, weil die Italiener denken sich auch sollen doch die Deutschen für uns auch noch was zahlen.

Und das sprengt den Euro, weil eben die Sparsahmen bestraft werden (auch Portugiesen und Iren die sich derzeit sehr sehr Anstregen) und die Ausnützer belohnt

Und das funktioniert nicht auch wenn Merkel/Sarkozy dreimal so stark mit den Bankern verbandelt sind die ja das unredliche Spiel von Griechenland unterstützen.

Re: So lange man Betrug und Abzocke der Griechen belohnt, wird das nichts

Sie meinen-So lange man Betrug und Abzocke der BANKEN belohnt, wird das nichts.

Re: Re: So lange man Betrug und Abzocke der Griechen belohnt, wird das nichts

Welchen Betrug und Abzocke haben den die Banken in Griechenland begangen?

Gast: Karl Huber
16.09.2011 07:25
4

Der Schneeball rollt lang genug

Jetzt wird der zu einer Lawine.
Erschlagen wirds aber nicht die die ihn Oben an schupfer geben habn sondern uns, die Unten am Abgrund stehen.

Meiner Meinung stehen wir am Anfang einer neuen Zeitrechnung. Und es wird sehr, sehr hart werden...
Ich hoffe inständig, daß es auch ein paar Schuldige dawischt!

Antworten Gast: CyberCyborg
16.09.2011 08:45
0

Re: Der Schneeball rollt lang genug

glauben Sie mir, diese werden aufgedeckt werden.
So digital wie Geld ist, werden manche auch schnell rausfinden, wer wo wann wie was profitiert hat bzw. bei Politikern findet man schnell raus, wer wo wann wie was unterschrieben hat.

Re: Re: Der Schneeball rollt lang genug

Bis heute wurde nicht bekannt gegeben, was wirklich in USA am Tag 9/11 passierte und warum all diese Gebäude wie bei einer Sprengung zusammenstürzten?
Die Enthüllung wird wohl noch Jahrzehnte dauern.

So ähnlich wird das nach einem Finanzcrash sein. Verbrannte Erde bleibt zurück. Die Verwantwortlichen, soferne sie in einem derart komüplexen System überhaupt zu finden wären, haben sich schon lange aus dem Staub gemacht, bzw. werden geschützt.

 
12 3

Umfrage

AnmeldenAnmelden