Attac: Lohnerhöhung in Österreich nützt Griechen

16.09.2011 | 16:09 |   (DiePresse.com)

Kräftige Lohnerhöhung, "soziale Kontrolle" der Banken und Zwangsanleihen für Reiche: Wie die Globalisierungskritiker die Eurozone retten wollen.

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Eine kräftige Reallohnerhöhung in Deutschland und Österreich, soziale Kontrolle über Banken, um ihre Risikofreude zu bremsen oder auch Zwangsanleihen für Reiche - Attac-nahe Ökonomen haben am Freitag in Wien vor Journalisten alternative Ideen präsentiert, um der aktuellen Wirtschaftskrise Herr zu werden. Die vorhandenen Ungleichgewichte müssten beseitigt werden, sonst droht der Eurozone der Kollaps, so die Analyse.

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Die in der Währungsunion übliche Fixierung auf Defizit und Inflation sei nicht zielführend und habe auch Spanien und Irland nicht vor der Krise bewahrt. Mit einer gemeinsamen Währung sei es unerlässlich, auch die Lohnpolitik im Auge zu behalten, betonte Engelbert Stockhammer, früher Vorstand von Attac Österreich und derzeit Wirtschaftsprofessor an der Kingston University in London.

Kräftige Lohnerhöhung gefordert

Deutschland habe, wie Österreich, in den letzten 10 bis 15 Jahren keinen nennenswerten Reallohnzuwachs mehr verzeichnet. Damit blieb die Inflation vergleichsweise auch besonders niedrig. Das wirke wie eine reale Abwertung von 25 bis 30 Prozent im Vergleich zu anderen Euro-Ländern und eine entsprechende Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. In Deutschland sei mit den Hartz-Löhnen de facto ein Billiglohnsektor geschaffen worden. Diesen Abstand müsse Griechenland jetzt wieder aufholen. Die ganze Anpassungslast Griechenland aufzubürden, würde zu Massenarbeitslosigkeit führen und zu einer zehnjährigen Depression in Südeuropa. Die Lohnerhöhung müsse auch nicht schlecht sein für die deutsche Wirtschaft, wenn sie zu mehr Konsum führe, argumentiert Stockhammer.

Der französische Wirtschaftsprofessor und Attac-Berater Dominique Plihon schlägt überhaupt radikale Eingriffe in die Marktwirtschaft vor. So sollten Banken als öffentliche Dienstleister gesehen und einer "sozialen Kontrolle" unterworfen werden. Nicht nur Eigentümer und Manager sollten entscheiden, weil diese zu viel Risiko nehmen, sondern auch Mitarbeiter, Konsumenten oder die Zivilgesellschaft. Hauptziel: Die Risikobereitschaft zu senken.

Verpflichtende Staatsanleihen für Reiche

Außerdem meint Plihon, dass man alle Reiche - mit Einkommen über 100.000 Euro im Jahr - verpflichten sollte, Staatsanleihen zu zeichnen. Diese könnten etwa mit einem Prozentpunkt über der Inflation verzinst sein. So könnte sich der Staat kostengünstig finanzieren. Ein ähnliches Modell habe es bei der großen Dürre in Frankreich 1976 erfolgreich gegeben, sagte Plihon.

Die griechische Ökonomin und Attac-Griechenland-Mitarbeiterin Marica Frangakis sieht abgesehen von Versäumnissen in ihrem Heimatland Ungleichgewichte in Europa als Ursache für die Probleme in Südeuropa. Lösung wären Eurobonds, die die Zinsbelastung Griechenlands senken würden. Aber auch eine Umstrukturierung der Hälfte der griechischen Schulden würde dem Land Luft verschaffen.

Andere Länder hätten sehr von der griechischen Verschuldung profitiert: Deutsche Banken haben Griechenland Geld geliehen, mit dem Geld wurden dann Waren in Deutschland gekauft, so die Ökonomin. Der Handelsüberschuss Deutschlands könne nicht so bestehen bleiben, "sonst wird die Eurozone zusammenbrechen". Und auch wenn es ein sensibles Thema sei: Deutschland schulde Griechenland noch 162 Mrd. Euro aus Verpflichtungen nach dem Zweiten Weltkrieg.

(APA)

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11 Kommentare
Gast: Vogel Strauss
17.09.2011 20:11
2 0

Besonders pointiert fand ich ...

... das ORF-Interview mit der griechischen Attac-'Ökonomin', die pure linke Ideologie von sich gab - alle anderen sind schuld, nur die Griechen selber nicht. Am meisten ist Deutschland schuld an der GR-Krise!! Warum müssen wir so einen Stumpfsinn ertragen? Ich bin dafür, den ORF zuzusperren!

Gast: reki
17.09.2011 07:05
3 0

Reallohnerhöhung? - Ganz einfach!

Der Staat verzichtet auf die Hälfte der Steuer- und Sozialabgaben, mit denen er seinen Bodensatz füttert und seine Pfründe sichert, und schon steigen die Löhne um sage und schreibe 50% - ohne einen einzigen Cent Mehrkosten für die Unternehmen!
Und plötzlich müssen arbeitende Menschen nicht mehr um Gebührenbefreiungen und gnädige Geldgeschenke betteln, die sie eh selbst bezahlt haben, sondern können sich ihr Leben wieder selbst leisten.
Linke Träumer, für ihre gutmenschlichen Visionen gerne Förderungen aus dem Steuertopf in Anspruch nehmend (mit dem Geld anderer Leute klassenkämpft es sich viel lustiger) werden dies aber nie begreifen sondern nach noch mehr Enteignung schreien, um die armen Unterdrückten, die sie dann befreien wollen, selbst zu schaffen.

Gast: krikri
16.09.2011 20:04
2 0

Außerdem meint Plihon, dass man alle Reiche - mit Einkommen über 100.000 Euro im Jahr - verpflichten sollte, Staatsanleihen zu zeichnen...

das ist das problem mit diesen linken revoluzzern... die leben in einer parallelwelt!

wer über 100.000 euro im jahr verdient ist bei weitem nicht reich, er muss es versteuern und schon fällt die hälfte weg...

reich sind diejenigen die ab 10.000.000 im jahr verdienen, aber wie man weiss, ein einaches "click" genügt und schon ist das geld einfach weg... also diese märchen theorien von "zwang" dies und jenes, "enteignung" da und dort, und "verpflichtetes" dies und jenes bla bla.

reiche leute sind reich geworden weil sie eben ETWAS verstehen was die meisten menschen nicht verstehen können: du musst richtig ARBEITEN 24/7 wenn du etwas aufbauen willst!!!

und schon kommen ein paar linke revoluzzer oder die sozialisten und wollen ihnen alles so oder so wegnehmen!

diese leute glauben tatsächlich ein ANRECHT auf das vermögen der anderen zu haben!!! und verstehen nicht dass menschen die geld gemacht haben alles andere als "dumm" sind, in der regel sind sehr kluge leute die ganz genau wissen was sie wollen... ;-)

mein tipp: "get out of your sorry state of mind"... it helps!

Gast: Ökonom (Uni-Wien)
16.09.2011 17:02
0 0

Als Ökonom kann ich nur sagen: Ein interessanter Vorschlag.

Die Überlegung hat volkwirtschaftlich duraus einen gewissen Sinn.

Antworten Gast: radius
19.09.2011 20:26
0 0

Re: Als Ökonom kann ich nur sagen: Ein interessanter Vorschlag.

Sie sind kein Ökonom, Sie sind Ideologe.

Noch besser wäre aber,

die Wettbewerbsfähigkeit in den Pleitestaaten zu steigern statt jene in den Geberländern zu senken. Das brächte auch mehr Marktanteile weltweit. Die gefüllten griechischen Weinblätter sollten auch in Japan ein Renner werden.

Antworten Gast: Zyni
16.09.2011 17:45
4 0

Re: Als Ökonom kann ich nur sagen: Ein interessanter Vorschlag.

die Vorlesungen zu Theaterwissenschaften ausgefallen?

Gast: timeo
16.09.2011 16:36
0 0

Pensionserhöhung

Wenn eine kräftige Lohnerhöhung den Griechen hilft, da wird wohl auch eine kräftige Lohnerhöhung der Pensionen den Griechen helfen.

Also, liebe Regierung: Je höher die Pensionserhöhung, um so höher die Griechenlandhilfe !

Pensionisten für kräftige Lohnerhöhung !
Pensionisten für Griechenlandhilfe !

Ich fasse zusammen:


"Hands up! Give us all your money!"

Liebe "Ökonomin", eine kleine Anmerkung zu Ihren Ausführungen: MUAHAHAHAHA !!!!!!!!!


Antworten Gast: Kaufmann 1010
16.09.2011 17:00
0 0

Re: Ich fasse zusammen:

Man muß das genauer diskutieren, aber ein ökonomischer Dusel, wie sie, versteht das eben nicht.

Antworten Antworten Gast: Eierbär
16.09.2011 17:47
0 0

Das nennt man Common Sense

werft den Kärcher an. Hier stinkt es!

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