Fitch: Griechenland wird pleitegehen, aber im Euro bleiben

20.09.2011 | 18:23 |   (Die Presse)

Die Regierung in Athen versucht nach wie vor, eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden und ringt um die nächste Kredittranche. Die Verhandlungen mit der Troika aus der EU, dem IWF und der EZB werden fortgesetzt.

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London/Athen/Ag. Griechenland wird nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch aller Voraussicht nach zahlungsunfähig werden, aber dennoch in der Eurozone verbleiben. Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone sei völlig übertrieben, erklärte dazu der für staatliche Bonitätseinstufungen zuständige Fitch-Experte David Riley.

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Griechenland selbst versucht allerdings nach wie vor, eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Am Dienstagabend wollte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos eine Telefonkonferenz mit den Mitglieder der Troika (IWF, EZB und EU) abhalten. Gleichzeitig hieß es, die Troika werde nach Athen zurückkehren. Venizelos versucht die europäischen Geldgeber davon zu überzeugen, dass sein Land den harten Sparkurs fortsetzen wird. So will die Regierung beispielsweise bis 2015 die Zahl der Staatsbediensteten um 100.000 reduzieren. 117 Betriebe, die derzeit noch vom Staatshaushalt unterstützt werden, sollen so bald wie möglich geschlossen werden. Im Gegenzug soll die nächste Kredittranche von acht Milliarden Euro vor Anfang Oktober an Athen ausbezahlt werden.

Gleichzeitig versucht die griechische Regierung weiteres Geld selbst auf den Finanzmärkten aufzunehmen. Am Dienstag wurden nach Angaben des Finanzministeriums 1,625 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 13 Wochen aufgenommen. Der Zinssatz beträgt 4,56 Prozent; leicht höher als im August, als Griechenland sich eine ähnliche Summe lieh (damals 4,50 Prozent).

Die Sparanstrengungen der Regierung werden erneut von heftigen Protesten begleitet. Die griechische Gewerkschaft der Staatsbediensteten hat für den 6. Oktober einen landesweiten Streik angekündigt, um gegen die befürchteten Kündigungen zu kämpfen. Außerdem werden Staatsbedienstete täglich für mehrere Stunden ihre Arbeit niederlegen. Bereits für diesen Donnerstag kündigten die Gewerkschaften der Bahnen einen 24-stündigen Streik an. Er wird auch alle U-Bahnen, S-Bahnen und Straßenbahnen in Athen betreffen.

 

Schulbücher bleiben aus

Proteste gibt es auch im Bildungssektor. Mehrer hundert Schüler haben am Dienstag gegen die Einsparungen und bürokratischen Hürden an griechischen Schulen demonstriert. Vor dem Parlament in Athen schleuderten sie CDs gegen das Gebäude. Wegen der aktuellen Finanzprobleme konnten nämlich viele Schulbücher nicht rechtzeitig gedruckt werden. Die Schüler erhielten stattdessen CDs mit dem Inhalt der Bücher. Die Schüler demonstrieren zudem gegen den akuten Lehrermangel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2011)

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4 Kommentare
Gast: Biersauer
07.10.2011 20:57
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Kridaverschleppung nennt man diese Verschleierung..

der tatsächlichen Zahlungsunfähigkeit ohne Aussichtauf Erholung.
Und Merkel macht sich durch immer neuen Nachschub von öffentlichen Geldern daran mit schuldig.
Wenn das nächste geborgte Geld ausbleibt ist es soweit, dass Griechenland umschulden muss und die Zahlungsunfähigkeit erklärt.
Die Griechen sind die älteste Demkratie, die sollen sich einigen, was zu tun ist.

Griech.Staatsbediensteten streiken!

Und wie merkt man das? Bloss daran, dass mehr Menschen auf der Straße herumstehen - am Arbeitsausfall vermutlich nicht ;-)

Große Frage: Was kostet Europa mehr? Weitere Milliardenkredite, Verfall des Euro und schlechtes Vorbild ODER geordneter Staatskonkurs mit tw. Schuldenerlass?

Denn dass die Pleite zu vermeiden ist, glauben inzwischen nicht einmal mehr unheilbare Optimisten. Vermutlich geht es nur mehr darum, den kreditgebenden Banken (allen voran den Franzosen) noch etwas "Luft" bzw. europäisches Geld zu verschaffen. Ist ja gut für deren Verlustabschreibungen - aber ob das auch gut für heutige (und zukünftige!) Steuerzahler ist?

Gast: tigermond
21.09.2011 03:39
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die streikenden können gleich daheimbleiben.

sind schon gekündigt, die braucht ohnehin kein mensch.
und das vorsätzliche herbeiführen einer staatspleite auf unsere kosten ist eindeutig kriminell. da werden wohl schadenersatzklagen kommen.

Gast: guesto
20.09.2011 18:49
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da bin ich aber baff!

natürlich bleiben sie im Euro.
ob sie pleite gehen oder rettungsschirm ad infinitum ist jacke wie hose.
wahrscheinlich ist beides etwas zeitgleich.
und nur wenn sie im Euro bleiben, zahlen wir die rechnung ohne jeden abschlag...

so einen Milchmädchen-Meldung kann ja nur von Fitch kommen - als europ... ähm, französische Agency sitzen sie ja an der Quelle.
heut war wohl wieder Befehlsausgabe bei Sarko...

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