Fitch: Griechenland wird pleitegehen, aber im Euro bleiben

Die Regierung in Athen versucht nach wie vor, eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden und ringt um die nächste Kredittranche. Die Verhandlungen mit der Troika aus der EU, dem IWF und der EZB werden fortgesetzt.

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(c) EPA (Karl-Josef Hildenbrand)

London/Athen/Ag. Griechenland wird nach Einschätzung der Ratingagentur Fitch aller Voraussicht nach zahlungsunfähig werden, aber dennoch in der Eurozone verbleiben. Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone sei völlig übertrieben, erklärte dazu der für staatliche Bonitätseinstufungen zuständige Fitch-Experte David Riley.

Griechenland selbst versucht allerdings nach wie vor, eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Am Dienstagabend wollte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos eine Telefonkonferenz mit den Mitglieder der Troika (IWF, EZB und EU) abhalten. Gleichzeitig hieß es, die Troika werde nach Athen zurückkehren. Venizelos versucht die europäischen Geldgeber davon zu überzeugen, dass sein Land den harten Sparkurs fortsetzen wird. So will die Regierung beispielsweise bis 2015 die Zahl der Staatsbediensteten um 100.000 reduzieren. 117 Betriebe, die derzeit noch vom Staatshaushalt unterstützt werden, sollen so bald wie möglich geschlossen werden. Im Gegenzug soll die nächste Kredittranche von acht Milliarden Euro vor Anfang Oktober an Athen ausbezahlt werden.

Gleichzeitig versucht die griechische Regierung weiteres Geld selbst auf den Finanzmärkten aufzunehmen. Am Dienstag wurden nach Angaben des Finanzministeriums 1,625 Milliarden Euro mit einer Laufzeit von 13 Wochen aufgenommen. Der Zinssatz beträgt 4,56 Prozent; leicht höher als im August, als Griechenland sich eine ähnliche Summe lieh (damals 4,50 Prozent).

Die Sparanstrengungen der Regierung werden erneut von heftigen Protesten begleitet. Die griechische Gewerkschaft der Staatsbediensteten hat für den 6. Oktober einen landesweiten Streik angekündigt, um gegen die befürchteten Kündigungen zu kämpfen. Außerdem werden Staatsbedienstete täglich für mehrere Stunden ihre Arbeit niederlegen. Bereits für diesen Donnerstag kündigten die Gewerkschaften der Bahnen einen 24-stündigen Streik an. Er wird auch alle U-Bahnen, S-Bahnen und Straßenbahnen in Athen betreffen.

 

Schulbücher bleiben aus

Proteste gibt es auch im Bildungssektor. Mehrer hundert Schüler haben am Dienstag gegen die Einsparungen und bürokratischen Hürden an griechischen Schulen demonstriert. Vor dem Parlament in Athen schleuderten sie CDs gegen das Gebäude. Wegen der aktuellen Finanzprobleme konnten nämlich viele Schulbücher nicht rechtzeitig gedruckt werden. Die Schüler erhielten stattdessen CDs mit dem Inhalt der Bücher. Die Schüler demonstrieren zudem gegen den akuten Lehrermangel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2011)

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