Abstufung: Gelbe Karte für Italiens Schuldenpolitik

20.09.2011 | 18:24 |   (Die Presse)

Italien gerät erneut ins Visier der Ratingagenturen. Die Finanzmärkte reagieren auf die neuerliche Herabstufung freilich extrem gelassen. Innenpolitisch gerät Premier Berlusconi aber unter beträchtlichen Druck.

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Rom/Red./Doe. Die Ratingagentur Standard & Poor's hat der italienischen Regierung die Gelbe Karte gezeigt und die Kreditwürdigkeit des Landes um eine Stufe von „A+“ auf „A“ herabgestuft. Der Ausblick wurde zudem auf „Negativ“ gesetzt, was bedeutet, dass die nächste Abstufung nur noch eine Frage der Zeit ist. Italienische Staatsanleihen gehen damit gerade noch als „prinzipiell sichere Anleihe“ durch, eine weitere Abstufung würde die Finanzierung des Staatshaushalts beträchtlich erschweren.

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Der Grund der unfreundlichen Beurteilung durch die Ratingagentur: Die zu wenig ambitionierten Reformmaßnahmen der Regierung Berlusconi reichen nicht aus, um den schlechter werdenden Wachstumsaussichten des Landes entgegenzusteuern.

 

Börsen und Euro legen zu

Die Finanz- und Währungsmärkte hatten aber offenbar Schlimmeres erwartet: Statt in Schreckensstarre zu verfallen, legten die Börsen europaweit zu, die Börse des „Krisenzahlerlandes“ Deutschland sogar vergleichsweise kräftig. Und der Euro konnte sich gegenüber dem Dollar nach einem kurzen Schwächeanfall am Morgen den ganzen Tag über leicht, aber konstant im Plus halten.

Entsprechend selbstsicher wurde die Rückstufung in Rom kommentiert: Die Bewertung scheine mehr von Medienberichten als von der Realität beeinflusst zu sein, hieß es aus Regierungskreisen. Ein Vorwurf, den S&P strikt zurückwies. Die EU leistete Rom Schützenhilfe: Ein Sprecher von Währungskommissar Olli Rehn meinte in Brüssel, Italien habe bereits Maßnahmen zur Senkung der gesamtstaatlichen Verschuldung ergriffen und werde „seine mit den EU-Partnern vereinbarten Sparziele erreichen“. Direkt kommentieren wollte der Sprecher die Rückstufung Italiens aber nicht.

Die Abstufung wird allerdings unangenehme Auswirkungen haben: Bei der Aufnahme neuer Kredite drohen dadurch höhere Zinsen. Denn niedrige Bonität lassen sich Geldgeber normalerweise durch höhere „Risikoprämien“ abgelten. Schon jetzt liegt die Sekundärmarktrendite des Landes mit 5,6 Prozent sehr hoch. Zum Vergleich: Die Sekundärmarktzinsen spanischer Anleihen liegen mit 5,3 Prozent bereits deutlich darunter.

Hauptproblem Italiens ist die extrem hohe Verschuldung: Das Land hat in Relation zu seiner Wirtschaftsleistung im Euroraum den zweithöchsten Schuldenstand hinter Griechenland. Im Juli ist der Schuldenstand des Landes bereits auf 1900 Milliarden Euro angewachsen.

Um dem gegenzusteuern, hat Rom heuer bereits zwei Sparpakete im Gesamtvolumen von 100 Mrd. Euro verabschiedet. Zudem ist geplant, nach deutschem Vorbild eine Schuldenbremse in der Verfassung festzuschreiben. Schon für das Jahr 2013 ist ein ausgeglichener Etat geplant.

 

Zweifel an der Reformfähigkeit

In der Zwischenzeit sind freilich Zweifel an der Umsetzbarkeit dieser Maßnahmen aufgetaucht. Um die Einsparungen realisieren zu können, müsste die Wirtschaft nämlich kräftig wachsen. Das tut sie aber nicht: Der internationale Währungsfonds hat seine Prognose für das italienische Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr von 0,7 auf 0,5 Prozent gesenkt.

In Italien selbst gerät die Regierung nach der Herabstufung allerdings vonseiten der Opposition und der Unternehmerverbände unter Druck. Industriellenpräsidentin Emma Marcegaglia sagte, entweder die Regierung sei in den nächsten Tagen in der Lage, ernsthafte und unpopuläre Reformen auf den Weg zu bringen und damit das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte zurückzugewinnen – „oder dieses Kabinett muss nach Hause gehen. Es gibt keine Alternativen.“

Die Opposition im Lande bezeichnete die Herabstufung durch Standard & Poor's als nicht nur wirtschaftliches, sondern auch politisches Urteil. Der christdemokratische Politiker Pier Ferdinando Casini drängte Berlusconi zum sofortigen Rücktritt. Italien drohe ansonsten eine Situation „wie in Griechenland“. Berlusconi sei ein Teil der Probleme Italiens und soll mit seinem Rücktritt „Teil der Lösung“ werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2011)

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49 Kommentare
 
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Die EUR-Krise

scheint von den europäischen Politern noch immer weniger als Schuldenkrise, sondern eher als "persönliche" Auseinandersetzung EUR-Politiker mit Ratingangenturen verstanden zu werden. Das wäre auch eine (teilweise) Erklärung für die bisherigen (und kommenden) Wahnsinnszahlungen vulgo Rettungsschirme, ....

Gast: BKA
20.09.2011 22:40
0

Der Schuldenberg Italiens stammt noch aus

der Zeit der grossen Koalition der Christdemokraten mit den Kommunisten unter Berlinguer. Das Bilanzdefizit entspricht dem Österreichs, nämlich 4,6% Im übrigen ist Italien nach Deutschland der größte Nettozahler in der EU. Aber das Reduzieren auf eine Person ersetzt jede minimalste Form von Analyse. Ob Putin, Obama, Berlusconi, Merkel - egal, was strukturell zu dieser Situation in den jeweiligen Gesellschaftskörpern geführt hat, interessiert den Schreiberling nicht! Was unterscheidet dann aber die PRESSE von HEUTE?

Gast: Oskar
20.09.2011 22:40
0

Herr Berlustohni....

......Die ganze Welt weiss jetzt dass sie an einem Tag mit EINEM WILLI auf 8 Kirtage sein können, aber die ganze Welt weiss auch, dass ihr Land das Land der Schuldenwillis und Schuldenwillilinnen ist - kommen sie runter vom hohen Ross, man kann nur auf einem Kirtag tanzen!

Gast: fi ha
20.09.2011 22:38
0

tja, wen interessiert es?

nie im leben sind amis in der lage, die italienische wirtschaft zu beurteilen. die ist ein fall für sich. ebenso wie die politik mit ihrem teilzeitregierungschef.
die italiener spielen in jeder hinsicht in einer anderen liga als diese sesselfurzer.

Gast: STFU
20.09.2011 22:13
0

Versagen der Politik seit Jahrzehnten

Berufsverbot für Politiker in hohen Position von führenden Unternehmen.

Besser die Paraziten auf Staatskosten durchfüttern als sie spielen den Wirtschaftsgiganten in die Hände und sitzen bis zu ihrer Pension noch irgendwo F3tt drin.

Politik muss dem Volk dienen nicht nur rein den wirtschaftlichen Interessen.

http://www.querschuesse.de/geldpolitik/

Gast: feigam
20.09.2011 20:55
0

Tja, wenigsten ein Myhtos ist jetzt weg - die im Süden EUropas haben/hatten eindeutig die schöneren Frauen

tja, und den gleichen Wohlstand wie wir im "kühlen" NOrden.

Die hatten - geborgt - von uns den Wohlstand, und die schöneren Frauen, das bessere Wetter.

Jetzt - so schaut es aus - ist aber das EU-Schlaraffenland abgebrannt...

Tja, zeigt wiedermal, auch schöne Frauen produzieren keinen Wohlstand.
Die Italiener, Griechen können zwar stolz auf ihre Frauen sein, aber den Kontostand macht das auch nicht anderst.

Kommen jetzt - nach den Rumäninnen, auch bald Griechinnen und Italienerinnen wieder vermehrt zu uns, wäre eine Aufhübschung des dzt. etwas eintönigen Angebotes...

Jedenfalls zeigt sich, die ganze Eleganz, das ganze Getue bringt auch nix, Fleiss, Intelligenz, Schaffenskraft zählen doch mehr als südländischer Flair, denn den haben zigmillionen weiter südlich auch, un das vielleicht noch offensichtlicher als die PIGS.

Ist eben eine art von ausgleichender Gereichtigkeit, die im Süden glaubten eben, man könne alles haben - Eleganz, Lebensgenuss, indenTag hineinleben, wirde eh alles bezahlt...
Tja, Deutsche und NordEUropäer sind sicher nicht so lebenslustig und leidenschaftlich wie Südländer, aber dafür shcaffen sie mehr, exportieren gute Waren.

Tja, Frau muss isch eben entscheiden, viele schwärmen von Südländern, Griechen und so.

"Arm aber sexy" gilt eben in Zukunft, eines geht nicht ohne das andere...

Naaj, wenigstens lässt sich die Armut leichter ertragen zwischen Rom und Santorin, wenn die dort hübsche Frauen haben.

da spielt man sich auch mit dem steuerzahler

wie bei uns
steuerzahler = melkkuh
die sich nicht aufregt
sondern immer zahlt

Gast: eueuro
20.09.2011 19:27
1

Investmentstratege Russ Koesterich: Italien ist zahlungsunfähig nicht Griechenland!

Investmentstratege Russ Koesterich: Italien ist zahlungsunfähig nicht Griechenland!

http://goo.gl/pJ5nC

gute nacht euro....

Gast: aufeinnneues
20.09.2011 19:14
0

realität ist - dass die politik und die völker in den demokratien nichts mehr mitzureden, geschweige denn etwas gegen die finanzmärkte ausrichten können

aktuelle finanz- u. bankenkrise:
ist nur eine riesige abzockerei und krise für die arbeitnehmer, hackler, mittelstand, asvg pensionisten und das zahlende volk
und die krise ist ein riesengewinn und profit :
für die reichen, millionäre und milliardäre in der ganzen welt, auch bei uns.
dieser reichtum für wenige wurde in den letzten beiden KRISENJAHREN(?) exorbitant mehr!(Studienu.objektive untersuchungen bestätigten dies mehr als genug!)
und was wurde gemacht- nichts, nur noch mehr steuergelder des volkes werden diesen spekulanten u. finanzmärkten nachgeliefert.
wohin dies führt, haben wir schon mehrmals gesehen. es wird nichts dazugelernt. den leider läßt sich mit konflikten und kriegen noch mehr geld verdienen.
und darum werden die ungerechten reichensubventionsprogramme und unsozialen steuer- und finanzsysteme nicht geändert- sondern sogar noch für die arbeitnehmer und das volk verschlechtert.
die steuerbelastungen für die arbeitnehmer sind in österreich unvorstellbar hoch!
und die steuerbelastungen für die wirklich vermögenden und kapitalspekulanten sind unvorstellbar niedrig oder gar nicht da!
eine gesellschaft die so geführt wird, und in der die solidarität aufgegeben wurde, wird nicht mehr lange friedlich bestehen können. traurige Bsp. gibts in dieser welt wohl genug, das wissen alle gut genug.
und was macht unser SPÖ BKfaymann, der versprach, dass die verursacher u.gewinner dieser krise zahlen und die verantwortung übernehmen sollen. nun schauts anders aus

Antworten Gast: G 101
20.09.2011 20:54
0

Re: realität ist - dass die politik und die völker in den demokratien nichts mehr mitzureden, geschweige denn etwas gegen die finanzmärkte ausrichten können

Passt zu ihrem o.a., auch wenn es nicht um Österreich, sondern in Deutschland festgestellt wurde:
"2,4 Millionen Menschen haben einen Zweitjob
Die Zahl der Bundesbürger mit mehreren Beschäftigungsverhältnissen hat sich in den letzten sieben Jahren verdoppelt. Gab es im Juni 2003 nur rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer, die einen oder mehrere Nebenjobs hatten, so waren es im Juni 2010 fast 2,4 Millionen. Das berichtet die Saarbrücker Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Entsprechend stieg auch der Anteil der Arbeitnehmer mit Doppeljobs an allen Arbeitnehmern von 4,3 auf 8,5 Prozent.
Quelle: Saarbrücker Zeitung

Gast: Selbstinitiative
20.09.2011 18:57
0

www.dasbewegtdiewelt.de

Dort steht alles, was man wissen muss um sein Vermögen zu schützen.

Die Leute, die lieber die Schuld bei anderen Menschen suchen, brauchen natürlich nichts tun und müssen nur abwarten.

Gast: 4Gummal
20.09.2011 17:37
0

Das wäre uns auch passiert

wenn Schüssel und Grasser noch in der Regierung wären - wenn wir dann nicht ob der explodierten Staatsdefizite neben Griechenland sogar am Tropf der Euroländer hängen würden ...

Re: Das wäre uns auch passiert

Schüssel und Grasser haben die Staatsschulden in Relation zum BIP gesenkt (Maastrichtkriterien).
http://www.geldmarie.at/wirtschaft/staatsschulden.html
Sagen Sie, sind Sie ein Löwelstraßler, dass Sie absichtlich lügen oder ist das schon der Ergebnis des Wrabetz-Bildungsrotfunks?

Antworten Antworten Gast: Gast 99
20.09.2011 19:05
0

Re: Re: Das wäre uns auch passiert

Und was bedeutet dann das:"Darüber hinaus wurde unter Grasser/Schüssel wertvolles Staatseigentum verkauft (privatisiert) - Einnahmen, die in den Folgejahren nicht mehr zur Verfügung standen. Teilweise wurde auch ziemlich unter dem heutigen Wert "verscherbelt" - dafür behielt man die AUA und musste ein paar Jahre später noch Geld dafür hergeben, dass die Lufthansa die AUA überhaupt übernimmt...
Beim Privatisieren haben sich doch etliche nicht geradee arm gstoßen! Mfg

Gast: Steinbrenner
20.09.2011 16:30
1

Die EU zone ist pleite!

Wer ist schuld?

Antworten Gast: Plach2
20.09.2011 18:36
1

WIR !!!

WIR haben Ja zur EU gesagt,
Wir verdienen nichts anderes!

Antworten Gast: Halbwissen
20.09.2011 18:26
1

Re: Die EU zone ist pleite!

Das gierige faule Volk und die noch gierigeren extrem fleissigen ( beim einsackln ) Politiker !

Re: Re: Die EU zone ist pleite!

Ah, Sie haben ja ein ganzes Wissen...

S&P stuft heute die Türkei zwei Stufen herauf!

Verkehrte Welt! Was machen diese Türken richtig?

Antworten Gast: -...<|>...-
20.09.2011 15:20
1

Re: S&P stuft heute die Türkei zwei Stufen herauf!

Das geschah in Erwartung eines beschleunigten EU-Beitritts und darauf eintreffenden EU-Fördergelder.

Re: Re: S&P stuft heute die Türkei zwei Stufen herauf!

Meinst du? Ich glaube die EU geht selber baden. Die Türken sind nicht so dumm, dass sie sich momentan mit der EU einlassen!

Schaut so die türkische Solidarität aus?


Re: S&P stuft heute die Türkei zwei Stufen herauf!

Sie schicken ihre Sozialfälle nach Europa!

Re: Re: S&P stuft heute die Türkei zwei Stufen herauf!

Neee, die lassen das Geld von Griechen wegnehmen!

Gast: grünIn
20.09.2011 13:34
2

Alles erarbeitete Vermögen der Massen wurde unter dem Begriff „Privatisierung“ im Rahmen des globalistischen Siegeszuges in die Taschen von ein paar Wenigen umgeleitet. Der größte Raubzug der Menschheitsgeschichte (das war wohl nur ein kleiner vorgeschmack auf das was sich heutzutage abspielt) vollzog sich hauptsächlich auf drei Ebenen:

1. Durch einen quasi Zwangsumtausch von richtigem Geld in quasi Wertlospapiere (Aktien, Hedge-Fonds-Papiere, Derivate usw.), durchgesetzt mit Hilfe einer einzigartig organisierten Medienhysterie.

2. Durch das Absaugen der Geldbestände bei den Banken. Dies war das Geld der arbeitenden Bevölkerungen. Es wurde in Form von Milliardenkrediten großzügig an Heuschrecken-Unternehmen ausgeliehen. Diese globalistischen Unternehmungen stehen aber faßt alle vor der Pleite, also sind auch die Banken de facto Pleite. Die Drahtzieher der Pleite-Konzerne haben oftmals, wie die Fälle Enron und Worldcom zeigen, die Milliarden aus den Bankkrediten in ihre eigenen Taschen gelenkt.

3. Durch Verpfändung der Steueraufkommen der arbeitenden Bevölkerungen an die Heuschrecken in Form totaler Steuerbefreiung und Milliardenzuschüsse für sogenannte „Standortsicherungen“.

Die Hilfswilligen in den nationalen Parlamenten propagieren mittlerweile lautstark und ohne Schamgefühl die menschenverachtenden Ziele der Globalisten, nämlich die Löhne der Massen auf Armutsniveau zu senken. Als Mittel zur sogenannten Problemlösung werden von Politikern und Managern heute nur noch „Billigjobs“ und „Entlassungen“ genannt.

ur Erringung der Weltherrschaft lassen die Globalisten mit Hilfe willfähriger Politiker die Staaten der Welt zu einer Art impotenter Bezirksvertretungen globalistischer Firmenkonglomerate degenerieren. Im Globalismus verarmen die Bevölkerungen


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Nimmt eigentlich noch irgendjemand diese Rating-Agenturen ernst, nachdem sie schon zugegeben haben, daß sie selbst bei einer Zahlungsunfähigkeit der USA deren Bonität nicht hinunterstufen würden...???

 
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