Portugal warnt vor Domino-Effekt bei Griechen-Pleite

"Wir sind am Rande einer Situation großer Unsicherheit", sagt der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho. Griechenland kündigte unterdessen neue Sparmaßnahmen an.

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(c) AP (Michael Gottschalk)

Der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho hat vor den Folgen einer möglichen Staatspleite Griechenlands für sein Land gewarnt. Im Falle eines Staatsbankrotts Griechenlands würde auch Portugal neue Finanzhilfen benötigen, sagte Passos Coelho am Dienstag dem Fernsehsender RTP. "Im Falle einer Pleite Griechenlands ist es wichtig, dass unsere europäischen Partner davon überzeugt sind, dass es sich lohnt, Portugal zu helfen und in diesem Fall auch Irland", sagte Passos Coelho.

Der Regierungschef bekannte sich erneut zu den mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Sparmaßnahmen. Sein Land müsse sich "exakt" an die Vereinbarungen halten, sagte Passos Coelho. "Wir sind am Rande einer Situation großer Unsicherheit, um nicht zu sagen eines möglichen Zahlungsausfalls eines Staates", sagte Passos Coelho am Dienstag dem Fernsehsender RTP mit Blick auf Griechenland.

Portugal in der Notlage

Portugal war nach Griechenland und Irland das dritte Euro-Land, das Hilfen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Anspruch nehmen musste. Das Rettungspaket hat einen Umfang von 78 Milliarden Euro. Im Gegenzug muss die Regierung mit einem Sparprogramm das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 5,9 Prozent der Wirtschaftsleistung drücken von 9,1 Prozent 2010.

Der Streit um die damit verbundenen Spar- und Reformanstrengungen hatte zu vorgezogenen Neuwahlen geführt, bei denen die Sozialisten von den konservativen Sozialdemokraten als stärkste Kraft abgelöst wurden. Die Konservativen hatten die Wahl gewonnen, obwohl sie härtere Sparmaßnahmen wollten als die Vorgängerregierung von José Socrates. "Es ist wichtig, dass das Land begreift, in welcher Notlage wir uns befinden", sagte Passos Coelho.

Griechenland will neue Sparschritte verkünden

Die griechische Regierung will am Mittwochnachmittag neue Sparmaßnahmen bekanntgeben. Die neuen Schritte stünden im Zusammenhang mit den laufenden Verhandlungen mit der Troika.

Die Kontrollore der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) werden Anfang kommender Woche wieder nach Athen zurückkehren. Dies wurde nach einer Telefonkonferenz der sogenannten Troika mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos am Dienstagabend in Brüssel von der EU-Kommission mitgeteilt.

Sowohl das Ministerium als auch die EU sprachen von guten Verhandlungen über die Auszahlung weiterer Hilfsgelder. Bei den telefonischen Beratungen der Experten seien "Fortschritte" gemacht worden, hieß es in der Mitteilung. Schon in den kommenden Tagen werde es "technische Diskussionen" in Athen geben. Auch die griechische Seite sprach von "guten Fortschritten". Finanzminister Evangelos Venizelos kündigte an, er werde am Wochenende nach New York reisen, um auch den IWF über die Entschlossenheit der Regierung in Athen zu informieren.

(Ag.)

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