Griechenland entlässt 30.000 Beamte

22.09.2011 | 11:47 |   (Die Presse)

Laut dem griechischen Finanzminister Venizelos hätte Griechenland ohne Druck von EU, IWF und EZB keine Sparmaßnahmen umgesetzt. Erste Streiks legen den öffentlichen Verkehr in Griechenland lahm.

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Athen/Reuters/Dpa/Jaz.Werden es 100.000 oder sogar 150.000 Kündigungen im öffentlichen Sektor? Darüber spekulierten am Mittwochnachmittag die Athener Zeitungen, bevor die Regierung ihre neuesten Sparmaßnahmen bekannt gab. Die treffen vor allem Beamte und Pensionisten. Außerdem könnte es zusätzliche Steuern geben, wie nach der Rede von Finanzminister Evangelos Venizelos durchsickerte.

Fix ist, dass 30.000 Beamte in Kurzarbeit geschickt werden. Pensionen über 1200 Euro im Monat werden um 20 Prozent gekürzt. Die Immobiliensteuer wird zumindest bis 2014 verlängert.

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Erste Streiks im öffentlichen Verkehr

Aus Protest gegen die harten Sparmaßnahmen und geplante Entlassungen im staatlichen Bereich haben die Bus- und Bahnfahrer am Donnerstag den öffentlichen Nahverkehr in Athen lahmgelegt. Kein Bus, keine U-Bahn und keine Straßenbahn fuhr. Auch die Taxifahrer streikten landesweit. Dem Streik schlossen sich die griechischen Eisenbahner an. Auch die Lehrer streikten.

Um die Mittagszeit wollten auch die Fluglotsen zusammen mit anderen Staatsbediensteten für drei Stunden die Arbeit niederlegen. Probleme sollte es demnach vor allem im Inlandsverkehr geben. Zahlreiche Auslandsflüge sollten zeitlich versetzt stattfinden.

Die Zustimmung in der Bevölkerung zu den Maßnahmen wird gering sein. Die Gewerkschaften planen bereits weiteren Widerstand gegen die neuen Maßnahmen und haben für den 19. Oktober einen landesweiten Generalstreik angekündigt. Die Immobilien-Steuer, die über die Stromrechnungen eingetrieben werden soll, könnte zudem von den Mitarbeitern der Energieversorger boykottiert werden, ließ deren Gewerkschaft verlautbaren.

Venizelos: "Ohne Druck finanziell entgleist"

Für Venizelos, der von „schmerzhaften einschnitten" sprach, sind die neuen Maßnahmen jedoch unumgänglich, damit das Land die nächste Tranche in Höhe von acht Mrd. Euro aus dem 110-Mrd.-Euro-Rettungspaket erhält. Gelingt das nicht, ist Griechenland schon im Oktober zahlungsunfähig. „Ohne den Druck der Troika (IWF, EU und EZB, Anm.) wären wir finanziell schon längst entgleist", so Venizelos. Die neue Anstrengung dürfte auch bereits einen ersten Erfolg zeigen. So kündigten die Vertreter der Troika an, nächste Woche nach Athen zu Gesprächen über die Auszahlung der Tranche zurückkehren zu wollen. Anfang September hatten sie das Land mit Verweis auf das wieder größer werdende Budgetdefizit verlassen.

Indes warnte der bei der EZB angesiedelte europäische Systemrisikorat (ESRB) eindringlich vor einer Verschärfung der Finanz- und Schuldenkrise. Die Risiken für die Stabilität des Finanzsystems hätten sich seit dem Sommer „merklich erhöht", teilte der Rat aus Notenbankern und Finanzaufsehern am Mittwoch mit. Es bestehe zudem die Gefahr, dass die Krise auf die Realwirtschaft übergreife, hieß es.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2011)

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110 Kommentare
 
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Gast: mundl freud
23.09.2011 13:23
0

30 000 Beamte entlassen

Wetten wir, daß- wenn das überhaupt geschieht, wahrscheinlich ist es eh nur ein Schmäh für die EU Troika- in erster Linie Leute abgebaut werden, die nicht wirklich gute Beziehungen haben? Die Schwiegertöchter und -Söhne, die Neffen, die Freunderln bleiben natürlich.

Gast: Buusch
23.09.2011 04:52
0

Politiker dürften nicht regieren

. . . doch der Pöbel müsst' erst umerzogen werden

Gast: Buusch
23.09.2011 04:38
0

die Globalisierung macht alle gleich

. . . eine Handvoll Reis jeden Tag

Gast: Buusch
23.09.2011 04:36
0

die Bonzen verprassen die Zukunft

. . . wenn die Kassen leer sind,
setzen s' andere auf die Straß'!

Gast: putinfan
22.09.2011 18:46
0

Tja, und es ist auch ungerecht

dass Griechen, Spanier ein zwanzigfach höheres Einkommen haben als die Menschen südlich des Mittelmeeres (Ägypten, Tunesien, Marokko).

insofern ist die "EU-Hilfe" auch doppelt kontraprdouktiv, weil die Mittelmeeranrainer - die überhaupt nicht schlechter qualifiziert sind als die meisten Griechen, Spanier, usw. - aber nur 100-200 € verdienen, die EU-Menschen aber 1000-2000 € (trotz nur geringfügig höherer Produktivität).

so wird neben dem Schuldenmachen auch ein (Schein)wohlstand denArabern/Afrikanern vor Augen geführt, der aber nicht selbst erarbeitet und auch nicht nachhaltig ist.

Vor 10 Jahren wurde geschrieben, dass der Einkommenunterschied zw. Spanien-Marokko 1:10 beträgt, und 10 Jahre später 1:20 betragen wird.
Das stimmt, aber die unerträgliche Schuldenlast wurde dabei vergessen...

Smit wäre eine ökonomische Annäherung zw. SüdEUropa und dem Maghreb auch demografisch sinnvoll - weil dann der Flüchtlingsdruck abnehmen würde, wenn die Araber sehen würden dass die EU auch kein Schlaraffenland ist...

Gast: Eierbär
22.09.2011 16:49
0

Otto Bauer und Ludwig von Mises

Es war einmal Anfang der 20er Jahre als Wien hungerte und Otto Bauer und seine Frau voll marxistischem Ideal und Pathos waren und vor einer wirtschaftlichen Schicksalfrage standen. Der Preis wäre der Tod von Tausenden Wienern gewesen. Ludwig vom Mises brachte die beiden auf den Weg der wirtschaftlichen Vernunft. Dafür hassten die beiden Marxerln den Ludwig für den Rest des Lebens und schadeten ihm, wo es nur ging. Ach ja, wie meine Großmutter immer sagte, was du vorgefressen hast, wirst du nachhungern müssen.

Ein guter Anfang

Griechenland wird nächstes Jahr 58 Milliarden Euro refinanzieren müssen (Gesamtverschuldung ca 330 Mrd). Dh, es laufen Anleihen in diese Höhe aus, für die man sich am Kapitalmarkt neues Geld besorgen wird müssen. Wenn das nicht gelingt, werden die Pensionen und Beamtengehälter halt nicht um 20% gekürzt, sondern um 100% !

Deutschland, Holland, Österreich usw haben erkennbar keine Lust mehr ihre Bürger zu schröpfen, um den Griechen ein Leben in Saus und Braus zu ermöglichen.

Man könnte auch noch einiges auf der Einnahmenseite tun. Berichte über fette Yachten, großzügigst ausgestattete Residenzen, hervorragende Fuhrparks uvm sind in vielen Medien zu finden. Weiters bestünde immer noch die Möglichkeit Grund und Boden an Ausländer zu verkaufen, wie es zB die Spanier seit Jahrzehnten tun.

Gast: nina blum
22.09.2011 14:51
0

Super! Brauchen die Griechen jetzt also nur mehr das Doppelte an Hilfsgelder als vor 2 Tagen?

Ein schöner Erfolg!
Zum Glück ist es ja nicht unser Geld!
Und wie die Fekter gesagt hat, verdienen wir ja fest daran. Hoffentlich brauchen die also noch viel mehr, damit es für uns alle ein noch besseres Geschäft wird.

Gast: Papa Schlumpf
22.09.2011 14:49
1

Bei so einer gewichtigen Troika muss man ja am Fuss erblassen!

Pensionen über blabla werden um 20% gekürzt!

Bei einer Durchschnittspension von 750 Euro sind aber Rieseneinsparungen zu erwarten!!!!!
Wieviel bringt die Massnahmen? Sicher exakt 0 Euro!

So 30.000 Beamte nach Hause zu schicken. Die bekommen dann ja auch wieder das Gehalt.

Griechen sind keine guten Blender, aber für die unfähigsten Deppen reicht es schon: die EU und unsere Politiker & Beamte.

Antworten Gast: Papa Schlumpf
22.09.2011 15:14
1

Re: Bei so einer gewichtigen Troika muss man ja am Fuss erblassen!

Bitte sich selbst einen Nicknamen ausdenken - Danke!

Der ECHTE "Papa Schlumpf"

Gast: Lehrbeispiel für das Zukünftige England
22.09.2011 14:40
1

Die Nichtlösung eines Problems

Und was machen diese 30.000 Beamte jetzt außer Nasenboren, angesichts der Krise sind ja Arbeitsplätze wahrscheinlich so rar wie Schipisten in diesem Land.

Das ganze schaukelt sich weiter auf, weitere 30.000 Menschen ohne Kaufkraft, die Wirtschaft muß darauf reagieren und detto wieder Arbeitskräfte kündigen, Geschäfte sperren, die Katze beißt sich da nicht nur in den Schwanz sondern frißt sich gleich selbst auf.

Und derartiges soll dann Griechenland retten, na bum, wie gut das Funktioniert wird man ja schon bald sehen, btw, eben nicht geht...

Re: Die Nichtlösung eines Problems


Sie meinen, die Nicht-Griechen sollen löhnen, während die (reichen) Griechen Party machen?

http://mediathek.daserste.de/sendung-verpasst/8253972_report-mainz/8260894_reich-im-pleitestaat?type=null&datum=20110920

Gast: Blau-Rot Wähler
22.09.2011 14:12
3

Drei viertel aller Beamten sofort rausschmeißen

Das wäre bei uns schon lange angebracht. Neben den Gehältern müssen wir von denen auch noch die Pensionen bezahlen. Beamte bringen nichts und kosten nur. Das muss alles der Arbeiter erwirtschaften. Der Arbeiter alleine hätte keine Probleme mit der Rente aber wenn er auch noch Beamte,Politiker und Bauern durchfüttern muss ist klar das das Geld hinten und vorne nicht reicht.

Re: Drei viertel aller Beamten sofort rausschmeißen

Ich stimmte 100prozentig zu!!!!

folgendes ist in Ö zu machen:

-Steuerprivilegien der Bauern beseitigen
-Beamtenprivilegien abschaffen
-Zahl der Beamten drastisch reduzieren
-Bezirke abschaffen
-Gemeinden zusammenlegen
-Landtage massiv verkleinern und Proporz abschaffen.

Manche Leute werden mir jetzt widersprechen, aber es ist die einzige Chance, wenn wir wollen, dass Österreich weiterbesteht!!!

Antworten Antworten Gast: Ich widerspreche Dir
22.09.2011 15:02
0

Re: Re: Drei viertel aller Beamten sofort rausschmeißen

Ich widerspreche Dir massiv, Beamten sind nicht die schlechtesten Arbeitnehmer im Land, die Privilegien haben ihre Berechtigung, dient es auch zum Schutz vor Willkür gegenüber den Machthabern bei der Gewaltenteilung, wohin die Abschaffung führt zeigt Ungarn und Italien zur genüge, das es auswüsche gibt keine Frage, da bedarf es sicher Lösungen, nur die Abschaffung ist es definitiv nicht!

Und die Privilegien, worin bestehen de die 20% Selbstbehalt bei den Ärzten, keine Abfertigung, nur davon wird nicht geredet.

Bei der Verwaltungsreform, gebe ich Dir teilweise recht, Bezirkshauptmannschaften übernehmen die Aufgaben der Gemeinden und teilweise des Landtags, der Nationalrat die verbleibenden Agenden der Landtage. Der Bezirkshauptmann/Frau wird direkt gewählt.

Damit die Bundesländer das Gesicht wahren könnte, bleibt der Landshauptmann/Frau bestehen direkt Gewählt vom Volk mit ähnlichen Aufgaben wie der Bundespräsident, mehr oder weniger eine reine Repräsentation für die Länder. Gleiches könnte auch für Bürgermeister gelten, btw Städte mit mehr als 20.000 EW sollten dann einen Bürgermeister haben der die gleichen Aufgaben wie der Landeshauptmann hat, aber eben auf die Stadt begrenzt.

Der Bundesrat setzt sich zusammen aus den Bezirkshauptmännern/Frauen und haben Einspruchsrecht gegen Gesetzte des Nationalrates aber keine Recht zur Gesetzbildung. Denkbar wäre auch das hier der Rechnungshof angesiedelt werden könnte als zusätzliche Aufgabe.

Re: Re: Re: Drei viertel aller Beamten sofort rausschmeißen

Die Vorschläge bzgl. Bezirke, Länder etc. finde ich ganz interessant! Sollte man unbedingt weiterverfolgen.

Mit Privilegien der Beamten meinte ich nicht die Unkündbarkeit, die ist wichtig!!! Versicherungsmäßig sollte der Beamtenstand meiner Meinung nach abgeschafft werden und in Zukunft dem ASVG unterstehen.

Das hieße für die Beamten:
-kein Selbstbehalt beim Arzt mehr
-Recht auf Abfertigung
-Obergrenze bei der Einzahlung von Pensionsbeiträgen

ABER:
-Niedrigere Pensionen.

Aufgrund der geringeren Verwaltungskosten bei der Sozialversicherung und den niedrigeren Pensionen könnte man dem Steuerzahler massiv sparen helfen!

Re: Re: Re: Re: Drei viertel aller Beamten sofort rausschmeißen

Im Übrigen sei noch gesagt:

Die Privilegien der Bauern wiegen noch bei Weitem schwerer!!! Die Bauern kosten uns noch viiiiiiiieeeeeel mehr Geld als die Beamten.


Gast: bessere Zukunft
22.09.2011 14:09
1

Etwa 300.000 sind in Österreich zuviele

Die könnte man einsparen -> melden beim Arbeitsamt. Weiters unverschämt hohe Beamtengehälter und -pensionen kürzen.
Und da wären dann noch die vielen Reformen die alle Regierungen der letzten Jahrzehnte bewusst nicht durchgeführt haben.

Gast: hackler
22.09.2011 13:30
1

sollte das bei uns passieren

kann die regierung auch meine unterstützung zählen.

ich würde sogar für solche massnahmen demonstrieren.

Gast: hw1979
22.09.2011 13:23
0

Studien über Einstellung von Griechischen Studenten

zu Ihrer Polizei...und anderen Bevölkerungsgruppen...

http://ideas.repec.org/p/hel/greese/30.html

Gast: Mutbürger
22.09.2011 13:13
2

Die Investmentbanken und Investoren...

...bitten wieder einmal die breite Masse zur Kasse.

Die Börsen zeigen was das bedeutet.

In Griechenland werden die Leute auf die Straße gehen und die Situation immer weniger zu kontrollieren sein.

Es kann nur vernünftige Schritte in Etappen geben, die aber genau kontrolliert. Ein Schuldenschnitt ist sicher unerlässlich, und zwar eben nicht auf Kosten der Allgemeinheit.

Wer kontrolliert eigentlich die Milliardenzahlungen an Griechenland und über welche Institute werden sie abgewickelt?

Wer kontrolliert eigentlich die Milliardenzahlungen an Griechenland und über welche Institute werden sie abgewickelt?


Die da:

http://www.zeit.de/2011/27/DOS-Griechenland-Geld

Gast: gastus99
22.09.2011 12:54
1

niedlich

lieb mitanzusehen wie die linken auch noch in den letzten zuckungen hartnaeckig die realitaet verweigern.

Antworten Gast: Johann S
22.09.2011 13:31
1

Re: niedlich

Was hat das mit links,rechts oder anderen ideologischen Zuordnungen zu tun.

Derartige radikale Maßnahmen,müssen den sozialen Frieden stören.

Istein alter Hut.

Gehöre keiner pol. Gruppe an.

Der Schärdinger

Umgesetzt ist noch gar nichts. Angekündigt wohl.
Man erinnere sich, angekündigt wurde schon viel und genausowenig gemacht.!
So schauts aus!!!!!!!!!!

Gast: hühott
22.09.2011 12:33
1

Griechenland entlässt 30.000 Beamte.

Fix ist, dass 30.000 Beamte in Kurzarbeit geschickt werden.

ist das ein und oder oder?

oder sagen die einfach irgendetwas was sie sowieso nicht vorhaben umzusetzen und was so schwammig ist daß es sowieso nicht überprüft werden kann?

das ganze ist doch eine lächerliche farce.

 
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