Griechenlands Sparspirale treibt Massenprotest an

22.09.2011 | 18:15 |   (Die Presse)

Politische Lage spitzt sich nach weiteren Spar-Zusagen an die Kreditgeber zu. Taxi- und Busfahrer, Bahn- und S-Bahnführer legten ihre Arbeit nieder. Flugverkehr brach zusammen, weil die Fluglotsen streikten.

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Athen/Ag./Red. In Athen ging an diesem Donnerstag nichts mehr. Taxi- und Busfahrer, Bahn- und S-Bahnführer legten aus Protest gegen die neuen, noch härteren Sparmaßnahmen der Regierung ihre Arbeit nieder. Weil es nur noch möglich war, mit dem eigenen Auto voranzukommen, waren bald die meisten Straßen überlastet. Auch der Flugverkehr brach zusammen, weil die Fluglotsen streikten. Die Lehrer legten ebenfalls ihre Arbeit nieder.

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„Sie haben unsere Löhne und Renten gekürzt, und wir haben es hingenommen“, sagte ein 32-jähriger Mitarbeiter des Staatstheaters. „Aber ich glaube nicht mehr, dass irgendwas davon zum Wohle des Landes geschieht. Wir werden sinnlos geopfert. Wir können eine Staatspleite nicht vermeiden.“ In der Bevölkerung wurden die Ankündigungen von neuen Sparmaßnahmen der Regierung in der Höhe von sechs Milliarden Euro nur noch mit Verbitterung aufgenommen.

Langsam spitzt sich für die Regierung unter dem sozialistischen Premierminister George Papandreou die Lage zu. Die immer neuen Auflagen der Troika von EU, IWF und EZB drohen, gepaart mit Massenprotesten, die Wirtschaft schwer zu beschädigen. Der Druck sowohl der Kreditgeber als auch der Bevölkerung steigt ständig, doch ihr Handlungsspielraum wird immer kleiner. Für Anfang Oktober sind weitere Massenproteste der Gewerkschaft geplant.

Am Mittwochabend hatte Finanzminister Evangelos Venizelos angekündigt, dass neben einer 20-prozentigen Kürzung aller Renten von mehr als 1200 Euro und der weiteren Senkung des Steuerfreibetrags von 8000 auf 5000 Euro auch 30.000 Stellen im öffentlichen Dienst bis zum Ende des Jahres abgebaut werden. Wie Regierungssprecher Ilias Mossialos mitteilte, beschloss die Regierung zudem eine Reihe von strukturellen Reformen zur Öffnung gewisser Berufe und des Arbeitsmarkts. Mit den verschärften Sparmaßnahmen will die Regierung die Auflagen der Troika für die Auszahlung der nächsten Kredittranche von acht Milliarden Euro erfüllen.

Der Leiter der EU-Taskforce, Horst Reichenbach, würdigte in einem ZDF-Interview die Beschlüsse der Regierung in Athen als Ausdruck für deren Bereitschaft zu Reformen. Kommende Woche werden EU, EZB und IWF prüfen, ob die nächste Kredittranche aus dem Rettungspaket an Griechenland ausbezahlt werden kann.

 

Liquidität wird sich nicht erhöhen

Viel finanzieller Spielraum bleibt der griechischen Regierung nicht. Der Großteil der nächsten Tranche fließt nämlich in die Rückzahlung von Staatsanleihen. Bis Jahresende muss Athen 6,625 Milliarden Euro für fällig werdende Titel bereitstellen. Gleichzeitig sinken wegen der Rezession die Steuereinnahmen. Die US-Bank Goldman Sachs warnt vor einer immer teureren Umschuldung. Weil die Schulden des Landes weiter wüchsen, sei eine größere Umschuldung als bisher angenommen unausweichlich, so Goldman-Auslandchef Peter Sutherland.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2011)

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22 Kommentare

Liebe Griechen

warum verbündet Ihr euch NICHT und gehts mal geschlossen auf die "Richtigen"los????

Nicht gegenseitig sich die Köpfe einschlagen,weil dann lachen Euch die Verbrecher aus!!!!(Vom Schloss).

Gast: Frau vom Präsident, Mamandreou
22.09.2011 23:28
0

die Griechen müssen halt jetzt ein bisschen sparsamer leben........

.....Wir wüssen auch mit läppischen 23 Milliarden Euro über die Runden kommen, da gibts auch nicht jeden Tag Lungenbraten, da musss man auch einmal mit einem Scampi zufrieden sein;-((
http://der-klare-blick.com/2011/05/papandreou-klaut-23-milliarden/

Gast: sackgassenpolitik
22.09.2011 22:57
0

diese pandreou(Sozialist)politik nur im interesse der börsenu.bankenkonzerne und gegen das volk wird nicht bestehen können. militär-u.waffengewalt sowie sozialabbau beim volk enden immer im chaos. steuern u.schulden fürs volk und mrd. für die finanzjongleure sind keine lösung.


Antworten Gast: Blaha
23.09.2011 07:51
1

Re: diese pandreou(Sozialist)politik nur im interesse der börsenu.bankenkonzerne und gegen das volk wird nicht bestehen können. militär-u.waffengewalt sowie sozialabbau beim volk enden immer im chaos. steuern u.schulden fürs volk und mrd. für die finanzjongleure sind keine lösung.

Nein! Das wird ja alles nicht geschehen! Das ist doch nur ein Schmäh, um weiteres Geld aufzutreiben. Natürlich geht das alles nicht. Das weiß der Papandreu am besten. Das werden wir alles noch mehrere Male erleben, bis Griechenland, wie schon so oft in den zwei Jahrhunderten seines staatl. Bestehens, endlich seine Zahlungen einstellt.

Die Lehrer legten ebenfalls ihre Arbeit nieder......

was für ein gutes Beispiel für die Jugend!

Gast: russiafan
22.09.2011 21:04
1

Man kann auch nicht Arbeitsplätze mit Arbeitsplätzen vergleichen

man hätte sich vor Einführung des EURO die Frage stellen müssen, ob die EU-Südländer - allen voran GR, Fähgi sind, solcheh Produkte wie Deutschland herzustellen.

Nur allein die Frage der Lohnkosten ist ja nicht ausschlaggebend.

Deutschland hat gerade bei den Produkten die meiste Nachfrage und Verkaufserfolge die am teuersten sind.
Trotzniedriger Lohnkosten ist wohl niemand an griechischen Autos interessiert.
Gerade die allerteuersten Deutschen Autos haben die stärkste NAchfrage - die halbe Welt reisst sich um Mercedes doer Audi, obwohl die Löhne der Mitarbeiter dieser Firmen sehr gut verdienen.

Man kann nicht alles an Zahlen/Löhnen aufhängen.

Griechische Schulden sind was anderes als deutsche Schulden.
Griechische Arbeiter sind was anderes als deutsche Arbeiter.

und die halbherzigen Vorschläge, GR jetzt einen 2. marshallplan umzuhängen klingen eher als verzweifelte Ausreden denn als sinnvoll.

In Deutschland hätte nach dem 2. WK wohl jeder investiert, weil er eine Rendite erwarten konnte; man soll jetzt Invesstoren zwingen, in GR zu investieren?

Es ist m.M. nach fast ausgeschlossen dass GR eine solche leistungsfähige Industrie aufbaut wie Deutschland.
Deutschl. ist gerade in hochlohnbranchen weltweit Exportweltmeister (Maschinenbau, Autobau, usw.)

Billige Waren können Bangladesh oder China billiger herstellen.

Wer um Gottes willen ist auf die Idee gekommen, einem agrarischen E-Land wie Griechenland dieselbe Währung wie Deutschland zu geben?

Re: Man kann auch nicht Arbeitsplätze mit Arbeitsplätzen vergleichen

Wer um Gottes willen ist auf die Idee gekommen, einem agrarischen E-Land wie Griechenland dieselbe Währung wie Deutschland zu geben?

Jemand ohne Hirn, der dachte damit kommt er in die Geschichtsbücher?

Gast: Johann S
22.09.2011 19:46
0

Soziale Unruhen

sind die logische Folge,solcher drastischer Programme.
Da braucht man kein Studium absolviert haben,um derartiges zu verstehen.

Blöder Schmäh

Nicht die Sparmaßnahmen "schädigen die Wirtschaft"! Diese wurde durch 40 Jahre Sozialismus so gut wie zerstört.


Die Griechen sind die eigentlichen Verlierer!

Gut, dass Griechenland die naechsten Raten für die französischen und deutschen Banken bezahlen kann. Was ist danach? Die EU macht Griechenland regelrecht zu Schnecke!

Aha, der Zahlungstermin naht unerbittlich.

Man sieht es an den (kolportierten) Formulierungen. War noch vor wenigen Tagen von "Fakten" (bereits durchgeführte Maßnahmen) die Rede, welche prüfbar vorhanden sein müssen, so genügt heute bereits eine "große Bereitschaft" so etwas in Zukunft tun zu wollen, um zu neuen Milliarden zu gelangen.

Wie bereits früher gepostet, es gab bei diesen handelnden Politikern nie ernste Zweifel, dass die nächste (und nächste, und ...) Tranche ausbezahlt wird. Das Schmierentheater hätte man sich also (ebenfalls) sparen können.

Antworten Gast: Hans im Glück
22.09.2011 16:46
1

Re: Aha, der Zahlungstermin naht unerbittlich.

Ohne dem Schmieretheater hätten wir die Probleme garnicht.

Die EZB könnte locker alles selber erledigen. Wir wurden auch nicht verschiedenste Sachen neu erfinden wie "Rettungsschirm", ESFM oder ESM.

Weil die EU aber so unentschlossen ist, wird sie letztendlich auf keinen grünen Zweig kommen.

Sie wird bald, samt all ihren Erfindungen, Regelungen und Verboten von der Bildfläche verschwinden.

ich verspreceh und gelobe für viel weniger als diese 8 Milliarden

ALLES zutun; gebt mir nur 1 % davon ;-)

Gast: blaha
22.09.2011 15:47
2

Bin ich froh! Sie kriegen weiter unser Geld!

War schon in großer Sorge! Bitte Fahnen der soliden Länder in ausreichender Zahl mitschicken, damit sie das ehrliebende Volk von Athen verbrennen kann.

EU-Taskforce lobt griechische Regierung

für ihre weiteren unhaltbaren versprechen, nur um an die Mrd kommen zu können, und den zahlenden Völkern glaubhaft machen zu versuchen das alles gut wird ?!

NUr sehr wenige glauben noch daran, weshalb mir erneut die Bildungsmissäre im Hinterkopf eine reinhaut ;-)

Gast: Faule_Kredite
22.09.2011 15:12
0

Versicherungen gegen faule Kredite..

Coole Taskforce..
Wie schaut es nun mit dem Aufbau dieser EU Taskforce aus? Schlieslich sollen ja keine Schattenbanknen und Schattenwirtschaft enstehen.. Oder doch? Denn schlieslich sind ja die 700 Lobbyysten in Brüssel vor Ort present..

http://www.youtube.com/watch?v=dEykkC41WwI

Gast: Hans im Glück
22.09.2011 14:29
4

Politiker versprechen das Blaue vom Himmel... un wir freuen uns???

Wir werden Bezahlen.

Die griechischen Politiker werden aber das Versprochene nicht umsetzen.

Werden dann die Mitglieder der EU-Taskforce für die in Sand gesetzten Gelder persönlich haften?

Gast: Hans im Glück
22.09.2011 14:28
1

Politiker versprechen das Blaue vom Himmel... un wir freuen uns???

Wir werden Bezahlen.

Die griechischen Politiker werden aber das Versprochene nicht umsetzen.

Werden dann die Mitglieder der EU-Taskforce für die in Sand gesetzten Gelder persönlich haften.

Gast: Johann S
22.09.2011 14:16
1

Einsatzverband

Sogar auf höchster EU Ebene hat sich der Modeanglizismus von Politikern schon durchgesetzt.
Task Force, der Modebegriff des Jahres.

Man kommt in Versuchung,selbst einen solchen zu gründen.
Um Politiker zu testen.

Gast: Lukas Paier
22.09.2011 14:10
0

Es wäre kein Problem Griechenland zu retten!

Ich denke die Finanzmärkte reagieren etwas über (nach unten). Sieht man sich die Kosten einer Griechenlandrettung an, wäre das kein Problem - das könnte der deutsche Michel leicht schultern. Die Frage wird allerdings sein, ob er das will! Ob der politische Wille und der demokratische Rückhalt besteht!

Vergleicht man es mit Lehman (Kosten der Rettung : Folgekosten der Nichtrettung) dürfte man auf ähnliches Resultat kommen: Griechenland muss gerettet werden, ansonsten wird's noch teurer!

www.anleitung-zum-reichtum.com

Gast: suda
22.09.2011 14:03
0

mir woin sudan

na, mir woin nix positives hern, sondern nur sudern :-)

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