Griechenland sieht Schuldenschnitt als mögliche Option

23.09.2011 | 11:01 |   (DiePresse.com)

Laut Medien hat Finanzminister Venizelos hat eine geordnete Insolvenz als Szenario genannt. Die Stimmen für einen Schuldenschnitt mehren sich.

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Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hat Medienberichten zufolge eine geordnete Insolvenz mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent für Gläubiger als ein Szenario für sein Land genannt. Das berichteten die Zeitungen "Ethnos" und "Ta Nea" am Freitag unter Berufung auf Personen, die bei der Rede des Ministers vor Abgeordneten anwesend waren.

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Venizelos bezeichnete demnach einen Antrag auf einen Schuldenschnitt von 50 Prozent als gefährlich. Dies würde die Zustimmung und die Zusammenarbeit vieler voraussetzen, wurde der Minister zitiert. Als weitere Szenarien nannte er den Zeitungen zufolge eine ungeordnete Insolvenz oder die Umsetzung der Beschlüsse vom 21. Juli. Damals wurde ein zweites Rettungspaket für Griechenland in Höhe von 109 Mrd. Euro vereinbart. Der stellvertretende Regierungssprecher Angelos Tolkas dementierte die Berichte am Freitag.

Experten für Schuldenschnitt

Experten plädieren schon länger für einen Schuldenschnitt. Gläubiger müssten dann auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. So kritisierte der US-Ökonom Kenneth Rogoff  die grundsätzliche Haltung der europäischen Politik. "Es ist Unsinn, Schuldenschnitte um jeden Preis zu vermeiden. Die europäischen Führer müssen Umschuldungen zulassen, wo es nötig ist, und eine glaubhafte Linie ziehen, von der an sie Länder verteidigen wollen." Das wahre Problem der Eurozone sei, dass die Regierung und die Europäische Zentralbank (EZB) versuchten, alles zu garantieren. Sie ignorierten, dass manche Länder insolvent sind und behaupteten einfach, Griechenland wird nie pleitegehen. "Doch Griechenland wird umschulden müssen."

(APA)

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17 Kommentare

Schuldenschnitt / Haircut

Staatsschulden bei einem EU-Mitglied nach nur 3 Jahren Krise zu erlassen, halte ich für verantwortungslos. Da sollte man 20-30 Jahre warten, bevor man eine so schwerwiegende Entscheidung trifft. Das Ziel eines Schuldenschnittes ist, den Staatshaushalt zu entlasten. Das erreicht man auch auf anderem Wege.

Wenn man beispielsweise 50% der umschuldet, d. h. Fälligkeiten von Kapital und Zinsen auf 30 Jahre verschiebt und Zinsen kapitalisiert, dann hat das den gleichen wirtschaftlichen Effekt wie ein Schuldenschnitt auf 30 Jahre. De jure bleiben die Schulden jedoch bestehen. Kein Mensch kann ausschließen, dass nicht ein Wunder geschieht und dass Griechenland in 30 Jahren wieder kapitalmarktfähig ist.

Das wichtigste ist, dass die Risikoaktiva in den Bankbilanzen richtig bewertet werden, d. h. auf realistische Marktpreise. Da nur wenige Banken dies auf einmal schaffen werden, kann man den Banken für die Wertberichtigungen 10 Jahre Zeit geben (allerdings keine Ausschüttungen während dieser Zeit). Es ist nicht vorstellbar, dass Euroland die jetzige Schuldenkrise nicht in 10 Jahren verdauen könnte.

http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/anleitung-zur-griechenland-verhandlung.html

http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html

Gast: 007
23.09.2011 15:46
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Heute die Nachrichten von morgen!

"Der stellvertretende Regierungssprecher Angelos Tolkas dementierte die Berichte am Freitag." Wenn ich mich nicht irre, heute ist Donnerstag. Frage mich wie die Presse weiß, was Tolkas morgen sagen wird?

Antworten Gast: ohmann
23.09.2011 16:04
0 0

Re: Heute die Nachrichten von morgen!

Und ob Sie sich irren, heute ist Freitag!

0 1

Schuldenschnitt, aber nur mit Golden Handshake

Da es 5 nach 12 ist, gibt es keine befriedigende Lösung mehr, nur mehr schlechte und ganz schlechte. Die ganz schlechte Lösung sind Dauerrettungsschirme. Dann lieber den Schuldenschnitt. ABER: der Schuldenschnitt muss gleichzeitig der Golden Handshake sein: jedes Land, das in den Genuss eines Schuldennachlasses kommt, verlässt umgehend die Euro-Zone.

Gast: Mutbürger
23.09.2011 13:30
1 0

Das klingt vernünftig

Ohne Schuldenschnitt wird es nicht gehen.

Das heisst aber auch ganz klar dass die Investoren und Investmentbanken auf Geld verzichten müssen und nicht die Steuerzahler für Fehlinvestitionen gerade stehen müssen.

Aus meiner Sicht ist es wichtig zwischen Investment- und Regionalbanken zu unterscheiden:

Regionalbanken tätigen ein ganz normales Geschäft und sind wichtig für unsere Wirtschaft, Investmenbanken sind im Prinzip Makler, die sehr oft Provisonen für Luft- und Risikogeschäfte kassieren.

Antworten Gast: Gast 99
23.09.2011 14:27
0 0

Re: Das klingt vernünftig

die kassieren nicht nur Provisionen für Luftgeschäfte. Die machen auch Spekulationen mit realen Werten wie zB. mit Rohstoffen (Nahrungsmittel, ÖL etc). Und ihr Milliardengewinn für einige wenige ist zum Teil auf der Inkaufnahme höherer Preise bei der Bevölkerung aufgebaut. Denen gehört das Geschäft abgedreht oder müssen strengen Regeln unterworfen werden!

Re: Re: Das klingt vernünftig

Abgesehen dass die Differenzierung in Investmentbanken und "Regionalbanken" etws komisch ist...
Es ist gerade so etwas was sie fordern in abgeschwächter Form in Diskussion:
http://dealbook.nytimes.com/2011/09/22/plan-for-trading-limits-goes-international/

Gast: radius
23.09.2011 13:27
1 0

War doch von vornherein geplant der Schuldenschnitt

und damit die Bonibezieher, Bilanzfälscher und Banker nicht zu viel verlieren, schuldete man vorher zu den Steuerzahlern um.

Gast: mysterium
23.09.2011 13:25
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Die Zeit ist gekommen, umzuschulden.

Nachdem die Banken bereits umgeschuldet haben, nämlich in die EZB und damit auf den Steuerzahler, werden sie bald einer Umschuldung zustimmen.

Was mich wundert, dass Griechenland fordern darf? Und wie sie sich küssen in Brüssel, ich erinnere mich noch, wie unserer Außenministerin Ferrero der Handschlag verweigert wurde, ohne dass dafür jemand hätte zahlen und haften müssen.

Die Krise ist herbeigeführt durch die Organisierte Kriminalität, die wie Krakeln in vielen Institutionen Fuß gefasst hat.

"...Krakeln..."

Was bitte sind Krakeln?
Ein Krakel ist ein unleserliches Schriftzeichen. Wie diese "Fuß"(sic!) fassen können, verlangt nach einer Erklärung!
Sollten aber "Kraken" gemeint sein, dann wäre es interessant zu wissen, wo diese ihre Füsse her haben, da Kraken ja nur Arme besitzen.

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Re: "...Füsse..."


Schweizer?

Schweizer?...

...haben Appenzeller Käsefüsse!

Gast: guesto
23.09.2011 13:12
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Eine Frage der Definition!

Rogoff (brilianter Mann!) hat aber Umschuldung mit Drachme gemeint!
Venizelos hingegen meint natürlich Umschuldung plus EURO plus Rettungsschirm. Die für Griechenland bequemste Lösung (no-na!).

Und in 5 Jahren stehen wir dann wieder vor 500 MRD grichischer Neuschulden. Bis dahin regieren aber im Rest der EU nur mehr EU(RO)-sezessionistische Parteien. Man muss Venizelos also fast dankbar sein. Endaxi, Evangelos, kannst du haben....

"brilianter Mann"

Was es nicht alles gibt. Bisher dachte man, es gäbe nur "brillante" Männer!

Unsinnige EZB Haltung

Es ist gefährliche Dummheit der EZB so zu tun, als seien die Geldmittel der EU und die Geduld der europäischen Steuerzahler unbegrenzt...

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"Doch Griechenland wird umschulden müssen."

des wissen wir schon lange. Die Frage ist wer zahlt?

Re: "Doch Griechenland wird umschulden müssen."

Denken Sie einmal scharf nach.

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