Ratingagentur Moody's stuft Slowenien herab

23.09.2011 | 13:56 |   (DiePresse.com)

Die Bonitätsnote für slowenische Staatsanleihen wird von Aa2 auf Aa3 gesenkt. Eine weitere Herabstufung wird geprüft.

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Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Sloweniens herabgestuft. Die Bonitätsnote für slowenische Staatsanleihen wurde von "Aa2" um eine Stufe auf "Aa3" (die vierthöchsten Note) gesenkt. Zudem werde das Rating auf eine weitere Herabstufung hin überprüft, teilte Moody's am Freitag mit. Die Bewertung für kurzfristige Kredite (Prime-1) wurde bestätigt.

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Die Ratingagentur begründete die Herabstufung mit wachsenden Problemen im slowenischen Bankensektor, schwachen Konjunkturprognosen und steigender politische Unsicherheit. Slowenien weise jedoch immer noch eine relativ niedrige Verschuldung der Staats- und Privathaushalte auf, merkte Moody's an.

Regierung nicht überrascht

Die slowenische Regierung zeigte sich von der Herabstufung der Kreditwürdigkeit nicht überrascht, denn sie habe selbst vor den Folgen der Nichtumsetzung notwendiger Strukturreformen gewarnt, hieß es in einer Mitteilung des Finanzministeriums. In Slowenien waren heuer bei Volksabstimmungen wichtige Reformen abgelehnt worden. Die wichtigste darunter war die Pensionsreform, die durch eine Anhebung des Pensionsalters das slowenische Budget um Milliardenbeträge entlasten sollte.

Trotzdem findet die Regierung, dass die Ratingagentur bei ihrer Bewertung "zu vorsichtig sei" und nicht alle bereits unternommene Maßnahmen berücksichtige. Die abgewählte Minderheitsregierung von Borut Pahor will trotz ihrer nun eingeschränkten Handlungsmöglichkeit versuchen kurzfristige Maßnahmen umzusetzen, um die Finanzkonsolidierung ungestört weiterführen zu können, so das Finanzministerium.

Banken mit Problemen

Die Experten von Moody's sehen in ihrer Analyse die zunehmende Gefahr, dass der slowenische Staat den Banken wieder unter die Arme greifen müsse. Die Finanzkrise habe die Schwächen des Bankensektors bloßgestellt, vor allem bei der Qualität der Assets, der Kapitalausstattung und der kurzfristigen Fremdfinanzierung. Diese Schwächen dürften sich auch auf den Unternehmensbereich und öffentliche Finanzen niederschlagen.

Die schwache Wachstumsprognose wird laut Moody's vor allem durch den notwendigem Schuldenabbau im stark verschuldeten Unternehmenssektor und von der Kreditklemme beeinflusst. Im letzten Jahrzehnt sei der heimische Kreditboom im Bau- und Immobiliensektor, finanziert durch kurzfristige Fremdverschuldung der Banken, der führende Wachstumstreiber in Slowenien gewesen. Dazu kommt, dass die kleine, exportorientierte Volkswirtschaft Sloweniens stark von der schwächelnden Weltkonjunktur beeinflusst wird. Die slowenische Regierung erwartet für heuer ein Wachstum von 1,5 Prozent, auch 2012 soll es mit einen BIP-Wachstum um 2 Prozent keinen spürbaren Aufschwung geben.

Die politische Unsicherheit im Euroland verursacht unterdessen Sorgen über die Umsetzung von Maßnahmen zu Konsolidierung von öffentlichen Finanzen und von strukturellen Reformen. Moody's befürchtet, dass die notwendigen Reformen (im öffentlichen Sektor, bei Sozialtransfers und die Pensionsreform) durch unsichere politische Verhältnisse aufgeschoben werden können. Bei der Bewertung hat die Ratingagentur noch Pahors Minderheitsregierung vor Augen gehabt, die allerdings am Dienstag bei einer Vertrauensabstimmung abgewählt wurde.

(APA)

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2 Kommentare
Gast: mhewi
25.09.2011 14:13
0 0

RATINGAGENTUREN ENDLICH ENTMACHTEN

Wird Zeit, dass diese willkürlich agierenden Ratingagenturen endlich entmachtet werden. Insbesondere Staaten sollten von diesem dubiosen System . niemand weiß, wie diese Agenturen zu ihren Beurteilungen kommen (das müssen sie auch nicht offenlegen) - ausgenommen werden. Das System dient nur zur Bereicherung der Banken, und wenn die Staaten dann nicht mehr können (GR 16% Zinsen!!!) dann retten wir halt die Banken, die weiter frisch und fröhlich drauf los-spekulieren dürfen, und zahlen halt die Gewinne der Banken aus dem Steuertopf.

Den Griechen hat bisher niemand geholfen, nur den deutschen und französischen Banken.

Wird Zeit, dass statt der Gier Intelligenz einzieht!

Hab mich schon gewunder, wo die Slowenen das Geld her haben

Sie sind die aktivsten Käufer von Ferienimmobilien in Kroatien und fahren die dicksten Autos.
Kredite !!!

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