Trichet: Eurozone ist Epizentrum einer weltweiten Krise

Der EZB-Präsident zeichnet ein düsteres Bild der Schulden-Krise. Laut Deutschlands Finanzminister Schäuble braucht Athen noch zehn Jahre Hilfe.

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Trichet – (c) REUTERS (Arnd Wiegmann)

Auch am Samstag gibt es nicht gerade ermutigende Meldungen zur Euro-Schuldenkrise: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte am Freitag am Rande der IWF-Jahreskonferenz in Washington, die Risiken für die Stabilität des europäischen Finanzsystems hätten in letzter Zeit drastisch zugenommen. Er forderte die politisch Verantwortlichen auf, diesen Gefahren mit raschem Handeln entgegenzutreten. Das Zentrum der aktuellen Krise um ausufernde Staatsschulden bilde die Euro-Zone. Die Probleme hätten sich aber inzwischen darüber hinaus ausgeweitet.

„Wir stehen vor einer globalen Krise der öffentlichen Finanzen, und wir (die Euro-Zone) sind das Epizentrum dieser Krise", sagte Trichet. Die aktuelle Situation sei dabei noch prekärer als beim Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahre 2008, der die Weltwirtschaft in einen tiefen Abgrund gestürzt hatte. An den Märkten sei inzwischen der Glaube verloren gegangen, dass Schlüssel-Länder nicht zahlungsunfähig werden können. Belegt werde die Krise durch die Spannungen auf den Anleihemärkten in Europa und die heftigen Schwankungen an den Aktienmärkten rund um den Erdball.

Schäuble: Eurozone könnte auseinanderfallen

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble meldete sich ebenfalls von der IWF-Jahrestagung zu Wort: Das hoch verschuldete Griechenland wird nach seiner Einschätzung wahrscheinlich noch zehn Jahre lang auf Hilfen angewiesen sein. "Dass Griechenland nicht - wie 2010 gedacht - schon 2012 an den Kapitalmarkt zurückkehren kann, ist klar", sagte Schäuble der "Wirtschaftswoche". "Griechenland wird zur vollen Herstellung seiner Wettbewerbsfähigkeit sicher eher ein Jahrzehnt brauchen als ein Jahr."

Schäuble hält eine Rettung Griechenlands um der Stabilität der Eurozone willen jedoch für unbedingt erforderlich. "Es besteht die reelle Gefahr, dass die Währungsunion auseinanderfallen würde." Die Hellenen müssten unter allen Umständen in der Euro-Zone gehalten werden. "Athen, Griechenland ist - auch historisch - ein zentraler Bestandteil Europas. Jeder Verantwortliche weiß, dass ein Ausscheiden erhebliche Folgen hätte für Griechenland, aber auch weit darüber hinaus." Vor allem die Auswirkungen auf den Bankensektor dürfe man nicht unterschätzen.

Kritik an italienischer Regierung

Schäuble kritisierte die italienische Regierung für ihren Wackelkurs in der Finanzkrise. "Die Verantwortlichen in Italien - und in allen anderen Ländern - müssen wissen, dass es problematisch ist, Maßnahmen oder Verpflichtungen anzukündigen und dann nicht dazu zu stehen", sagte der Finanzminister dem Magazin. "Vertrauen ist die wichtigste, aber derzeit auch die knappste Ressource." Italien habe jedoch eine gesunde Basis, um die Krise zu bewältigen.

(Ag.)

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