Rettungsschirm: "Aus einem Euro fünf machen"

25.09.2011 | 11:15 |   (DiePresse.com)

Die Euro-Politik steht international unter Kritik. Jetzt zeichnen sich erste Änderungen am Rettungsschirm ab.

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Die Europäer steuern unter dem Druck weltweiter Kritik auf Korrekturen an ihrem noch nicht einmal umgesetzten Krisenbekämpfungskonzept für Griechenland und andere hoch verschuldete Länder zu. Am Rande der IWF-Jahrestagung öffnete der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble am Samstag die Tür für signifikante Änderungen an den bisherigen Plänen. So ließ er offen, ob den Banken letztlich eine noch höhere Beteiligung am nächsten Hilfepaket für Griechenland abverlangt wird.

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Rettungsschirm "mehr Feuerkraft" verleihen

Der Forderung vieler Länder wie USA und China, ihren Euro-Rettungsschirm EFSF massiv aufzustocken, wollen die Europäer zwar nicht nachkommen, doch sie wollen dem Fonds mit anderen Instrumenten mehr "Feuerkraft" verleihen. Zudem könnte der geplante dauerhafte Krisenhilfemechanismus ESM schon früher kommen als 2013, wie es bisher geplant ist.

Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos äußerte sich trotz massiver Zweifel an den Sanierungsbemühungen seines Landes zuversichtlich, dass es die benötigte nächste Milliardenzahlung aus dem erste Hilfeprogramm bald bekommen wird. Er versicherte, Griechenland werde in der Euro-Zone bleiben und auch nicht Pleite gehen.

Venizelos nutzte das Treffen in Washington zu einer Fülle von Gesprächen mit Politikern und Vertretern der Finanzbranche aus aller Welt. Er kam auch mit Schäuble zusammen, der nach den Beratungen aber betont zurückhaltend blieb. Die aktuelle Lage beschrieb der deutsche Minister als schwierig. Zugleich betonte er, es gebe keinen Anlass, in Panik zu verfallen. In einer Erklärung des IWF-Lenkungsausschusses hieß es, die Euro-Zone werde tun, was immer nötig sei, um ihre Krise zu lösen.

Auf der IWF-Tagung mussten sich die Euro-Länder heftige Kritik gefallen lassen. Viele Staaten, gerade auch Schwellen- und Entwicklungsländer, warfen den Europäern vor, mit ihrer Schuldenkrise zunehmend andere Teile der Welt nach unten zu ziehen.

Ringen um EFSF-Ausgestaltung

In der Diskussion über das Hilfe-Instrumentarium, das die Euro-Länder auf ihrem Gipfel am 21. Juli beschlossen hatten, steht derzeit der vorläufige Rettungsschirm EFSF im Vordergrund. Unter anderem die USA, China und Kanada fordern, sein Volumen für Kredithilfen von den geplanten 440 Milliarden Euro massiv auszuweiten. Das wollen die Europäer bisher nicht. Allerdings werde man, wie EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte, nachdem die schon verabredeten EFSF-Stärkung in allen Mitgliedsstaaten beschlossen sein werde, darüber sprechen, wie man möglichst viel aus dem Geld machen und eine "Hebelwirkung" entfalten könne. "Wir suchen einen Mechanismus, wie wir aus einem Euro im EFSF fünf machen können", beschrieb ein EU-Diplomat die Aufgabenstellung. Auch Schäuble sprach von einer möglichst effizienten Mittelnutzung. Analysten äußerten sich positiv.

Der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann machte deutlich, dass dies wohl nicht gelingen könne, indem der EFSF sich über die Europäische Zentralbank (EZB) finanziere, wie dies von US-Seite empfohlen wurde. Wegen des Verbots der monetären Staatsfinanzierung sei das kaum machbar, sagte Weidmann. Es gebe auch andere Möglichkeiten, entgegnete Schäuble.

Der Minister kündigte zudem an, dass noch einmal über die umstrittene Bankenbeteiligung am verabredeten zweiten Griechenland-Hilfepaket gesprochen werde. Vor dem Bankenverband IIF ließ er keinen Zweifel daran, dass er generell eine Beteiligung privater Gläubiger an Hilfepaketen für Krisenländer befürwortet. Es sei offensichtlich, dass sich die Voraussetzungen gegenüber Juli, als das zweite Hilfepaket verabredet wurde, geändert haben. Was das zur Folge habe, werde man besprechen.

Änderungen deuten sich auch beim geplanten dauerhaften Hilfemechanismus ESM an. Gegen ein Vorziehen des ESM, der eigentlich erst ab 2013 den Rettungsschirm EFSF ablösen sollte, hätte Schäuble nichts einzuwenden: "Wenn der früher in Kraft gesetzt werden kann, dann hätten wir nichts dagegen." Der ESM könne als dauerhafte Einrichtung eine ganz andere vertrauensbildende und stabilisierende Wirkung entfalten als der EFSF.

(Ag.)

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24 Kommentare

Es ist wie auf der untergehenden Titanic, als die Tanzkapelle weiterspielen musste!

Recherche ist nicht meine Aufgabe, ich sehe aber eine Reihe höchst gefährlicher Symptome:

Die katastrophale EU-Politik mit ihrem “Rettungsschirm” bekämpft nicht die Krise, sondern ist dabei, eine ungeheure Weltwirtschaftskrise auszulösen. Die übrige Welt schreit auf: die USA sagen, der Rettungsschirm müsste “unbegrenzt” sein, um funktionieren zu können, China sagt, die Europäer müssten ihre “Art, Geld auszugeben” ändern, die Entwicklungsländer spenden dazu Beifall!

Nur die EU denkt nicht im Traum daran, ihre Politik zu ändern, sie meint, den Amerikanern wäre der Rettungsschirm nur zu klein, er sollte auf 1000 Milliarden aufgestockt werden. Dabei ist das wahrscheinlich nur die geschätzte Summe, um die bis jetzt angerichteten Schäden zu beseitigen! Schäuble und Merkel machen hier nur widerwillig mit. Merkel kann ja nicht nur deshalb zu Sarkozy geeilt sein, um eine unrealistische Wirtschaftsregierung zu propagieren, erreicht hat sie nichts.

Der deutsche Vizekanzler Rösler hat vor ca. 10 Tagen gesagt, man sollte Griechenland pleite gehen lassen. 16 führende deutsche Wirtschaftswissenschaftler haben öffentlich zugestimmt. Seither sieht man sie im deutschen Fernsehen, wo sie vorher fast täglich befragt wurden, gar nicht mehr. In der öst. Presse haben sie sowieso keine Stimme!

Die unbelehrbare EU will aber alles nur schönreden. Die Börsenkurse fallen inzwischen ins Bodenlose. Die Börsianer fühlen sich offenbar - wie ich - in einem unaufhaltsam sinkenden Schiff!

Gast: Blankenstein Husar
25.09.2011 16:41
3

Euro aufgeben, EU auf Wirtschaftsunion zurücksetzen, Brüssel liquidieren.

So und nicht anders muß die Devise lauten.

Entweder die EU Dodln begreifen das endlich, dann wirds zwar kurz schmerzlich, peinlich und unangenehm und wir kommen noch mit einem blauen Auge davon,

oder aber sie machen weiter,

dann gibts ganz genau das selbe Resultat, eben ein paar Jahre später,

aber umso schmerzlicher, peinlicher und unangenehmer, einer flächendeckenden Verarmung in Europa

und endet mit einem völligen Vertrauensverlust in alles was nur den Hauch der Union hatte.


Re: Euro aufgeben, EU auf Wirtschaftsunion zurücksetzen, Brüssel liquidieren.

. . . nope, die Europäer müssten an einem Strang ziehen
Griechenland bankrott gehen lassen, die Banken zerschlagen, jegliche Neuverschuldung unterbinden und endlich die Wirtschaft der Länder integrieren
ein einheitliches Steuer-, Budget- und Sozialsystem, einheitliche Standards und Normen schaffen und
sich vom globalen freien Markt abschotten:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,787321,00.html


Re: >und sich vom globalen freien Markt abschotten:<


Genau!

Gott sei Dank sind wir autark, vor allem was die Rohstoffe anlangt (Erdöl, Erze usw)!

Der ganze Rettungsschirmtrallala kommt dem versuch gleich sich nüchtern saufen zu wollen

In Wahrheit müsste die Geldschöpfung von den Banken wieder zu den Staaten zurückkommen.


Man fasst es kaum

"Hebel"? "Aus 1 mach 5"? Die Rezepte, die bisher zum Crash geführt haben sollen jetzt auch die Staaten selbst anwenden um in den Bankrott zu krachen?

Da sollen nun die Parlamente den Schirm absegnen und dann soll durch Tricks, an den Volksvertretern vorbei, der Schirm-Betrag verfünffacht werden? Dieser Betrag der uns bei Schlagendwerden der Risiken (und das werden sie) auf den Kopf fällt und durch uns alle aufgebracht werden soll - der soll klammheimlich verfünffacht werden?

Wer spricht da noch von Demokratie? Wer wundert sich wirklich, wenn ein entsprechend Veranlagter sein Auto mit Sprengstoff im Regierungsviertel parkt? Welche Möglichkeiten hat denn der Bürger noch, sein Geld vor dem hemmungs- und schamlosen Zugriff der am Ende ihrer Weisheit angekommenen Politiker zu retten?

Wurscht was

diese politischen Blindgänger noch alles erfinden werden. Noch dieses Jahr ist der Euro den wir kennen Geschichte, daran ist nichts mehr zu rütteln.


Sehr geehrte Poster! Wenn auch Sie den ESM-Vertrag für gefährlich halten, dann schreiben Sie doch bitte einem/einer Volksvertreter/in Ihrer Wahl, um in der Politik mehr Bewusstsein für die Sache zu schaffen.

Praktische Unterstützung fürs Mailen - ein Klick, unterzeichnen, senden:
http://www.banken-volksbegehren.at/index.php/politik/97-mailing-aktion-fragen-zum-esm-an-volksvertreter

Re: Sehr geehrte Poster! Wenn auch Sie den ESM-Vertrag für gefährlich halten, dann schreiben Sie doch bitte einem/einer Volksvertreter/in Ihrer Wahl, um in der Politik mehr Bewusstsein für die Sache zu schaffen.

zuviel verlangt . . . aufgrund nur einer, meiner Bewertung!

Re: Sehr geehrte Poster! Wenn auch Sie den ESM-Vertrag für gefährlich halten, dann schreiben Sie doch bitte einem/einer Volksvertreter/in Ihrer Wahl, um in der Politik mehr Bewusstsein für die Sache zu schaffen.

Das ist "Erbsen an die Wand werfen"! Seit wann kümmern sich denn die EU-Bonzen um das Volk? Die Wähler haben doch in der EU nicht das Geringste mitzureden!

Die Geißelung der Bevölkerung..

..und das Ausstopfen der Banken geht in die nächste Runde. Würde mich interessieren ob für die Schaffung von Arbeitsplätzen, Bildung, Familie die EU hier auch einen Stabilitätspakt erfinden wird?!

hmm, "er hat's erfunden" ...

... richtig die die nun am lautesten schreien: die USA

Gast: möchte auch zaubern können
25.09.2011 12:38
5

"Wir suchen einen Mechanismus, wie wir aus einem Euro im EFSF fünf machen können"

Hört sich nach weiterem "money out of nothing"-Modell an.

Das Problem dieses Systemes ist aber, dass es historisch erwiesen immer wieder Blasen und Krisen schafft.

Aus 1 mach 5 zeigt weiters schon bei etwas logischem mitdenken, dass hier getrickst werden muss.
Es bedeutet ein weiteres Schneeballsystem wird geschaffen.

Antworten Gast: Bärenfalle...
25.09.2011 13:34
2

Re: "Wir suchen einen Mechanismus, wie wir aus einem Euro im EFSF fünf machen können"

Ist doch kein Problem.

Wenn es die Zentralbank von Zimbabwe schafft eine "100 Trillion Dollar" Banknote zu drucken dann schaffen das die Geldpanscher von der EZB doch locker.

Hier der ganze Stolz der Notenbank von Zimbabwe:

http://aurumaworld.com/2011/02/the-illusion-of-money/

Das Ding hat tatsächlich Wert, wenn auch nur in "Kilo Altpapier"

Die Hyperventilation über Griechenlands Schulden, Defaults und taumelnde Banken ist also unangebracht, der "Mangel an Geld" kann in Papierwährungen niemals ein Problem sein oder werden.

Gut .. der kleine Mann zahlt natürlich für die Gelddruckerei mit Armut und Verelendung, das hat aber noch nie (auch nicht in der kommunistischen SU) irgendjemand wirklich gestört.




Gast: grau
25.09.2011 12:37
4

aus einem euro mach



fünf echte schilling, und schluss mit dem spuk !

Re: aus einem euro mach

mit allem Respekt, wenn dann 13,78 Schilling und zurück zu den Kosten aus 2001.

Re: aus einem euro mach

13,76 bitte

Antworten Antworten Gast: frank78
25.09.2011 19:07
0

Re: Re: aus einem euro mach

das kannst du dir abnschminken

in 2 oder 3 jahren wärst happy, wenn es zu dem umrechnungsfaktor noch ginge

Re: Re: Re: aus einem euro mach

Da haben Sie natürlich recht. Auch heute ist das schon mehr ein großer Traum als Realität.

Gast: gate1
25.09.2011 12:21
2

die steuerzahler und der noch kurze zeit bestehende mittelstand in europa werden dauerhaft belastet und verschuldet. dafür können weltweit die bankerspekulanten weitermachen wie bisher.

wenn man sich die banken- und finanzmarktentwicklungen anschaut, wunderts einen nicht mehr, dass jegliches vertrauen in die politik verloren ging. konstruktiv und positiv für die bevölkerung zu arbeiten und eine nachhaltige ökologische soziale politik für die menschen zu machen, ist heute kaum mehr möglich.
die gierigen und mächtigen geister die man rief, wird man nicht mehr los.
die finanzmärkte und bankensysteme haben in wahrheit auf allen gesellschaftlichen ebenen die macht übernommen. die politik muß meist nur mehr schauen, wie kann sie diese massiven interessensunterschiede der reichen eliten und des gemeinen volkes unter einem hut bringen und den bürgern und wählern sagen- wir versuchen alles, aber wir können dieser finanzmarktentwicklung nichts mehr entgegensetzen. in den letzten beiden jahren wurde genau dies offensichtlich-und ist letztendlich ein zeugnis dafür, wie ohnmächtig fast die gesamte nationale und internationale politik ist. ackermann, der IWF, die weltbank, die börsen u.privaten kapitalmärkte haben die welt in ihren klauen u. millionen von reichen spekulanten und finanzjongleuren spekulieren diese bestehende welt zu tode. daran ändern auch die schönrednereien und beschwichtigungsversuche der politik nichts. die SPÖ und faymann sind ja ein bsp. dafür, wie die politik heute tickt. man biedert sich den boulevardjournalisten und spekulanten an, bezahlt millionen für eigenwerbungen und versucht damit diese politischen machtverschiebungen zu vertuschen.

Gast: 1. Parteiloser
25.09.2011 12:08
4

Hihi, 10.000 Mrd. Schulden in der Eurozone!

Das sind nur die offiziellen Staatsschulden!

Was die alle mit den wenigen Milliarden erreichen wollen, das versteht wohl wirklich keiner mehr. Auch wenn die diese Fonds um 300% aufstocken und die Möglichkeiten des IWF maximal nutzen würden, dann haben die vielleicht um die 1.000 Mrd. als Hilfsgelder zur Verfügung. Das reicht gerade mal für 10% der Staatsschulden, benötigt würden aber etwa 50%!

Tatsächlich ist es so, dass die zusätzliche Finanzierung der Schulden ja auch nur durch Schulden bestehen (nur andere Haftungen). Die Sinnhaftigkeit ist nicht erkennbar und wahrscheinlich das große Geheimnis der Entscheidungsträger.

Den Zusammenbruch der Staaten (wahrscheinlich der halben Eurozone) kann doch nur noch die EZB machen, wenn diese die Schulden "kauft".

Die andere Möglichkeit wäre eine Korrektur bei den Staatsausgaben und das schaffen die Versager niemals. Das würde ja bedeuten, dass die Parteibonzenhochburgen saniert werden müssen. Muahahaha!

Es wird aber nur über die Staatsausgaben gehen!

Gast: noname
25.09.2011 12:07
1

Der Lobbyismus der Investoren ist unerträglich

Hier geht es einzig um die Schadloshaltung von Investoren in Bank- und anderen Papieren. ZB China: hat bereits zig Milliarden in europäische Staatsanleihen investiert, Deutschland soll nun zahlen, wenn es Griechenland selbst nicht mehr kann. USA: PIMCO oder CALPERS lassen grüßen.

Nein, Griechenland&Co sollen umschulden, kein Geld aus D oder Ö.

Wenn die Eurozone nicht massiv abwertet, hat sie keine Überlebenschance

..und das gilt ganz besonders in Hinblick auf China. Niemand wird zu den aktuellen Kosten in Griechenland investieren, und selbst Deutschland besticht eigentlich nur als "Kapitalexportweltmeister".

Als internationaler Hochpreishort wird Europa, wie zuvor schon Argentinien, den direkten Weg in die Insolvenz bestreiten.

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