Paris/Bloomberg/Ju. Der offenbar nicht mehr aufzuhaltende „Haircut“ bei griechischen Staatsanleihen wirft seine Schatten nun auf die in diesem Fall besonders exponierten französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale: Die beiden Banken beginnen mit einer drastischen „Abspeckkur“, um im Falle des Falles „klein“ genug für eine neuerliche Rettung durch den französischen Staat zu sein.
Derzeit sind die beiden Institute zwar „too big to fail“, aber auch „too big to bail“: Der mittlerweile hoch verschuldete französische Staat wird sich eine zweite Rettungsaktion nach dem Muster von 2008 – damals wurden 20 Mrd. Euro ins Bankensystem gepumpt und weitere 320 Mrd. an Garantien übernommen – nicht mehr ohne ernste Gefährdung seiner eigenen Bonität leisten können.
Bankenrettung wird zu teuer
Nach Angaben von Analysten würde eine neuerliche Rettungsaktion nach dem Muster von 2008 den französischen Staat an die 20 Prozent des BIPs kosten. Die Verschuldung Frankreichs würde dadurch deutlich über 100 Prozent steigen. Ohne Bankenrettung dürfte die französische Staatsschuldenquote im kommenden Jahr 90 Prozent erreichen.
Die kumulierten Vermögenswerte der beiden Großbanken liegen mit 1,93 Billionen Euro ziemlich genau auf dem Niveau des französischen BIPs. Die aushaftenden Kredite und die Anleihenbestände der vier größten französischen Banken machen das Dreifache des BIPs aus.
Entsprechend heftig dürften die „Abspeckkuren“ der beiden Großbanken ausfallen: Die Bilanzen der beiden Institute sollen um insgesamt 300 Mrd. Euro schrumpfen. BNP Paribas will seine Bilanz um 200 Mrd. Euro zurückfahren, die Société Générale möchte um 100 Milliarden abspecken.
Geschehen wird dies, indem sich die Banken von einem Teil ihrer Vermögenswerte und Geschäftsfelder trennen. Société-Générale-Chef Frederic Oudea hat bereits angekündigt, dass der Schwerpunkt der Verkäufe und Restrukturierungen den Bereich „Global Investment Management and Services“ treffen wird. Details nannte der Bankchef bisher nicht.
BNP Paribas will sein Corporate- und Investmentbanking drastisch zurechtstutzen. Hier werde es auch zu einem signifikanten Abbau von Arbeitsplätzen kommen, hieß es. Zudem will die Bank einen Teil ihres russischen Privatkundengeschäfts abstoßen.
Radikale Abbaupläne
Die radikalen Abbaupläne in Frankreich haben viel mit der rapid schlechter werdenden Situation der Staatsfinanzen in den südeuropäischen Problemländern und mit der Möglichkeit eines Schuldenschnitts in Griechenland zu tun, die auch von EZB-Ratsmitgliedern nicht mehr ausgeschlossen wird.
Französische Banken haben insgesamt 672 Mrd. Euro (also rund ein Drittel des französischen BIPs) bei staatlichen und privaten Schuldnern in den Problemländern Griechenland, Portugal, Irland und Spanien „draußen“. Nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist das das größte Engagement aller Länder in der Krisenregion. Französische Institute wären von Zahlungsausfällen um ein Drittel stärker betroffen als die ebenfalls sehr stark involvierten deutschen Banken.
Analysten meinen, die Diät sei den beiden Großbanken durch die Staatssschuldenkrise „aufgezwungen“ worden. Die Institute bekommen wegen ihres starken Engagements bei Pleitekandidaten zunehmend Probleme, kurzfristiges Geld und Interbankenfinanzierungen zu erhalten.