Griechenland sollen Schulden erlassen werden

26.09.2011 | 18:14 |  Von unserem Korrespondenten OLIVER GRIMM (Die Presse)

Es geht nicht mehr anders: Der Internationale Währungsfonds und die Euroländer planen, die Hälfte der Staatsschuld des bankrotten Griechenlands ersatzlos zu streichen, und arbeiten an einer neuen Bankenrettung.

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Es geht nicht mehr anders: Das ohne fremde Hilfe bankrotte Griechenland bekommt noch heuer einen Gutteil seiner Schulden gestrichen.

Der britische Nachrichtensender BBC stellte am Montag unter Berufung auf Quellen aus dem Internationalen Währungsfonds einen Plan vor, demzufolge die Hälfte der griechischen Staatsschuld ersatzlos abgeschrieben wird. Im Gleichschritt damit soll die „Feuerkraft“ des Euro-Krisenfonds EFSF vervierfacht werden, um die mit einem griechischen „Haarschnitt“ verbundene Eskalation der Krise der europäischen Banken einzudämmen. Derzeit kann der EFSF bis zu 440 Milliarden Euro an in Bedrängnis geratene Staaten vergeben. Laut dem vom BBC-Wirtschaftsressortchef Robert Peston zitierten Plan soll er bis zu zwei Billionen Euro zur Verfügung haben. „Die europäischen Regierungen hoffen, den Plan in fünf bis sechs Wochen beisammen zu haben“, schreibt er.

Nach eineinhalb Jahren müssen sich Europas Politiker also eingestehen, dass ihre ursprüngliche Hoffnung, die griechische Schuldenkrise ohne Kürzung zumindest eines Teils dieser Schuld zu lösen, trügerisch war. Implizit tat das auch Finanzministerin Maria Fekter, indem sie am Montag meinte,  ein Schuldenerlass sei die „allerletzte Option“.

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Notenbankchef für „Haircut“

Bereits am Wochenende hatte der neue niederländische Notenbankchef Klaas Knot mit der Aussage für Aufsehen gesorgt, er sei „nun weniger entschieden beim Ausschließen eines Konkurses, als ich das noch vor ein paar Monaten war“. Er meinte zudem, Griechenland habe noch keinen glaubwürdigen Sanierungsplan vorlegen können: „Das scheint mir kein böser Wille zu sein, aber es gibt Zweifel an der Qualität der Behörden und daran, dass die Politik das Land ausreichend im Griff hat.“

Ein Notenbanker, der die Insolvenz eines Eurolandes in den Raum stellt, das ist neu. Und führt zu Widerspruch: Deutschlands Bundesbankchef Jens Weidmann sprach sich am Montag gegen einen Schuldenschnitt aus – wegen einer Ansteckungsgefahr für andere Länder.

Doch für jeden Ökonomen, der die Lage Griechenlands objektiv betrachten kann, ist die Notwendigkeit des Schuldenerlasses seit Monaten klar. 160 Prozent beträgt die Staatsschuldenquote, die Wirtschaft schrumpft seit drei Jahren. „Die griechische Schuld muss restrukturiert werden. Die Frage ist nur, wann. Ich denke, das muss vor 2013 passieren“, sagte Arvind Subramanian vom Washingtoner Peterson Institute for International Economics zur „Presse“.

2013: In diesem Jahr soll der neue Europäische Stabilitätsmechanismus, kurz ESM, die Aufgaben des EFSF übernehmen und zahlungsunfähigen Staaten Notkredite geben. Der Unterschied: Ab 2013 müssen alle Euroländer bei der Aufnahme neuer Staatsschulden mit ihren Investoren vereinbaren, dass diese im Fall von Zahlungsproblemen auf einen Teil ihrer Forderung verzichten müssen.

Die ungelöste Bankenkrise

Unangenehmerweise zeigt sich aber, dass die Europäer nicht bis 2013 warten können. Und zwar vor allem deshalb, weil die Banken trotz der ersten staatlichen Rettungspakete der Jahre 2008/2009 noch immer zu schwach sind. Sie müssen parallel zur Streichung der griechischen Schulden neues Kapital bekommen – womöglich über den vervierfachten EFSF, europaweit koordiniert.

Haben die Europäer die Rettung ihrer Banken vermasselt, darum Athens „Haarschnitt“ verzögert und so die ganze Eurozone in den Strudel gerissen? „Wären Europas Banken vor eineinhalb Jahren in besserer Verfassung gewesen, wäre der politische Zugang zur griechischen Schuldenkrise ein anderer gewesen“, sagte Nicolas Véron von der Brüsseler Ideenschmiede Bruegel. „Dann wäre eine viel frühere Umstrukturierung der Schulden möglich gewesen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2011)

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525 Kommentare
 
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Gast: smilefile
28.09.2011 08:28
0

Kann mir irgend jemand,..



...erklären was uns die Griechenlandpleite eigentlich angeht. Wenn die Banken ihr Kapital darin versenkt haben, was haben wir als Steuerzahler damit zutun. Und wenn die europäische Kommission,- und das europäische Parlament wirklich die Banken durch massiven Aufkauf der Kreditpapiere die Bevölkerung solcherart getäuscht haben,....werden die nächsten Wahlen dafür die Rechnung nach Brüssel sein,....

Wenn sich bis dahin die "Demokratie" nicht vollends von den Bürgern verabschiedet hat,...

Re: Kann mir irgend jemand,..

Weil man einen Luftballon an KEINER Stelle anstechen darf. Also auch nicht im griechischen Teil.

Antworten Antworten Gast: barra
28.09.2011 19:58
0

Re: Re: Kann mir irgend jemand,..

der luftballon besteht immer noch aus mehreren getrennten luftkammern. wenn eine angestochen wird, macht das den anderen gar nichts.

Antworten Antworten Antworten Gast: Geschichte
30.09.2011 11:03
0

Re: Re: Re: Kann mir irgend jemand,..

Wie war das auf der Hindenburg?

Gast: Karl Lamprecht
27.09.2011 21:04
0

Staatsschulden der Länder dieser Welt: Diese Information empfinde ich nicht nur als wichtig, sondern als sehr interessant!

Darum stelle ich eine erweiterte Version nochmals hierher!

Länderauswahlen:

http://www.usdebtclock.org/world-debt-clock.html
Österreich: http://www.staatsschulden.at/
Deutschland: http://www.staatsverschuldung.de/schuldenuhr.htm
USA: http://www.usdebtclock.org/


Gast: Eso-Vergelter
27.09.2011 19:37
0

€uro

Griechenland soll aus der €urozone ausgeschlossen werden. In Deutschland gibt es sogar innerhalb der CDU massiven Widerstand gegen eine Griechenland-Rettung. Spätestens 2017 ziehen die FW und Pro D in den Bundestag ein. Der €uro wird durch regionale Gelder mit Umlaufgebühr ersetzt.

"Es geht nicht mehr anders:"

Ich befürchte, diese Worte werden wir noch öfters hören.

Gast: newy
27.09.2011 18:19
3

Troika und Schuldenschnitt

Lt. Herrn Pröll sind die Griechenland Garantien ein tolles Geschäft für Österreich. Herr Pröll sind Sie noch da?
Bis Ende 2010 waren die meisten Staatsanleihen der Griechen in privaten Händen. Danach wurde kräftig umverteilt. Einen Teil garantieren die Nationalstaaten, ein Teil wurde an die EZB verscherbelt und einen Teil übernahm der IWF. Nur wer sind die Eigentümer der EZB? Alle europäischen Staaten. Das heisst all das was von privat auf Staat umverteilt wurde bezahlt jetzt der Steuerzahler.
Nicht nur die 2,4 Mrd an Garantien sind weg auch das Eigenkapital der EZB muss wieder aufgestockt werden. Wie? Durch die Staaten und deren Bürger, und obendrauf wird noch ein Bankenrettungspaket gesetzt, weil die armen Banken, die im Juli noch ALLE im Stresstest bestanden haben, plötzlich ohne Eigenkapital dastehen. Und es sind genau die gleichen Banken, die im Jahr 2010 wieder Riesenboni an ihre Manager ausgezahlt haben.
Es ist eine unbeschreibliche Schweinerei im Gange!

Gast: Kibietz
27.09.2011 18:13
0

Griechenland sollte man alles pfänden was es an Staatsvermögen hat

zB Militärgüter, Staatsbahnen, Strassenbahnen, Gebäude und Grundstücke, Museen, Edelmetalle, Bodeschätze, Inseln, einfach alles was man zu Geld machen kann.

Selbst das Parlament. Die Griechische Regierung sollte es aber zur Miete weiterbenutzen dürfen.

So gehts Otto Normalbürger auch wenn er seine Schulden nicht zahlen kann.

Und dann keine Kredite mehr an Griechenland vergeben, wenn Ihnen das Geld ausgeht - Pech gehabt. So müssen sie ein ausgeglichernes Buget machen.

Endlch ein Lichtschimmer in der EU-Finsternis!

Schuldenschntt und Währungsabwertung ist die einzige bekannte Methode, wie ein derart überschuldeter Staat wie Griechenland wieder auf die Beine kommen kann.

Was die EU bisher mit ihrem "Rettungsschirm" und dem "Sparpaket" angerichtet hat, treibt die Griechen nur immer tiefer und ausweglos in den Schuldensumpf!

Der jetzt geplante Schuldenschnitt ist endlich ein Schritt in die richtige Richtung! Allerdings betrifft das nur die in der Vergangenheit gemachten Schulden, die laufende Neuverschuldung, die durch den EU-Schwachsinn in Griechenland gerade explodiert, kann man nur mit Währungsabwertung - also dem Austritt Griechenlands aus dem Euroraum - in den Griff bekommen. Das wird aber von den unwissenden EU-Bonzen mit absurdesten Behauptungen weiterhin abgelehnt!

Die schwindelerregenden Milliardensummen, die die EU jetzt den Staaten, die noch Kredit haben, aufhalst, bessern gar nichts, sie wollen nur eine Zahlungsfähigkeit Griechenlands vortäuschen, die es gar nicht gibt. Die eingegangenen "Haftungen" werden unweigerlich schlagend und treiben uns alle in den Staatsbankrott mit anschließender Verarmung ganz Europas!

Re: Endlch ein Lichtschimmer in der EU-Finsternis!

Herrlich naiv zu glauben, dass eine Abwertung einer neuen Währung auch nur ansatzweise gelingen könnte, oder gar dem Schuldner helfen könnte!

Die Griechen werden sich ja brav anstellen, um die neue Währung einzutauschen, die dann um 2/3 abgewertet werden soll!

Die Schulden sind ja in EURO zu bezahlen und in keiner anderen Währung.

Re: Re: Endlch ein Lichtschimmer in der EU-Finsternis!

Anstellen würde nicht nötig sein, die Leute würden ganz einfach keine Auszahlungen in Euro mehr erhalten. Dass eine Umstellung leichter gewesen wäre, wenn man sie rechtzeitig gemacht hätte, ist aber auch wahr.
Ein Schuldenschnitt begrenzt die Tilgungen auf das, was die Griechen leisten können. In welcher Währung sie dann bezahlen, ist egal.

Re: Re: Re: Endlch ein Lichtschimmer in der EU-Finsternis!

"Ein Schuldenschnitt begrenzt die Tilgungen auf das, was die Griechen leisten können...."

Diese Feststellung zeigt, dass Sie nichts wissen.

Gast: Aléxandros
27.09.2011 17:08
0

Das ist nur das mindeste

Griechen sind die entdecker der Philosophie, Demokratie, olympischen Spiele, des Theaters, etc.

Ohne Griechenland wäre die westliche Welt nicht das, was sie heute ist.

Re: Das ist nur das mindeste

Die Griechen _des Altertums_ sind die Entdecker der Philosophie usw.
Das heutige Griechenland ist schon lange keine Hochkultur mehr.

Ein kleines Grundstück in Korfu würde mir als Pfand

schon reichen.
Wenn ich da auf Lebenszeit ein kleines Häuserl drauf stellen könnte, ja dann können's den Griechen die Hälfte ihrer Schulden erlassen.

Aber bitte mit Gegenleistung

Endlich haben das auch einige EU-Politiker begriffen, dass Griechenland pleite ist. Also Schuldennachlass. Aber bitte mit Gegenleistung: Abtretung von Inseln, Verpfändung der Akropolis, Gratisgutscheine für Griechenlandurlaube, Zwangsversteigerungen von Reedereien... - eben genauso wie es einem Privat-Pleitier auch ergeht.

Antworten Gast: Emma Peel
27.09.2011 13:51
0

Re: Aber bitte mit Gegenleistung

Mit Schirm, Charme und Melone!
Das sind soch wirklich James Bond Manieren und 007 Anschauungen.
Das übergeht doch die Menschenwürde.


Re: Re: Aber bitte mit Gegenleistung

Euros verdienen müssen um Importe bezahlen zu können ist auch gegen die Griechenwürde....darum: Drachme!

Gast: Lolo52
27.09.2011 13:36
0

EU-Konkurs

Sehen wir Griechenland als kleine Privat-Firma die Konkurs anmeldet - nur müssten da die Anmeldungen der Autos begrenzt werden - die Überlandflüge minimiert werden - und sowie der Papandreou schon gemacht hat - einige Politiker auf Prämien oder div. Hochschaukelstunden verzichten.
Da man bei Länderein nicht Privatkonkurs sagen kann sollte man EU-Konkurs sagen.
Vor 40 Jahr wusste keiner was ein Privatkonkurs ist - aber man braucht wirklich nur die Hälfte mehr zurückzahlen damit einem die andere Hälfte erlassen wird. Wenn ich denke Griechenland hat in 1 Jahr - 19 Mio. nur für Zinsen bezahlt. Hier stimmt doch die Relation nicht mehr. Und wenn die Frau Merkl sagt dass Griechenland rettungslos verloren wäre ohne den Euro - wär schad ist so en schönes Land. - Kehrt um d'Hand wenns uns Österreichern so gehen würde wären wir a froh oder - vielleicht sollte man einen EU-Konkurs einführen. Damit könnte der Allmächtige Obama nicth sagen dass die EURO-Krisis die ganze Welt in Angst versetzt und wir nicht fähig wären den Schuldenhaufen zu bewältigen. Was bei kleinen Firmen funktioniert hat müsste doch bei "kleinen Ländern" im Vergleich zu Amerika auch funtkionieren.


Keine Schulden erlassen

Es ist doch einfach falsch. Es werden keine Schulden erlassen, sondern die Länder der EU, die noch Kredit haben, nehmen Kredit auf um diese Schulden zu bezahlen. Da wird doch niemandem etwas erlassen.

Re: Keine Schulden erlassen

Noch nicht. Aber es geht die Rede von einer Pleite Griechenlands um.

Antworten Antworten Gast: Lolo52
27.09.2011 14:46
0

Re: Re: Keine Schulden erlassen

Danke für die Geheiminformation - geh wirlich ! Na sowas !

Re: Re: Keine Schulden erlassen

Ich hatte das anders gemeint: Schulden erlassen bedeutet, dass die Gläubiger auf ihre Schulden verzichten. Das ist hier ja nicht der Fall. Es verzichtet niemand, es zahlt nur wer anderer; nämlich u.a. wir.

Ich verstehe auch nicht, warum man die Schulden nicht einfach stehen lässt. "Erlassen" kann man sie ja jederzeit noch. Es wird ja massenhaft Inseln geben, die in Staatsbesitz sind, die kann man ja alle verkaufen. Bei uns wurden auch praktisch alle Staatsbetriebe verkauft, sogar das U-Bahn-Netz in Wien.

Re: Re: Re: Keine Schulden erlassen

Schulden werden immer von jemandem bezahlt.Entweder vom Schuldner oder -bei einem Schulderlass- vom Gläubiger!

Alles andere ist Blödsinn!

amerika schimpft europa

welch witzige idee
krotesk
traurig
shit!!!!

 
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