Wie man den Euro-Rettungsschirm "hebelt"

02.12.2011 | 12:14 |   (DiePresse.com)

Die EU sucht nach Lösungen, den Rettungsfonds EFSF effizienter machen.

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Der europäische Rettungsfonds EFSF verfügt über 440 Milliarden Euro - das ist ungefähr so viel wie die drei Krisenstaaten Griechenland, Irland und Portugal zusammen in einem Jahr erwirtschaften. Dennoch: Nach Einschätzung von Finanzexperten reichen die 440 Milliarden Euro bei weitem nicht, um die Schuldenkrise zu lösen. Italien oder Spanien könnten so etwa nicht unter den Rettungsschirm schlüpfen. Eine nochmalige Aufstockung ist aber politisch kaum durchsetzbar. Ein Finanzinstrument, das deshalb überlegt wird, ist das so genannte Leveraging oder "Hebeln".

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Außereuropäische Investoren?

Das diskutierte Szenario sieht folgendermaßen aus: Die Europäische Investitionsbank (EIB); ihre Kapitaleigner sind die Mitgliedsstaaten - würde eine Zweckgesellschaft gründen, die sich über den Rettungsfonds EFSF finanziert. Die Gesellschaft soll dann in der Lage sein, Anleihen von Krisenländern aufzukaufen und eigene Anleihen zu begeben - sprich Fremdkapital aufzunehmen. Damit könnten auch außereuropäische Investoren angesprochen werden. Um Investoren zu interessieren, muss die EZB diese Anleihen als Sicherheit akzeptiert.

Analyst Torge Middendorf von der WestLB rechnet vor: Zieht man von den 440 Milliarden Euro die bereits bewilligten Rettungspakete für Irland, Portugal und Griechenland ab, verbleibt eine Kapazität von 333 Milliarden Euro. Diese Summe könnte also maximal verwendet werden, um spanische und italienische Anleihen aufzukaufen. Die Bonds würden dann bei der EZB als Sicherheit hinterlegt. Mit dieser Sicherheit im Rücken könnte die Zweckgesellschaft Kredite vergeben.

Risiko bleibt bei Euro-Ländern

Üblicherweise muss nicht die volle Kredithöhe als Sicherheit hinterlegt werden. Middendorf hält einen Hebel von Acht für realistisch. Das heißt, das achtfache Volumen der hinterlegten Sicherheiten - 2,664 Billionen Euro - könnte als Kredit an strauchelnde Euroländer vergeben werden.

"Der Hebel vermeidet, dass die nationalen Parlamente nochmals über eine Aufstockung des Rettungsfonds abstimmen müssen", erläutert Middendorf. "Wenn es hart auf hart kommt, würde dann natürlich die EZB auf den Staatsanleihen sitzen bleiben, das Risiko bleibt also ganz klar bei den Mitgliedsländern der EZB."

Etliche Analysten begrüßen diesen Ansatz, aber nicht alle: "Mit Leverage hat die Finanzmarktkrise angefangen", sagt Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg; und fügte hinzu: "Wenn man den Ausweg aus einer Krise mit einem Instrument sucht, das in die Krise hineingeführt hat, zeigt das schon, wie der Markt tickt."

(Ag.)

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19 Kommentare

Wer verdient dabei?

....das Risiko bleibt also ganz klar bei den Mitgliedsländern der EZB.

Dieser Satz sagt alles: Investoren werden nur dann kommen, wenn es was zu verdienen gibt. Also schon wieder: Gewinne fliessen zu den Investoren, Risiko bleibt bei den Staaten. Eine prima Abzucke und alle Analysten (Investoren) begrüssen (natürlich!!!) diese Idee!

Ein Monat später...

Das Ganze ist Realität. Und es wurde auch noch gefeiert. Griechenland ist nur die Spitze des Eisberg. Das Schuldenmachen ist in ganz Europa außer Kontrolle geraten.

Der Euro hat damit nur bedingt zu tun. Allerding wird er warscheinlich zum Opfer.

Der Zeitpunkt an dem der "RESET" Knopf gedrückt wird kommt näher.

Vielleicht heißt es dann: "DER EURO IST TOD, ES LEBE DER EURO"

Kredite und Sparguthaben sind dann Geschichte.

Alles schon da gewesen. Wenn es diesmal ohne Krieg abläuft, hat die Menschheit einen großen Schritt gemacht.


Re: Ein Monat später...

Wieso?
Nach meinung der europäischen Linken können wir gar nie genug Schulden machen, um unsere Politkamarailla zu bedienen. Die eigenen Wähler müssen doch bei Laune gehalten werden...

Gast: Apotheker,Leo
30.09.2011 09:43
0

Übergscheit.....

und was hat die EU mit HP und Apotheker so alles gemeinsam?

konfuser Artikel - viele offene Fragen

Wer sollten den diese "Investoren" sein, die der Zweckgesellschaft das Geld für die Kredite geben, wohl wissend dass

1) nur 1/8 des Geldes durch Sicherheiten gedeckt ist und
2) dass als Sicherheiten Anleihen von defakto Pleitestaaten dienen.

Mir scheint, dass Problem ist nicht, dass Griechenland pleite ist, sondern dass die EZB pleite ist, sobald sich der wahre Wert ihrer Papierln offenbart.

Gast: Tutenchamun
30.09.2011 08:24
0

Ich hoffe sehr, das wurde nicht authentisch berichtet

Sagt mir bitte,dass das eine Zeitungsente ist und schon bin ich beruhigt.

Gast: Tutenchamun
30.09.2011 08:23
0

Das ist jetzt der dümmste Bericht, den ich je

gelesen habe.

Gast: Black Magic
29.09.2011 14:48
1

gleiche Rezepte

Albert Einstein sagte angesichts der Wirtschaftskrise 1929:

"Die Probleme die es auf der Welt gibt, können nicht mit den gleichen Methoden gelöst werden, die sie verursacht haben."

Teil des Problems

Der beschriebene Sachverhalt entspricht dem Prinzip eines Teilreserven-Bankensystems (wie unseres eines ist). Es werden Zahlen auf Konten geschrieben, die es als Geld (im Sinne von gesetzlichem Zahlungsmittel) garnicht gibt.
Das ist keine Lösung - sondern Teil des Problems.

http://www.banken-volksbegehren.at

Antworten Gast: Peter36
29.09.2011 14:41
0

Re: Teil des Problems

Danke für den interessanten Link.

Gast: 1. Parteiloser
29.09.2011 14:10
1

Der EFSF Hebel, über die EZB, kann den Goldpreis auf über 2.000.- Euro pro Unze treiben!

Das ist doch nichts anderes als Geldschöpfung, eben weil die Staaten keine Finanzierung für die irren Staatsausgaben mehr finden.

Wie gewaltig das Versagen der Entscheidungsträger ist, das zeigen die aktuellen Budgetdefizite, welche in einer Phase einer relativen Hochkonjunktur und sehr niedrigen Zinssätzen entstehen.

Das Problem sind alleine die Staatsausgaben, welche durch Förder- und Umverteilungswahnsinn entstanden sind aber auch die die riesigen geschützten Bereiche, also den Herrschaftsbereichen der Parteibonzen.

Dieses Leveraging wird den Euro noch mehr aushöhlen und damit auch die EU. Wahrscheinlich werden den Versagern aber auch die 2,6 Billionen nichts helfen, weil ja die Staatsschulden der Eurozone schon bei etwa 10 Billionen liegen. Die Totalversager können damit das Volk aber noch einmal bestehlen und sich samt den Herrschaftsbereichen das Totalversagen weiter finanzieren.

So spricht alles für einen Konjunkturabschwung, aber auch alles für Gold!

Gast: Hanens Hahn
29.09.2011 13:57
2

Die Schuldenkrise durch Aufnahme weiterer Schulden zu lösen,

kann nicht funktionieren und kann nur nach hinten losgehen.

Re: Die Schuldenkrise durch Aufnahme weiterer Schulden zu lösen,

Für diese Methode gilt:"Wenn Sie als Privatperson einen ungedeckten Scheck ausstellen, dann fällt das unter (schweren) Betrug (StGB §147 Abs. 1). Banken machen das mit jeder Kreditgewährung. Banken haben somit das Recht zum schweren Betrug ohne Rechtsfolgen"

Und dieses Verbrechen haben alle Ja-Sager im Deutschen Bundestag gerade genehmigt!!

Gast: Sinus
29.09.2011 13:41
4

Aktio = Reaktio

Dieses Naturgrundgesetz gilt auch für "finanzielle Hebel": Je länger der Hebel, je größer die Wirkung.

Auf beiden Seiten!

Das sind unseriöse Hasardeurmethoden, die letzten Tricksereien vor dem Zusammenbruch.

Die Stadt Linz hat ähnliche Zockereien mit "Zins-Swaps" abgeschlossen.

Der Schaden mehrere hundert Mio. Euro.

italienische und spanische Anleihen als Sicherheiten für neue Kredite?

Welche Träumer haben denn das ausgeheckt?

Das ist purer Casinorealismus und nichts anderes als ein gigantisches Pyramidenspiel, was dem fassungslosen Steuerzahler hier aus Brüssel serviert wird.

Herr Klude bringt die Misere haarscharf auf den Punkt.

Re: italienische und spanische Anleihen als Sicherheiten für neue Kredite?

sorry: ich meinte natürlich "Herr Klude bringt die Misere messerscharf auf den Punkt".

2

Der Hebel

ist an der Druckerpresse, die die Euro-Noten druckt.... bedenklich.

"Der Hebel vermeidet, dass die nationalen Parlamente nochmals über eine Aufstockung des Rettungsfonds abstimmen müssen"

das Risiko bleibt also ganz klar bei den Mitgliedsländern der EZB! Wieso wurde der Euro überhaupt gegründet? Glückliche Schweden Dänen und UK!

Re: "Gückliche Schweden,dänenm und UK ?"

Glück ist zu wenig, alle drei Länder hatten vernünftige und iintelligente Politiker, keine vom "Gerechtigkeits-Wahn"verblödete Politiker!!"

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