Wie man den Euro-Rettungsschirm "hebelt"

Die EU sucht nach Lösungen, den Rettungsfonds EFSF effizienter machen.

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(c) EPA (Vassil Donev)

Der europäische Rettungsfonds EFSF verfügt über 440 Milliarden Euro - das ist ungefähr so viel wie die drei Krisenstaaten Griechenland, Irland und Portugal zusammen in einem Jahr erwirtschaften. Dennoch: Nach Einschätzung von Finanzexperten reichen die 440 Milliarden Euro bei weitem nicht, um die Schuldenkrise zu lösen. Italien oder Spanien könnten so etwa nicht unter den Rettungsschirm schlüpfen. Eine nochmalige Aufstockung ist aber politisch kaum durchsetzbar. Ein Finanzinstrument, das deshalb überlegt wird, ist das so genannte Leveraging oder "Hebeln".

Außereuropäische Investoren?

Das diskutierte Szenario sieht folgendermaßen aus: Die Europäische Investitionsbank (EIB); ihre Kapitaleigner sind die Mitgliedsstaaten - würde eine Zweckgesellschaft gründen, die sich über den Rettungsfonds EFSF finanziert. Die Gesellschaft soll dann in der Lage sein, Anleihen von Krisenländern aufzukaufen und eigene Anleihen zu begeben - sprich Fremdkapital aufzunehmen. Damit könnten auch außereuropäische Investoren angesprochen werden. Um Investoren zu interessieren, muss die EZB diese Anleihen als Sicherheit akzeptiert.

Analyst Torge Middendorf von der WestLB rechnet vor: Zieht man von den 440 Milliarden Euro die bereits bewilligten Rettungspakete für Irland, Portugal und Griechenland ab, verbleibt eine Kapazität von 333 Milliarden Euro. Diese Summe könnte also maximal verwendet werden, um spanische und italienische Anleihen aufzukaufen. Die Bonds würden dann bei der EZB als Sicherheit hinterlegt. Mit dieser Sicherheit im Rücken könnte die Zweckgesellschaft Kredite vergeben.

Risiko bleibt bei Euro-Ländern

Üblicherweise muss nicht die volle Kredithöhe als Sicherheit hinterlegt werden. Middendorf hält einen Hebel von Acht für realistisch. Das heißt, das achtfache Volumen der hinterlegten Sicherheiten - 2,664 Billionen Euro - könnte als Kredit an strauchelnde Euroländer vergeben werden.

"Der Hebel vermeidet, dass die nationalen Parlamente nochmals über eine Aufstockung des Rettungsfonds abstimmen müssen", erläutert Middendorf. "Wenn es hart auf hart kommt, würde dann natürlich die EZB auf den Staatsanleihen sitzen bleiben, das Risiko bleibt also ganz klar bei den Mitgliedsländern der EZB."

Etliche Analysten begrüßen diesen Ansatz, aber nicht alle: "Mit Leverage hat die Finanzmarktkrise angefangen", sagt Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg; und fügte hinzu: "Wenn man den Ausweg aus einer Krise mit einem Instrument sucht, das in die Krise hineingeführt hat, zeigt das schon, wie der Markt tickt."

(Ag.)

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