Prognosen: Gut gezielt, schlecht getroffen

30.09.2011 | 18:24 |   (Die Presse)

Der Realitäts-Check zeigt: Selbst bei relativ kurzfristigen Prognosen liegen die Konjunkturforscher oft weit daneben. Die Rechenmodelle der Konjunkturprognostiker hinken der Realität immer eine Spur nach.

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Wien/Ju. Konjunkturprognosen haben eine wichtige wirtschaftliche Steuerungsfunktion. Aber wie treffsicher sind sie eigentlich? Ein Blick auf nebenstehende Tabelle, die jeweils die Dezemberprognosen der Institute mit dem tatsächlichen Ergebnis des folgenden Jahres vergleicht, zeigt: Selbst bei so kurzfristigen Prognosen liegen die Konjunkturforscher erstaunlich weit daneben. Das Problem: Die Rechenmodelle der Konjunkturprognostiker liefern ganz offensichtlich ähnliche Ergebnisse wie die „Trendfolger“ bei Aktienprognosen: Sie hinken der Realität immer eine Spur nach. Das führt dazu, dass die Ergebnisse im Abschwung ein deutlich zu positives und im Aufschwung ein deutlich zu pessimistisches Bild zeichnen.

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Und: Je heftiger die Krise oder der Aufschwung hereinbricht, desto weiter entfernt sich die Prognose von der Realität. Das war besonders krass im Krisenjahr 2009 zu sehen, als IHS und Wifo BIP-Rückgänge zwischen 0,1 und 0,5 Prozent vorhersahen, während das BIP in der Realität um satte 3,8 Prozent, also um ein Vielfaches, einbrach.

Das ist freilich kein österreichisches Phänomen. In Deutschland etwa hat „Die Zeit“ vor ein paar Jahren die Prognosen der Institute mit der Realität verglichen – und befunden, die Regierung zahle den Instituten „Millionen für falsche Prognosen“.

Doch das ist unfair: Wenn man die Scheinpräzision der Kommastellenberechnung ignoriert und sich mehr auf die Trendrichtung konzentriert, dann bekommt man – wie beim Wetterbericht – recht brauchbare Ergebnisse.

Grafik: Die Presse

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2011)

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3 Kommentare

"Prognosen sind immer unsicher, besonders wenn sie die Zukunft betreffen"

Das habe ich seinerzeit vom Statistiker Prof. Bruckmann, dem "Hochrechner der Nation" gehört.
Man sollte daher bedenken, dass Prognosen nur zufällig genau stimmen können. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, in welche Richtung die Reise geht und das leisten die Wirtschaftsforscher schon, obwohl die Prognosen umso unsicherer werden, je turbulenter die Zeiten sind.

Gast: Presseleser
01.10.2011 14:08
0 0

Achtung: Ein Blick auf die Grafik


Die Wirtschaftskrise, obwohl durch die Immobilienblase in den USA 2007 de facto greifbar, hat die Wirtschaftsforscher in ihren Prognosen völlig unbeeindrückt gelassen.

Die Prognose für 2008 ist daher völlig in die Hose gegangen.

Allein mathematische Analyse von Datenreihen ist zuwenig!

Etwas Hausverstand sollte als Korrekturfaktor dabeisein.






Gast: Wanderer.
01.10.2011 08:59
0 0

Ein Grund ist, dass eine Prognose auf die sich entwickelnde Realität auswirkt.

Das Handeln der Menschen (der Wirtschaftssubjekte) wird von Prognosen beeinflußt. Da können zB. prognostizierte Trends verstärtkt werden.

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