Banken bunkern immer mehr Geld bei der EZB

Statt Kredite zu vergeben, horten europäische Banken das Geld lieber bei der EZB. In der Nacht auf Mittwoch waren es 213 Milliarden Euro.

Banken misstrauen einander parken
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Banken misstrauen einander parken
(c) AP (Patrick Sinkel)

Europäische Banken trauen sich untereinander immer weniger über den Weg und parken deshalb immer mehr Geld über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB), anstatt es anderen Banken zu leihen. In der Nacht zum Mittwoch vertrauten sie der Notenbank mehr als 213 (zu Dienstag: 209) Mrd. Euro an; das ist die höchste Summe seit Mitte Juli 2010.

Problem "Zwei-Klassen-Gesellschaft"

Für diese Übernachtkredite zahlt die EZB 0,75 Prozent an Zinsen, Banken am Geldmarkt legen dafür derzeit knapp ein Prozent hin. Händler sprachen von einer "Zwei-Klassen-Gesellschaft": Die als vertrauenswürdig eingestuften Banken hätten zu viel Liquidität, die anderen kämen immer schwerer an Geld. Dies zeigte sich auch an der regen Inanspruchnahme des Wochentenders der EZB; bei dem sich die europäischen Geldhäuser am Dienstag fast 200 Mrd. Euro zu einem Zins von 1,5 Prozent geliehen hatten.

Erinnerung an das Jahr 2008

Die Entwicklung am Geldmarkt erinnere an die Situation 2008, als die Institute sich so sehr misstrauten, dass das Interbankengeschäft praktisch zum Erliegen gekommen war. "Der Unterschied ist, dass damals einzelne Häuser betroffen waren, heute stehen einzelne Länder kurz vor dem Abgrund", sagte ein Händler.

Der Tagesgeldsatz bewegte sich zwischen 0,85 und 0,90 Prozent nach 1,0 bis 1,05 Prozent am Dienstag. Händler sagten, dies sei eine übliche Entwicklung zu Monatsbeginn.

Kommission schlägt Alarm

Inzwischen schlägt die EU-Kommission Alarm: Die Lage an den Finanzmärkten und bei den europäischen Banken habe sich seit den Banken-Stresstests im Frühjahr verschlechtert, sagte eine Sprecherin der Kommission am Mittwoch in Brüssel. "Wir sind uns bewusst, was an den Märkten passiert und wie sich das auf die Banken auswirkt", sagte sie. Die Schuldenkrise habe negative Folgen für die Banken. "Aber die unmittelbaren Probleme drehen sich eher um Liquidität als um Zahlungsfähigkeit", sagte sie.

Die EU-Kommission will sich nicht zum möglichen Umfang einer Banken-Rekapitalisierung äußern. Es gebe noch keine konkreten Pläne auf EU-Ebene, sagten EU-Beamte

(Ag.)

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