Griechenland: Mit Vollgas in die Pleite?

09.10.2011 | 18:09 |   (Die Presse)

In der Eurozone werden Szenarien für einen Schuldenerlass Griechenlands von bis zu 60 Prozent durchgespielt. Experten ziehen eine ernüchternde Bilanz über die Reformbemühungen der Athener Regierung.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Berlin/Athen/Apa/Red. Die Hinweise auf eine schmerzhafte Umschuldung Griechenlands verdichten sich. Mehrere internationale Agenturen berichteten am Sonntag, dass in der Eurogruppe Szenarien eines Schuldenschnitts (Haircut) von bis zu 60 Prozent durchgespielt werden. Das bedeutet, dass internationale Geldgeber bis zu 210 Milliarden Euro verlieren.

Betroffen davon wären nicht nur Banken, sondern auch die Steuerzahler in vielen Ländern. Österreichs Finanzkonzerne haben drei Milliarden Euro an Griechenland verliehen, das meiste Geld kam von der „Bad Bank“ der verstaatlichten Kommunalkredit.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel erklärten am Sonntag Abend nach einem Krisentreffen, man werde das Nötige tun, um die Rekapitalisierung der Banken sicherzustellen. Wegen Griechenland wollen Merkel und Sarkozy noch den Bericht der sogenannten „Troika“, der Expertengruppe der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF), abwarten. Dieser soll voraussichtlich am 24. Oktober vorliegen.

Die Vertreter der Troika zogen am Wochenende allerdings eine ernüchternde Zwischenbilanz. „Es ist offensichtlich, dass das Programm nicht aufgeht“, erklärte Poul Mathias Thomsen, der Leiter der IWF-Delegation. Durch das Schrumpfen der Wirtschaftsleistung habe sich die Lage zuletzt verschärft. Für heuer wird eine Staatsverschuldung von 356,5 Milliarden Euro erwartet, was 161,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIPs) entspricht. Vom Urteil der Troika hängt es ab, ob die EU-Länder noch einmal Milliarden nach Griechenland überweisen werden. Ohne das Geld wäre die Regierung in Athen ab November zahlungsunfähig.

Rettungsfonds auch für Banken

So gut wie alle griechischen Zeitungen titelten am Wochenende, dass eine schmerzhafte Lösung unausweichlich sei. „Mit Vollgas in die Pleite“ oder „In Richtung einer Endlösung“ lauteten die Schlagzeilen. Zu den Befürwortern eines großen Schuldenschnitts gehört Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble. „Möglicherweise sind wir im Juli von einem zu geringen Prozentsatz der Schuldenreduktion ausgegangen“, erklärte Schäuble am Sonntag. Statt der im Sommer beschlossenen 21 Prozent sollen die Banken nun deutlich mehr abschreiben.

Schäuble will daher sicherstellen, dass die Finanzinstitute von den Staaten mit Kapital ausgestattet werden, um weitere Ausfälle zu verkraften. Als besonders gefährdet gelten französische Banken, die in der Eurozone die meisten griechischen Anleihen halten. Merkel und Sarkozy haben sich am Sonntag auf einen Kompromiss geeinigt. Deutschland ist im Gegenzug für einen Griechenland-Schuldenschnitt bereit, den Franzosen beim europäischen Rettungsfonds EFSF mehr Flexibilität zuzugestehen. Die Regierung in Paris hatte bisher einen „Haircut“ strikt abgelehnt – vor allem wegen der schwierigen Lage der französischen Banken. Nun sagte Deutschland zu, dass der Rettungsfonds EFSF nicht nur den angeschlagenen Euroländern, sondern auch verstärkt den Banken zur Verfügung stehen soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

24 Kommentare
1 0

Betroffen davon wären nicht nur Banken, sondern auch die Steuerzahler in vielen Ländern. Österreichs Finanzkonzerne haben drei Milliarden Euro an Griechenland verliehen,

na wenigstens wird endlich tacheless geredet, statt gute Geschäfte vorgegautelt.

Allerdings sollte man diese kolportierten 3 Mrd nicht für bare Münze nehmen, da sicherlich weit mehr Geld abgeschrieben werden wird müssen, wofür der Steuerzahler anhand steigender oder neuer Steuern zur Kasse gezwungen wird, statt die gesamte uneinbringliche Summe jenen zu überantworten, welche diese leichsinnig verborgt hatten !

Warum herrscht eigentlich totales Stillschweigen zur Causa Immofinanz ?
Gibt es da nicht noch einiges aufzuklären, statt wie vieles andere vertuschen zu versuchen ???

Gast: colafan
10.10.2011 09:21
0 0

Marc Faber Interview vom 6.Oktober 2011 - Dr. Doom Düstere Prognosen für die Weltwirtschaft

Marc Faber Interview vom 6.Oktober 2011 - Dr. Doom Düstere Prognosen für die Weltwirtschaft

http://goo.gl/ZjKQC

Gast: engelhard
10.10.2011 08:57
3 0

Griechen als europäische Vorreiter

Tja, Griechenland hat immer beansprucht, die Wiege der europäischen Zivilisation zu sein. Jetzt erhebt Griechenland Anspruch darauf, die Bahre derselben zu werden. Hauptsache immer Vorreiter sein!

2 0

ernüchternde Bilanz über die Reformbemühungen der Athener Regierung

die Griechen sparen doch beim Panzerkauf!

Re: ernüchternde Bilanz über die Reformbemühungen der Athener Regierung

Aber sicher doch, durch die hohe Stückzahl bekommt man einen größeren Rabatt.

Nachdem Frau Schmidt ...

... also die Kommunalkredit in den Sand gesetzt hat, darf sie das jetzt mit unserem Schulsystem machen.
Tüchtig, die Gesellschaft des realen Sozialismus.

Gast: Geierwally
10.10.2011 01:53
1 1

Abzocke, wo man nur hinsieht

Das Problem ist nicht Griechenland sondern Europa selbst! Egal wo man hinsieht - EU Parlament - "Inlandspolitik" - Börsen - sog. Wirtschaftskonzerne etc... - Europa avanciert zum Selbstbedienungsladen rücksichtsloser Wirtschaftshaie und deren Handlanger.
Naja, viele oder einige davon haben wir uns ja "selbst" gewählt - also sollten wir nicht jammern, oder?
...... und die in den letzten Jahren so massiv betriebenen Privatisierungen haben dazu auch ihren nicht unbeträchtlichen Teil geliefert - da geht es gleich um einiges leichter - ein Staat selbst kann sich nun mal schlecht selbst betr......

Gast: taschenrechner
09.10.2011 23:55
3 0

meine paranoiden vorstellungen treten leider ein.

das kartenhaus geldsystem stürzt ein.
es wird zu einer währungsreform kommen müssen.
einhergehend mit sozialen unruhen und bürgerkriegsähnlichen zuständen.

und nicht irgendwann.noch heuer oder spätestens 1 quartal 2012.

Gast: FH
09.10.2011 23:32
3 0

Was soll der ganze..

Was soll der ganze Sch..eigentlich? Die Staatsanleihen werden doch von 75% der Griechen selber gehalten und nicht von intern. Investoren. Zudem hat die ÖNB ja 3 Mrd. für heimische Institute schon aufgekauft.
Diese hatten sowieso grobfahrläßgst dort veranlagt. Wurden da eigentlich schon dienstliche Konsequenzen gezogen?
Das ganze ist doch reine Abzocke und Betrug. Dass Frau M. und die dt.- österr. Finanzminister zudem völlig finanzttechnisch unbedarft sind, ist leider eine zusätzliches Dilemma.

Re: Was soll der ganze..

Tja, die Geldmärkte kennen schon lange keine Grenzen mehr. Da hat man den Menschen jahrzehntelang den Nationalsmus eingeimpft, und jetzt merkt keiner mehr, dass das Schnee von gestern ist. Aufgebaut auf irgendwelchen Mythen und meist falscher Geschichtserzählung glauben die Menschen sie seien etwas Besseres, weil sie im Land X leben. Lustig ist, dass alle von sich glauben besser zu sein. Die Finanzmärkte sind darüber schon lange hinweg. Sie versuchen einfach das schnelle Geld zu machen, egal wo. Und jetzt sieht man, dass es nicht Griechenland ist, das ein Problem hat, sondern ganz Europa. Wer sind eigentlich "die Griechen"? Es ist alles so kreuz und quer alles so ineinander verwoben, dass es zu einer Art Dominoeffekt kommt.

Das meiste Geld kam von der „Bad Bank“ der verstaatlichten Kommunalkredit.

Frau Minister Schmidt,

ich erwarte Ihren Rücktritt spätestens Dienstag in der Früh!

Re: Das meiste Geld kam von der „Bad Bank“ der verstaatlichten Kommunalkredit.

Die Kommunalkredit ist ein Thema für sich. Da gab es auch niemanden der zur Verantwortung gezogen wurde. Eine absolute Frechheit.

wir brauchen

wir brauchen wieder eine französische revolution - unsere sogenannten eliten sollen zum teufel gehen.

Antworten Gast: Robbespierre
10.10.2011 09:37
1 0

Re: wir brauchen

sag ich doch: 1794 und das Fallbeil gehören wieder her, dann ist endlich totenruhe!
Wohlfahrtsausschuss vom Berg

15 0

Der EFSF...

...soll also "den Banken verstärkt zur Verfügung stehen". So schnell werden die österreichischen Befürworter dieses Fonds - SPÖ, ÖVP und Grüne - gar nicht schauen können, wird er auch schon ratzeputz geleert sein. Ich befürchte nur, dass nicht einmal das unseren EU-Hörigen eine Lehre sein wird.

Jede weitere Beteiligung an irgendwelchen "Rettungsfonds" reitet uns nur noch weiter in die Sch... ! Das werden diese Lemminge nie begreifen!

Und noch was...

Wenn ich das schon lese: Der Steuerzahler wird die Banken rausboxen. Zahlen Banken keine Steuern? Offensichtlich nicht, sonst würde man nicht ständig mit Steuerzahler die Betriebe und die Erwerbstätigen meinen.

Antworten Gast: Martin_S
09.10.2011 21:17
1 0

Re: Und noch was...

Die Steuern der Banken wurden von den diversen Regierungen schon längst verjubelt -...

Re: Re: Und noch was...

Steuern sind laufenden Einnahmen. Ihr Argument hinkt.

Schulden sind ...

... Verjubelungen im voraus.

11 2

Ja, so ist das heute. Die Schulden der Banken

werden verstaatlicht, die Gewinne privatisiert. Im Grunde gibt es das ganze Dilemma nur, weil Banken der Meinung waren hier viel an Zinsen zu bekommen und im Fall des Falles wird schon irgendwer für Griechenland haften.
Man muss sich eines vor Augen führen: Warum wohl wird immer der Steuerzahler als Rettung genannt? Weil der Steuerzahler, also der der arbeitet und dafür Steuern zahlen muss, der einzige ist der etwas ERWIRTSCHAFTET. Die Banken schieben das Geld nur von links nach rechts und zurück und dabei soll es mehr werden. Geld ist aber nur ein Tauschmittel. Man tauscht es gegen Waren und Dienstleistungen, dafür wurde es erfunden. Wenn aber der Tausch Geld gegen Geld auf einmal mehr Geld bringt, dann ist der Wurm drin. Die Banken können ja nichts erwirtschaften, weil sie nichts produzieren. Also darf mal wieder der Steuerzahler die Suppe auslöffeln. Und das gemeine Volk tappt informell total im Dunkeln. Lässt sich weiß Gott was erzählen. Es wird Zeit, dass sich alle arbeitenden Steuerzahler weltweit in einer Organisation sammeln um das Kapital, das ja angeblich so ein scheues Reh ist, eiskalt umzulegen, zu zerteilen und zu grillen. Wir, die wir täglich brav arbeiten sind es die den Wohlstand bringen. Es sind nicht die Banken, nicht die Versicherungen, nicht die Aktienmärkte, schon gar nicht die Reichen (deren Sorge nur mehr der Luxus ist) und es sind nicht die Regierungen. Der Steuerzahler weiß offensichtlich nicht, dass er das System erhält.

Antworten Gast: Markus Trullus
10.10.2011 09:41
1 0

Re: Ja, so ist das heute. Die Schulden der Banken

Lösung
*Kleinere Banken (also Limit des Wachstums)
*Bankrott von Banken unter staatlicher Hilfe der Kleinsparer (nicht: der Risiko- Anleger!!!) soll möglich sein (also freier Bankenmarkt!)
*Trennung von Sparbanken und Anlegerbanken
sonst noch was? das wäre gesunder als heute, und die Probleme wären geringer! Wetten?

Antworten Gast: Martin_S
09.10.2011 21:16
1 2

Re: Ja, so ist das heute. Die Schulden der Banken

Es wird nicht "Geld gegen Geld" getauscht, woher haben Sie denn den Blödsinn ? Und das die Banken jetzt die Probleme haben: WER, glauben SIE, leiht den Staaten und damit denjenigen, die die Regierungen dieser Staaten gewählt haben - natürlich nur gegen ordentliche Versprechungen - das Geld? Jesus ? Von Wirtschaft und wie das System funktioniert, haben Sie keine Ahnung - und mit Ihnen jene Massen, die vorher nur zu gerne jene Parteien gewählt haben, die Wohlstand und billiges Leben versprochen haben!

Re: Re: Ja, so ist das heute. Die Schulden der Banken

Und noch ein paar Beispiele: Was tun Sie wenn Sie Futures oder Optionen kaufen? Das sind Wetten bei denen Geld gegen Geld getauscht wird. Sonst gar nichts. Wissen Sie überhaupt was Geldschöpfung ist und wie das Zinseszinssystem funktioniert? Warum die Geldmenge immer weiter steigen muss? Warum immer neue Kredite aufgenommen werden müssen? Damit es überhaupt das Geld gibt um die Zinsen der Kredite zahlen zu können. Informieren Sie sich mal und kommen Sie mit Argumenten, statt Inkompetenz zu unterstellen. Was wissen Sie was sie hier in die Waagschale werfen können? Offensichtlich nichts, denn Ihr Posting hat genau genommen keinen Inhalt.

Re: Re: Ja, so ist das heute. Die Schulden der Banken

Ach so, wenn ich eine Anleihe kaufe tausche ich Geld gegen was? Gegen ein Wertpapier, das außer gegen Geld gegen nichts eingetauscht werden kann. Ich kaufe damit kein Stück von einem Land. Und ich bekomme dafür Zinsen, also auch Geld. Ist Ihnen der Unterschied zwische Waren und Dienstleistungen sowie Geld bekannt? Nur weil unser Wirtschaftssystem so funktioniert wie es funktioniert heißt das nicht, dass es kein anderes geben kann. Das wollen uns aber Leute wie Sie weiß machen. Es sind die Regeln, die Gesetze und die Freiheiten der Finanzmärkte, die zu diesen Problemen führen. Es sind nicht die Menschen die Arbeiten. Es ist die Gier der Reichen und jener die Geld vermehren wollen. Und das in einem Ausmaß welches nicht möglich ist. Ich habe noch nie eine Partei gewählt die billiges Leben versprochen hat. Und hier geht es schon lange nicht mehr um billiges Leben, es geht bald ums Überleben. Und dass sich Staaten Geld leihen ist sowieso krank, aber das ist ein anderes Thema.

AnmeldenAnmelden