Athen: Juncker überlegen höheren Schuldenschnitt

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe sagt, es müsse „mit aller Gewalt verhindert werden“, dass Griechenland bankrott gehen.

Eurogroup President Juncker attends a debate at the European Parliament in Strasbourg
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Eurogroup President Juncker attends a debate at the European Parliament in Strasbourg
(c) REUTERS (Vincent Kessler)

Es müsse mit "aller Gewalt verhindert werden", dass ein Staat der Eurozone bankrott gehe, sagte der Vorsitzende der Euro-Gruppe, der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker, am Montagabend in der ZIB2 des ORF zur Euro-Schuldenkrise. Es dürfe nicht zu einer Ansteckungsgefahr innerhalb der Eurozone kommen. Auf die Frage, ob man im Falle Griechenlands von einem Schuldenschnitt von 50 bis 60 Prozent rede, sagte Juncker, "wir reden über mehr". Er schließe einen Schuldenschnitt nicht aus, man dürfe aber nicht denken, dass das genüge.

Der luxemburgische Premier hat am Dienstag allerdings gegenüber der Nachrichtenagentru "Bloomberg" dementiert, dass die Abschläge auf 60 Prozent überschreiten könnten. Er habe gemeint, dass der Haircut die im Juli vereinbarten 21 Prozent übersteigen könne.

Juncker wies darauf hin, dass es für die Bewältigung einer derartigen Krise keine "historische Erfahrung gibt". Die politische Führung in der Krise sei "nicht optimal" gewesen. "Wir waren nicht schnell genug", sagte er. Die Finanzmärkte könnten rascher reagieren als die Politiker. Der Chef der Euro-Gruppe plädierte für mehr Abstimmung in der Finanz- und Haushaltspolitik.

Athen: Regierung gegen größeren Schuldenschnitt

Anders sieht Griechenland die Sache mit dem Schuldenschnitt: Eine größerer Schuldenschnitt steht nach Worten des Vize-Regierungschefs Theodoros Pangalos derzeit nicht zur Debatte. Dies hätte für die Banken und Pensionsfonds des Landes negative Folgen, sagte Pangalos am Montag.

Zuvor hatte unter anderem der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble einen tieferen Schuldenschnitt ins Spiel gebracht. An dem zweiten mehr als 100 Milliarden Euro schweren Rettungspaket für Griechenland sind private Gläubiger bereits beteiligt. Unter dem Strich geht es um eine Verlängerung der Anleihe-Laufzeiten, damit das Land mehr Zeit für die Rückzahlung erhält. Durch diesen Tausch von Staatsanleihen in längerlaufende Papiere müssen die Banken eine 21-prozentige Wertberichtigung ("haircut") auf griechische Bonds hinnehmen.

Im Gegenzug für die Hilfen hat Griechenland unter anderem zugesichert, Staatseigentum zu veräußern, um die Haushaltslage zu verbessern. Laut Pangalos steht das Land zu seinem Privatisierungsprogramm. Als bedauerlich bezeichnete er, dass Griechenland diesbezüglich nicht mehr Anfragen von europäischen Unternehmen erhalten habe.

(APA)

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