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Slowakische Regierung zerbricht am Streit über den EFSF

11.10.2011 | 18:29 |  Von unserem Korrespondenten CHRISTOPH THANEI (Die Presse)

Die wirtschaftsliberale Koalitionspartei SAS kündigte ein Nein zum Euro-Rettungsschirm an. Der Rettungsschirm könnte dann nur noch mithilfe der Sozialdemokraten ratifiziert werden.

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Bratislava. In der Slowakei wurde am Dienstagnachmittag ein vorläufiges Scheitern der Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF bei der Parlamentsabstimmung immer gewisser. Zugleich stand auch die Mitte-rechts-Regierung vor ihrem Sturz. „Dass es zu einer internationalen Isolation der Slowakei kommt, kann ich als Premierministerin nicht zulassen.“ So begründete die christlich-liberale Regierungschefin Iveta Radicova, dass sie ihr eigenes politisches Schicksal mit der für denselben Tag angesetzten Abstimmung über die geplante Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF verband.

Der heftigste Euroschirm-Gegner in ihrer Koalition, Parlamentspräsident Richard Sulik, hat die Ministerpräsidentin noch am Vorabend ausdrücklich davor gewarnt, die Abstimmung mit einer Vertrauensfrage zu verknüpfen: Dies sei ein „abgekartetes Spiel“, das nur den Zweck verfolge, sie zu stürzen, sagte Sulik, der auch Chef der zweitstärksten Regierungspartei SAS ist. Gleichzeitig rechtfertigte der wirtschaftsliberale Politiker weiterhin seine Ablehnung der EFSF-Ausweitung. „Wir sind nicht einverstanden damit, dass die Premierministerin eine Angelegenheit, die im Widerspruch zum Regierungsprogramm steht, mit der Vertrauensfrage verbindet.“ Die SAS werde die Abstimmung trotz solcher Drohungen boykottieren.

Damit war bereits vor dem Votum am Dienstagabend besiegelt, dass die Premierministerin keine Mehrheit für den EFSF und ihre Regierung finden wird. Sulik sagte, seine Partei wäre sogar bereit gewesen, sich von den Koalitionspartnern gemeinsam mit der Opposition überstimmen zu lassen, ohne deshalb die Regierung zu verlassen. Diese Chance sei aber durch die Verknüpfung mit der Vertrauensfrage vertan, weil die Opposition natürlich nicht der Regierung ihr Vertrauen aussprechen werde, kritisierte Sulik. Die Regierung dürfte damit zerbrechen.

Für den EFSF gibt es aber möglicherweise eine zweite Chance. Im Unterschied zu nationalen Gesetzen darf im slowakischen Parlament nämlich über internationale Verträge wie den EFSF auch ein zweites Mal abgestimmt werden. Befürworter der Rettungsschirm-Erweiterung setzen deshalb ihre Hoffnungen darauf, dass in einer solchen zweiten Vorlage der Ratifizierung die sozialdemokratische Opposition für die notwendige Ja-Mehrheit von 76 der 150 stimmberechtigten Abgeordneten sorgen wird.

 

Fico deutet Ja in zweiter Abstimmung an

Der sozialdemokratische Oppositionsführer und Ex-Premier Robert Fico hat schon seit Wochen erklärt, seine Partei sei bereit, mit Ja für die EFSF-Erweiterung zu stimmen. Seine Bedingung war aber stets ein Sturz der Regierung und Neuwahlen. Nach dem nun ohnehin erwarteten Sturz der Regierung unter Iveta Radicova wäre diese Bedingung erfüllt. Fico schloss lediglich aus, dass seine Partei in der ersten Abstimmung die EFSF-Ausweitung unterstützen werde. Für eine zweite Abstimmung deutete er zwar ein Ja an, wollte aber keine eindeutigen Auskünfte über sein weiteres Vorgehen geben: „Warten wir ab“, sagte er auf Journalistenfragen.

Ein Termin für eine wahrscheinlich gewordene zweite Parlamentsabstimmung war am Dienstagnachmittag noch nicht absehbar. Verweigert die Slowakei als einziges Land die Ratifizierung der Ausweitung des EFSF müsste die Aufteilung der Haftungen für den Rettungsschirm zwischen den restlichen 16 Euroländern neu verhandelt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2011)

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13 Kommentare
1 6

Wann erklärt endlich ein europäischer Politiker mit Format

diesem Pack, dass es Zeit ist, für alle Vorteile, die sie in den letzten 20 Jahren genossen haben, zu bezahlen ...

Ohne uns würden die immer noch hinter dem eisenen Vorhang versauern - aber das vergessen alle ganz schnell, wenn es darum geht europäische Solidarität zu zeigen.

Antworten Gast: Michael K.
11.10.2011 23:33
3 1

Re: Wann erklärt endlich ein europäischer Politiker mit Format

Solidarität bis wann? Bis die größten Länder (sprich Deutschland) Pleite gehen und selbst einen Rettungsschirm brauchen? Dies ist keine Lösung. Du willst dein Geld den Betrügern geben.

die Linken zeigen Verantwortung

das zog sich beim EFSF quer durch Europa. So haben alle linken, an der Regierung beteiligten Parteien, problemlos zugestimmt. Es haben aber auch linke, in der Opposition befindliche Parteien, mehrheitlich zugestimmt. Die Grünen in Deutschland und in Österreich waren genauso dafür wie die SPD in Deutschland und eben die Sozialdemokraten in der Slowakei.

In Deutschland hätte etwa die SPD Fundamentalopposition betreiben können und damit vielleicht sogar ein paar Wählerstimmen vom Stammtisch holen können. Aber sie konnten der Versuchung widerstehen. Das rechne ich ihnen hoch an. Wie erstaunlicherweise auch den Grünen in Österreich. So sehr ich die meisten Inhalte und die meisten handelnden Personen dieser Partei auch verachte, so sehr respektiere ich die demokratische Reife, die diese Partei(en) gezeigt haben. Wenn es wirklich um etwas geht, ist kein Platz für politische Kindereien. Das wird ehemals staatstragenden Parteien wie der FDP noch ordentlich auf den Kopf fallen (wie ja schon bei den letzten Lokalwahlen zu sehen war).

Ob diesem Herrn Sulik auch das Schicksal der FDP widerfahren wird, weiß ich nicht, ich kenne die Slowakei dafür zu wenig, aber ich hoffe es. Europa ist zu wichtig, um provinzielle Eitelkeiten zu Schau zu stellen. Eine Partei mit 12% der Stimmen (Wahl 2010) sollte sich überdies nicht anmaßen, die Politik des ganzen Landes zu blockieren. Die größte Partei, die SMER mit 35%, würde dagegen sehr wohl zustimmen. 12% blockieren also 88% - Demokratieperversion.

Antworten Gast: Hudriwudri
12.10.2011 06:07
2 1

Re: die Linken zeigen Verantwortung

ich hoffe das die Slowakei auch weiterhin die Demokratie pervertiert zum Wohle der EU denn es bringt nichts die Vertraege zu brechen nur um die deutsche und franzoesische Ruestungsindustrie anzukurbeln. Sulik hat vollkommen recht wenn er sagt das er auf eine Einhaltung der Vertraege pocht und der Transferzahlungsidiotie einen Riegel vorschiebt soweit er kann. Wo ist uebrigens in einem Kapitalismus die Demokratie? Kapitalismus bedeuted die Macht liegt beim Kapital und nicht beim Volk aber was soll es

Antworten Gast: Hudriwudri
12.10.2011 06:06
0 1

Re: die Linken zeigen Verantwortung

ich hoffe das die Slowakei auch weiterhin die Demokratie pervertiert zum Wohle der EU denn es bringt nichts die Vertraege zu brechen nur um die deutsche und franzoesische Ruestungsindustrie anzukurbeln. Sulik hat vollkommen recht wenn er sagt das er auf eine Einhaltung der Vertraege pocht und der Transferzahlungsidiotie einen Riegel vorschiebt soweit er kann. Wo ist uebrigens in einem Kapitalismus die Demokratie? Kapitalismus bedeuted die Macht liegt beim Kapital und nicht beim Volk aber was soll es

Antworten Gast: Gottfried Becher
11.10.2011 20:43
3 0

Re: die Linken zeigen Verantwortung

Die Partei 'Die Linke' hat diesen Vertrag als einzige Partei des Deutschen Bundestages abgelehnt.

Da ging es nicht um Veranwortung sonder um mehr Schulden - und natürlichen waren da die Linken immer mit von der Partie


Re: die Linken zeigen Verantwortung

Nun, ob das Verantwortung oder verantwortungsloses Hasardspiel war, wird die Zukunft zeigen.
Mir ist ein selbst denkender und danach handelnder Herr Sulik wesentlich lieber als eine europaweit gleichgeschaltete linke Abstimmungsmaschinerie.

Re: die Linken zeigen Verantwortung

hätten die Linken Verantwortung gezeigt, hätten sie diesen Vertrag abgelehnt, der nichts anderes als ein Vorvertrag zum ESM Vertrag ist.
was der ESM Vertrag beinhaltet, bitteschön..
http://www.youtube.com/watch?v=d6JKlbbvcu0

und das begrüßen Sie?

Slowakai

Es wird abgestimmt bis das Ergebnis stimmt.
Siehe Irland.

Ich möchte nur wissen, welche Druckmittel die Eurokraten haben.

0 3

Re: Slowakai

Ganz simpel - Geld um das Volk bei Laune zu halten - und das ist gut so

Wie immer man zu der Sache stehen mag die Qualität der Debatte im Slowakischen Parlament fordert einem Respekt ab

Man findet sie auf http://interaktiv.phoenix.de/livestream/

Die Ernsthafitigkeit, Fairness und ja Würde mit der hier slowakische Abgeordnete ihre unterschiedlichen Standpunkte darstellen zeugt schon von einer großen Wertschätztung der Demokratie durch die dortigen Politiker.

Die haben ihre Lektion aus 40 Jahren kommunistischer Unterdrückung gelernt.

Da könnten unsere Politiker sich wirklich viel abschauen.

Gast: Erwartung
11.10.2011 19:15
3 0

die verfluchten

Euro - Verbrecher haben sicher wieder "eine zweite, eventuell auch eine dritte oder sonst - wievielte" Gelegenheit (eine "Chance") - ganz so, wie es nun einmal in Diktaturen ueblich ist

Hobbyökonom