Rettungsschirm: EU plant Billionen-Beruhigungspille

19.10.2011 | 09:39 |   (DiePresse.com)

Der Rettungsschirm soll auf bis zu zwei Billionen Euro gehebelt werden. Möglich machen soll das eine Art Teilkasko-Versicherung für Staatsanleihen.

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Ein weiterer deutsch-französischer Vorstoß in den Bemühungen zur Euro-Rettung: Wie die Londoner Tageszeitung "The Guardian" in der Nacht auf Mittwoch in ihrer Internetausgabe berichtet, haben sich Berlin und Paris auf eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms (EFSF) auf zwei Billionen Euro verständigt. Dies sei Teil eines "umfassenden Plans" zur Lösung der Schuldenkrise, der beim EU-Gipfel am Wochenende abgesegnet werden solle, schreibt die Zeitung unter Berufung auf EU-Diplomaten. Die Einigung käme einer Verfünffachung des Euro-Rettungsschirms gleich, der derzeit mit 440 Milliarden Euro dotiert ist und für Kredite am kriselnde Euro-Staaten oder zum Ankauf von Staatsanleihen vorgesehen war. Das Volumen gilt mittlerweile aber als zu klein. Der EFSF würde künftig wie ein "Versicherer" funktionieren, schreibt die Londoner Zeitung.

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Zuvor hatte bereits die "Financial Times Deutschland" davon berichtet, dass der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble den Hilfssonds über eine Hebelung (Leverage) auf eine Billion Euro anheben wolle. Der Hebel solle in Form einer Versicherung für Staatsanleihen kriselnder Eurostaaten in die EFSF-Richtlinien eingebaut werden, erläuterte Schäuble den Angaben zufolge. Ein Großteil des Geldes soll daher nun für eine Art Teilkasko-Versicherung verwendet werden. Diese würde für Investoren künftig nur 20 oder 30 Prozent der Verluste absichern, wenn ein Euro-Land seine Schulden nicht mehr begleichen kann. Dadurch würde das Anleihevolumen, das Eurostaaten mit einer EFSF-Versicherung platzieren können, steigen.

Österreichs Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) hat sich zu den "Hebel"-Plänen skeptisch geäußert. Sie könne sich nicht vorstellen, dass derartige Regelungen in allen EU-Staaten beschlossen werden könnten, sagte sie am Dienstagabend.

Zinshilfen für Länder mit Finanzierungsproblem?

Das "Handelsblatt" berichtete am Mittwoch von weiteren Überlegungen zum EFSF. So würden in der deutsche Regierung Möglichkeiten von Zinshilfen bei Staatsanleihen von Ländern erwogen, die Finanzierungsprobleme am Kapitalmarkt bekämen. Damit könne notfalls auch Frankreich entgegengekommen werden. Dem deutschen Nachbarland droht bei einem Schuldenschnitt für Griechenland eine Herabstufung seiner Bonität, was seine Refinanzierungskosten erhöhen dürfte.

Die angeblich in der deutschen Bundesregierung diskutierte Zinshilfe über den EFSF für Länder mit Finanzierungsproblemen soll in einer Art Zinsstundung bestehen, hieß es in der Zeitung. Hinter diesen Überlegungen stehe die Befürchtung, dass Frankreich sein Top-Rating verlieren könnte, was auch die Bewertung der EFSF-Kreditwürdigkeit selbst betreffen würde. Eine "Null-Coupon-Anleihe" für Zinsen beim EFSF könne ein Ausweg sein.

Hilfe von den Schwellenländern?

Darüber hinaus berichtete das "Handelsblatt" von Überlegungen, dass finanzstarke Schwellenländer, wie China, Indien und Brasilien helfen könnten, das Finanzvolumen des EFSF aufzustocken. EFSF-Chef Klaus Regling wolle dafür Konten beim Internationalen Währungsfonds einrichten. Die USA und der IWF seien im Grundsatz offen für diese Idee.

Allerdings verlangten die USA, dass zunächst die Europäer aus eigener Kraft den EFSF nochmals aufstocken, berichtete die Zeitung. Erst danach komme dann der Lösungsweg über die Konten beim IWF infrage.

Auch Frankreich in Gefahr

Mit der massiven Ausweitung soll offenbar Vorsorge getroffen werden für den Fall, dass nach Irland, Portugal und Griechenland auch eine der großen Volkswirtschaften der Eurozone unter den Rettungsschirm flüchten muss. Als Wackelkandidaten gelten Italien, das schon doppelt so hohe Kreditzinsen zahlen muss wie Deutschland, sowie Spanien, dessen Kreditwürdigkeit am Dienstagabend von der Ratingagentur Moody's heruntergestuft wurde.

Auch Frankreich selbst könnte in den Abwertungsstrudel gezogen werden. Moody's hat nämlich das Top-Kreditrating des Landes auf den Prüfstand gestellt und dies unter anderem mit den von Frankreich zu tragenden Lasten für die Rettung der Euro-Schuldenstaaten begründet.

Massive Kapitalspritze für Banken

Zudem lasten drohende Bankenzusammenbrüche auf dem Euro. Auch dieses Problem will der deutsch-französische Plan lösen. Demnach sollen die europäischen Banken eine massive Kapitalspritze erhalten, damit ihre Kernkapitalquote auf mindestens neun Prozent erreicht. Der Finanzbedarf dafür werde "näher an 100 Milliarden als an 200 Milliarden Euro liegen", heißt es mit Blick auf jüngste Aussagen von IWF-Direktorin Christine Lagarde. Die deutschen und französischen Banken können die neuen Kapitalerfordernisse ohne Staatshilfe erfüllen, andere Banken werden Geld ihrer Regierungen oder des EFSF benötigen.

Keine Einigung gibt es dagegen, was das Ausmaß des griechischen Schuldenschnitts betrifft. Hier wehrt sich Frankreich gegen die von Deutschland geforderte Abschreibung von 50 Prozent der griechischen Staatsschulden. Laut EU-Vertretern wird ein Schuldenschnitt zwischen 30 und 50 Prozent erwogen.

(APA)

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126 Kommentare
 
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www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kurz-und-schmerzhaft/wie-aus-dem-euro-ein-franc-wurde/5119524.html

Klartext!

Re: www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kurz-und-schmerzhaft/wie-aus-dem-euro-ein-franc-wurde/5119524.html

http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/kurz-und-schmerzhaft/wie-aus-dem-euro-ein-franc-wurde/5119524.html

wenn es wieder mal um UNSER budget geht

heißt es gleich, man kann nicht mehr ausgeben als man einnimmt (volkswirtschaftlicher nonsens).

kaum geht es um banken ist der menschenverstand, der bei politikern ohnehin nur sehr spärlich vorhanden ist, vollends beim teufel.

Gast: Der Kommunismus ist eine bessere Alternative zum Kapitalismus.
19.10.2011 18:35
0

Der Kommunismus ist eine bessere Alternative zum Kapitalismus.

Der Kommunismus ist eine bessere Alternative zum Kapitalismus.

Re: Der Kommunismus ist eine bessere Alternative zum Kapitalismus.


Das wäre geschafft:
EUDSSR

Legitimation

mich würde interessieren, durch welchen parlamentarischen Beschluss dieser Wahnsinn an schwebenden Haftungen legitimiert wird

und den nächstgelegenen NR-Abgeordneten, der da nicht umgehend aufschreit, den nehme ich mir persönlich zur Brust

Ungerechtfertigte Vorteile führen oft zu Reaktionen

Was jetzt in Griechenland passiert (Streik, nahezu bürgerkriegsähnliche Zustände) kann als Vorgeschmack für die anderen Länder gesehen werden. Wenn die übernommenen Haftungen für die maroden Staaten schlagend werden, dann sind in Österreich Steuererhöhungen sowie Kürzungen von Sozialleistungen notwendig oder unser Staat wird unbarmherzig mit deutlich höheren Zinsen auf dem freien Markt bestraft. Genug gezahlt für marode Staaten und Politiker die unseren hart erarbeiten Wohlstand gefährden und kaum Konsequenzen zu erwarten haben.

Das ist volles Risiko

Hebel Aktionen sind Brand gefährlich. Da haben sich schon die Banken die Finger verbrannt. Und will es ihnen die Politik gleich tun. Das kann nicht gut gehen.

http://www.start-trading.de/blog/2011/10/19/1-billion-euro-geruehrt-nicht-geschuettelt/

Hebel ist nur ein anderes Wort, um aus 10 Euro 50 Euro zu machen (Faktor 5) - ohne das man das Geld besitzt.

Nau geh

wieso nur 2 Billionen ?

Ich plädieren für mindestens 200 Billionen. Dann kann auch Russland, Japan, Amerika und der Rest der Welt unter den Schirm.

Re: Nau geh

was ist mit mir, bei mir warens eh nur
70 000!

Gast: Desaster
19.10.2011 14:08
8

Mit dem Hebel

hat schon Elsner die Bawag an die Wand gefahren, wer schützt uns vor de Chaoten die jetzt womöglich ganz Österreich an die Wand fahren. Im Falle eines Totalverlustes müsste Ö 120 Mrd aufbringen. Es nützt nichts wenn BMF skeptisch ist, sie müsste dagegenstimmen!

Vertreter der BürgerInnen

Merkwürdig wie stur die Politik gegen den offensichtlichen Willen der Bevölkerung rudert.

"Nein, die Menschen wollen keine Milliarden den Banken schenken"

"Nein, die Menschen wollen keine Aufstockung des sinnlosen Rettungsschirms, keine Gentechnik und keinen Atomstrom"

"Und ja, die Menschen ahnen schon, dass ihr Steuergeld gestohlen wird und alles den Bach runter geht"

"Und ja, selbst die Griechen wollen die Rettungsaktionen der EU nicht mehr"

Da stellt sich für mich schon die Frage ob das Volk noch regiert oder wenige Banken und Großunternehmer.

Antworten Gast: lou
19.10.2011 14:07
0

Re: Vertreter der BürgerInnen

hast du eine quellenangabe? Wieviel % wollen das nicht? Ich zb. will es schon.

Die poster in diesem forum, die im reichsten teil europas leben, und weltweit den höchsten lebensstandard haben, raunzen zwar über das system profitieren aber seit jeher davon.

Antworten Antworten Gast: radius
19.10.2011 16:17
4

So ein Blödsinn, ein paar profitieren. Die Masse verliert seit Jahren.


Re: Re: Vertreter der BürgerInnen

also fassen wir zusammen

du bist FÜR

sinnlose milliarden an banken

gentechnik

atomstrom

'stehlen' des geldes bei pensionisten und anderen die am untersten ende der einkommensschiene stehen.

gratuliere, du bist wirklich ein seltsamer vogel.

Antworten Antworten Antworten Gast: lou
19.10.2011 16:55
1

Re: Re: Re: Vertreter der BürgerInnen

mir gehts gut, zumindest besser als sonst wo auf der welt - Oder meint ihr euch würds in den usa besser gehen? oder in china?

Ich bin auch für die bankenrettung, weil ohne banken haben wir alle keine jobs.

Gegen gentechnik hab ich auch nichts, und atomstrom ist aktuell eine notwendigkeit.

Nur weil ein system fehlerhaft ist und es schwarze schafe gibt bedeutet dies noch lange nicht den weltuntergang.

Der vollständigkeithalber, hab ich auch nichts gegen die usa, israel, die eu, apple und microsoft.

Re: Re: Re: Re: Vertreter der BürgerInnen

so ein richtig angepasster kritikloser bürger wie er im lehrbuch steht.

Stellen Sie sich eine Schulklasse vor,

diese veranstaltet ein Wettrennen. Wenige sind schnell am Ziel, andere langsam, einige Tollpatsche laufen gegen eine Wand oder stürzen in einen Graben. Man verarztet diese. Was glauben Sie, wie schnell werden die bei einem zweiten Rennen laufen?

stehen die unter Drogen

verhaftet sie und bestelt eine Volksregierung, die nicht am Gängelband der Banken hängt. Diese Verbrecher vernichten die Zukunft der Jungen und den sicheren Lebensabend der Alten zugunsten der Zocker. Wenn das so weitergeht, wird eine Revolution mit allen unguten Begleiterscheinungen - bis zum Bürgerkrieg - ante portas stehen. Dehalb auch Datensicherung und Berufsheer. Alles klar?

Folgendes Problem:

Woher soll das ganze Geld kommen???
Österreich hat ja sowieso zu wenig davon, weil wir überall einsparen müssen!
Und hier fließen gleich 22 Mrd € zum "Pleiteschirm"!

Re: Folgendes Problem:

"Woher soll das ganze Geld kommen???"
na aus der Druckerei
wieviel´s dann noch wert ist, ist eine andere Frage

Re: Re: Folgendes Problem:

heut brauchst ja keine Druckerei mehr, PC mit vielen Nullen genügt!

Unter wieder ein Kartell aufgeflogen.

leider nur im Staatsfunk gefunden, Verdacht auf europaweites Bankenkartell

http://orf.at/stories/2085092/

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Absoluter Wahnsinn

Sind denn alle komplett verrückt geworden? Hier wird unser aller Geld gnadenlos verzockt, noch dazu ohne Legitimation! Wo sind die parlamentarischen Beschlüsse dazu? Hoffentlich sehen jetzt SPÖ/ÖVP/Grüne, welchen Bock sie mit der Zustimmung zum EFSF geschossen haben.

Re: Absoluter Wahnsinn

"unser" Geld existiert schon längst nicht mehr
jetzt verzocken die schon das Geld unserer Enkelkinder
ESM wird uns spüren lassen, was WIR noch wert sind - nix

danke schön liebe zensi für die 'pressefreiheit'

nur ja keine kritik an schäuble & co zulassen.

 
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