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EU erwägt Rating-Verbot für Schuldenkrisen-Länder

20.10.2011 | 07:47 |   (DiePresse.com)

Die neue Aufsichtsbehörde ESMA soll Ratings vorübergehend untersagen können, schlägt EU-Binnenmarktkommissar Barnier vor.

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EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will es Ratingagenturen künftig notfalls verbieten, Urteile über kriselnde EU-Länder zu veröffentlichen. Das berichtet die "Financial Times Deutschland". In einem vertraulichen Vorabentwurf für eine Reform des Gesetzes zu den Ratingagenturen schlägt Barnier vor, dass die neue Wertpapieraufsicht ESMA das Recht erhält, die Veröffentlichung von Einschätzungen über die Zahlungsfähigkeit "vorübergehend zu untersagen". Der Entwurf liegt der "FTD" vor.

Der Kommission geht es um Staaten, die über Finanzhilfen verhandeln - etwa Gelder aus dem EU-Rettungstopf EFSF oder vom Internationalen Währungsfonds. Ein Verbot könne verhindern, dass ein Rating in einem "unangebrachten Moment" kommt, "mit negativen Folgen für die Finanzstabilität des Staates und möglichen destabilisierenden Effekten auf die Weltwirtschaft", heißt es im Entwurf.

Barnier ist der Überzeugung, die Ratingagenturen schätzten in so einem Moment die Lage nicht immer richtig ein, und fordert deshalb die Möglichkeit eines Bewertungsverbots. Derzeit erhalten Griechenland, Irland und Portugal EU- und IWF-Geld. Viele Experten spekulieren aber, dass mittelfristig weitere Länder Hilfe brauchen - etwa Italien und Spanien.

Regelung könnte im Herbst 2012 in Kraft treten

Inwieweit dann die neuen Regeln greifen, hängt davon ab, wann das Gesetz in Kraft tritt. Barnier hat die Vorlage für spätestens November avisiert. Bis dahin sind Änderungen möglich. Dann müssen noch das Europäische Parlament und die Mitgliedsstaaten zustimmen. Vor Herbst 2012 wird es kaum in Kraft treten können.

Damit ein Ratingverbot möglich wird, müssen neben laufenden Hilfsverhandlungen eines Staates weitere strikte Kriterien erfüllt sein. So müssen durch die Bewertung Probleme in anderen Ländern drohen oder das EU-Finanzsystem als Ganzes gefährdet sein. Die ESMA soll sich zudem mit anderen Aufsehern abstimmen.

Ratings sollen transparenter werden

Barnier will Ratings auf Staatsanleihen auch generell verbessern. Die Bonitätswächter sollen ihre Einschätzungen mindestens alle sechs Monate überprüfen statt wie bisher alle zwölf. Zudem soll die Datenbasis der Urteile transparenter werden. Auch sollen sie erst nach Handelsschluss an den EU-Börsen, aber spätestens eine Stunde vor deren Eröffnung vorliegen.

Insgesamt geht Barnier die Anbieter hart an. So drängt er die 27 EU-Mitgliedsstaaten, sicherzustellen, dass Investoren sie stärker zivilrechtlich zur Verantwortung ziehen können, wenn ihnen durch "mangelhafte Ratings" Schaden entsteht. Für komplexe strukturierte Finanzprodukte sollen außerdem zwei Ratings vorgeschrieben sein, die Zwangsrotation der von Kunden genutzten Agenturen soll größeren Wettbewerb sicherstellen.

(Ag.)

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105 Kommentare
 
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Gast: Menzius
22.10.2011 13:51
0 0

Rating-Noten verbieten

Was würde ein Trader bei einer derartigen Massnahme machen.

Sobald ein Rating aufgrund eines Verbotes ausbleibt, sofort alles loswerden und damit genau den Effekt verstärken, der eigentlich verhindert werden sollte.

Und das wäre nicht mal böswillig sondern ganz vernünftig !!!

Gänzlich unvernünftig ist allerdings das, was so manche Politiker in Sachen Krisenkommunikation vom Stapel lassen (inklusive des in diesem Bericht genannten).


Antworten Gast: trader1
22.10.2011 17:17
0 0

Re: Rating-Noten verbieten

der job ist, lange bevor es die politik zu diskutieren beginnt, und die ratingagenturen zum runterraten anfangen, zu wissen was sache ist, und entsprechend zu handeln ...

politk und vernunft stehen immer auf kriegsfusz, weil mit vernunft gewinnt man einfach keine wahlen :-)

Gast: Schuhputzer
22.10.2011 10:01
0 0

Das ist die lächerlichste

und hilfloseste Aktion dieser größenwahnsinnigen EU. Ratings sind Meinungen, ob sie nun richtig oder falsch sind. Glauben diese Idioten wirklich, sie könnten Informationen verbieten, die ihnen nicht in den Kram passen? Vielleicht noch das Internet abschalten, Mr. Barroso?
China lässt grüßen, Herr Mao Tse Tung!

Gast: 43er
21.10.2011 16:04
0 0

Bei Schädigungsabsicht

ist das okay. Und zwar sowohl für fälschlich zugute Ratings (wie vor 10 Jahren für Griechenland) wie auch für fälschlich zu schlechte Ratings.

Kein Rating

ist auch ein Rating!

Re: Kein Rating

Das stimmt natürlich.
Aber ein EU-Kommissar kapiert das eben nicht.

Gast: trader1
21.10.2011 09:21
2 0

EU_Geisterbahn :-)

du michael .. da steht eine 50 er Kilometerbeschränkung und wir fahren 150 in die die kurve ..
kein problem wir fahren das schild einfach um :-)

non denselben

1. Sinnlos
Ratings bieten etwas Sicherheit für Investoren. Ohne Rating keine Investition.
2. Nicht umsetzbar
Dr kann das in der EU verbieten, aber nicht global. Dr kann einer amerikanischen Agentur nicht verbieten, einem amerikanischen Investor zu sagen, wie mies EU-Staatsanleihen sind.
3. "Michel"!?, schon wieder ein Franzose. Eh typisch.

Gast: total crash
21.10.2011 07:14
6 0

Na klar & selbstverständlich,

werde ich jemanden einen Kredit gewähren,von dem ich weder seine Kreditwürdigkeit,Zuverlässigkeit,Finanzierungsgebaren,Wirtschaftlichkeit,Geld & Barvermögenstand usw kenne, oder er mir alle Parameter verheimlichen/vertuschen kann.
Das macht in der Wirschaft jeder so,ebenfalls im Privatbereich,weil man will ja ein bißchen Nervenkitzel und eine Ungewissheit ob ich mein Geld zurückbekomme,wenn nicht, dann freut`s mich das es dem Kreditnehmer finanziell besser geht als mir und, er mich wissentlich betrügen kann und ich finaziell ruiniert bin.Also die kruden Ideen der EU (egal welcher Ebene) sind obstrus bis zum geht nicht mehr.
Dump,dumper,am aller dumpersten=EU und ihre Wappler.

Gast: tigerzahn
20.10.2011 23:48
10 0

lächerlich.

ein ratingverbot IST eine bewertung.
eine vernichtende.

Die EUdSSR hat wie jeder real existierender Sozialismus einen großen Vorteil:


Das eingebaute Ablaufdatum.

Gast: trader1
20.10.2011 22:36
1 0

das grundproblem ...

man soll nur jemand geld leihen wenn man
die kreditwürdigkeit des schuldners selbst beurteilen kann.
wenn heute jemand geld herleiht, dann fragt er ja auch nicht den fleischhacker ums eck ob er glaubt, dass der x das geld zurückzahlen können wird, und wenn er es nicht zurückzahlen kann, dann ist ja auch nicht der fleischhacker ums eck schuld ...

Re: das grundproblem ...

Auch wenn der Vergleich mit dem Fleischhacker hinkt wie sonstwas - völlige Zustimmung.
V.a. muss das Rating als verbindliche Basis für europ. Entscheidungen weg (z.B. Sicherstellungen bei EZB etc.).
Das und die Gepflogenheit, dass der Bewertete die Bewertung zahlt (betrifft aber soweit ich weiss Staaten nicht).

Antworten Antworten Gast: trader1
21.10.2011 10:32
0 2

Re: Re: das grundproblem ...

wenn man sich ansieht, wie sie immer ein paar tage, nachdem der erste runtergeratet hat, nachraten, dann ist der vergleich mit der kompetenz des fleischhackers gar nicht so schlecht :-)

ist doch zum lachen .. jeder staat veröffentlicht alle zahlen ganz offiziell, und dann kommen ein paar buchhalter daher, schreiben das ab, rechnen ein paar kennzahlen, sagen, aaa, aa, oder c und verdienen millionen damit ..

sorry .. aber um die kreditwürdigkeit eines staates oder unternehmens zu beurteilen, dafür braucht ein fachmann, die aber wirklich nicht ..
.

Natürlich

Wir sprechen nicht mehr darüber und dann gibt es auch kein Problem :-)

Gast: UKW
20.10.2011 21:33
4 0

Das ist nur konsequent

Den EU-Bürgern hat man schon den Mund verboten, jetzt will man die Ratingagenturen auch noch mundtot machen.

Gast: Brillenaffe
20.10.2011 20:56
1 0

Ratingagenturen sind Ausdruck fundamentaler Demokratie. Wir alle kämpfen für ihren Erhalt und ihre Meinungsfreiheit. Wir sagen unumwunden Ja zu unseren Ratingagenturen. Aber schon morgen müßen wir erneut unsere Kräfte bündeln, denn die Feinde der Ratingagenturen lauern überall. Auch mitten unter uns.


1 0

Ratingagenturen haben 2007 und 2008 kläglich versagt

Ich bin auf Ihrer Seite, wenn es darum geht ein Verbot, das im Gegensatz zu rechtsstaatlichen Grundsätzen steht, zu kritisieren.

Aber von fundamentaler Demokratie sind Rating-Agenturen weit entfernt. 2007 und 2008 hat sich gezeigt, dass Ratings beeinflussbar, wenn nicht sogar käuflich sind. Damit haben die Ratingagenturen sehr viel Kredit verspielt. Damals waren es viel zu gute Ratings, die für diverse ABSs und CDOs vergeben wurden.

Doch auch mit zu negativen Ratings kann man Geld machen; z.B. mit den daraus resultierenden viel zu hohen Zinsspreads und Prämien für CDSs.

Gast: piigs
20.10.2011 20:37
2 0

Risiko muss bezahlt werden

Das ganze Euro-Überschuldungs-Desaster war nur möglich, weil Risikoprämien bei PIGS-Staatsanleihen nie richtig eingepreist waren.

Rund 10 Jahre wurden z.B. für Griechenanleihen nur ganz wenig mehr Zinsen bezahlt, als für Deutsche.

Erst als Zweifel aufkamen, dass Jeder für Jeden gerade steht, schossen die Zinsen der PIGS-Anleihen in den Himmel.
Auf einmal funktionierte der Markt wieder und schlechte Bonität wurde mit höheren Zinsen bestraft.

Schön war die Zeit, als der Markt nicht funktionierte, sagen heute die EU Granden. Dann machen wir halt Gesetze, dass er wieder so schön ist wie früher.

Gast: Panarcus1
20.10.2011 20:07
3 0

Und Morgen...

fliegen EU-kritische Inhalte vom Netz.

Dazu kann man nur mehr die Bibel zitieren,

"Herr vergib Ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun".

Und das sollen die Personen sein, die EURO-Land aus der Krise führen? Kaum denkt man eine "Lösungsaussage" sei an Dummheit bzw. Realitatsferne nicht mehr zu überbieten, Bingo, der nächste legt nochmals eine Schaufel nach.

Wie hieß es mal vor einiger Zeit? Der letzte Europäer dreht dann das Licht ab. Ich fürchte, der letzte wird gar kein Licht mehr zum abdrehen haben.

Gast: Wieso.
20.10.2011 19:06
1 0

Wieso

Wieso was verbieten? Es herrscht doch Meinungsfreiheit! Verbote brauchen nur Überwachung und damit Geld. Billiger ist ignorieren, gaaaanz einfach.

Gast: Mountainview
20.10.2011 18:39
6 0

Sowjetunion

Kommt dieser Mann aus der Sowjetunion. Kritik strikte verboten. Versicherungen sollen ihre Obligationen im Blindflug erwerben! Realitäts fremd!

Gast: gerechtiker
20.10.2011 18:18
3 0

hahaha

hahaha...

z. B. Moody's sagt, dass Griechenland, Spanien Portugal etc. nur mehr Ramschniveau hat.

Die EUkraten sagen, alles bestens, weil Moody's und Co. es verboten ist, ratings zu machen.

deppert, depperter, EUkraten...
unfassbar, alles.

Antworten Gast: d k
20.10.2011 18:51
0 0

Re: hahaha

Und Slowenien ?
Niedrige Staatsverschuldung

Gast: Bärenfalle...
20.10.2011 18:01
6 0

Yeah, immer wenn man denkt..

die können nicht noch dümmer sein .. setzt Brüssel noch einen drauf.

Jetzt haben wir also exemplarisch einen Fondsmanager der einen riesigen Altersvorsorgefonds verwaltet, Milliarden an Kundeneinlagen.

Der darf, das steht im Vertrag, gar keine Staatsanleihen besitzen welche unter einem gewissem Rating liegen um die Einlagen seiner Kunden zu schützen.

Und jetzt will Brüssel die Verlautbarung von Ratings verbieten.

Was wird unser milliardenschwerer Verwalter machen ?

Weiterhin Staatsanleihen halten von denen er zumindest"offiziell" gar nicht wissen darf wie sie bewertet werden und damit sowohl seinen Posten als auch seine Boni riskieren ?

Die Anleihen verkaufen und die Gelder anderswo, auf transparenteren Märkten anlegen ?

Oder vereinfacht dargestellt:

A: "Geh bitte, leih mir einen Hunderter"
B: "Kannst du den auch zurückzahlen ?"
A: "Niemand, auch ich nicht, darf dir das sagen"

Na .. da wer leiht den Hunderter her ?


 
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Hobbyökonom