Krugman: „Es sieht danach aus, als wäre das Eurosystem dem Untergang geweiht.“

"Loch im Eimer": Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman glaubt nicht mehr an die Rettung des Euro. Er befürchtet, dass Europa gar nicht mehr in der Lage ist, einen großen „Rettungsschirm“ aufzuspannen.

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(c) APA (Christopher Barth / EPA)

Wien/JIL. Die Wortwahl ist dramatisch: „Die bittere Wahrheit ist, dass es immer mehr danach aussieht, als wäre das Eurosystem dem Untergang geweiht“, schreibt Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman am Sonntag in der „New York Times“. „Und die noch bitterere Wahrheit ist, dass Europa wahrscheinlich besser dran wäre, wenn der Kollaps eher früher als später kommt.“
Euro-Abgesänge amerikanischer Ökonomen sind nichts Neues. Der Monetarist Milton Friedman (ebenfalls Nobelpreisträger) prophezeite schon 2002, dass die Eurozone bald auseinanderbrechen würde. Die Volkswirtschaften von Deutschland und Irland seien einfach zu unterschiedlich, als dass man ein und dieselbe Geldpolitik anwenden könnte. Friedman starb 2006 – und seit 2010 versuchen EU und Regierungschefs, den Euro zu retten. Ihr Ziel: mehr Integration, also mehr gemeinsame Politik für die diversen europäischen Nationen. Im Mittelpunkt standen bisher Rettungspakete in Milliardenhöhe, die schwer verschuldete Länder wie Griechenland oder Portugal unterstützen sollen.

„Loch im Eimer“

Der Keynesianer Paul Krugman ist für diese Interventionen und glaubt auch nicht, dass massive Staatsausgaben zu Inflation führen können, solange die Wirtschaft in einer Depression ist. Er befürchtet aber, dass Europa gar nicht mehr in der Lage ist, einen großen „Rettungsschirm“ aufzuspannen. „Die Antwort wäre ein Fonds, der Italien (und Spanien) genug Geld borgen kann.“ So ein Fonds müsste größer sein als eine Billion Euro, schreibt Krugman.
Das Problem: „Alle solchen Vorhaben müssten von großen europäischen Ländern gestützt werden. Ihre Versprechen an die Investoren müssen glaubhaft sein, damit der Plan funktioniert. Aber Italien ist eines dieser großen Länder – es kann sich nicht selbst retten. Und Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft, sieht schwach aus. Ein größerer Rettungsschirm würde auch Frankreichs Schulden erhöhen und es auf die Liste der Krisenländer setzten. Da ist ein Loch im Eimer. Vielleicht entwerfen die Europäer ja noch einen wirklich glaubwürdigen Rettungsplan. Ich hoffe es, aber ich glaube nicht daran.“

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