Krugman: „Es sieht danach aus, als wäre das Eurosystem dem Untergang geweiht.“

24.10.2011 | 17:33 |   (Die Presse)

"Loch im Eimer": Der Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman glaubt nicht mehr an die Rettung des Euro. Er befürchtet, dass Europa gar nicht mehr in der Lage ist, einen großen „Rettungsschirm“ aufzuspannen.

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Wien/JIL. Die Wortwahl ist dramatisch: „Die bittere Wahrheit ist, dass es immer mehr danach aussieht, als wäre das Eurosystem dem Untergang geweiht“, schreibt Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman am Sonntag in der „New York Times“. „Und die noch bitterere Wahrheit ist, dass Europa wahrscheinlich besser dran wäre, wenn der Kollaps eher früher als später kommt.“
Euro-Abgesänge amerikanischer Ökonomen sind nichts Neues. Der Monetarist Milton Friedman (ebenfalls Nobelpreisträger) prophezeite schon 2002, dass die Eurozone bald auseinanderbrechen würde. Die Volkswirtschaften von Deutschland und Irland seien einfach zu unterschiedlich, als dass man ein und dieselbe Geldpolitik anwenden könnte. Friedman starb 2006 – und seit 2010 versuchen EU und Regierungschefs, den Euro zu retten. Ihr Ziel: mehr Integration, also mehr gemeinsame Politik für die diversen europäischen Nationen. Im Mittelpunkt standen bisher Rettungspakete in Milliardenhöhe, die schwer verschuldete Länder wie Griechenland oder Portugal unterstützen sollen.

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„Loch im Eimer“

Der Keynesianer Paul Krugman ist für diese Interventionen und glaubt auch nicht, dass massive Staatsausgaben zu Inflation führen können, solange die Wirtschaft in einer Depression ist. Er befürchtet aber, dass Europa gar nicht mehr in der Lage ist, einen großen „Rettungsschirm“ aufzuspannen. „Die Antwort wäre ein Fonds, der Italien (und Spanien) genug Geld borgen kann.“ So ein Fonds müsste größer sein als eine Billion Euro, schreibt Krugman.
Das Problem: „Alle solchen Vorhaben müssten von großen europäischen Ländern gestützt werden. Ihre Versprechen an die Investoren müssen glaubhaft sein, damit der Plan funktioniert. Aber Italien ist eines dieser großen Länder – es kann sich nicht selbst retten. Und Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft, sieht schwach aus. Ein größerer Rettungsschirm würde auch Frankreichs Schulden erhöhen und es auf die Liste der Krisenländer setzten. Da ist ein Loch im Eimer. Vielleicht entwerfen die Europäer ja noch einen wirklich glaubwürdigen Rettungsplan. Ich hoffe es, aber ich glaube nicht daran.“

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12 Kommentare
Gast: Biersauer
26.10.2011 03:28
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Müssten, sollten, könnten...

die Möglichkeiten zur Quadratur des Kreises.
wie unmöglich dies ist, sagt die Erfahrung
und trotzdem werden solche Hoffnungen immer wieder ausgestreut, damit die Blauäugigen durch die rosarote Brille besser sehen können.
Seit Jahren sieht alle Welt, dass es mit der Euro- Misswirtschaft nur bergab geht, weil mit einem
abnehmenden Staatsaufkommen zunehmende
Ausgabenpolitik forciert wird.
Das überflüssige und hemmende Beamtenheer
wird mit Glaceehandschuhen angefasst und
kriegt regelmäßige Gehaltssteigerungen.
Industrie und Gewerbe wird derart drangsaliert, dass jeder Unternehmer ans Aufhören denkt und die abgehobene Politik, ist der felsenfesten Überzeugung, sie müssten nur stoisch an dieser Dekadenz weiter festhalten.
Aber, das Eigenartige, es kann sich der Wähler nicht entschließen diesen Mühlstein
am Hals, abzuscgütteln.

Gast: alfram
25.10.2011 14:45
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Dirk Müller spricht über das Geldsystem und den Schuldenschnitt

Dirk Müller spricht über das Geldsystem und den Schuldenschnitt

http://goo.gl/Ex1J5

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Paul Krugman hat Recht und seine Befrüchtung ist schon im Gange!

Der deutsche Bundestag wird morgen über den Schirm, die Anzahl habe ich vergessen, abstimmen. Die Regierung wird scheitern. Es ist auch so geplant! Griechenland geht zuerst pleite, dann Italien, Spanien, Frankreich usw... Deutschland wird mit der demokratischen Astimmung im Bundestag argumentieren...

Österreich ist nicht mal im Stande darüber eine Abstimmung im Parlament durchzuführen!

Antworten Gast: gelhor
25.10.2011 12:51
0 0

wozu sollte das österr. Parlament auch

noch abstimmen, wenn es dann gescheitert ist?

Gast: wilan
25.10.2011 12:23
0 0

Tja, sieht man sich die unterschiedlichen

"Volkswirtschaften" innerhalb der USA an, dann fragt man sich, wieso klappt diese, obwohl es dort keine besondere Transferunion und auch keine einheitlichen Steuersätze gibt?

Re: Tja, sieht man sich die unterschiedlichen

Die USA sind durchaus eine Transferunion. Beispiel dafür ist Medicaid.

Antworten Antworten Gast: guesto
25.10.2011 13:31
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Re: Re: Tja, sieht man sich die unterschiedlichen

was hat denn eine Krankenversicherung die nicht mal 25% der Bevölkerung erfasst mit Transferunionen zu tun?

1 2

No na

Große Überraschung, diese einschätzung von einem US-Amerikaner. Hat denn wirklich noch niemand überrissen, dass die USA aus allen Rohren schießt um den Euro zu eliminieren? Angwefangen von Obama, der der EU zuschreibt, Verursacher der Krise zu sein bis zu den Ratingagenturen, die ein EU-Land nach dem anderen downraten.

Das ist doch einfach nicht ernst zu nehmen. Freilich schaut es nicht toll aus, aber so kein Geld wie die Amerikaner hat Europa nicht.

Antworten Gast: guesto
25.10.2011 11:40
2 0

Re: No na

wieder einer, der nix begriffen hat.
in den USA, wo striktestes no-bailout zwischen den staaten gilt, ist es völlig egal, ob sie sich nach innen inflationieren. und dort stellt sich die frage eben nicht, ob ein texaner Ohio mit seinem geld "retten" muss. zudem sind die amis erheblich homogener im charakter.

hier hingegen plant berlusconi schon, den bereits fixierten haircut für griechenland zum anlass zu nehmen, sämtliche sparmassnahmen einzustellen.
No na, um sie zu zitieren...

in short: der Dollar funktioniert seit 250 jahren, eben weil er keine konstruktionsfehler aufweist.
die schulden sind dort einfach schulden, und gefährden die *währung* nicht per se.

der EURO ist nach 10 Jahren am Ende, weil er als blödsinniges perpetuum mobile geplant war, und die südländer sich voll in die hängematte gelegt haben. und sich auch noch auf immerwährenden bailout verlassen.
das ist aber unsolidarischer, proto-kommunistischer schwachsinn, den die nordvölker nicht mitmachen werden.

spätestens wenn dann in drei, vier jahren lePen, wilders und strache regieren, ist schluss mit genuss. ob man das befürwortet oder nicht ist einerlei. kommen wird es auf jeden fall. selbst die waschington times rät D, AT, FIN schon dringend zum Nordeuro. dafür mit teilnahme von schweden und norwegen!
und ausdrücklich ohne frankreich... die ostküstenheinis verstehen halt offenbar doch mehr von der materie...;)

Re: No na

Wenn ich Ihnen auch sonst oft Recht gebe: In diesem Fall denke ich, geht die Argumentation an der Ursache vorbei.

Die Länder des Euroraums bauen untereinander teils massiv Überschüsse/Defizite in ihren Handelsbilanzen untereinander auf. Ausgleich kann nur entweder über Abwertung oder Finanztransfer erfolgen. Beides ist in der Euozone ausgeschlossen (das eine technisch, das andere politisch). Das Konstrukt an sich kränkelt daher.

Auch ist die Diskussion, inwieweit es die USA nun auf Europa "abgesehen" hat, müssig. Ein Euroraum gebildet aus Ländern, die ALLE Schuldenabbau betreiben gäbe eine äusserst schlechte Zielscheibe für Ratingagenturen und schlechte Nachrede insgesamt ab. Dass es möglich ist, zeigt SWE.
Und wenn es eine Währungsunion nicht schafft damit umzugehen, dass ein Land, dessen Beitrag mal grade 3% des Gesamt-BIP ausmacht, überschuldet ist, lässt das schon den Eindruck der Planlosigkeit aufkommen.

Dass die USA das insoweit nutzen, um vom eigenen Versagen abzulenken, ist unbestritten. Aber nicht Ursache sondern Wirkung.

Nur noch raus aus dem EURO!

Kugman: "Und die noch bitterere Wahrheit ist, dass Europa wahrscheinlich besser dran wäre, wenn der Kollaps eher früher als später kommt."
Wer glaubt, der EURO könne gerettet werden,
sollte sich psychiatrieren lassen!
Die EWU ist und war eine "Fehlkonstruktion" (Schäuble!), weil sie eine Politische Union voraussetzt, die mit großer Mehrheit abgelehnt wird

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Re: Nur noch raus aus dem EURO!

Ich bin auch gegen diesen antidemokratischen Verein und eine Politische Union fehlte mir gerade noch. Zum Ausstieg aus dem Euro ist es aber jetzt zu spät. Wenn der kracht, dann ist es für mindestens zehn Jahre lang finster.

Auch wenn alle Länder morgen ihre nationalen Währungen einführen, bleibt das noch weitestgehend gekoppelt.

Man hätte von vornherein - wie in den Verträgen eigentlich vorgesehen - andere Länder nicht "retten" wollen sollen, was zudem für alle Euro-Länder ein Verfassungsbruch ist.

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